[Buchrezension] "Rot wie das Meer" von Maggie Stiefvater

Charlie | Donnerstag, 1. Mai 2014 |

Ein Buch wie das Meer - Wild, Rau und unberechenbar, aber auch wunderschön und faszinierend



Originaltitel: The Scorpio Races
Autorin: Maggie Stiefvater
Verlag: Script5
Genre: Urban Fantasy, Jugendbuch
Reihe: -
Erscheinungsdatum: November 2012
Seitenzahl: 432 Seiten (gebunden mit Schutzumschlag)
Verlagsseite










Inhalt

Jedes Jahr im Herbst kommen die Capaill Uisce, ebenso elegante wie mörderische Wasserpferde, auf die Insel Thisby und geben so den Startschuss für das jährliche Skorpiorennen - und den Beginn einer Reihe von erbitterten Kämpfen zwischen Menschen und Tieren, der viele Leben fordern wird.
Sean Kendrick, bekannt als der unnahbare Pferdflüsterer, hat das Rennen bereits vier mal gewonnen und wird auch dieses Jahr wieder teilnehmen. Doch für ihn zählt nicht das Siegen; sein Herz hängt an seinem Pferd, und das weiß auch sein ärgster Konkurrent.
Auch Puck ist dieses Jahr dabei, als erste Frau in der Geschichte des Skorpiorennens. Viele versuchen es ihr auszureden, für andere gilt sie als Geheimtipp und mehr als einmal muss sie ihren Mut und ihre Entschlossenheit beweisen, dabei ist die Teilnahme am Rennen für sie nur ein verzweifelter Versuch ihre Familie zu retten.




Meinung

Die erste Reihe von Maggie Stiefvater konnte mich noch nicht restlos überzeugen, denn sie war für meinen Geschmack zu kitschig, teilweise zu langatmig und die Figuren zu perfekt. Auch für Pferde, seien es echte oder eben magische Wasserpferde, habe ich mich auch noch nie wirklich erwärmen können, doch "Rot wie das Meer" hat es geschafft, alle meine Vorurteile aus dem Weg zu räumen, und mich wirklich begeistert.

Ein riesiger Pluspunkt sind schon einmal die Charaktere, die allesamt - auch die Nebenfiguren - einzigartig und gut ausgearbeitet sind und ihre Ecken und Kanten haben, statt einfach nur perfekt zu sein.
Puck, die eigentlich Kate heißt, ist zum Beispiel oft kratzbürstig und lässt ihre Stimmung an anderen aus, dafür liebt sie ihre Familie aber auch und nimmt viele Gefahren auf sich, um diese zusammenzuhalten. Sie lässt sich nicht so leicht unterkriegen, ist aber auch nicht die perfekte Heldin, die alles, was sie noch nie gemacht hat, sofort beherrscht und ohne Hilfe meistert.
Sean ist auf gewisse Weise faszinierend, denn er ist sehr still und lässt nicht viel von seinen Gefühlen durchblicken. Seine spezielle Beziehung zu Pferden, den Capaill Uisce und besonders seinem Capall Uisce, Corr, macht ihn sehr sympathisch. Man hat aber auch schnell den Verdacht, dass er mit Tieren besser klarkommt als mit Menschen.
Ganz besonders toll fand ich die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, denn bei einem Jungen und einem Mädchen als Protagonisten erwartet man natürlich sofort Liebe auf den ersten Blick, Romantik und Drama, wenn schließlich beide um den Sieg kämpfen und nur einer gewinnen kann.
Nichts davon ist in "Rot wie das Meer" zu finden und wenn Puck und Sean überhaupt eine Beziehung entwickeln, so geht das sehr langsam vonstatten und ihre eigenen Ziele bleiben für sie fast immer wichtiger, was ja auch nur realistisch ist.

Doch auch die Nebenfiguren haben mir außerordentlich gut gefallen, allen voran Pucks kleiner Bruder Finn, der immer ein wenig abnwesend wirkt, aber durchaus mehr mitbekommt, als man auf den ersten Blick erwartet. Ich hatte öfters das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen und er ist mein heimlicher Liebling aus dem Buch.
Doch auch die anderen Nebenfiguren, zum Beispiel Dory Maud und ihre Schwester Elizabeth, George Holly und Benjamin Malvern haben alle ihren ganz eigenen Charakter und wirken sehr authentisch. Selbst Seans Erzfeind Mutt, der fast schon zu böse ist, hat mehr oder weniger verständliche Gründe für sein Handeln.

Die Geschichte selbst ist erstaunlich faszinierend und obwohl sie nicht immer voller Action steckt, liest sich das Buch wie von selbst. Das liegt einmal natürlich an der tollen Idee. Die Capaill Uisce, ihre Wirkung auf Menschen und die Möglichkeiten, sie mit kleinen magischen Tricks zu kontrollieren, sind faszinierend und es ist erstaunlich, wie leicht Maggie Stiefvater diesen kleinen Fantasyaspekt in eine sonst relativ normal wirkende Inselwelt integriert hat. Die Insel selbst ist meiner Meinung nach auch wunderbar beschrieben, sodass sich der Leser selbst dorthin versetzt fühlt. So war man auch, wenn es im Buch gerade etwas ruhiger zuging, immer damit beschäftigt die Insel zu erkunden und neue Figuren kennenzulernen.
Doch "Rot wie das Meer" steckt auch voller rasanter, spannender Szenen, die meist mit den mörderischen Capaill Uisce zu tun haben. Der Roman ist des Öfteren schonungslos und blutig und es müssen im Laufe der Geschichte einige Menschen und Tiere dran glauben. Dieser Umstand hat mir nicht nur gefallen, weil er realistisch ist, sondern auch, weil das Buch auf diese Weise unberechenbar wurde. Man kann "Rot wie das Meer" mit dem Meer vergleichen: Mal ist es ruhig und schön, doch es kann auch jeden Moment rau und Wild werden und die ein oder andere Figur das Leben kosten.


Fazit

"Rot wie das Meer" hat mich fasziniert und kaum noch losgelassen, unter anderem wegen der tollen Idee, hinter der ein nicht ganz so bekanntes Sagenwesen steckt, aber auch wegen der authentischen und sympathischen Figuren. Die Geschichte selbst ist wie das Meer, mal ruhig und schön, mal wild und gefährlich, und am Ende merkt man, wie sehr das eigene Herz schon an Thisby und seinen Bewohnern hängt. Ich vergebe 5 Sterne.


Kommentare:

  1. Ohh, ich will es auch endlich lesen! Du glaubst gar nicht, wie viele begeisterte Rezis ich schon gelesen habe, irgendwie liebt einfach jeder dieses Buch:) Zum Glück hab ich es schon auf dem SuB, aber es wird wohl trotzdem noch bis zum Sommer warten müssen.
    LG
    Julia

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    1. Dann kannst du dich schon mal auf den Sommer freuen :). Es ist wirklich richtig gut!

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  2. Hallo Charlie :)

    Ich habe "Rot wie das Meer" im letzten Jahr gelesen und es hat mir so gut gefallen! Deine Rezi hat mir gerade echt Lust gemacht, das Buch wieder herauszuholen und nochmal zu lesen :)
    Mir ging es bei Maggie Stiefvaters Wölfe von Mercy Falls Reihe nicht anders und ich habe die Reihe nach dem ersten Band abgebrochen. Umso überraschter war ich, als mich "Rot wie das Meer" so umgehauen hat :)

    Liebe Grüße
    Chianti

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    1. Freut mich, dass dir meine Rezi gefällt :).
      Wow, ich kenne nicht allzu viele Leute, denen es mit den Wöflen ähnlich ging wie mir. "Rot wie das Meer" ist da aber wirklich viiiiel besser.

      LG :)

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    2. Ich hatte mega hohe Erwartungen an "Nach dem Sommer" und war dann schwer enttäuscht, weil es mich einfach nicht packen konnte! :/

      Liebe Grüße
      Chianti

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    3. Ja, der erste Teil ist wirklich noch ziemlich langatmig, aber man muss der Reihe lassen, dass sie wesentlich besser wird. Ab dem zweiten Teil erzählen Isabel und Cole die Geschichte mit und die beiden sind tausendmal interessanter als Sam und Grace und am Ende des dritten Teils wird es sogar noch etwas spannend ;).

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  3. Grüß Dich, Charlie.
    Spricht für das handwerkliche Geschick der Schriftstellerin, wenn sie unterschiedliche Ansprüche an Ihre Bücher zu bedienen vermag.
    Obschon es Fans beider Erzählwelten gibt.
    :-)

    Finn ist der wahre Liebling der Rezensentinnen. Sein Charakter scheint etwas anzusprechen.

    Persönlich könnte ich mir eine filmische Umsetzung gut vorstellen - schon überlegt wer ideal für welche Rolle wäre?!

    Ein Zitat noch...
    "Sei jeden Tag um ein Detail deines Lebens schlauer geworden!"
    (Florance Ippdit)

    bonté

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    1. Hallo RoM :),
      handwerkliches Geschick hat sie auf jeden Fall. Sie hat einen wunderschönen Schreibstil und kann, wie man hier sieht, offenbar doch noch authentische Charaktere entwickeln.

      Ja, ich weiß auch nicht genau, warum. Würde ich ihm in echt begegnen, würde er mich wohl ziemlich verunsichern. Ich komme mit Menschen, die nicht viel reden, nicht klar.

      Eine Verfilmung? Hm, da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ehrlich gesagt wäre das nicht so meins, denn ich habe meine ziemlich genaue Vorstellung aller Schauplätze und Figuren, da kann nichts mein Kopfkino toppen :). Und ein bisschen blutig wäre der Film dann wohl auch.

      Zitate sind immer gut, die sammel ich :).

      Gruß!
      Charlie

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    2. ...für unterschiedliche Interpretationen eines Stoffes bin ich leicht interessierbar. Allein wie eine Figur "Sherlock Holmes" im Verlauf von bald 100 Jahren angegangen wurde*. Austen- oder Bronte-Klassiker laden mich als Adaptionen immer wieder ein.
      Bevor jetzt mein innerer Cineast in Trab fällt... :-)

      Für Puck käme mir Jodelle Ferland in den Sinn.

      Nun, mit Zitaten diene ich gerne!

      "Welt ist die deine in Gedanken, Gefühlen, Phantasien. Ähnlich wie ein Kaleidoskop, weitet sie sich farbenprächtig, wenn du anderen die Tore offen hälst."
      (Gaelle Mutin-Mutisme)

      bonté
      * die drei neuen "Sherlock", Ende Mai

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    3. Oh ja,von den verschiedenen Sherlock-Interpretationen bin ich auch begeistert, am meisten von BBCs Neuverfilmung in Form der Miniserien. Ich warte schon sehnsüchtig auf die dritte Staffel. Es ist toll, wie die Autoren versucht haben, Aspekte der Originalfälle in die moderne Adaption einzubauen. Schon allein die Titel sind tolle Anspielungen.

      Was die Bronte-Schwestern betrifft, habe ich glaube ich nur eine Variante von "Jane Eyre" gesehen, von den Austen-Romanen schon einige. Ich habe immer mal wieder eine Diskussion, ob nun Colin Firth oder Matthew MacFadyen der bessere Darcy ist ;) (Ich bin für letzteren!).

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    4. ...bei MacFadyens "Mr Darcy" sehen wir mehr das Blut wallen; bei Firths eher die distinguierte Art köcheln. Ersterer ist moderner geraten.

      Was hälst Du im Gegenzug von Miss Ferland als "Puck"?

      bonté

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    5. Das finde ich auch, wobei ich es eher so auszudrücken pflege: "Colin Firth guckt die ganze Zeit wie ein Stein." Bei MacFadyen kommen viel mehr Emotionen rüber, was ich wichtig finde, denn im Gegensatz zum Buch bekommt man im Film ja sonst keinen Einblick in seine Gefühle. Ich halte ihn ohnehin für einen wunderbaren Schauspieler. Colin Firth aber auch, nur nicht in diesem Film.
      Für diese Variante von S&V spricht aber auch Keira Knightley ;).

      Nun, vom Aussehen her wäre sie sicher nicht die schlechteste Wahl, auch wenn ich sie, soweit ich weiß, noch nie in Aktion gesehen habe. Ich habe aber, wie gesagt, mein eigenes Bild von Puck.
      An wen hättest du für Sean gedacht :)?

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    6. ...oh ja, Miss Knightley!

      Bei Jodelle Ferland hege ich keine Zweifel - kommt auch auf die Fähigkeit der Regie an. Sie steht bereits seit klein vor der Kamera, ist ein Naturtalent. Wobei einige Ihrer Rollen schrägest sind.

      "Sean", hier schwanke ich zwischen Craig Roberts und Justin Chatwin.

      bonté

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    7. Hm, ne, Craig Roberts wäre so gar nicht mein Fall, was die Rolle betrifft. Justin Chatwin schon eher, passt für mich aber auch nicht 100%ig. Ich glaube, ich würde nie eine Buchverfilmung machen wollen, weil ich mich nicht in der Lage fühlen würde, einen Cast zusammenzustellen.

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  4. Hey!
    Das klingt gar nicht mal so übel - naja, ich lese eigentlich nicht viel in dieser Stilrichtung, aber manchmal, da muss ich auch mal etwas anderes als Tragödien lesen, vielleicht...Außerdem ist das Cover total toll! Besonders gut finde ich, wie großen Wert du auf die Charaktere legst, weil es häufig nur sehr geschliffene Figuren gibt, ganz ohne Schattierungen, so dass es auch für mich ein enormer Pluspunk ist! Ich habe schon 2 Bücher von Maggie Stiefvater (das ist echt ein fieser Nachname) gelesen, genauergesagt Lamento & Ballade, falls dir das etwas sagt und war damals besonders von Lamento gefesselt und begeistert, so dass ich sie empfehlen kann.

    Love, Maret

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    1. Ist es auch nicht :). Ich weiß, da haben wir ja erst neulich drüber geredet :D.
      Ich denke, eine Abwechslung könnte nicht schaden ^^. Mir geht es jedenfalls so, dass ich nicht immer nur ein Genre lesen kann.
      Joah, das Cover find ich okay. Da sehen die von der "Nach dem Sommer..."-Reihe von ihr besser aus, aber das hier ist auch ganz schön :).
      Auf jeden Fall, die Charaktere sind sehr wichtig! Ich kann perfekte Figuren nicht ausstehen.
      Haha, ja, ist es. Vor allem, weil ich mal gehört hab, wie sie selbst ihn ausspricht. Geht gar nicht :D.
      Von denen hab ich gehört, aber sie haben mich nicht wirklich angesprochen. Gehts da nicht um Feen?

      LG :)

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  5. Maahaaan, hätte ich die Rezi doch nicht gelesen :P Jetzt haste mich total "heiß" aufs Buch gemacht!!! Dass die Pferde eine große Rolle spielen, soll auch ganz toll sein eigentlich (Clärchen reitet ja, dann ist es für sie ja noch ansprechender =D)
    Ist ja witzig, dass die Prota Puck heißt, dass muss ich eher an Plötzlich Fee denken, hehe. Es hört sich wirklich super an....und ich liebe den Schreibstil von ihr ja total....achmeeeeeenno, ich brauch Geeeeeld :(

    Danke für deine tolle Begeisterung für das Buch, jetzt kommt des auf die Wunschliste xD
    Liebste Grüße ♥

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    1. Tja, das war das Ziel :P. Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass es so toll ist.
      Klar, für Clärchen war es wegen der Pferde natürlich besonders toll :P, aber auch sonst ist es klasse *_*.
      Ja, ich weiß auch noch immer nicht genau, wie sie zu diesem Spitznamen gekommen ist. Bestimmt wegen der Geschichten, die ihre Mutter früher scherzhaft über sie erzählt hat. Sie hat da mal sowas erwähnt, dass ihre Mutter meinte, sie wäre von Elfen vor der Tür abgelegt worden oder so ^^.
      Ich denke da eher an Shakespeares "Sommernachtstraum", auch wenn ich das Stück nicht mal kenne ^^.

      Gern geschehen ;)
      LG <3

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