Rezension: "Wir beide, irgendwann" von Jay Asher und Carolyn Mackler

Charlie | Samstag, 1. September 2012 |

Zeitreisen mal anders – ein süßer Roman über Freundschaft, Liebe und darüber, ob und wie man seine Zukunft beeinflussen kann (und ob man es überhaupt sollte)

Jay Ashers zweiter Roman, den er zusammen mit Carolyn Mackler geschrieben hat, ist zurzeit in aller Munde, weshalb auch ich endlich mal meinen Senf dazugeben möchte :)




©cbt


Titel: Wir beide, irgendwann
Originaltitel: The Future of Us
Autoren: Jay Asher, Carolyn Mackler
Verlag: cbt
Genre: Jugendbuch, Liebesroman
Reihe: Nein
Erscheinungsdatum: 27.08.2012
Seitenzahl: 400
Format: Gebunden, mit Schutzumschlag
Preis: € 17,99
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Buchtrailer







Im Jahr 1996 bekommt Emma von ihrem Vater einen Computer geschenkt. Als sie sich zusammen mit ihrem besten Freund Josh  das erste Mal ins Internet einloggt, kommt sie auf eine seltsame Website namens „Facebook“. Alle Menschen, die sie kennt – auch sie selbst – scheinen auf „Facebook“ ihre eigene Seite zu haben, wo sie alle möglichen Dinge über ihr Leben schreiben.
Als ob das nicht schon seltsam genug wäre, finden Emma und Josh bald heraus, dass „Facebook“ ihr Leben in 15 Jahren, also ihre Zukunft zeigt. Und Emma ist mir ihrer Zukunft ganz und gar nicht zufrieden…








Als ich anfing „Wir beide, irgendwann“ zu lesen war mein erster Gedanke: „Was für ein seltsames Buch.“ Ich wäre nie auf die Idee gekommen, über ein Mädchen zu schreiben, dass 1996 ihre Facebookseite der Zukunft entdeckt. Vor allem, da in dem ganzen Buch keine Erklärung abgegeben wird, wie das zustande kommen kann. (Wahrscheinlich bin ich auch einfach zu logisch :D)
Im Laufe der Zeit habe ich aber festgestellt, dass das für die Geschichte nur bedingt wichtig ist, denn eigentlich ist „Wir beide, irgendwann“ ein Roman über Liebe und Freundschaft und darüber, wie sich das Leben verändern würde, wenn man in seine eigene Zukunft sehen könnte – dafür ist die Frage, warum man seine Zukunft überhaupt sehen kann, scheinbar nicht so wichtig.

Übrigens finde ich den englischen Titel "The Future of Us" wesentlich passender, denn der deutsche Titel lässt einen eher vermuten, Emma und Josh wären auf ihren zukünftigen Facebook-Seiten ein Paar und würden sich deshalb sagen: "Wir beide, irgendwann".
Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.
Emma findet heraus, dass sie in 15 Jahren unglücklich verheiratet sein wird, während Joshs Zukunft etwas rosiger aussieht: Er wird mit dem It-Girl der Schule zusammensein.

Aus diesem Grund verhalten die beiden sich sehr unterschiedlich, als sie von „Facebook“ erfahren.
Und während Emma verzweifelt versucht, ihr Leben so hinzubiegen, dass sie in 15 Jahren glücklich sein wird, stellt Josh sich wichtige Fragen zum Thema Zukunft, z.B. inwiefern es das eigene Verhalten in der Gegenwart (und somit auch wieder die Zukunft) beeinflusst, dass man die Zukunft kennt.

Doch genau an diesem Punkt hat mich das Buch irgendwie enttäuscht, denn ich habe das Gefühl, dass nicht das ganze Potential dieser interessanten Idee ausgenutzt wurde. Es wurden zwar ein paar Fragen gestellt, die blieben jedoch ziemlich oberflächlich.
Dabei hätte man so wunderbar der jahrhundertealten Vorstellung und dem Wunsch in die Zukunft sehen zu können auf den Grund gehen können und sich fragen können, ob es überhaupt gut wäre, wenn man bereits wüsste, was passieren wird.

Das gestaltete sich aber vermutlich schwer, da in dem Buch auch noch das Liebesleben von Emma, Josh und ihren besten Freunden Kellan und Tyson behandelt wird – zum Teil ist „Wir beide, irgendwann“ eben doch ein „ganz normaler“ Teenie-Roman und da haben große, philosophische Überlegungen natürlich keinen Platz.

Kellan und Tyson waren einst zusammen, doch dann hat Tyson Schluss gemacht und Kellan das Herz gebrochen. Nun sieht es so aus, als würden beide wieder (oder immer noch) etwas für einander empfinden…
Josh hat über „Facebook“ erfahren, dass er später Sydney Mills, das hübscheste Mädchen der Schule, heiraten wird und versucht nun, über seinen Schatten zu springen und sie anzusprechen (total süß ).
Und Emma? Tja, Emma versucht, ihre zukünftigen Ehemänner loszuwerden, mit ihrem Freund Graham Schluss zu machen und ist in Cody, den süßen Typen aus ihrem Leichtathletik-Team verknallt.
Und beide, Emma und Josh, versuchen zu verdrängen, was im letzten November ihre Freundschaft fast komplett zerstört hat…
Diese Liebesgeschichten waren zwar ganz süß, zum Teil aber auch klischeehaft.

Mein Lieblingscharakter war Josh, ich hatte öfters den Wunsch, ihn in den Arm zu nehmen und zu knuddeln, weil er mir so leid tat ;).
Emma war mir irgendwie unsympathisch, wie sie dauernd versucht, ihre Zukunft zu ändern, statt einfach im Hier und Jetzt zu leben… Auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass sie ihre Zukunft nicht einfach so hinnehmen will, hat sie mich mit ihrem sprunghaften, aufgekratzten Verhalten trotzdem ziemlich genervt,
Besonders Cody war leider ein totaler Klischee-Charakter, über den ich jetzt aber nicht mehr verraten möchte.

Die Tatsache, dass das Buch im Jahr 1996 spielt, ist witzig, denn man  kann öfters darüber lachen, was für Musik gerade in war oder was Emma alles auf „Facebook“ entdeckt, was sie nicht kennt, z.B „Harry Potter“ oder „Titanic“.  Ich schätze aber, dass ich viele Gags verpasst habe, weil ich im Jahr 1996 noch nicht gelebt habe. Vielleicht ist „Wir beide, irgendwann“ also für alle, die die 90er bewusst erlebt haben witziger, aber auch meine Generation kann ihren Spaß haben.

Fazit: In vielerlei Hinsicht ist „Wir beide, irgendwann“ ein normales Jugendbuch über den Alltag und die Probleme eines Teenagers, über verwirrende Gefühle und über gute Freundschaft, die einem auch mal im Weg stehen kann.
Dabei war mir vor allem Josh sehr sympathisch, während ich mit Emma leider nicht so viel anfangen konnte. 
Eine gelungene Abwechslung bietet die Idee, dass Emma und Josh über „Facebook“ in ihre Zukunft sehen können. - Das macht die Geschichte interessanter, hat aber auch meine Ansprüche höher geschraubt.
Leider wurde das Thema Zukunft nicht ganz so intensiv behandelt, wie ich es mir gewünscht hätte und die Liebesgeschichte hat mich zwar gut unterhalten, aber auch nicht umgehauen, weshalb ich diesem Buch drei ein halb Sterne gebe.

Kommentare:

  1. hmm, das klingt jetzt aber nicht so gut, wie ich gehofft hab. Schade, ich hatte nach tote Mädchen lügen nicht nämlich relativ hohe Erwartungen an Jay Asher und hoffte auf etwas tiefsinnigeres.

    Irgendwie find ich es gerade auch unlogisch, dass das Buch ein Jugendbuch ist, aber Gags enthalten sind, die man eher versteht, wenn man älter ist. Komische Sache^^

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    1. Naja, bei meinen Rezis gilt auch immer: "Lesen auf eigene Gefahr!"
      Eventuell mache ich hier ein Buch schlecht, dass dir total gefallen könnte.
      Als einfache Liebesgeschichte ist "Wir beide, irgendwann" auch wirklich nett, aber wenn du etwas wirklich tiefsinniges suchst, dann ist es m. M. n. eher nicht das Richtige...

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  2. Eine schöne Rezension - ich mochte Josh auch sehr ;) Obwohl, Kellan fand ich eigentlich noch einmal eine Spur knuffiger, vor allem ihre Pommes-Mampferei :D Und ich bin auch erst 1996 geboren, aber nun ja, ich denke, viele Dinge kennt man trotzdem, von den Eltern zum Beispiel ;) Daher macht das dann durchaus Spaß zu entdecken.
    Kann dir zustimmen, auch wenn ich das Buch einen kleinen Tuck besser fand :)

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    1. Danke für deinen Kommentar, ich wollte dir sowieso noch den Link zu meiner Rezi schreiben, wegen unserer Diskussion :)

      Stimmt, Kellans Pommesmampferei ist auch lustig :D

      Ich denke auch, dass ich trotzdem einiges verstandne habe. Witzig fand ich zum Beispiel auch, dass Kellans Lieblingssong das "aktuelle" Lied von Oasis, "Wonderwall" ist. Mittlerweile ist der Song ja auch schon ziemlich alt :D

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  3. .lach. ich muss richtig schmunzeln, wenn ich deine Rezension lese :) Mir gings mit Emma und Josh genau so wie dir :D Ihn mochte ich auf ANhieb richtig richtig gern ("Mein Lieblingscharakter war Josh, ich hatte öfters den Wunsch, ihn in den Arm zu nehmen und zu knuddeln, weil er mir so leid tat - du sprichst mir aus der Seele! .g.), bei Emma hatte ich allerdings ab und zu den Eindruck, sie wär ein wenig auf den Kopf gefallen ^^

    Ganz wunderbare Rezension (:

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  4. Hallo Charlie

    Ich habe jetzt erst einmal dein Fazit gelesen, da ich das Buch selber auch bald noch lesen werde.
    Noch zu deiner Frage auf meinem Blog: Ja, ich habe mein Bewertungssystem selber gemacht. Erst habe ich die Leseente fotografiert, bearbeitet und dann als Bewertung aneinandergehängt.

    lG Favola

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    1. Na dann wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen :) Und danke für die Antwort!

      LG =)

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