[Buchrezension] "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak

Charlie | Sonntag, 11. Mai 2014 |
Ein faszinierender Blick auf das berührende Schicksal eines Mädchens im Zweiten Weltkrieg





Originaltitel: The Book Thief
Autor: Markis Zusak
Verlag: cbj
Genre: Historischer Roman, Jugendbuch
Reihe: -
Erscheinungsdatum: Februar 2008
Seitenzahl: 592 (Gebunden mit Schutzumschlag, auch als Taschenbuch oder Paperback erhältlich)
Verlagsseite







Inhalt

Dreimal begegnet der Tod Liesel und diese drei Begegnungen reichen, um ihn für sie und ihre Geschichte zu interessieren, die er in diesem Buch erzählt.
Liesel Meminger kommt im Jahr 1939 als 9-jährige zu Pflegeeltern nach Molching, ein Ort in der Nähe von München, wo sie die Kriegsjahre verbringt, ihren besten Freund Rudi kennenlernt, hilft, einen Juden im Keller zu verstecken, die Magie der Worte entdeckt und natürlich ihrem Namen alle Ehre macht und zur Bücherdiebin wird.

Meinung

"Die Bücherdiebin" war wohl einer der erfolgreichsten (Jugend-)Bücher der letzten Jahre, wurde mit Preisen überhäuft, die Verfilmung ließ nicht allzu lange auf sich warten und ein anderes Buch des Autors hatte mich vor ein paar Jahren richtig beeindruckt. - Ich hatte also recht hohe Erwartungen, die leider nicht komplett erfüllt werden konnten.

Eins ist klar: Markus Zusak hat wohl einen der ausgefallensten und beeindruckendsten Schreibstile überhaupt und allein dadurch hebt sich "Die Bücherdiebin" von anderen Büchern ab. Nicht nur, dass das Buch aus der Sicht des Tods erzählt wird, sondern auch Markus Zusaks ungewöhnliche Wortwahl, die teilweise durch scheinbar unpassende Wörter geschaffene Anschaulichkeit, wenn Dinge mit Begriffen beschrieben werden, die man unter normalen Umständen nie damit in Verbindung gebracht hätte und man trotzdem sofort versteht, was er meint - Das alles kreiert eine unglaublich dichte und interessante Atmosphäre, die mich sehr beeindruckt hat.
Dieser Stil ist einfach nicht zu beschreiben. - Man muss ihn erlebt haben und man muss sich erst an ihn gewöhnen, aber dann findet man ihn genial.

Auch die Figuren habe ich im ganzen Buch sehr liebgewonnen, denn sie wirken größtenteils authentisch und sind mit Ecken und Kanten versehen, beispielsweise Liesels "Mama" Rosa, die auf den ersten Blick streng und mürrisch wirkt, im Grunde aber ein gutes Herz hat. Sie ist eine meiner Lieblingsfiguren, obwohl mir Rudi und "Papa" natürlich auch ans Herz gewachsen sind, ebenso wie die Frau des Bürgermeisters, die ziemlich interessant ist. Bei den "Bösen" hätte ich mir da schon eher etwas mehr Tiefe gewünscht.

Die Art, wie die Geschichte aufgebaut ist, hat mir ebenfalls gut gefallen. Der Tod erzählt sie und baut sie um die drei Begegnungen herum, die er mit Liesel in deren Leben hatte. Seine Sichtweise auf die Menschen und ihr Leben ist interessant, ebenso wie die Einblicke, die er in das Leben der Figuren geben kann, die sich nicht in Molching befinden, was zu einem besseren Verständnis der Geschichte führen kann. Er ist quasi ein auktorialer, ein allwissender Erzähler, der die Gefühle sämtlicher Beteiligter ebenso wie die Zukunft der Figuren kennt, was mitunter auch nervig sein kann, da er auch keine Probleme damit hat, schon in der Mitte des Buches Dinge zu verraten, die erst am Ende passieren und die man lieber nicht gewusst hätte.

Was mich aber am meisten gestört hat, war das abrupte Ende des Buches. 600 Seiten lang erzählt der Tod alles mehr oder weniger wichtige und nicht immer spannende, das Liesel in Molching passiert, und dann bricht die Erzählung nach einem wichtigen Ereignis plötzlich ab und man wird nur noch mit einem Epilog abgespeist. Ich verstehe, dass besagtes Ereignis am Ende das letzte Mal war, dass der Tod Liesel gesehen hat, aber da er ja sonst alles zu wissen scheint, finde ich nicht, dass das ein Grund ist, die Geschichte nicht weiterzuerzählen.
Insgesamt stört es mich ein bisschen, dass das Buch für mich kein wirkliches Thema zu haben scheint, außer Liesels Leben zu dokumentieren. Und selbst das hätte man ein bisschen besser zusammenfassen, ordnen und abrunden können. Mir fehlte einfach ein roter Faden, um mich zu fesseln und komplett für das Buch einzunehmen.



Fazit

"Die Bücherdiebin" ist ohne Zweifel ein außergewöhnliches und vor allem außergewöhnlich gut geschriebenes Buch mit einem interessanten Erzähler und liebenswerten Figuren, dem es allerdings an einem roten Faden fehlt und das für meinen Geschmack etwas zu abrupt endet. Ich kann daher nur sehr gute 4 Sterne geben.




Kommentare:

  1. Ja, wenn man mit so hohen Erwartungen rangeht, ist es schwer, diese auch erfüllt zu sehen. Also, manchmal passiert es natürlich trotzdem, aber bei mir ist es auch eher so, dass ich dann zumindest ein biiisschen enttäuscht bin.
    Aber ich freue mich, dass trotz deiner beiden Kritikpunkte das Buch dennoch so gut abgeschnitten hat. Zusak gehört ja zu meinen absoluten Lieblingsautoren - so doll, dass mein Herz blutet, wenn er bei jemandem durchfällt ^.^

    Gerade den von dir bemängelte fehlende rote Faden habe ich als überhaupt nicht so prägnant gesehen. So können die Empfindungen auseinandergehen! :D

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    1. Das geht mir bei meinen Lieblingsbüchern nicht anders ;). Wenn jemand die nicht mag, bin ich auch erstmal am Boden zerstört :D.
      Tja, ist nunmal Geschmackssache :/.

      Liebe Grüße :)

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  2. Moinsen!
    Es freut mich sehr, dass dir das Buch gefällt, ich habe es vor gut 2 Jahren gelesen, weil mit "Der Joker" ziemlich gefallen hatte und es plötzlich da vor mir im Bücherregal bei Thalia stand - und da wusste ich, das will ich lesen;)
    Dass der Tod die Geschichte erzählt, machte sie für mich nur umso faszinierender! Was das wirkliche Thema angeht, so glaube ich, wird das besonders gut durch den von dir beschriebenen Schreibstil veranschaulicht: Macht der Worte, Zauber von Büchern eingebettet in einer dunklen Zeit. Aber vielleicht liege ich auch komplett daneben.
    Wie dem auch sei: tolle Rezi, ich liebe deinen Blog:D

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    1. Ich hab auch "Der Joker" gelesen und war ziemlich begeistert. Witzigerweiße habe ich dem auch vier Sterne gegeben, habe ihn aber trotzdem deutlich besser in Erinnerung.
      Ja, dass der Tod die Geschichte erzählt, ist toll. Nur das wie hat mich teilweise gestört.
      Das ist sicherlich ein großes Thema im Buch, aber mir hat das nicht wirklich als roter Faden gereicht :/.
      Dankeschön :).
      Ich gehe auch gleich wieder auf Gegenbesuch!

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  3. Ich fand den Erzähler zwar interessant, den Schreibstil aber nicht sehr schön oder gar fesselnd. Natürlich gabs auch schöne Stellen, aber meistens fand ichs einfach nur langweilig und ich hab sogar oft Kopfweh davon bekommen :/ Da hat mir Der Joker wesentlich besser gefallen ... Aber die Charaktere waren echt klasse in Die Bücherdiebin ♡

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    1. Nee, fesselnd ist der tatsächlich nicht, aber ich fand ihn irgendwie faszinierend, das hat gereicht :).
      Ich fand es aber auch ab und zu langweilig.
      Letztendlich habe ich aber beiden die gleiche Punktzahl gegeben, weil ich den Joker dafür zwischendurch zu schräg fand.
      Ja, das waren sie <3.

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