[Filmrezension] "Pitch Perfect 2"

Charlie | Freitag, 24. Juli 2015 |



Aka-Fremdschämen




Originaltitel: Pitch Perfect 2
Genre: Komödie, Musikfilm
Länge: 115 Min
Altersfreigabe: ab 6
Deutscher Kinostart: 14.05.2015
Produktionsland: USA
Darsteller: Anna Kendrick, Rebel Wilson, Hailee Steinfeld, ...
Regie: Elizabeth Banks
Drehbuch: Kay Cannon
Quelle
Trailer





Warnung: Da es sich hierbei um den zweiten Teil einer Filmreihe handelt, enthält diese Rezension Hinweise auf die Handlung des ersten Films.

Inhalt

Die Bellas stehen kurz vor ihrem Abschluss und alles läuft perfekt - Drei A-cappella-Meisterschaften haben sie nun schon in Folge gewonnen! Doch dann findet ihre Glückssträhne ein jähes Ende, als Fat Amy ausgerechnet bei einem Auftritt auf der Geburtstagsparty des Präsidenten ein Missgeschick passiert und die Bellas von sämtlichen Wettbewerben auf Hochschulebene ausgeschlossen werden. Der einzige Wettbewerb, an dem sie noch teilnehmen dürften, ist die A-cappella-Weltmeisterschaft, doch die wurde noch nie von einem amerikanischen Team gewonnen und zudem sind ihre Konkurrenten, die deutsche Gruppe „Das Sound Machine“, extrem stark.
Becca hat zudem noch andere Sorgen, denn sie macht ein Praktikum bei einem Musikproduzenten, das sie von der Arbeit mit den Bellas ablenkt.
Werden die Bellas in ihrem letzten Collegejahr noch einmal zeigen können, was sie drauf haben?



Meinung

Die Wörter „Enttäuschung“ und „Facepalm“ haben mit diesem Film für mich eine neue Bedeutung erhalten.
Wer meine Rezension zu „Pitch Perfect“ vor mehr als zwei Jahren gelesen hat, wird wissen, dass mich der Film mit seiner Musik (moderne, peppige A-cappella-Cover), den schrägen (Fat Amy) oder süßen (Jesse) Figuren und den teilweise coolen Sprüchen (Fat Amy) damals ziemlich begeistert hat. Da auch die Handlung des ersten Teils schon nicht herausragend war, war ich, was Teil 2 angeht, eher skeptisch, doch positive Rezensionen und Empfehlungen haben mich dazu gebracht, ihn mir doch im Kino anzusehen – was ich mir auch gut sparen können.

Um mit dem Positiven anzufangen: Die Musik ist wieder wirklich klasse. Ich bin ein großer Fan der A-cappella-Arrangements der „Pitch Perfect“-Filme, auch wenn diese bei den Bellas oft viel zu voll klingen für so eine kleine Gruppe. Die Idee, moderne Popsong A-cappella zu covern, ist einfach klasse und viele der Nummern rocken auch diesmal wieder. Seit ich eine der Nummern aus dem ersten Film selbst im Chor gesungen habe, weiß ich, wie verdammt schwer A-cappella-Singen ist, ganz zu schweigen vom Schreiben der Arrangements, das sicher auch kein Kinderspiel ist.
Ich muss aber leider sagen, dass mir die Song-Auswahl im ersten Teil deutlich besser gefallen hat. Soweit ich mich erinnere, gab es dort weniger verschiedene Lieder, dafür aber bekanntere Songs mit mehr Wiedererkennungswert, aus denen längere Ausschnitte gesungen wurden, sodass man sich ein besseres Bild von den Arrangements und dem Gesang machen konnte. Gerade am Ende von „Pitch Perfect“, als Becca im Finale „Don’t You Forget About Me“ singt, hat die Musik sogar eine Bedeutung für die Handlung und dient nicht einfach nur dazu, möglichst cool zu klingen. Das könnte man in diesem Teil zwar von Fat Amys Gesangseinlage am Ende auch behaupten, diese hat mich aber aus Gründen, die ich noch erörtern werde, nicht halb so berührt.

Das mit der Handlung war auch so eine Sache. Wer den ersten Teil oder auch nur den Trailer zu diesem Film kennt, wird bereits geahnt haben, dass es sich bei „Pitch Perfect 2“ nicht gerade um anspruchsvolles Arthouse-Kino handelt – was an sich auch absolut nicht schlimm ist. Ich habe den ersten Teil trotz der nicht gerade anspruchsvollen Handlung sehr gemocht und einige meiner Lieblingsfilme beeindrucken eher durch witzige Sprüche und coole Darsteller als durch besondere Tiefe. Doch „Pitch Perfect 2“ hat nicht einmal mehr eine durchschnittliche, klischeehafte, vorhersehbare Handlung wie sein Vorgänger. Es fiel mir hier schwer, überhaupt eine wirkliche, durchgängige Handlung zu erkennen. Gefühlt gab es für mich hier eher eine sehr magere Haupthandlung (Die Bellas wollen die Weltmeisterschaft gewinnen.), die jedoch die meiste Zeit von unzusammenhängenden Nebengeschichten überlagert wurde (Becca macht ein Praktikum im Tonstudio, eine Neue kommt an die Uni , Bumper und Amy.). Das führte nicht nur dazu, dass die WM-Geschichte nicht wirklich ausreichend ausgebaut wird, um einen mitzunehmen, sondern auch dazu, dass einem die ganzen Nebenhandlungen entweder zu viel werden und unnötig erscheinen oder viel zu schnell gehen.
So wird beispielsweise Emily, die Neue im Bunde, relativ lieblos und schnell eingeführt, ohne dass man besonders viel von ihrem Charakter mitbekommen würde und ohne dass sie einem sonderlich ans Herz wachsen würde. Benjamin, der etwas schräge Treblemaker, an den sich einige noch aus dem letzten Film erinnern werden, verliebt sich aber natürlich sofort in sie und – Spoiler – nachdem die beiden im ganzen Film etwa zwei Sätze geredet haben, küssen sie sich am Ende, denn man musste dem armen Benji ja schließlich auch mal ein Mädchen besorgen, egal ob es irgendwie realistisch ist.
Viel überraschender geht es weiter mit Bumper und Amy – Spoiler –, bei denen sich plötzlich aus scheinbar rein sexueller Anziehung eine Beziehung und sogar eine Verlobung entwickelt. Meine erste Reaktion war tatsächlich: „Was zur Hölle?“. Nie wurde bisher auch nur irgendwie angedeutet, dass die beiden sich wirklich gut kennen, viel Zeit mit einander verbringen und andere Dinge tun als miteinader rumzumachen und Sex zu haben, und auf einmal wird Bumper zu einem in Tränen aufgelösten Romantiker und beide singen ein kitschiges Duett. Habe ich da etwas verpasst? An sich ist das ja keine uninteressante Entwicklung, aber da gerade Bumper als Charakter bisher nur der oberflächliche Macho war, ist diese Beziehung für den Zuschauer doch etwas schwer nachzuvollziehen. An dieser Stelle gilt eindeutig: Die Filmemacher hätten sich eventuel entscheiden sollen, welche Nebenhandlung ihnen am wichtigsten ist, und diese dann genauer ausführen sollen, statt mehre oberflächlich zu behandeln.
Als weitere Nebenhandlung wäre da nämlich noch Beccas Praktikum bei einem Musikproduzenten, bei dem es vor Klischees nur so trieft. Natürlich muss sie erstmal nur Kaffee kochen und natürlich macht der Produzent einen auf megacool und behandelt seine Angestellten wie den letzten Dreck und natürlich – Spoiler – entdeckt er Beccas Talent im Laufe der Geschichte und wird plötzlich zahm wie ein Lämmchen und natürlich bekommt Becca wegen der vielen Zeit, die sie in ihre zukünftige Karriere investiert, Stress mit den Bellas.  Gähn. Gerade auf diesen Teil der Geschichte, der vermutlich der am wenigsten originelle und überraschendeste war, hätte ich gerne verzichten können, aber auch hier gilt, dass dieser Handlungszweig einfach viel zu selten behandelt wurde, um wirklich ausgereift zu wirken.

Was bleibt also noch, was dem Film Charme verleihen könnte? Die Charaktere und die Dialoge. Leider auch hier: Fehlanzeige.
Sicher, Fat Amy hat auch in diesem Film wieder einige freche Sprüche und unterhaltsame Showeinlagen drauf und die beiden Moderatoren der A-cappella-Meisterschaften sind wieder so herrlich böse und überzoge rassistisch und sexistisch, dass sie fast schon wieder lustig sind, doch ansonsten strotzt der Film nur so vor flachen, schlechten Witzen, die teilweise wirklich auf Kindergarten-Niveau sind (Hihi, Klo-Witze, hihi, eine Vagina.), vor komplettem Over-Acting und unrealistischem Verhalten der Figuren oder aber vor total flachen Figuren, die einfach so gut wie nie vorkommen.
 Erinnert ihr euch noch daran, dass Becca im ersten Teil eine richtige Wandlung durchmachte, von der grantigen Eigenbrötlerin zum fröhlichen Gruppenmenschen? Tja, in diesem Teil zeigt sie eigentlich kaum wirklich irgendeinen Teil ihrer Persönlichkeit, abgesehen von den wenigen ernsten Momenten des Films, in denen es um die jeweiligen Zukunftsträume der Bellas geht.
Vom süßen Jesse, der mir im ersten Teil mit seiner fröhlichen Art ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte, ist hier kaum etwas zu sehen und auch der etwas seltsame, aber liebenswerte Benji bekommt hier zwar einen Auftritt, der jedoch blutleer und lieblos wirkt im Vergleich zu seiner Geschichte im ersten Teil.
Bumper und Amy, deren Verhalten in diesem Film meiner Meinung nach absolut nicht nachzuvollziehen war, habe ich ja bereits erwähnt, ebenso wie die unglaublich farblose und langweilige neue Figur, Emily. Viele andere Figuren bleiben damit auch gar nicht mehr übrig, da die meisten anderen Bellas ja schon immer zu kurz kamen, beispielsweise die Asiatin mit der leisen Stimme, die scheinbar nur dafür da ist, in den seltsamsten Situationen die skurrilsten Sprüche zu bringen.
Bleiben eigentlich nur noch die „Antagonisten“ dieses Films, die deutsche Gruppe namens „Das Sound Machine“ – ein Name, der absolut keinen Sinn ergibt, da jeder Deutsche doch bei „Sound Machine“ vermutlich eher den Artikel „die“ verwendet hätte, oder nicht? Mal abgesehen von dem fürchterlichen „deutschen“ Akzent, mit dem DSM singt (Und mal ehrlich: Welcher Musikliebhaber, der dann auch noch als Sänger international erfolgreich ist, kann kein th aussprechen? – Mal abgesehen davon, dass die Sänger bis auf einen auch alle keine Deutschen waren, sodass der Akzent nicht einmal authentisch war.) wirkt die Gruppe generell einfach nur überzogen. Die beiden Frontsänger rennen die ganze Zeit mit aggressiver Miene und ach so bösen Sprüchen durch die Gegend, ohne dass sie und die Bellas auch nur einen intelligenten, originellen, witzigen Wortwechsel hätten, und tragen dann auch noch so affige Outfits, dass man sie eigentlich gar nicht ernstnehmen kann. Tut mir leid, aber flachere und gleichzeitg lächerlichere Gegner hätte man für die Bellas vermutlich nicht auftreiben können.
Ich habe bestimmt 40% dieses Films mit vor die Stirn geschlagener bzw. vor die Augen gehaltener Hand dagesessen, weil ich mir viele Szenen einfach nicht anschauen konnte, da ich so mit Fremdschämen beschäftigt war. Waren die Figuren im letzten Teil noch erfrischend, charmant und unterhaltsam, sind sie hier einfach nur noch peinlich oder so langweilig, dass sie einem kaum auffallen.


Fazit

Eine krude und teilweise arg kitschige und vorhersehbare Handlung, die zu viel auf einmal will; flache und/oder völlig überzogene Figuren, die beinahe nie einen witzigen Spruch bringen – „Pitch Perfect 2“ hat bei mir gute Chancen auf den Titel „Enttäuschung des Jahres“. Was im ersten Film teilweise noch charmant und witzig war, wirkt hier einfach nur noch lächerlich. Alleine für die tollen Musikeinlagen vergebe ich noch 2 Sterne, empfehle jedoch dringend, sich einfach nur den Soundtrack anzuhören und sich den Film zu sparen. 
 

Kommentare:

  1. Latha math, Charlie.
    Zwomal im Juli - Du arbeitest nicht zufällig für den August vor!? ;-)

    Witzige Sprüche & Coole Typen können durchaus auch Tiefgang im Schlepptau führen. 'Scott Pilgrim' oder 'Clerks' als da passende Beispiele.

    Was die Entwicklung hinter dem zweiten Spoiler-Feld angeht, so waren wohl einige Beteiligte um die Ethik der Moral in Sorge. Sodomitisches Gomorra auf acht Uhr, sozusagen.

    Anzunehmenderweise war Kay Cannon - jetzt außer "Kindergarten", "Bier" oder "Schnitzel" - kein weiteres deutsches Wort geläufig, außer "das". Oder Ihm war nicht die nähere Bedeutung von der/die/das (le oder la) der fremdländischen Gramatik ein Begriff; quasi das angelsächsische Pendat zum "th"-Problem hiesiger Zungen.

    Die ist nach der Visite des Film hoffentlich keine Hornhaut auf der Stirn deswegen erwachsen... :-)

    bonté

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    1. Salut RoM,

      sieht wohl so aus *seufz*. Ich weiß echt nicht, was aus diesem Blog werden soll, wenn ich weder zum Bloggen, noch zum Lesen anderer Blogs komme.

      Beies sagt mir zwar nichts, aber ich stimme dir zu. Das ist sogar meine liebste Kombination bei Filmen, Serien und Büchern: eine Mischung aus Humor und Tiefgründigkeit.

      Daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber das könnte tatsächlich eine Erklärung sein - wenn es auch ein in meinen Augen total bescheuerter Grund ist. Lieber authentisch als nur noch brave kleine Mädchen und Bilderbuchbeziehungen zeigen.

      Das habe ich mir auch schon gedacht, wobei ich nicht glaube, dass es so schwer gewesen wäre, einen echten Deutschen zu fragen, zumal sogar einer mitgespielt hat, der zwar grausiges Englisch, hoffentlich aber gutes Deutsch spricht und sicher den Unterschied zwischen "der" und "die" kennt.
      Zu diesem Thema fällt mir immer der Text "Die schreckliche deutsche Sprache" ein, in dem Mark Twain unter anderem das Artikel-Problem im Deutschen auf amüsante Weise behandelt. Kennst du den?

      Nein, es hat allerdings gutgetan, meinen Frust in dieser Rezension auszulassen :D.

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    2. ...ich lese Dich auch in langen Intervallen gerne!!!
      'Scott Pilgrim' könnte Dich vor Vergnügen, Spaß, guter Laune aus den Latschen kippen - und das sagt jetzt ein "alter Sack" wie ich! ;-)
      Dicke Laune-Empfehlung!
      Anarchischen Spaß findest Du bei 'Clerks'...
      Zwomal dicke Empfehlung. :-D

      bonté

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    3. Das freut mich :).
      Ich werde beide Filme mal im Hinterkopf behalten!

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  2. Huhu,
    der gleichen Meinung war ich auch, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass der Film wirklich so viel Erfolg hatte, da 2017 der dritte Teil in die Kinos kommen soll. Ich hätte irgendwie mehr erwartet und war am Ende etwas enttäuscht, auch wenn ich das nicht unbedingt zugeben wollte. Ich war mit meinen Freundinnen im Kino und habe den Film gesehen, oft fande ich die Situationen im Film einfach nur peinlich und ich muss sagen, dass mir nur das Ende gefallen hat mit dem Song. Das andere war teilweise irgendwie das Gleiche und wie du schon sagtest vorhersehbar.:)
    LG Sky

    meinekreativewelt13.blogspot.com

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    1. Was, es soll noch einen dritten Teil geben? Na super. Den werde ich mir sicher nicht ansehen, dafür ist mir mein Geld dann echt zu schade.
      Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so ging, auch wenn es natürlich schade ist, dass dir der Film nicht gefallen hat :/.

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