[Buchrezension] "Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums" von Benjamin Alire Sáenz

Charlie | Samstag, 5. September 2015 |

Eines der Geheimnisse des Universums ist die Frage, wieso ich so lange gebraucht habe, um dieses Buch zu finden

© Thienemann







Originaltitel: Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe
Autor: Benjamin Alire Sáenz
Verlag: Thienemann
Genre: Coming of Age, Jugendbuch
Reihe: /
Erscheinungsdatum: Juli 2014
Seitenzahl: 384 (Gebunden)
Verlagsseite













Inhalt 

Dante ist fröhlich, aufgeschlossen und interessant - ganz anders als er selbst, findet Ari. 
Ari weiß noch nicht so richtig, wer er ist, wo sein Platz im Leben ist und was er vom Leben will. Doch die Freundschaft zu Dante ist anders als alles, was er bisher erlebt hat. Dante bringt ihn dazu, Lyrik zu lesen und über alles mögliche zu reden und zu lachen, wie er es noch nie mit einem Menschen getan hat. Dante schenkt ihm auch einen ganz neuen Blick auf das Leben. Mit Dante entdeckt Ari die Geheimnisse des Universums.


Meinung 

Eines der Geheimnisse des Universums ist für mich definitiv die Antwort auf die Frage, wieso ich so lange gebraucht habe, um dieses Buch zu finden und zu lesen. Oder wieso es so lange gedauert hat, bis ein solches Buch geschrieben wurde. 
Zugegeben, ich war recht skeptisch, als ich die vielen begeisterten Rezensionen gelesen habe. Es klang doch eher wie eine von vielen YA-Geschichten/Coming-of-Age-Geschichten; wie ein Buch, dessen Ende man schon sofort vorausahnen kann. Konnte das Buch wirklich so besonders sein, wie viele Rezensenten sagten?
Ja, es konnte.

"Aristotle & Dante" ist definitiv ein besonderer Roman und damit meine ich nicht nur, dass er besonders gut ist, sondern auch, dass er von der Art her anders ist, als jedes andere Buch, das ich bisher gelesen habe. Auf diesen Roman muss man sich einlassen. Man muss vergessen, was man über den "typischen Aufbau", die "typischen Figuren" und den "typischen Schreibstil" von Jugendbüchern weiß und einfach die Geschichte genießen.
Doch gerade weil es so anders ist, kann ich auch verstehen, wenn Leute mit den Roman nicht klarkommen.

"Aristotle and Dante" ist ein sehr ruhiges Buch, dem es am üblichen Spannungsbogen herkömmlicher Romane mangelt. Statt kontinuierlich auf einen Konflikt hinzuarbeiten, der dann schließlich in einem Drama gipfelt und zum Ende hin aufgelöst wird, plätschert die Handlung mit mehr oder weniger vor sich hin, beschäftigt sich auch viel mit dem Alltag und Aris Familienleben und nicht nur mit Dante. Es fällt schwer, genau zu sagen, worum es in dem Roman geht, denn es geht um vieles auf einmal, aber nicht immer um etwas Greifbares, klar zu Definierendes. Das stört jedoch keinesfalls, denn im Grunde gibt der Roman gerade dadurch authentisch das Leben eines Jugendlichen oder eines Menschen allgemein wieder: Das Leben spielt nunmal auch nicht nach den Regeln der Literatur. Es gibt nicht immer nur einen großen, spannenden Konflikt, der sich innerhalb einer bestimmten Zeit komplett lösen lässt, sondern oft eher viele kleine Konflikte, die die Menschen mit sich selbst ausfechten, so wie Ari und Dante es tun. Und das kann seine Zeit dauern. Es kann auch vorkommen, dass den Menschen monatelang nichts aufregendes passiert und dann plötzlich alles auf einmal. Genau das zeigt dieser Roman und deshalb ist er oft auch sehr ruhig. 

Wie bereits erwähnt ist es schwer, dass Thema dieses Romans genau zu fassen, denn es geht nicht einfach "nur" um die Freundschaft von Ari und Dante. Es geht um Freundschaft, ja, doch es geht auch um Familie, um Geheimnisse und wunde Punkte, die jeder hat, um die Frage, wer man ist und wo man hingehört, und um die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Es klingt vielleicht langweilig, aber man kann es wohl zusammenfassen mit: Es geht ums Erwachsen werden. 
Sáenz spricht dabei viele Themen und Fragen an, mit denen sich sicher jeder schon einmal beschäftigt hat, was den Roman für jeden Leser interessant machen kann.
 Viele dieser Fragen und Zweifel präsentiert er durch die Gedanken seiner Hauptfigur Ari, wobei es ihm wunderbar gelingt, die Stimme und Gedanken eines Jugendlichen authentisch wiederzugeben. Als Jugendliche, die nur wenig älter ist als Ari im Buch, habe ich mich selbst oft in ihm wiedererkannt und war begeistert, dass der Autor mich so gut zu verstehen schien. 

Einen großen Teil zu Aris Authentizität trägt sicher auch der Schreibstil bei, der sich gut in den ruhigen Fluss der Handlung fügt. Das Buch besteht aus vielen kurzen Kapiteln, von denen einige mehr Handlung, andere eher kurze Gedanken und Dialoge enthalten, wodurch man das Gefühl hat, tatsächlich in Aris Kopf zu stecken und die Geschichte durch seine Augen zu erleben. Ein wenig ist der Roman wie ein Tagebuch, in das Ari mal seine aktuellen Gedanken schreibt, mal beschreibt, wie sein Tag, seine Woche oder die letzten Monate waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Jungendbuchautoren, die versucht haben, die Gedanken eines Jugendlichen authentisch wiederzugeben, indem sie seine Sätze verstümmeln und mit vermeidlich coolen Schimpfwörtern bestücken, ist Benjamin Alire Sáenz dieses Vorhaben in meinen Augen auf ganz andere Weise gelungen und es sind sogar viele philosophische, intelligente Zitate dabei rausgekommen, von denen ich mir beim Lesen einige herausgeschrieben habe.

Auch die anderen Figuren, die die Geschichte nicht erzählen, zeichnet Sáenz liebevoll und authentisch, sodass man das ein oder andere Mal unwillkürlich lächeln muss, wenn man von Aris und Dantes Familien oder von Dante selbst liest. Angenehm ist hier vor allem, dass es sich um eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung handelt, was, wie ich finde, in dieser Art von Roman viel zu selten vorkommt. Ari hält es für überraschend, dass Dante zugibt, seine Eltern zu lieben. Ich finde es sehr angenehm zu lesen, dass beide Jungen das tun. Nicht, dass es nicht auch kaputte Familien mit Problemen gäbe und nicht, dass das nicht auch in diesem Roman zur Sprache käme. Doch Dantes und Aris Eltern sind eine wirklich angenehme Abwechslung.
Die wichtigste Figur nach Ari ist aber natürlich Dante. Dante, den Ari von Anfang an ein wenig bewundert, da er so anders ist als er selbst. Dante scheint selbstbewusst und quirlig, er kümmert sich nicht so viel darum, was andere von ihm denken oder von ihm wollen. Doch Dante ist keinesfalls perfekt und wird auch von Ari nicht so dargestellt oder gesehen. Auch er hat seine Schwächen und ist unsicher bei  bestimmen Themen und Fragen. Zusammen bilden Ari und Dante ein wunderschön unperfektes Paar, die Art von Freunden, über die ich in der Literatur gerne mehr lesen würde.


Fazit 

Ari und Dante - Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, was mir an ihrer Geschichte so gut gefallen, was mich so fasziniert und verzaubert hat, aber ich bin mir sicher, dass ich dieses Buch noch lange als etwas Besonderes in Erinnerung behalten werde. Mag sein, dass die Ruhe und Gemächlichkeit oder der fehlende rote Faden des Romans nicht jedem zusagen, doch ich würde diese wunderbare, authentische, einfühlsame Geschichte über das Erwachsenwerden trotzdem jedem ans Herz legen, der schon erwachsen geworden ist oder noch dabei ist. Bestimmte Fragen stellen wir uns alle, bei bestimmten Dingen sind oder waren wir uns alle mal unsicher - "Aristotle and Dante" zeigt uns, dass wir damit nicht allein sind. Ich vergebe 5 Sterne.




Kommentare:

  1. Huhu liebe Charlie ♥
    Diese Rezension ist dir wirklich sehr gut gelungen und das Buch hüpft jetzt gleich auf meine Wunschliste. (:
    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Das ist ja lieb von dir, danke für das Kompliment :). Ich hoffe, es wird dir auch so gut gefallen wie mir.
      LG, Charlie

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  2. Wieso du so lange gebraucht hast um dieses Buch für dich zu entdecken, ist tatsächlich ein Geheimnis des Universums :D Wobei ich mich dir ja anschließen muss, dass ich vor dem Lesen sehr skeptisch war. Wenn da nicht dieses wunderschöne englische Cover wäre (das meiner Meinung nach um Längen schöner ist als das deutsche^^) hätte ich es womöglich nie gekauft und gelesen.
    Jedenfalls schön zu sehen, dass dir Ari & Dante auch so gut gefallen haben. Ich finde es wirklich schwer, das Buch und seine Einzigartigkeit in Worte zu fassen, aber dir ist das ziemlich gut gelungen ;)
    Ich möchte in Zukunft auch mal ein anderes Buch des Autors lesen, bin gespannt ob die mithalten können...

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    1. Oh ja, das deutsche Cover regt definitiv nicht zum Lesen an. Es passt zwar auch irgendwie, ist aber einfach hässlich.
      Danke für das Kompliment :). Mir fiel das Rezensieren auch ziemlich schwer.

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  3. Oh Charlie, ich hab das Gefühl du sprichst aus mir aus meiner Seele!
    Stimme dir völlig zu, dass es gut ist wie das Buch nicht den typischen Jugendbuch-Abläufen folgt, sondern einfach das Leben zeigt wie es wirklich ist. Ich glaube, das ist das große faszinierende Geheimnis, das in dem Buch steckt.
    Hast du das Buch eigentlich auf deutsch oder im Original gelesen? Wenn auf deutsch, dann muss die Übersetzung sehr gelungen sein, wenn Sáenz poetischer Schreibstil so gut rüber gekommen ist, dass du dir (wie ich auch ;) Zitate rausgeschrieben hast.

    ♥ Ley

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    1. Freut mich, dass wir da einer Meinung sind :).
      Ich hab's auf englisch gelesen (allein weil das deutsche Cover so hässlich ist ^^), aber ich nehme für die Rezension meist das Cover der deutschen Ausgabe, weil ich da die Erlaubnis des Verlags dafür habe (und ich bin ein kleiner Angsthase ^^). Daher kann ich zur Übersetzung gar keine Aussage treffen. Das sollte ich wohl mal demnächst in meinen Rezis anmerken ^^.

      LG :)
      Charlie

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  4. Dobrý vecer, Charlie.
    Um Deiner einleitenden Frage eine Replic zu verleihen...gute Bücher ähneln besonderen Menschen; es kann dauern bis sie uns über den Weg laufen. Oder: Kein neuer Tag ist vergeblich das Anmerkenswerte zu erwarten.
    Einschub!
    Hm...ich kenne auch weniger begeisterte Rezis zum Buch. :-)

    Das mit der szenischen Ruhe, der reduzierten Spannungsdramaturgie und der fast kontemplativen Beobachtung von Menschen weiß mir auch in vielen Filmen des Franzosen Eric Rohmer ausgiebig zu gefallen.

    Das mit dem Aufspüren & Verdauen der eigenen Sexualität kann als literarisches Thema in keiner Weise "langweilig" werden. Die überfährt jeden! :-)

    Was Dir vielleicht an dem Roman zu gefallen weiß, kann der Umstand sein, daß Du als Leserin gern bei Ari & Dante verweilst. Ist in real life wie mit guten Freunden.
    Denke ich.

    Wie ich in der sidebar lese bist Du bei Alice irgendwie im Kaninchenbau verhakt... ;-)

    bonté

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    1. Hallo RoM,
      das ist eine schöne Erklärung :). Ich denke, so ist es tatsächlich. Und gerade dadurch, dass sie so selten sind, werden ja besondere Menschen und besondere Bücher zu etwas besonderem.

      Nun, ich könnte das verstehen, denke ich. Nicht für jeden ist diese Art zu schreiben und der fehlende rote Faden etwas.

      Oh ja, ich habe "Alice im Wunderland" gelesen und fand es offengestanden furchtbar :D. Scheinbar liegt der Sinn des Buches darin, dass es Nonsens ist, aber es hat sich mir nicht erschlossen, wieso ich so etwas lesen sollte. Als spontan erzählte Geschichte mag es ja gut gewesen sein, aber ein Buch hätte daraus mMn nicht werden müssen.

      Viele Grüße,
      Charlie

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  5. Hallihallo! :)

    Das ist nun die dritte richtig begeisterte Rezension, die ich zu diesem Buch lesen darf: Jetzt wandert es endgültig in meinem Einkaufskorb! :) Das klingt soooo wunderbar!

    Viele liebe Grüße und einen wunderschönen Abend,
    Nana :)

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    1. Freut mich, dass ich noch jemanden inspiriert habe, dieses Buch zu lesen :).

      LG,
      Charlie

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  6. Das Buch könnte auf jeden Fall auch was für mich sein, richtig cool klingt das ^^

    Wenn du magst, habe ich einen Tag für dich :)
    http://buchlabyrinth.blogspot.de/2015/10/tag-time-book-courtship.html

    LG, Fina <3

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    1. Soo, endlich habe ich ihn beantwortet :):
      http://keinezeitfuerlangeweile.blogspot.de/2016/04/tags-book-courtship.html
      Danke fürs Taggen :).

      LG

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  7. Bore da, Charlie.
    Es weihnachtet - terminlich zumindest. Also ein Nadolig Llawen in Deine Richtung. :-)

    bonté

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    1. Dankeschön nachträglich :). Und dir wünsche ich jetzt einfach mal terminlich passend einen guten Frühlingsanfang :D. Auch wenn das Wetter hier bei mir nicht danach aussieht...

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  8. Hey,
    ich habe gerade deinen Blog entdeckt und folge dir jetzt.
    Wenn du willst schau doch auch mal bei mir vorbei :)

    LG Melie

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    1. Hallo Meli,
      das freut mich :).
      Da du noch neu unter den Bloggern zu sein scheinst, ein kleiner Tipp: Die Bitte darum, einem zu folgen, kommt bei den meisten Bloggern nicht gut an. Wenn du einen lieben, auf den entsprecheneden Post bezogenen Kommentar hinterlässt, werden die meisten von ganz allein bei dir vorbeischauen :).

      Liebe Grüße,
      Charlie

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  9. Ach Charles.

    Wie lange habe ich schon auf eine Rezension von einer Keule für dieses Buch gewartet, weil alles was ihr immer nur über das Buch, das euch so zu faszinierend scheint, war: "Ich will wirklich nichts verraten - les es einfach!". Ich wusste nie ob es überhaupt Fantasy oder Contemporary war, aber habe mich auch nie sonstigerweise danach erkundigt, weil ich auf euren Rat gehört habe.

    Jetzt ist es wieder das Problem. Dieses "Ich will kein einziges Wort von diesem wundervollen Buch verraten - les es einfach" habe ich immer noch im Kopf. Ich wollte deine Rezension wirklich lesen. Aber ich kann nicht. Auf deinen eigenen, persönlichen Rat hin und dem der anderen, werde ich nichtmal den Klappentext des Buches lesen, bis ich das Buch beendet habe und mich vollkommen überraschen ließ. Aber toll wird deine Rezension so oder so sein :*

    Alles Liebe von der 'komischen da' die deinen Freund stalkt und immer zu spät ins Bett geht. ♥
    (Und freut mich das du den Blog aufgeräumt hast und wieder beginnen willst ^-^)

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    1. Echt, wir haben gesagt, wir wollen nichts darüber verraten :D? Ein bisschen was muss man doch schon wissen, um zu entscheiden, ob man das Buch lesen will ^^.

      Dann lies das Buch endlich mal :P!

      Haha, eigentlich haben wir diese beiden Dinge sogar gemeinsam ^^.
      Ich freu mich auch schon darauf wieder zu bloggen :).

      LG <3

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