[Filmrezension] "Die Bestimmung - Insurgent"

Charlie | Sonntag, 12. April 2015 |
Action, Spannung, Emotion - Noch besser als Teil 1



Originaltitel: Insurgent
Genre:Actionfilm, Dystopie
Länge: 119 Min
Altersfreigabe: ab 12
Deutscher Kinostart: 19.03.15
Produktionsland: USA
Darsteller: Shailene Woodley, Theo James, Ansel Elgort, Kate Winslet, Naomi Watts, Miles Teller, ...
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Brian Duffield, Akiva Goldsman
Quelle
Trailer


Warnung: Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe handelt, enthält diese Rezension Hinweise auf die Handlung des ersten Films bzw. des ersten Buches.


Inhalt

Nachdem Jeanine die Ferox mithilfe eines Serums dazu gebracht hat, fast alle Alturan zu ermorden, um die Macht an sich zu reißen, ist Tris mit Four, Caleb, Peter und Marcus bei den Amite untergekommen. Doch Jeanine gibt nicht lange Ruhe. Sie schiebt die Schuld an ihrem furchtbaren Verbrechen einigen Unbestimmten, unter anderem Tris, in die Schuhe und lässt nach Unbestimmten suchen, mit deren Hilfe sie eine Box öffnen will, die sie aus dem Haus von Tris' Familie entwendet hat. Sie verspricht sich davon eine Botschaft von den Gründern der Stadt, die es ihr erlauben wird, alle Unbestimmten zu ermorden und ihre Macht zu sichern.  Doch um die Box zu öffnen, braucht Jeanine einen besonders starken Unbestimmten, und auf der Suche nach dieser Person geht sie über Leichen.


Meinung

Wie es für mich typisch ist, war ich zunächst einmal misstrauisch, als ich hörte, dass die Handlung der Verfilmung von "Insurgent" vom Buch abweicht - doch ich bin froh, sagen zu können, dass ich bei diesem Film ausnahmsweise einmal davon absehen konnte, denn "Die Bestimmung - Insurgent" ist einfach echt genial.

Was das Verhalten der meisten Figuren und das Ende angeht, wurde die Handlung kaum geändert. Tris leidet unter dem Tod ihrer Eltern und den Schuldgefühlen, weil sie Will in Notwehr erschossen hat, gleichzeitig wird sie von ihrem Hass auf Jeanine getrieben, die sie unbedingt aufhalten will. Wie auch im Buch hat ihre Figur emotionale Tiefe und man kann sich gut mit ihr identifzieren. Sie ist stark, mutig und intelligent, doch wenn es um die Menschen geht, die sie liebt, und wenn ihr gutes Herz gefragt ist, kann sie auch verletzlich sein und leichtsinnig handeln. Shailene Woodley bringt Tris' Bandbreite an Emotionen - Wut, Trauer, Verzweiflung, ihre Gefühle für Four, ihren Hass auf Peter und Jeanine - beeindruckend und authentisch rüber und hat mich auch in diesem Film wieder sehr überzeugt.
Ebenso Ansel Elgort, der mir als Gus in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" so ans Herz gewachsen ist, den feigen Caleb, der in diesem Teil die falschen Entscheidungen trifft, hier aber genauso gut rüberbringt. Er und Shailene Woodley sind wohl einige der wenigen Schauspieler, die mich in komplett unterschiedlichen Rollen gleichermaßen überzeugen können.
Begeistert war ich auch wieder von Kate Winslet als Jeanine, die ich sonst eher als Sympathieträgerin in Filmen kenne, die hier aber eiskalt und nur auf ihr Ziel, an der Macht zu bleiben, fixiert ist. In diesem Punkt finde ich es schade, dass die Handlung des Buches geändert wurde, denn in der Vorlage sucht Jeanine nicht nach einem Unbestimmten, um die Box zu öffnen, sondern macht Experimente, um ein Serum herzustellen, mit welchem sie auch die Unbestimmten kontrollieren kann (Zumindest habe ich das so in Erinnerung). Dass es eigentlich Marcus ist, der Tris den Hinweis mit den versteckten Informationen gibt, sorgt im Buch auch für einen weiteren interessanten Konflikt zwischen Tris und Four, der hier aus Zeitgründen weggelassen wurde.
Interessant wird in "Insurgent" auch Peter, der im ersten Teil ganz klar ein Antagonist war, in diesem Teil jedoch recht ambivalent ist. Im Film gibt es einen ganz speziellen Moment, in dem sich etwas in seinem Charakter zu verändern scheint, den ich dort fast noch besser dargestellt finde als im Buch. Miles Teller passt jedenfalls ganz großartig in diese Rolle, da er sowohl diesen für Peter schockierenden Moment als auch solche, in denen er ganz der alte, arrogante, sadistische Peter ist, wunderbar spielt. Einen gewissen Charme kann man ihm nicht absprechen.
Erwähnenswert sind natürlich auch Theo James als Four, mit dem ich mich, obwohl er so gar nicht meiner Vorstellung von Four entspricht, aufgrund seiner sehr guten Schauspielleistung so langsam anfreunden kann, und Jai Courtney als Eric, meine persönliche Hassfigur in der Reihe, die aber einfach wirklich genial gespielt ist.

Zur Handlung bleibt nun nicht mehr viel zu sagen. Die wichtigsten Punkte der Buchvorlage, bis auf die Geschichte mit der Box, die jedoch am Ende aufs Gleiche rauskommt, wurden hier übernommen. Das System gerät ins Bröckeln uns es ist klar, dass es nicht mehr lange halten wird. Man lernt die Amite und die Candor ein wenig kennen, wenn auch weniger detailliert als im Buch; neue, interessante Figuren tauchen auf; alte, die man zu kennen geglaubt hat, überraschen und das Ende ist ein großer Knall, der Lust auf mehr macht, denn im nächsten Teil wartet dann endlich die große Erklärung. So hat auch "Insurgent" wieder eine halbwegs abgeschlossene Handlung mit einem Ende, das den Zuschauer dennoch neugierig auf den nächsten Film macht - beziehungsweise die nächsten Filme, denn natürlich wird "Allegiant" gemäß der alten Tradition, die immer so schön viel Kohle einspielt, in zwei Teile aufgeteilt. Dass dabei zwei Filme rauskommen, die ebenso spannend sind wie "Divergent" und "Insurgent", wage ich zu bezweifeln, aber das ist ein anderes Thema.

Dass der Film extrem spannend ist, liegt sicher auch wieder an der genialen Machart, die mich hier noch mehr beeindruckt hat als in Teil 1. Die Musik, wenn mir auch keine konkrete Melodie im Ohr geblieben ist, ist stimmungsvoll und verstärkt ebenso wie die restlichen Soundeffekte die Emotionen, die der Zuschauer und die Charaktere empfinden. Zudem sind die Spezialeffekte, insbesondere in den Simulationen, mehr als beeindruckend und tragen einen großen Teil dazu bei, dass dieser Film so nervenaufreibend und bildgewaltig ist. Fantastisch sind vor allem auch die Aufnahmen der Stadt aus der Vogelperspektive, bei der man zum Beispiel die zerstörten Häuser der Altruan sieht und allgemein einen Überblick über die Aufteilung der Stadt bekommt.
Toll fand ich auch, wie liebevoll und detailliert die doch eher kurzen Einblicke in das Leben bei den Amite und den Candor gestaltet sind. Man merkt, dass sich die Filmemacher genau Gedanken über die Fraktionen gemacht haben, bevor sie das Set gestaltet und die Kostüme für die Darsteller ausgewählt haben. Das Leben bei den Amite habe ich mir in etwa so vorgestellt - bunt und voller Lebensfreude im Vergleich zu dem der anderen Fraktionen.

Nun muss ich, für alle, die es interessiert, doch noch einmal einen Vergleich zum Buch ziehen - ich kann einfach nicht anders. Wie bereits erwähnt wurde die Handlung insofern leicht geändert, dass Jeanine nun den ganzen Film durch nach einer Box mit Informationen sucht, welche im Buch erst gegen Ende in anderer Form auftauchen. Der Inhalt dieser Box im Film gleicht jedoch den Informationen im Buch, sodass es für das Ende des Buches die gleiche Wirkung hat. Ein kleines Detail, das im dritten Teil noch sehr wichtig wird, wurde hier weggelassen, kann aber in "Allegiant" noch gut eingebaut werden.  Gleiches gilt für die wahren Beweggründe von Evelyn, die im Buch am Ende eine wichtige Rolle spielen, im Film jedoch noch nicht erwähnt werden.
Wie auch in "Divergent" kommen im Film zudem einige Nebenfiguren zu kurz. Uriah wird hier immerhin zwei Minuten statt zwei Sekunden gezeigt, doch seine Rolle wurde auch in "Insurgent" wieder stark gekürzt, was ich schade finde, da ich ihn in den Büchern sehr mochte, weil er dort die Stimmung immer etwas aufgelockert hat. Lynn und Marlene finden so gut wie keine Erwähnung, der Streit und die Versöhnung von Christina und Tris kommen ebenfalls viel zu kurz, ebenso wie der Konflikt zwischen Four (und Tris) und Marcus oder auch Tori, die in der Buchvorlage insbesondere am Ende eine recht wichtige Rolle spielt.
Mit all diesen Kürzungen - abgesehen von Uriah vielleicht - kann man leben, da ein Film nunmal nicht alle Details der Buchvorlage enthalten kann, doch es gab einen entscheidenden Punkt, der mir gefehlt hat: Die wiederholten Konflikte zwischen Four und Tris wegen ihrer aufopferungsvollen Haltung, die einen wichtigen Teil des Buches ausmachen und sie als Paar für mich so interessant gemacht haben, da sie eben keine Friede-Freude-Eierkuchen-Beziehung führen und zusammen die Welt retten. Außerdem wird gerade dieser Aspekt von Tris Charakter im dritten Teil noch eine zentrale Rolle spielen und ist wichtig, damit ihr Verhalten in "Allegiant" konsequent wirkt.


Fazit

Als Film hat mir "Die Bestimmung - Insurgent" sogar noch besser gefallen als der erste Teil. Die Schauspieler, die Effekte, die Spannung waren noch beeindruckender und packender, viele Figuren werden wie auch im Buch in diesem Teil interessanter und das Ende ist eine spannende Wendung, die Lust auf die Fortsetzung macht. Wie auch in "Divergent" wurden einige Details, insbesondere Nebenfiguren weggelassen, was bis auf einige Szenen zwischen Four und Tris, die den beiden noch mehr Tiefe verliehen hatten, jedoch kein wirklicher Minuspunkt ist. Ich vergebe sehr gute 4,5 Sterne.

Kommentare:

  1. Hyvää iltaa, Charlie.
    In unterschiedlichsten Rollen & deren manigfaltigen Seelenlagen zu überzeugen, zudem mit den Charisma einer eigenen Persönlichkeit dabei glänzen zu können - das bleibt wahre Schauspielkunst.
    Den "Tom Cruise" kann fast jeder bringen... ;-)

    In 'Heavenly Creatures' kannst Du auch auf die Abgründe einer, von der jungen Kate Winslet gespielten, Figur blicken.

    Offensichtlich wurdest Du von der Verfilmung so unterhalten wie überzeugt. Also kein Grund sein Eintritsgeld an der Kasse zurück zu verlangen! :-)

    bonté

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    1. Diesmal hatte ich vorher schon fast auf Finnisch getippt ;).
      Das stimmt allerdings, das ist die große Kunst, die ein guter Schauspieler beherrschen sollte. Ich finde das bewundernswert; ich glaube, ich könnte das nicht.
      Ja, der Film hat mich auf jeden Fall gut unterhalten :). Was die beiden Nachfolger angeht, bin icj jedoch skeptisch. Mal sehen.

      Liebe Grüße :)

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