[Konzertbericht] Scott Bradlee's Postmodern Jukebox in Berlin (Huxleys Neue Welt/25.05.2016)

Charlie | Dienstag, 31. Mai 2016 |

Scott Bradlee's Postmodern Jukeobox (PMJ) - Ein Konzert zum Hüften schwingen

 

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich sie: Scott Bradlee's Postmodern Jukebox, eine meiner absoluten Lieblingscoverbands.
Die Gruppe ist ein Projekt des amerikanischen Musikers Scott Bradlee, der nach Angaben auf seiner offiziellen Facebookseite Musik macht, um nie einen richtigen Job haben zu müssen, womit er bislang erfolgreich ist. Für Postmodern Jukebox schreibt er Jazzarrangements moderner Popsongs, die dann von einer Band mit wechselnder Besetzung im Stil vergangener Jahrzehnte, meist der 20er, gecovert werden. Seit 2014 hat die Band, die jede Woche ein neues Cover auf ihrem Youtubekanal hochlädt, sage und schreibe zwölf Alben veröffentlicht, darunter eines mit Weihnachts- und eines mit Liebesliedern. Wer nicht das Geld hat, sich sie alle zu kaufen, oder einfach nur mal reinhören möchte, kann dies neben Youtube auch auf Spotify tun.


Besonders begeistern kann mich bei Postmodern Jukebox vor allem, dass ich in ihrer Version sogar Songs mag, die ich im Original nicht leiden kann bzw. langweilig finde, z.B. "Bad Blood" von Taylor Swift oder "Sorry" und "Love Yourself" von Justin Bieber. Ja, ich weiß, es ist schrecklich, aber ich mag in diesem Fall sogar Justin-Bieber-Songs.
Einige meiner Lieblings binde ich euch hier einfach mal ein:





Diese Version ist und bleibt mein absoluter Favorit. Während ich beim Original beinahe einschlafe, geht diese Version hier richtig ab und macht einfach Spaß.




Schade schade, dass ihr diese Version nicht live hören könnt, denn auf der Bühne war Von Smith einfach unfassbar. Dieser Mann hat eine Stimme, Wahnsinn! Und dann wirkte er auch noch so, als habe er riesengroßen Spaß an der Sache, improvisierte und phrasierte und immer, wenn man dachte, der Song sei zu Ende, legte er nochmal eine Schippe drauf.




Ich weiß nicht, ob ihr das Original non *NSYNC kennt (Ich bin dafür, glaube ich, zu jung.), aber diese Version hat es mir beim Konzert angetan, ohne dass ich wusste, wie das Original klingt, und auch jetzt halte ich sie immer noch für ein absolut geniales Cover.




Eine dieser besagten Versionen, in denen ich ein Lied mag, das ich im Original nicht leiden kann.



Ich könnte hier ewig so weitermachen, aber ich wollte ja noch zum eigentlichen Punkt kommen: dem Konzert.

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Die Stimmung in der Halle war super und ich fand es toll, wie bunt die Mischung der Zuhörer war, vor allem altersmäßig. Einige hatten sich sogar passend im Stil der 50er oder 20er gekleidet, was ich auch sehr gerne getan hätte, wäre ich an dem Tag nicht direkt von der Arbeit gekommen.
Überhaupt fand ich Huxleys Neue Welt (wieso auch immer man seinen Veranstaltungsort nach einer so deprimierenden Zukunftsversion benennt), wo ich vorher noch nie gewesen war, mit seienr Mischung aus altmodisch-schicken, stuckverzierten Wänden und der Decke in moderner Fabrikhallenoptik sehr charmant und sehr gut gewählt als Ort für ein PMJ-Konzert.

Die Bühne mit dem gerafften Vorhang im Hintergrund, der für tolle Lichteffekte sorgte und die Outfits der Sänger (vor allem die tollen 20er-Jahre-Kleider von Sara Palooza und die gruselig gemusterten Jackets von LaVance Colley) - da alles kreierte ein wunderbar zur Musik passendes Ambiente, aber das Schärfste, um die Atmosphäre komplett zu machen, war, dass PMJ tatsächlich ihre eigene Stepptänzerin, Sarah Reich, mitgebracht hatten, die - ebenfalls in extravaganten und ziemlich coolen Outfits - die Auftritte begleitete und auch das ein oder andere Solo hatte. Es wurden wirklich keine Mühen gescheut, um das PMJ-Konzert zu einem einzigartigen Vintage-Erlebnis zu machen.

Vor dem Konzert hatte ich mich gefragt, wie eine Band, die bereits mit sehr vielen Musikern gearbeitet und keine feste Besetzung hat, denn auf Tour gehen will. Die Antwort ist ganz einfach: Sie haben eine feste Band-Besetzung mitgenommen und sich auf eine gewisse Anzahl von Sängern beschränkt, die aber dennoch recht beachtlich war: immerhin vier Sängerinnen (darunter Aubrey Logan und Sarah Niemietz) und zwei Sänger (von Smith und LaVance Colley).
So kam es dann natürlich auch dazu, dass die Sänger Songs sangen, die in der eigentlichen PMJ-Version von anderen ihrer Kollegen gesungen wurden, aber das machte nichts, denn es war auch mal ganz interessant, zwei PMJ-Versionen vergleichen zu können.
Obwohl alle Sänger eine wirklich beeindruckende Stimme haben und echte Gesangskünstler sind, sind für mich zwei von ihnen am meisten herausgestochen: Aubrey Logan und Von Smith. Von Smith hat an diesem Abend einfach eine unfassbare Show hingelegt. Ihm hat man von allen am meisten angemerkt, wieviel Spaß er an seinen Auftritten hatte; er hat mit seiner Stimme gespielt, unglaubliche Höhen erreicht und seine Songs noch einmal ganz anders interpretiert als in der ursprünglichen PMJ-Version, selbst "Cry Me A River", welches er auch im Original gesungen hat. Aubrey Logan ist, wie LaVance Colley sie bereits ankündigte, ein echtes Multitalent und hat zwischen ihren fantastischen Gesangseinlagen noch Posaune gespielt und allgemein eine richtig coole Show veranstaltet, z.B. sogar ihre High Heels von den Füßen geschleudert und einen Radschlag gemacht.

Die gewählten Lieder waren eine gute Auswahl aus den zahlreichen Alben der Band, hauptsächlich die Cover aktueller Popsongs aber auch ein paar ältere Nummern wie "As Time Goes By" oder "Cry Me A River" und Songs aus anderen Genres wie "Sweet Child o' Mine" von Guns N' Roses oder "Give It Away" von den Red Hot Chilli Peppers.
Einige der Songs waren eher langsam, "Halo" zum Beispiel, doch größtenteils hatte die Band Musik gewählt, zu der nicht nur Sarah Reich sondern auch das gesamte Publikum super tanzen konnte. Nummern wie "Rude", "Roar" und "Shake It Off" laden einfach zum Tanzen ein und stillstehen war bei diesem Konzert beinahe unmöglich. Mindestens mitgewippt, geklatscht und geschnipst haben die meisten.

Angesteckt hat in diesem Fall auch die gute Laune der Musiker, die ganz offensichtlich großen Spaß an der Sache hatten. Im Vergleich zu den auf den Alben und auf Youtube veröffentlichten Versionen, wurden die Songs live teilweise noch einmal neu interpretiert, mit mehr Improvisation, weshalb sie mir so noch besser gefielen, beispielsweise "Cry Me A River". Man hatte nicht den Eindruck, dass PMJ einfach nur ihr Programm abspulen (obwohl einige der Konversationen und Ansagen, um Songs einzuleiten, schon eindeutig einstudiert waren); sie wollten die Zuschauer wirklich mit ihrer Musik begeistern.

Neben den Songs hatte die Band auch ein kleines Programm zwischendurch, in dem beispielsweise Aubrey Logan Posaunisten-Witze erzählte (Wie nennt man einen Posaunisten mit einer Webiste? - Einen Optimisten.) oder Sarah Reich und der Schlagzeuger sich ein Stepptanz-Drums-Battle lieferten. Nach letzterem stieg die Band dann langsam wieder ein und spielte unter anderem das bekannte Star-Wars-Thema an - eine witzige Einlage zwischendurch. Selbst die Ansage des Bassisten, wie man sich in die Mailliste von PMJ aufnehmen lassen könne, war sehr unterhaltsam gemacht. Er behauptete z.B., er lese sämtliche Fanpost und zwar zuerst die Mails, in denen steht "Adam, you're the best bass player in the world." und in denen man seine "Game of Thrones"-Fantheorien erklärt.

Noch ein Wort zum Merchandise, dann seid ihr endlich erlöst: Ich habe mir, wie ihr vielleicht bei Instagram gesehen habt, ein tolles PMJ-T-Shirt gekauft, aber der Rest der Merchandise schien mir leider völlig überteuert, z.B. Poster für 20€ und Buttons für 5€.

Kurz und knapp: Ich bin absolut begeistert und werde ab jetzt kein PMJ-Konzert in Berlin mehr verpassen.


Kennt ihr PMJ und wenn ja, was haltet ihr von der Band? Habt ihr sie schon einmal live gesehen? Welche anderen Künstler findet ihr live sogar besser als in ihren Studioversionen? Wen würdet ihr gerne einmal live sehen?

Kommentare:

  1. PMJ sind echt klasse. Ich war letzte Woche Mittwoch auch auf dem Konzert und bin immer noch hoch begeistert. Mir fallen wenige besuchte Konzerte ein, wo die Stimmung auf Bühne und im Publikum so klasse waren wie die am Mittwoch.
    Ich hatte jede Menge Spaß.
    Angenehm überrascht hat mich ja Annie Goodchild.
    Mein Favorit des Abends war aber neben Aubrey die wundervolle Cristina Gatti. Ich liebe ihre Stimme und Art zu singen. Wie sie zuweilen während des Gesangs süffisant lächelt, hui.
    Schade das Haley Reinhart nicht dabei war.
    Auf jeden Fall werde ich das nächste PMJ Konzert in Berlin wieder mitnehmen.

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    1. Das stimmt, die Stimmung war echt super, auch bei den Musikern selbst, und man konnte fast die ganze Zeit durchtanzen.
      Ich glaube, ich war etwas zu weit weg, um ihr Lächeln zu sehen, aber dafür fand ich ihr Kleid am Anfang und die Art, wie sie sich darin bewegt hat, super. Diese Frau weiß sich zu präsentieren, ohne Zweifel.
      Vielleicht kommt PMJ nächstes Mal ja dann in anderer Besetzung und dann mit Haley Reinhart ;).

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