[Re-Read-Rezension] "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen

Charlie | Samstag, 8. Juni 2013 |


Nicht umsonst eine der beliebtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur 







Originaltitel: Pride And Prejudice
Autorin: Jane Austen
Verlag: dtv (zumindest diese Ausgabe ^^)
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe: /
Erscheinungsdatum: Oktober 2012 (Dt. Erstausgabe: 1939)
Seitenzahl: 456 (Flexcover)
Verlagsseite












Inhalt

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat man genaue Vorstellungen von der Ehe, doch die junge Elisabeth Bennet hat ihre eigenen. Während das einzige Ziel ihrer Mutter darin besteht, ihre fünf Töchter möglichst schnell unter die Haube zu bringen, weiß Lizzy: Sie will nur aus Liebe heiraten.
Kein Wunder also dass der arrogante Mr. Darcy der letzte Mann ist, den zu heiraten sie bereit wäre. Doch wie sich bald herausstellt, steckt hinter seiner abweisende Fassade weit mehr, als Elisabeth vermutet.




Vor dem Re-Read

"Stolz und Vorurteil" ist einer meiner liebsten Romane von Jane Austen. Allgemein mag ich den Schreibstil der Autorin, da sie offenbar eine gute Menschenkenntnis hatte und ihre Figuren schonungslos und mit einer guten Portion Ironie zeichnet, doch Lizzy Bennet ist eindeutig eine meiner liebsten Romanheldinnen: Sie ist schlagfertig, klug und selbstbewusst und lässt sich in Gegensatz zu manch anderen Austen-Figuren nicht so leicht von jedem Mann beeindrucken.
Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Darcy, der auch nicht gerade Prinz Charming ist, empfand ich daher immer als sehr erfrischend und authentisch.


Nach dem Re-Read

Jane Austen zählt zu den bekanntesten Liebesromanautorinnen der Weltliteratur und das meiner Meinung nach zu Recht. Zwar beeindrucken ihre Geschichten nicht unbedingt durch Nervenkitzel und Spannung bis zur letzten Seite, doch gerade ihr wohl berühmtestes Werk "Stolz und Vorurteil" überzeugt durch die ehrliche, ungeschminkte Darstellung ihrer Zeit, authentische und originelle Charaktere und eine Liebesgeschichte, die jede Frau zum Seufzen bringt. Wer liest nicht gerne von zwei starken Persönlichkeiten, die sich zuerst nicht leiden können und dann doch zueinanderfinden?

In der Tat sind die Charaktere einer der größten Pluspunkte des Romans. Lizzy Bennet, die Protagonistin, ist eine meiner liebsten Romanfiguren, denn sie ist intelligent, humorvoll und weiß, was sie will - eine für die damalige Zeit explosive Mischung, die mir jedoch sehr sympathisch war und an der sich so manche moderne Buchfigur ein Beispiel nehmen könnte. Doch auch Lizzy hat ihre Macken, wie man an den bereist im Titel erwähnten Vorurteilen sehen kann, die sie Darcy gegenüber sofort hegt. Gerade durch ihr vorschnelles, ungerechtes, aber verständliches Urteil, das vermutlich fast jeder Leser ebenfalls getroffen hätte, wird Lizzy zu einer wunderbaren und authentischen Identifikationsfigur.

Doch auch Mr Darcy ist durchaus kein stereotyper Charakter. In gewisser Weise ist er ein Bad Boy des 19. Jahrhunderts, denn er ist auf den ersten Blick eher abweisend und unsympathisch, im Herzen jedoch ein guter Mensch, was sich beispielsweise in der Liebe zu seiner Schwester zeigt. Angenehm ist dabei, dass nicht versucht wird, seine "harte Schale" durch irgendeine schlimme Erfahrung in der Kindheit oder ähnliches zu rechtfertigen, ebenso wenig wie abgestritten wird, dass Darcy aufgrund seiner Herkunft sehr auf sein Ansehen bedacht und sehr stolz ist. Fehler darf schließlich jeder haben und genau diese kleinen Fehler machen ihn so menschlich und irgendwie auch sympathisch.

Die Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und Darcy zählt für mich insofern zu einer der schönsten überhaupt, als dass sie sich authentisch, in einem angemessenen Tempo und sehr realistisch entwickelt. Zunächst können beide sich nicht sonderlich leiden und später dann steht die Beziehung auch eher im Hintergrund, sodass der Leser - ebenso wie Lizzy - Darcy nur nebenbei kennen und lieben lernt. Durch das geschickte Einflechten von Begegnungen der beiden und Gedanken an den jeweils anderen in die restliche Handlung, wirkt die Entwicklung der Beziehung keinesfalls so gezwungen und selbstverständlich, wie man es vielleicht von Liebesromanen gewohnt ist, und umso spannender ist die Frage, ob die beiden sich ihre Gefühle schließlich eingestehen werden.
Toll finde ich auch den eingebauten Aspekt über Vorurteile und die Überwindung des ersten Eindrucks, den man vielleicht vorschnell anhand von Berichten aus zweiter Hand getroffen hat. - Ein Thema, das im Grunde zeitlos ist und über das sich jeder mal Gedanken machen sollte.

Auch mit den Nebencharakteren hat Jane Austen sich durchaus Mühe gegeben. Lizzys gutgläubige Schwester Jane, die in allen Menschen nur das Gute sieht, ihre dagegen eher beschränkte und nur auf ihren Ruf und das Ansehen ihrer Töchter bedachte Mutter, der gutmütige, liebenswerte Charles Bingley und seine arrogante Schwester Caroline - Eine bunte Mischung an Figuren ist in "Stolz und Vorurteil" vertreten und sie alle sind mehr oder weniger sympathisch und können kleine Macken vorweisen, die sie authentisch wirken lassen.

Auffällig ist dabei auch der ironische und ehrliche Schreibstil Jane Austens. In ihrem Roman wirft sie einen kritischen Blick auf bestimmte Verhaltensweisen und teilweise noch heute aktuelle, zwischenmenschliche Probleme und hat auch keine Hemmungen, ihre eigenen Figuren als einfältig, unansehnlich oder nicht besonders intelligent zu bezeichnen.  Insofern wirkt der Erzähler oft auktorial, da viele Wertungen und gegen Ende auch einige Andeutungen über die Zukunft gemacht werden.
Das Interessante an diesem allwissenden Erzähler ist jedoch, dass man verschiedene Perspektiven kennenlernt - hauptsächlich Lizzys, aber auch Darcys und genau dieser Aspekt hat mich überrascht, denn auf diese Weise findet man heraus, dass Darcy bereits früh Interesse an Elisabeth hegt - lange bevor diese ihr vorschnelles Urteil über ihn revidiert. Diese Darstellung der ungewöhnlichen männlichen Sichtweise verleiht der Liebesgeschichte schließlich noch "das gewisse Etwas".


Fazit

"Stolz und Vorurteil" ist nicht nur eine einfühlsame Geschichte über zwei starke Persönlichkeiten, Liebe auf den zweiten Blick und das Überwinden von Vorurteilen, sondern auch eine ironische und amüsante Darstellung der Gesellschaft im beginnenden 19. Jahrhundert. Aufgeschlossenen Romantiker(inne)n kann ich das Buch auch heute noch empfehlen, muss jedoch aufgrund mangelnder Spannung (nach modernen Maßstäben gibt es einige Längen) Abstriche machen, sodass es nur für 4 Sterne reicht.
 

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, dass ich noch kein Buch von Jane Austen gelesen habe. Die Sonderausgaben des dtv Verlages sind jedoch auf meinem Wunschzettel bereits vermerkt. Aktuell würde ich am liebsten Mansfield Park lesen, da ich (kenne die Filme) diesen noch am Besten im Vergleich zu Emma und Stolz und Vorurteil finde. Wie es mit den Büchern dazu aussieht muss ich dringend mal überprüfen ^^

    Liebe Grüße,
    Patricia

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    1. Das solltest du unbedingt mal ändenr :). Ihre Bücher sind eher gemütlich, aber dafür sehr unterhaltsam und die Gesellschaft ist ironisch, scharfzüngig und ehrlich beschrieben. "Mansfield Park" ist der einzige Roman von ihr, den ich immer noch nicht beendet habe, weil die Geschichte so todlangweilig ist und mir die Protagonistin auf den Geist geht. Lizzy oder Emma haben da meiner Meinung nach mehr Charakter. Ich würde mich freuen, wenn du S&V auch eine Chance gibst :).

      Liebe Grüße
      Charlie

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  2. Ich liebe dieses Buch :) Deine Ausgabe ist wunderschön, vielleicht lege ich mir die mal zu, nachdem die letzte vor langer, langer Zeit im Schwimmbad ertrunken ist, weil ich sie einfach überall mit hingeschleppt hatte^^

    Und ganz nebenbei wäre hier noch ein Award für dich... und noch einer :D
    http://annaslostworld.blogspot.de/2013/06/2-awards-bald-endendes-gewinnspiel-und.html

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    1. Ich auch <3. Und den Film <3.
      Leider habe ich die Ausgabe gar nicht, weil ich schon vorher den Anaconda-Schuber hatte (der ist auch toll *_*), aber ich mochte die (vor allem das Softcover) und hab sie deshalb genommen xD.
      Naja, dann war der Tod deiner Ausgabe ja fast schon ein Kompliment xD.

      Dankeschön ♥
      Ist schon seit einer Weile gepostet :))).

      LG =)

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    2. Die Anaconda Ausgabe ist auch total schön *.* Ich hab die Bücher mittlerweile nurnoch als ebook auf dem Handy, aber ich brauch die Bücher umbedingt im Regal :D Und Apropros Büchertod: Bevor ich sterbe wurde heute von mir auf äußerst kunstvolle weise ermordet *Muhahaha*

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    3. Anaconda hat allgemein tolle Ausgaben *_*
      Auf dem Handy kann ich gar nicht lesen x). Da kriege ich Kopf und... Augenschmerzen von xD.
      Und tolle Bücher braucht man sowieso immer im Regal <3.

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  3. Miss Charlie!
    Ihre Ausführungen zu den Werken von Jane Austen, wie ihrer, zum Teil sehr anmerkenswerten, Frauenfiguren, verdienen höchste Beachtung. Nicht zuletzt die meiner bescheidenen Person. Meine Empfehlung, Miss Charlie!

    Was folgt ist jetzt ein Geständnis, denn ich kenne die Bücher Jane Austen "nur" von ihrer filmischen Interpretation her. Ja, ich besitze nicht einmal eines der Werke (dafür ein gerüttet Maß an Filmen & Reihen).

    Deine Zeilen haben mich übrigens zu der Einsicht verleitet, daß unsere beiden Duellanten der spitzen Worte, wohl als Vorgänger der Paare in all den screwball comedies der 30er & 40er gelten dürfen.

    Fitzwilliam Darcy ist für mich eher ein einsamer Mensch, der den Fehler hat sich nicht einzugestehen, daß auch er jemanden in seinem Leben braucht.
    Die bad boys im Austen-'Verse sind für mich definitiv all die "Willoughbys". :-)

    Miss Charlie, ich wünsche ihnen noch einen angenehm verbrachten Sonntag...

    bonté


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    1. Vielen Dank Sir,
      ich fühle mich äußerst geehrt.

      Dennoch muss ich Ihnen mein Entsetzen darüber aussprechen, dass Sie tatsächlich noch nie ein Buch dieser bemerkenswerten Romanautorin gelesen haben. Ich kann Ihnen gerade diesen Roman, über den wir soeben sprachen, nur empfehlen.

      Das stimmt, und doch muss man sagen, dass Jane Austens Bad Boys noch immer origineller sind als die der aktuellen 08/15-Jugendliteratur.

      *knicks*
      Auf Widersehen Sir

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  4. Zuerst einmal: Wirklich schöne Rezi.
    Ich lese das Buch gerade und ich finde das alles genau wie du. Ich liebe dieses Buch, aber wenn ich es abends lese, fallen mir teilweise die Augen halb zu. :-) Obwohl Jane Austens Schreibstil einfach nur schön ist.
    Hast du schon mal die Verfilmung mit Keira Knightley gesehen? Ich liebe diesen film, der war sogar der Grund dafür das ich das Buch lesen möchte.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.
    Liebe Grüße,
    Marianne

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    1. Dankeschön ;)
      Wenn ich Bücher abends lese, fallen mir fast immer die Augen zu, weil ich müde bin :D.
      Aber das Buch ist wirklich manchmal ein kleines bisschen langatmig.

      Ja, klar kenne ich die! Die ist klasse =). Ich hab ihn auch zuerst gesehen und wollte dann das Buch lesen^^.

      LG =)

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  5. Diiiieeeese Ausgabe ist ja sooooo schöööön! *.*

    Vor kurzem ist mit ein Jane-Austen-Schuber mit allen Romanen von ihr in diesem Stil in die Hände gefallen und ich war wirklich wirklich versucht, das erste mal in meinem Leben Bücher zu kaufen, die ich schon habe, weil mir diese Cover so gut gefallen. Aber die Vernunft hat dann doch gesiegt ;)

    Deine Rezi ist sehr schön - man merkt richtig, wie du an dem Buch hängst :) Und ich kann dir in jedem einzelnen Punkt nur zustimmen :D Gerade die Nebencharaktere machen die Unberechenbarkeit der Geschichte aus, weil man nie weiß, wer sich jetzt was als nächstes ausdenkt^^

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    1. Ja, nicht wahr? <3
      Ich mag Softcover sowie total *_*

      Haha, na wenn du die Bücher schon hast... Ich habe auch bereits alle Romane in einem Schuber vom Anaconda-Verlag (die kann ich auch sehr empfehlen), da macht das nun wirklich nicht viel Sinn, diese hier zu kaufen, obwohl die Versuchung schon groß ist :D.

      Dankeschön ;), es freut mich, dass ich meine Begeisterung rüberbringen kann :D.
      Mittlerweile überlege ich auch, meine Bewertung doch auf 4,5 hochzuschrauben, da ich gerade ihre anderen Romane nochmal re-reade und mir die schon mindestens vier Sterne wert sind. "Stolz und Vorurteil" bleibt aber mein Liebling <3.

      LG =)

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  6. Haaii :)

    das Buch liegt auch auf meinem SUB und ich möchte es unbedingt bald lesen. Zu meiner Schande habe ich nämlich bisher kaum Klassiker gelesen. >o<

    Habe dich übrigens getaggt und würde mich freuen, wenn du mitmachst.

    http://monaslittleworld90.blogspot.de/2013/06/schneewittchen-tag.html

    LG Mona

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    1. Dann solltest du es unbedingt mal tun ;). Ich kann es wirklich nur empfehlen. Gerade bei Klassikern ist es aber auch immer schwer, etwas zu finden, mit dem man noch etwas anfangen kann, weil sich ja viele auf die damalige Zeit beziehen. Ein paar sind aber ziemlich gut, z.B. auch "Oliver Twist" <3.

      Oh danke, aber den hab ich schon mal gemacht :).

      LG

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  7. Hey-hallo :)
    Ich kenne "Stolz und Vorurteil" noch gar nicht, Schande über mich :D
    Wann hast du es denn zum ersten Mal gelesen? Die Rezension klingt so, als würdest du es wirklich seeeehr mögen ^.^
    Alles Liebe, Josi ♥

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    1. Ja, Schande über dich :D.
      Puh, das weiß ich gar nicht so genau ^^. Ich glaub da war ich 12...

      LG :)
      Charlie

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