[Kurzrezensionen] Jane Austens große Romane

Charlie | Donnerstag, 1. August 2013 |


Jane Austen ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Werke, die rund zwei Jahrhunderte älter sind als meine übliche Lektüre, bieten eine gelungene Abwechslung in meinem literarischen Alltag, erfreuen das Herz eines jeden Romantikers und bieten zudem auch noch guten Grund zu der Aussage, ich würde gerne Klassiker lesen ;).
In diesem Sammelpost stelle ich ihre sechs großen Romane und meine Meinung dazu vor. Einige der Rezensionen sind Re-Read-Rezensionen, weshalb es dazu noch einen kurzen Vorher-Nachher-Kommentar gibt.




Die Abtei von Northanger


© 2009, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3-86647-371-3




Originaltitel: Northanger Abbey
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe:/
Erscheinungsdatum: Originalausgabe 1818
Seitenzahl: 336 (Gebundene Ausgabe)
Verlagsseite










Inhalt

Die junge Catherine Morland verliebt sich in Bath in den Geistlichen Henry Tilney, muss aber erkennen, dass das Leben nicht immer abläuft wie in einem ihrer geliebten Romane.

Vor dem Re-Read

... mochte ich diesen Roman von allen, die ich bisher gelesen hatte (alle außer "Mansfield Park") immer am wenigsten, wobei ich mich an den Grund kaum noch erinnern kann.  Ich weiß nur noch, dass mich das Ende aufgeregt hat, weil ich das Gefühl hatte,  Henry Tilney hätte Catherine nur aus Mitleid und schlechtem Gewissen geheiratet. 
    Nach dem Re-Read
 
... bin ich überrascht, denn ich musste feststellen, dass "Die Abtei von Northanger" zwar ganz anders ist, als meine liebsten Romane von Jane Austen, deshalb aber keinesfalls schlecht. Ich denke, dass ich das Buch, als ich es vor zweieinhalb Jahren das erste Mal gelesen habe, noch nicht ganz verstanden habe, denn nun weiß ich, dass es eine wirklich intelligente Parodie auf damalige Schauerromane ist.  Dabei räumt Jane Austen auch mit aktuellen literarischen Klischees auf und die Handlung wirkt erfrischend authentisch. 
Auch dass Mr. Tilney ein so kluger und witziger Charakter ist, der immer für spritzige Dialoge sorgt oder dass der Schreibstil auch in diesem Buch wunderbar ironisch ist, muss damals völlig an mir vorbeigegangen sein.
Lediglich die Tatsache, dass mir Catherine, obwohl sie sehr authentisch ist, mit ihrer naiven Art auf den Keks ging und dass ich das Ende nun zwar besser verstehe, aber immer noch nicht hundertprozentig toll finde, sind der Grund, wieso ich nur vier Sterne vergebe.
 


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© 2006, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3-86647-041-5




Originaltitel: Emma
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe:/
Erscheinungsdatum: Originalausgabe 1816
Seitenzahl: 554 (Gebundene Ausgabe)
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Inhalt 

Emma Woodhouse ist intelligent, hübsch und denkt vielleicht ein wenig zu gut von sich selbst. Daher sieht sie es auch als ihre Aufgabe, die jungen Leute in ihrem Heimatstädtchen zu verkuppeln und übersieht dabei vollkommen ihre eigenen Gefühle...


Vor dem Re-Read

...fand ich die Geschichte von Emma (und meine Erinnerung wurde durch die wunderbare Verfilmung mit Gwynetz Palthrow immer wieder aufgefrischt ;)) schon immer sehr süß und die Charaktere dieser Geschichte wunderbar einzigartig.

Nach dem Re-Read

... konnte mich der Roman wieder mehr als begeistern. Obwohl Jane Austen sich auf den über 500 Seiten auch oft mit eher unnötigen und detailreichen Beschreibunen von Alltäglichkeiten aufhält, wird es so gut wie nie langweilig, denn immer wieder tut die charakterlich wahrlich nicht immer perfekte Emma etwas, über das man sich aufregen kann, belustigen einen einige der teilweise satirisch gezeichneten Figuren durch ihr Verhalten  oder bringt einen der wunderbar vernünftige, gutmütige Mr Kinghtley zum Seufzen.
Dieser Roman zeigt, wie leicht man doch seine eigenen Gefühle übersieht, wenn man sich stattdessen in den Wunsch verrennt, andere zu verkuppeln und die Geschichte ist nicht nur wunderbar realistisch, sondern auch sehr romanisch.
Da mich besonders die Vielzahl an einzigartigen Charakteren beeindrucken konnte, vergebe ich 4,5 Sterne.


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Mansfield Park



© 2011, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3866474819




Originaltitel: Mansfield Park
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe:/
Erscheinungsdatum: Originalausgabe 1814
Seitenzahl: 576 (Gebundene Ausgabe)
Verlagsseite

 
 
 
 
 
Inhalt 

Fanny Price stammt aus einer armen Familie und wächst bei ihrem reichen Onkel Thomas Bertram auf. Ihre schüchterne Art steht ihr mehr als einmal im Weg und sie merkt erst, wem ihr Herz tatsächlich gehört, als es schon fast zu spät ist.


Meinung 

Dieser Roman hat mich wirklich sehr enttäuscht und meiner Meinung nach ist er mit Abstand Jane Austens schlechtester. Es fehlt ihm trotz der 570 Seiten an Handlung, und darüber, dass gnadenlos wenig passiert, können einen leider auch die Charaktere nicht hinwegtrösten, denn die sind zwar wieder allesamt einzigartig, dafür aber bestenfalls langweilig und größtenteils nervtötend. 
Auch der Schreibstil ist in diesem Buch zwar noch immer angenehm, aber keinesfalls so ironisch und unterhaltsam, wie man es von der Autorin gewohnt ist, und so war die Lektüre insgesamt eine ziemliche Qual.
Lediglich dafür, dass es sich hier trotzdem in Austen handelt und ich ihren geliebten Stil an einigen Stellen erkennen konnte, gibt es noch zwei Sterne


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Stolz und Vorurteil




© 2007, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3866471788




Originaltitel: Pride and Prejudice
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe:/
Erscheinungsdatum: Originalsausgabe 1813
Seitenzahl: 361 (Gebundene Ausgabe)
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 Inhalt 

Elizabeth Bennet ist nicht wie viele ihrer Zeitgenossinnen, denn sie hat ihren eigenen Kopf und sich fest vorgenommen,  nur aus Liebe zu heiraten. Doch ihr allzu stolzes Wesen stellt sich ihr in den Weg und verhindert fast, dass sie die große Liebe findet.

Meinung 

"Stolz und Vorurteil" war der Grund, wieso ich Jane Austens andere Romane überhaupt angefangen habe und ich habe es immer als meinen liebsten Roman der Autorin bezeichnet. Die Geschichte ist einzigartig, romantisch und mit einer kleinen, aber feinen Moral versehen, die man auch auf die heutige Gesellschaft anwenden kann, und besonders an der starken, klugen und schlagfertigen Protagonistin habe ich großen Gefallen gefunden.
Auch die anderen Charaktere, alles Persönlichkeiten, wie man sie auch heute noch finden kann, sind sehr gut beschrieben und zusammen mit dem humorvollen und ironischen Schreibstil, den ich so schätze, entsteht ein sehr schöner Roman und lesenswerter Klassiker. Da es den Werk nach modernen Maßstäben jedoch insbesondere im Mittelteil an Spannung mangelt, vergebe ich nur vier Sterne
  


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Überredung




© 2010, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3-86647-554-0




Alternative Titel: "Anne Elliot", "Verführung"
Originaltitel: Anne Elliot
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe:/
Erscheinungsdatum: Originalsausgabe 1818
Seitenzahl: 320 (Gebundene Ausgabe)
Verlagsseite







 


Inhalt

Vor vielen Jahren schlug Anne Elliot den Heiratsantrag des mittellosen Marineoffiziers Frederick Wentworth aus. Nun begegnet sie ihm nach Jahrend er Trennung erneut und ale Gefühle leben  wieder auf.

Vor dem Re-Read

... war das, was mir von diesem Roman an deutlichsten in Erinnerung geblieben ist, Captain Frederick Wentworths wunderschöner Brief am Ende. Zudem fand ich die Geschichte sehr romantisch, doch die Protagonistin regte mich auf, weil sie sich so leicht hatte lenken lassen.
 
Nach dem Re-Read
 
...  bin ich wirklich positib überrascht. Dieser Roman ist in gewisser Hinsicht anders als die restlichen Werke der Autorin, denn die Geschichte ich gradliniger unf schneller erzählt, weil Jane Austen sich nicht so lange mit den Beschreibungen alltäglicher Dinge aufhält. Dafür ist sie aber keinesfalls weniger berührend, sondenr vielleicht die romantischste von allen. Annes Gefühle, als sie erfährt, dass sie Captain Wentworht wiedersehen wird, die langsame Annäherung der beiden und schließlich das Ende - das alles ist so hinreißend romantisch.
Meine Abneigung gegen die Charaktere konnte ich leider nicht wirklich ausräumen, denn sie erscheinen mir insgesamt zu farblos und gerade Annes frühere Handlungen oder doe Tatsache, dass sie sich überhaupt ineiander verliebt haben, fand ich nicht immer ganz nachvollziehbar. Leider fehlt auch die spritzige Ironie, die  ich von Jane Austen kenne, größtenteils, weshalb ich nur 3,5 Sterne vergebe.
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Verstand und Gefühl




© 2008, Anaconda Verlag Köln, ISBN 978-3866472983




Alternative Titel: Sinn und Sinnlichkeit
Originaltitel: Sense ans Sensibility
Autorin: Jane Austen
Verlag: Anaconda Verlag
Genre: Klassiker, Liebesroman
Reihe: /
Erscheinungsdatum: Originalausgabe 1811
Seitenzahl: 438 (Gebundene Ausgabe)
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Inhalt

Die Schwestern Marianne und Elinor Dashwood haben beide bereits ihr Herz verloren, doch das Leben hält für sie und ihr Liebesglück einige Komplikationen bereit. 
 
 Vor dem Re-Read

Von diesem Roman weiß ich gerade noch, wie er ausgeht und dass die Handlung genau die richtige Mischung aus Komplikationen und Happy End bietet. Ich erinnere mich auch, dass mir Elinor sympathischer war als Marianne, weil sie viel verkündigter war. An mehr kann ich mich nicht wirklich erinnern, da "Verstand und Gefühl" nie mein Lieblingsromane von Jane Austen war.
 
Nach dem Re-Read
 
...bin ich auch hier positiv überrascht worden und kann gar nicht mehr sagen, weshalb ich "Verstand und Gefühl" nicht in ebenso guter Erinnerung behalten habe wie "Stolz und Vorurteil". Die Charaktere wirken auch hier wieder lebensnah und sehr authentisch und es gibt eine wunderbare Mischung aus Sympathieträgern und eher nervigen Figuren, wie man sie wohl in jedem Familien- und Bekanntenkreis findet. Besonders die Persönlichkeiten der Schwestern Dashwood sind gut ausgearbeitet und vor allem Marianne macht gegen Ende eine Wandlung durch, wie ich sie bei Charakteren gerne mag. 
Anzumerken ist außerdem Jane Austens wunderbar ironischer Schreibstil, mit dem sie sich gekonnt und liebevoll über ihre Figuren lustig macht.
Ich vergebe gerne 4 Sterne, da ich mit dem Ende, so realistisch es auch ist, noch immer nicht ganz zufrieden bin, und mir in diesem Roman eine Art Moral fehlt, die man auch auf die Gegenwart übertragen könnte.




Kommentare:

  1. Hi, Charlie.
    Nach der Lektüre, so darf ich einmal der Vermutung nahe stehen, war Dein Gang von edelster, schwebender Leichtigkeit...
    ;-)

    Mir kam eben der Gedanke, daß sich für das BBC-Engagement - nahezu jeder neuen Generation eine Adaption des Austen-Erbes zu kredenzen - keinerlei Parallele zu den hiesigen Öffentlichen auftreiben läßt. Gewiß, gewiß, wenn schwermütige Kunstgranden aus deutschsprachigen Landen zum Jubiläum anstehen, erwartet uns eine Schrotladung Bildungsballast. Etwas in der Art und unaufdringlicher Kontinuität wie bei Aunt BeBe - Fehlanzeige.

    Elinor Dashwood ist auch meine "Seelenverwandte". :-)

    bonté

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    1. Hallo RoM,

      ja, so kann man es ausdrücken :). Ebenso wie meine Sprache von edelstem Ausdruck war ;).

      Stimmt, dass BBC viele Austen-Verfilmungen macht, ist mir auch schon aufgefallen. Einige davon sind aber auch recht gut :).
      Aber Deutschland hat wohl kaum einen Autor/eine Autorin, der/die so vom Volk und den Filmemachern geliebt wird.

      Liebe Grüße :)

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  2. Hmmm, endlich kann ich was anfangen mit diesem Post, nach meinem ersten Mal mit Jane Austen :D Ich war ein bisschen überrascht dass du auch "nur" 4 Sterne vergeben hast, dachte du wärst auch so ein bedingungsloses Fangirl wie Ley. Du hast recht, vor Spannung strotzt die Geschichte wohl echt nicht, aber das hat mich gar nicht so gestört - ich hatte den Film zum überbrücken ;) Bald ... bald ist die DVD mein!

    Ich hab sogar noch ein paar weitere Romane von ihr. Wenn ich mich recht erinnere: Mansfield Park, Emma, Verstand und Gefühl, Die Abtei von Northanger ... Eh ziemlich viele, aber ich glaub, ich werd nicht alle davon lesen. Nach deinen Rezensionen liegen aber demnächst Emma und vielleicht auch Verstand und Gefühl nahe, wenn ich wieder Lust auf sowas hab :) Man kommt sich da so gebildet vor, haha.

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    1. Dein erstes Mal mit Jane Austen ^^.
      Hm, nee, ich hab durchaus schon faszinierendere Bücher gelesen. Aber S&V ist einfach so eins, das in meiner Erinnerung immer besser wird, je länger ich es nicht gelesen habe ^^.
      Und insgesamt ist Jane Austen einfach eine tolle Autorin!
      Die DVD *_*.

      Also hast du ja fast alle! Cool, dann kannst du gleich weiterlesen ^^.
      Haha, ehrlich gesagt ist einer meiner Hauptgründe, um Klassiker zu lesen, auch, dass man sich so gebildet vorkommt xD.

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