[Filmrezension] "Warm Bodies"

Charlie | Montag, 25. März 2013 |


Eine Liebesgeschichte mit winzigem Haken: Er hat das Gehirn ihres Freundes gefressen


Genre: Äh, blutige Zombie-Liebes-Komödie? :D, Dystopie
Länge: 98 Minuten
Altersfreigabe: ab 12
Darsteller: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, John Malovich, ...
Regie & Drehbuch: Jonathan Levine


Inhalt

R ist ein Zombie. An seinen vollen Namen kann er sich leider nicht mehr erinnern, auch nicht daran, wie er und alle anderen zu Untoten wurden. Sicher ist nur: Die Welt, in der er lebt,  ist nun von Leichen bevölkert und die letzten lebenden Menschen haben sich hinter einer Mauer verschanzt.
Doch Rs eintöniges Leben bekommt neuen Schwung, als einige Lebende sich herauswagen, um ihre Vorräte aufzustocken und von den Zombies überrascht werden. Denn da lernt er Julie kennen, deren Freund Perry er gerade genüsslich verspeist. Und wie es der Zufall (oder besser die durch das Fressen von Perrys Gehirn auf R übertragenen Emotionen) will, verliebt er sich in die toughe Blondine.
Doch eine Zombie-Mensch-Beziehung ist gar nicht so einfach, wenn man seine Liebste fortan nicht nur vor seinen Freunden, sondern auch vor lebenden Skeletten beschützen muss…




Meinung

„Warm Bodies“ ist eigentlich der perfekte Pärchen-Film: Romantik für sie, Action, Blut und jede Menge Rumgeballer für ihn und eine ordentliche Portion Humor für beide zusammen.
Mir ist natürlich klar, dass das ein totales Klischee ist und es durchaus auch Mädchen mit einer Vorliebe für Action und Jungs mit einer romantischen Ader gibt (auch wenn ich letztere wohl noch nicht kennengelernt habe :D), aber ich wollte damit im Grunde nur ausdrücken: „Warm Bodies“ ist ein Film für eine relativ breite Zielgruppe – vorausgesetzt, man ist nicht allzu zimperlich was die Essgewohnheiten von Zombies angeht.

Zu meiner positiven Bewertung trägt dabei vor allem die außergewöhnliche Idee bei:
Menschliche Mädchen haben sich mittlerweile in fast jedes erdenkliche Wesen verliebt; Vampire, Werwölfe, Engel und verwunschene Prinzen eingeschlossen. Zombies jedoch sind ein wirklich origineller Einfall und mischen die ansonsten altbekannte Liebesgeschichte à la „Sie treffen sich, können aber nicht zusammenbleiben, da sie aus verfeindeten Familien/Gruppen/… stammen und sich eigentlich bekämpfen müssten“ ordentlich auf.  - Kein Wunder dass Julie und R ein wahres Traumpaar sind.
In einer postapokalyptischen Welt kämpfen sie beide um’s Überleben: sie mit Maschinengewehren, er mit der doch eher unorthodoxen Variante „Umbringen und auffressen“. Beide sind sie dabei auf ihre Art stark und kämpferisch, aber auch verletzlich und sensibel:

R,  der die Geschichte erzählt, wird dem Zuschauer vielleicht nicht durch schlagfertige Dialoge, dafür aber durch den Voice-over, wie man die erzählende Stimme im Hintergrund so schön nennt, nähergebracht. Als Zombie redet er nämlich (zumindest am Anfang) nicht sehr viel, dafür bekommt man aber viele seiner Gedanken mit, die einen in die Geschichte einführen, teilweise aber auch nur skurrile und sehr unterhaltsame Nebenbemerkungen wie „Sei nicht gruselig! Sei nicht gruselig! Sei nicht gruselig“ darstellen.
Nicholas Hoult spielt dabei den in seiner Bewegungsfähigkeit und Mimik zunächst doch sehr eingeschränkten und nicht immer sehr intelligent aussehenden Zombie wirklich überzeugend und wächst dem Zuschauer trotz der Blutspuren im Gesicht und Gehirnreste an der Kleidung schnell ans Herz.

Auch Julie ist ein toller Charakter. Zwar erfährt man über ihre Gedanken längst nicht so viel wie über Rs, doch die überzeugende Darstellung Teresa Palmers macht dies wieder wett.
Zerrissen zwischen Angst, Wut über den Tod ihres Freundes, aber auch Überraschung und Mitleid angesichts Rs kindlich-hilfloser Annäherungsversuche hat Julie es oft schwer zu entscheiden, was sie als nächstes tun soll. Fliehen, Kämpfen oder doch eher mir R gemeinsame Sache machen? Miss Palmer bringt all diese Emotionen in wenigen Blicken wunderbar rüber und es macht Spaß den beiden Schauspielern zuzusehen.

Doch auch die Nebencharaktere haben mich überraschenderweise beeindruckt. Normalerweise kommen die Randfiguren in Filmen dieser Art ja eher zu kurz, doch meiner Meinung nach wurden auch Julies Freund Perry und ihr verbissener Vater mit wenigen Szenen gut charakterisiert und ihre Handlungen durchaus nachvollziehbar.
Für gute Unterhaltung sorgen außerdem Nora, Julies aufgeweckte und unerschrockene beste Freundin, die die Romanze mit R eher interessant als – wie erwartet – anormal und widerlich findet, und Rs „bester Freund“ M - ebenfalls ein sehr liebenswürdiger Zombie, der eine denkwürdige Entwicklung durchmacht.

Nicht nur die Schauspieler und Figuren, auch das Setting und die gesamte Atmosphäre machen „Warm Bodies“ zu einem sehenswerten Streifen.
Das postapokalyptische Amerika wird mit tollen Bildern dargestellt, sodass der Zuschauer sich gut in die Charaktere (und damit meine ich nicht nur die Menschen) hineinversetzen kann. Die verlassenen, mit Schutt und glücklicherweise nicht genauer definierten organischen Materialien bedeckten Straßen, aber auch der von Zombies bevölkerte Flugplatz – Rs Zuhause – vermitteln einen trostlosen Eindruck und machen sowohl den Hass der Menschen auf die Untoten als auch die Einsamkeit einiger Zombies durchaus verständlich.
 Zudem wirkt der Schauplatz durch die vielen Details absolut glaubwürdig und man kann sich gut vorstellen, dass diese Stadt vor einigen Jahren noch von Menschen bewohnt wurde und seit dem Ausbruch der Seuche nun so aussieht.

Die Handlung selbst ist, wie oben bereits erwähnt, vielleicht nicht besonders tiefgründig und vielschichtig, wird aber durch die tolle und ungewöhnliche Liebesgeschichte und die vielen Action-Szenen trotzdem nie langweilig. Denn die Zombies selbst sind vielleicht nicht sonderlich schnell, doch bei dieser Art von Feind bleibt es nicht. Bald tauchen auch die Bonies, absolut hässliche und – wenn möglich – noch weniger menschliche Skelette auf, die ebenfalls alles fressen, was einen Herzschlag hat und nicht nur den Menschen gefährlich werden.
  Das Ende des Film ist dann doch ziemlich der romantisch veranlagten Zielgruppe angepasst und vielleicht etwas zu perfekt, trotzdem aber irgendwie rührend.
 
Zur Buchvorlage kann ich persönlich nicht so viel sagen. Laut meiner Mutter wurde der Roman „Mein fahler Freund“ von Isaac Marion jedoch bis auf ein paar kleine Anpassungen an die Zielgruppe (beispielsweise das Ende) ziemlich gut umgesetzt.


Fazit

„Warm Bodies“ ist eine charmante, wenn auch etwas eklige Horror-Action-Liebes-Komödie, die vor allem durch das unkonventionelle Liebespaar und die tolle Atmosphäre besticht. Die Handlung wird vielleicht nie als Idee des Jahrhunderts prämiert, doch der blutig-niedliche Humor und die vielen spannenden Szenen machen den Film zu einem durchaus sehenswerten Streifen, für den ich gerne 4 Sterne vergebe.



Kommentare:

  1. Schöne Rezension - wie du mir ja schon geschrieben hast, sind wir uns da mal ziemlich einig. Auch schön, haben wir ja so selten :D Wobei ich finde, dass die Zombie-Aktivitäten hier nicht sonderlich schlimm dargestellt werden, ich bin bei so etwas aber auch äußerst abgestumpft, weil ich blutige und dunkel-gewalttätig-böse Filme nun mal mag :D
    Freut mich, dass dir der Streifen auch zugesagt hat!

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    1. Danke ;).
      Stimmt, was Filme und Schauspieler angeht, ist das ja eher selten xD
      Hm, für jemanden, der öfter Filme in dem Genre schaut, sind die Zombies vermutlich nicht besonders eklig, das stimmt. Aber für mich, die selten über "Ab 12"-Filme hinauskommt :D...

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  2. Ich habe mir fest vorgenommen, erst das Buch zu lesen, aber ich bin total gespannt auf den Film ;D
    Apropros Buch: Weshalb hat der deutsche Verlag nicht einfach den englischen Titel übernommen? Ich meine Hallo? Mein fahler Freund hört sich in meinen Ohren einfach nur bescheuert an^^

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    1. Mach ich eigentlich auch immer, aber hier weiß ich mit Sicherheit, dass ich das Buch sowieso nicht lesen werde, weil mich Zombies eigentlich nicht interessieren. Mir reicht es, dass der Film gut ist ;).

      Naja, ich finde es immer gut, wenn ein Buch auf Deutsch auch einen deutschen Titel hat, aber du hast schon Recht ^^
      Aber immerhin haben die nicht einen englischen Titel genommen, der nicht dem Originaltitel entspricht, so wie bei "Sixteen Moons" -.-

      LG =)

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  3. Von diesem Film/Buch habe ich auch schon ziemlich viel gehört, aber irgendwie... kann mich das Ganze nicht so erwärmen. Ich komme mit dem Gedanken einfach nicht klar, dass sich die Protagonistin in einen Zombie verliebt ^^ An allen anderen Fantasywesen kann ich etwas Gutes finden, aber ein Zombie??? Wahrscheinlich werde ich mir dann den Film doch noch irgendwann mal anschauen, unter anderem weil ich schon so tolle Rezensionen dazu gelesen habe :)

    Liebe Grüsse
    Vanessa

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    1. Das ging mir ehrlich gesagt auch so, als meine Mum sich das Buch gekauft hat :D. Zombies sind in meiner Vorstellung einfach eklig, aber im Film ist die Entwicklung eigentlich ganz nachvollziehbar und später sieht er dann auch appetitlicher aus ;).
      Du kannst ja warten, bis er auf DVD raus ist oder im TV läuft.

      LG
      Charlie

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  4. Kuckuck <3
    Ich habe es mittlerweile auch geschafft, mir Warm Bodies anzusehen und bin total begeistert! :D
    Es ist zwar an vielen Stellen anders als das Buch aber der Film konnte mich voll und ganz überzeugen :)
    R war natürlich mein absoluter Liebling und ich wäre an Julies Stelle auch nicht abgeneigt gewesen, mich in einen so drolligen Untoten zu verlieben :D Ja, ich finde R's Art drollig :D Die Film-Julie war..naja..ganz okay..ich vergleiche einfach zu viel mit den Buchcharas :D
    Perry war mir allerdings im Film um Längen sympathischer als im Buch...er kam zwar jetzt nicht SOOO oft vor, aber das sollte mich ja nicht stören.
    M fand ich einfach nur genial :D Neben R war er mein absoluter Liebling...Ich hab mir den Film auf Englisch angeguckt, da ich die deutsche Synchro zum k...nicht so toll fand. Und M's Kommentare kamen auf Englisch viel lustiger rüber :D (und Nicholas Hoult's Stimme erst *-* *sabber*)
    Ein gaaaaanz großer Pluspunkt war für mich die Musikauswahl. Es war nicht die neuste und bekannteste Musik, was ich sehr gut fand (Ich kenn kaum ein Lied aus den Charts :D). Ich als Indie-Kid und bekennender Oldies-Liebhaber kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus :D Vor allem. als dann Bruce Springsteen lief in auch noch einer so tollen Szene (die Tanzszene im Flugzeg) war ich ganz aus dem Häuschen :D Ohje, ich Fangirle definitiv zu viel rum :D Naja...das war mein rumgeschwärme zum Film ^^

    Liebe Grüße
    Leo <3

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    1. Das habe ich mir irgendwie schon gedacht, dass dir der Film gefallen wird xD
      Drollig ist wohl echt das richtige Wort ^^. Ich lach mich immer noch tot, wenn ich an "Sei nicht gruselig! Sei nicht gruselig! Sei nicht gruselig" denke oder an die Szene, wo er sie das erste Mal sieht xD
      Stimmt, meine Mum meinte auch, dass Perry im Buch öfter in seinem Kopf ist ^^.
      Wo kann man denn Kinofilme auf Englisch sehen? Das möchte ich auch manchmal :/

      Stimmt, die Musik ist klasse, obwohl Sinatra nicht vorkam, was ich sehr schade fand :D. Ich bin auch nicht so für die Charts (bzw. nicht nur) und liebe alte Rockmusik ♥

      Liebe Grüße und danke für deinen enthusiastischen Kommentar ^^
      LG
      Charlie

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  5. Tolle Rezi ;) Ich war mir bis jetzt ja nicht so sicher, ob ich den Film schauen möchte, aber ich glaube, jetzt hast du mich überzeugt :D Den Trailer habe ich ja schon in Kino gesehen und es scheint echt so, als ob es des öfteren lustig wird^^ (Mir ist noch gut die Szene in Erinnerung, als R zu Julie sagt, sie soll mal tot sein und als sie dann los läuft "Nein, das ist zu viel" oder so sagt xD)

    Liebe Grüße,
    Filo <3

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    1. Danke, freut mich, dass ich dich überzeugt habe :)
      Oh ja, lustig ist der Film auf jeden Fall. R ist einfach so knuddelig und unbeholfen ^^. Ja, die Szene ist witzig, aber seine Gedanken, die man immer hört, und sein leicht dämlicher Gesichtsausdruck sind fast noch besser :D

      LG <3
      Charlie

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  6. "Warm Bodies" möchte ich auch noch unbedingt sehen. Ich finde die Idee ganz interessant und bin sehr gespannt, ob mir der Film auch gefallen wird. Den Trailer fand ich schon ganz gut und deine Rezi hat mich jetzt noch neugieriger gemacht. ;)

    LG Mona

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    1. Der Trailer ist wirklich cool und von der Idee und den Schauspielern her lohnt es sich auf jeden Fall!
      Ist halt mal was anderes ;).

      Liebe Grüße
      Charlie

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  7. Läuft der Film noch im Kino??? Denn spätestens jetzt würde ich ihn schon gerne sehen.
    Also *grübel* hört sich wirklich postitiv an ach, ich geh einfach ins Kino, auf Actionfilme stehe ich ja sowieso ;DD
    Übrigens großartige Filmrezension!

    Liebe Grüße,
    Maggi :D

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    1. Keine Ahnung :S. Bei uns lief der sowieso nur in wenigen Kinos :/.
      Aber du kannst ihn ja auch sehen, wenn er auf DVD raus ist oder im Fernsehen kommt ;). - Lohnt sich auf jeden Fall!

      Danke *rotwerd*

      Liebe Grüße =)

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