[Buchrezension] "Engelsnacht" von Lauren Kate

Charlie | Freitag, 12. April 2013 |

Ein Mädchen, ein Junge und eine Enttäuschung für die Ewigkeit







Originaltitel: Fallen
Autorin: Lauren Kate
Übersetzerin: Doreen Bär
Verlag: Heyne
Genre: Jugendbuch, Romantasy
Reihe: Teil 1 der Engels-Trilogie
Erscheinungsdatum: 12.12.2011 (diese Ausgabe)
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 464
Preis: 8,99€
Verlagsseite





Inhalt

Nach dem ebenso dramatischen wie mysteriösen Tod eines Mitschülers kommt die 17-jährige Lucinda auf die Sword & Cross-Schule für jugendliche Straftäter. Das Internat gleicht eher einer Besserungs- als einer Lernanstalt und wird für Luce schnell zum Alptraum: Die Schüler erscheinen seltsam, ein wenig verrückt und einschüchternd, die Lehrer verstehen ihr Handwerk scheinbar überhaupt nicht und überall sind Kameras angebracht, die die Jugendlichen auf Schritt und Tritt verfolgen.
Doch an unheimlichsten ist der geheimnisvolle Daniel, zu dem Luce sich magisch hingezogen fühlt und den sie von irgendwoher zu kennen scheint. Wieso reagiert er so abweisend? Und wieso werden die schwarzen Schatten, die Luce seit ihrer Kindheit verfolgen, immer hartnäckiger? Sie versucht, einem Geheimnis auf die Spur zu kommen, dass ihr Leben von Grund auf ändern wird.



Meinung

Verzeiht mir bitte mein fieses Wortspiel im Titel, aber "Engelsnacht" ist wirklich ein Buch, dass ich zwischendurch gerne an die Wand geworfen hätte.
Es fängt schon mit dem Klappentext an:
Wenn jemand von euch noch vor hat, dieses Buch zu lesen (wovon ich ihm dringend abraten würde), dann solltet ihr versuchen, nicht vorher den Verlags-Klappentext zu lesen, denn der spoilert was das Zeug hält und verrät den großen Knackpunkt des Buches, der zwar im Prolog angedeutet, aber erst auf Seite 350 von 450 wirklich ausgesprochen wird. Manchmal frage ich mich, ob die Verlagsmitarbeiter, die für Klappentexte zuständig sind, nicht nur eine Zusammenfassung des Buches gelesen haben und gar nicht darüber nachdenken, was sie eigentlich schreiben...

Leider bleibt es nicht bei diesem einen Kritikpunkt, denn auch die Handlung kann nicht wirklich überzeugen.
Schon von Klappentext her hätte ich mir denken können, dass die Idee nicht gerade die originellste ist, aber es ist ja nicht nur die mangelnde Kreativität, die mich stört.
Ja, die Geschichte gleicht fast hundertprozentig der von "Evermore" und mal wieder kommt sie auf ein Internat, um ihm, der ja ach so geheimnisvoll ist, zu begegnen und sich unsterblich zu verlieben, aber mein größtes Problem ist, dass die Handlung dazu auch noch langweilig, unübersichtlich und sprunghaft ist.
Zunächst passiert eine ganze Weile gar nichts und die Geschichte plätschert so vor sich hin und dann kommt am Ende plötzlich alles auf einmal, nichts wird vernünftig erklärt und der Leser fühlt sich überrumpelt und etwas veräppelt.
Und dann ist da auch noch das ständige hin und her zwischen Cam und Daniel (denn natürlich haben sich gleich zwei Typen in unsere liebe Protagonistin verliebt) und das sprunghafte, völlig rätselhafte Verhalten des letzteren, das mich, obwohl ich um sein Geheimnis wusste, ziemlich genervt hat.

Womit wir auch schon bei den Charakteren wären, denn die sind ebenfalls kein Glanzstück.
Luce könnte eigentlich ganz interessant sein, denn immerhin ist sie kein typisches Sunnygirl, sondern eher traumatisiert und geheimnisvoll, doch leider konnte ich mit ihr nie wirklich warm werden. Das lag vielleicht auch daran, dass ihre Gefühle die meiste Zeit völlig übertrieben dargestellt wurden und ihre Handlungen daher oft nicht nachvollziehbar erscheinen. Doch die Szene, in der ich mich einfach nur über die lustig machen konnte, war die, in der Daniel ihr sagt, sie würde das alles nicht verstehen, und sie ihm allen Ernstes erzählt, sie sei ja wohl ja sehr klug, immerhin löse sie jeden Sonntag das Kniffel-Kreutzworträtsel in weniger als einer Stunde.
Auch die Nebencharaktere, beispielsweise die brutale Molly, die verrückte, aber freundliche Arriane und die Lehrerin Miss Sophia wirken ziemlich stereotyp und durchschaubar.
Das größte Klischee ist aber natürlich Daniel, der fan-tas-tisch aussieht, alles perfekt macht und blablabla. Immerhin hat er keine grünen Augen...

Daran dass mich die Charaktere und vor allem die Liebe zwischen Luce und Daniel überhaupt nicht überzeugen konnten, ist auch der Schreibstil nicht ganz unschuldig, denn der ist einfach rettungslos kitschig und viel zu dick aufgetragen. Schon die Beschreibung der trostlosen Schule erschien mir etwas übertrieben, doch als Luce dann, als Daniel ihr begegnet, mit ihm zusammen natürlich auf dem vorher noch langweilig grauen Schulgelände eine wunderschöne Lichtung mit einem Teich und einem Magnolienbaum (!) entdeckt, konnte ich nur noch die Augen verdrehen.
Auch die maaagische Anziehung zwischen den beiden wirkte einfach nur übertrieben, doch ich kann auch allgemein mit diesen Geschichten, in denen es um schicksalhafte und vorherbestimmte Liebe geht, nicht viel anfangen.
Und warum muss eigentlich immer das Mädchen die Ahnungslose und er der große Held sein, der sie rettet? Ich finde das sexistisch und Luce ist wirklich das beste Beispiel für das total veraltete Bild von Frauen, die sich nicht wehren können und immer nur rumheulen.


Fazit


"Engelsnacht" ist selbst, wenn man keine hohen Erwartungen hat, eher eine Enttäuschung. Die Handlung ist zur Hälfte langweilig und zur Hälfte unübersichtlich und unlogisch, die Idee nicht besonders originell und die Charaktere und ihre Handlungen wirken vor allem durch die völlig übertriebenen Beschreibungen nicht besonders nachvollziehbar und authentisch. Ich vergebe zwei Sterne und empfehle das Buch nur Kitschliebhabern mit viel Geduld und einer hohen Toleranzgrenzen für ungeklärte Fragen.

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Challenges

  • "Verlags-SuB-Abbau" - April: Nr 1/2
  • "ABC der Protagonisten": Nr. 1/26 (52)
    L --> Lucinda Price
  • "Auf den SuB mit Gebrüll Challenge": Nr. 6/25
    "Lest etwas vom Heyne Verlag"
  • "Find the Cover 2013" - Challenge: Nr. 7/19
  • "Chaos Challenge": Nr. 1/20
    "Lies den ersten Band einer Trilogie."
Na wenigstens konnte ich das Buch für viele Challenges gebrauchen :D.

Kommentare:

  1. Haha, ich weiß auch nicht warum, aber ich finde deine Rezi einfach toll xD
    Ich kann mich ehrlichgesagt gar nicht mehr so richtig an das Buch erinnern, aber das was du sagst, kommt mir doch sehr bekannt vor^^ Ich fand es damals glaub nicht ganz so schlimm, aber ungefähr die gleichen Eindrücke hatte ich auch :p Die Folgebände habe ich bis heute nicht gelesen und ich bin sehr froh, dass ich das Buch damals nur in der Bibliothek ausgeliehen hatte!

    LG Filo

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    1. Das freut mich :D
      Hat auch Spaß gemacht, sie zu schreiben ^^

      Ich habe auch nicht vor, die Folgebände zu lesen! Dafür gibt es viel zu viele andere (hoffentlich bessere) Bücher, die ich noch lesen möchte!

      LG ;)

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  2. Liebe Charlie!
    Danke für die Rezension. Ich hatte das Buch auch auf meiner Wunschliste, weil mir der Klappentext gut gefiel. Danke für deine ehrliche Meinung - da werde ich mir das Buch wohl gleich sparen, weil deine Rezension wirklich negativ ausgefallen ist und ich eigentlich gerade keine Enttäuschung gebrauchen kann, weil ich gerade einen richtigen Leselauf habe.
    Alles Liebe,
    Katja

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    1. Hi Katja,
      kein Problem! :D Ich mache gerne Bücher zur Schnecke. Das ist viel witziger, als den Tausenden von Fans Recht zu geben ^^. Auch wenn ich es natürlich nicht darauf anlege!
      Liebe Grüße =)

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  3. Ich habe dieses Buch vor etwa zwei Jahren das erste Mal gelesen. Da fand ich es super xD Dann habe ich es aber vor ein paar Monaten nochmals gelesen und hätte es manchmal auch gerne an die Wand geklatscht. Da merke ich richtig, wie ich mich und damit auch meine Interessen in den letzten paar Jahren verändert haben. Das ging mir leider schon mit ein paar Bücher so.

    Daniel fand ich damals richtig toll, rückblickend ist er aber total stereotyp. Und diese ganze Dreiecksbeziehung hat mit auch richtig genervt.

    Ja, das ist wirklich irgendwie sexistisch ^^ Das finde ich auch total doof, dass es einfach in sooo vielen Büchern immer das gleiche ist. Der Retter in der Not :P Ich habe mir ja in den Kopf gesetzt, irgendwann mal ein Buch zu schreiben, da steht schon jetzt fest, dass ich auf keinen Fall solche stereotypen Motive benutzen werde ^^

    Liebe Grüsse
    Vanessa

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    1. Liegt vielleicht auch daran, dass man irgendwann schon eine Menge aus dem Genre gelesen hat und die Geschichten deswegen nicht mehr originell findet.
      Bei Dystopien geht es mir auch oft so.

      Genau das habe ich mir auch gedacht :P. Ich arbeite schon an so einem Buch ^^. Immer anti-mainstream bleiben! xD

      LG =)
      Charlie

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  4. Huhu,
    habe es noch auf englisch auf meinen SUB,vielleicht kommt ja da die Geschichte besser rüber...

    LG Lisa

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    1. Das bezweifel ich zwar, aber ich hoffe natürlich für dich, dass es so ist :D

      LG

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  5. Also ich fand das Buch eigentlich recht gut... das einzige was mit gestört hat war das sie kurze Haare hat, und das das Buch in der 3. Person geschrieben wurde :D

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    1. Dass sie kurze Haare hat, dafür kann sie ja nichts :DD

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  6. Tolle Rezension!
    Ich selbst habe das Buch nicht mal ganz so schlimm in Erinnerung, aber das liegt a) daran, das es schon eine Ewigkeit her ist, dass ich das Buch gelesen habe, es b) mein erster "Engelsroman" war und die Idee an sich für mich noch nicht so abgegriffen war, weil ich c) "Evermore" noch nicht gelesen habe :DD
    Aber Luce und Daniel hab ich beide nicht allzu gut in Erinnerung und ich finde das Zitat so...PERFEKT gewählt xDDD
    Die einzigen, die ich wirklich mochte, waren Arriane, Cam und Molly.
    Vom 2. Band rate ich dir ab, der ist schlechter als der erste, die Dreiecksgeschichte wandelt sich in eine Vierecksgeschichte, wobei das so auch nicht ganz richtig ist, eher gibt es einen Cam-Ersatz ;DD Der 3. Teil war ganz in Ordnung und da ich es schon so weit geschafft habe, denke ich, dass ich die Reihe noch beende.

    Liebe Grüße,
    Maggi :D

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    1. Danke!
      a) Hm, man neigt wohl dazu, das wirklich schlechte zu verdrängen ^^
      b) Okay, dann kann ich das auch noch verstehen. Mit Dystopien geht/ging es mir nämlich genauso.
      c) Sei froh! :D
      Aber es ist ja nicht nur die Ähnlichkeit mit Evermore, sondern an sich diese vielen Klischees -.-
      Das mit den Kreuzworträtseln? Ich fand das so genial doof, dass ich dachte, dass muss ich hier mit reinnehmen ^^.
      Hm naja, Cam finde ich seltsam, aber Arriane ist witzig. Am liebsten mochte ich eigentlich Penn, aber die ist ja tot-.-
      Es gibt mehr als 3 Teile? Och nee, ich lese hier bestimmt nicht weiter! Da gibt es viel, viel bessere Reihe, die darauf warten gelesen zu werden ^^.

      Liebe Grüße =)

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  7. HA! Ich WUSSTE es doch, dass das Buch nix für dich sein kann! Dachte es mir schon bei der Zusammenfassung bei SP (Spoilerparadies, hahaha Abkürzungsgenie).
    Ich hab die Bücher eigentlich immer aus der Ferne bewundert. Ich finde die Cover soo schön *-* Aber der Inhalt klingt wirklich Mist :D

    Alles Liebe <3

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    1. Und dabei habe ich doch versucht, die Zusammenfassung neutral zu schreiben :D
      Ja, die Cover sind wirklich toll, aber auch total unpassend, denn sie hat eigentlich raspelkurze Haare xD

      LG <3

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    2. Ja sie war neutral, aber ich dachte mir, so eine Geschichte kann doch meiner Charlie nicht gefallen?! :D
      o.O Ich finde es immer so seltsam, wenn Cover und Protagonistin nicht zusammenpassen. War zB bei Der Kuss des Kjer so und bei Ashes auch. Ist es so schwer, ein Model zu finden, das ansatzweise der Beschreibung im Buch entspricht?^^

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    3. Tja, du kennst mich halt ^^. Ich weiß auch nicht, wieso ich das überhaupt gelesen habe...

      Das frage ich mich auch manchmal... Und dann gibt es auch noch so viele Cover-Zwillinge! Wieso können die nicht einfach ein eigenes Foto mit einem passenden Mädchen machen??

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Charlie