[Buchrezension] "Remember Mia" von Alexandra Burt

Charlie | Montag, 6. Juni 2016 |

Spannender Ansatz, teilweise enttäuschende Umsetzung



© dtv






Originaltitel: Remember Mia
Autorin: Alexandra Burt
Verlag: dtv
Genre: Thriller
Reihe: /
Erscheinungsdatum: April 2016
Seitenzahl: 384 (Klappenbroschur)
Verlagsseite










Inhalt

Schwer verletzt wird Estelle Paradise aus ihrem Autowrack in einer Schlucht in Dover geborgen. Sie kann sich weder an den Unfall noch an die Tage davor erinnern.
Auch nicht an den Tag, an dem ihre sieben Monate alte Tochter Mia verschwand.
Hat Estelle ihrer Tochter tatsächlich etwas angetan, wie jeder - selbst ihr eigener Mann - zu denken scheint?


Meinung


Ein verschwundenes Baby, eine Hauptfigur, die vielleicht selbst die Täterin ist, und der Kampf um das eigene Gedächtnis - Das alles klang extrem spannend und ist es zu Teilen auch, wurde aber in diesem Thriller meiner Meinung nach nicht ideal umgesetzt.

Psychologisch, das muss man dem Buch lassen, ist es extrem faszinierend, vor allem, wenn man sich für postnatale Depressionen und generell Schwierigkeiten des Mutterseins interessiert. Mütter, die mit ihren Kindern überfordert sind (Und damit meine ich jetzt nicht Kinder, die mal eine unverschämte Antwort geben, sondern wirklich Gewaltfantasien gegen die eigenen Kinder und absolute Verzweiflung), habe ich in der Literatur bisher noch nicht allzu oft thematisiert gesehen.
Estelle ist durch diese Thematik eine sehr ambivalente Figur, da man einerseits oft entsetzt über ihre Gedanken ist und darüber, was sie sich selbst zutraut ihrem Kind anzutun, andererseits aber auch Mitleid mit ihr hat, da man spürt, wie verzweifelt sie versucht ein guter Mensch zu sein und sich zu erinnern, egal, wie die Wahrheit letztendlich aussehen wird.
Gerade die Tatsache, dass Estelle psychische Probleme hat und auch Gewaltfantasien in Bezug auf ihre eigenen Tochter hatte, machen das Buch natürlich immer spannender, denn einerseits spricht vieles dafür, dass Estelle am Verschwinden ihrer Tochter Schuld ist, andererseits merkt man, dass sie trotz allem immer versucht hat, eine liebende Mutter zu sein.
Das stückweise Rückerlangen ihrer Erinnerungen und das langsame Rantasten an des Rätsels Lösung sind ein sehr gelungenes Element des Buches.

Leider muss ich sagen, dass diese psychischen Störungen und ihre Verzweiflung so ziemlich das einzige sind, was man von Estelle an Charaktereigenschaften mitbekommt. Obwohl die Autorin auch viel mit Rückblicken bis in Estelles Kindheit arbeitet, hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, sie irgendwie besser kennenzulernen. Man erfährt einiges über ihre äußeren Lebensumstände und ihre Ehe, aber beispielsweise nichts über ihre Hobbys, kleine Macken und seltsame Angewohnheiten, irgendwelche Vorlieben (Musikgenres, Essen, etc.). Nun könnte man natürlich argumentieren, dass solche Details für die Handlung des Thrillers irrelevant sind, aber ich finde, das hätte mir die Figur Estelle nähergebracht, sie lebendiger wirken lassen und so dafür gesorgt, dass man besser mit ihr mitfiebern kann.
Estelles Mann Jack, der im Buch kaum je wirklich in Erscheinung tritt, wird da in wenigen Kapiteln weitaus genauer charakterisiert.

Auch mit der Auflösung und generell dem Ende war ich nicht sehr zufrieden. Der Ablauf von Mias Verschwinden wirkte auf mich sehr konstruiert, die Motivation des/der Täters/Täterin recht klischeehaft und überzogen, ebenso wie diverse Rückblicke auf die Zeit kurz vor dem Unfall.
Der Zweck des Zeitsprungs am Ende wurde mir nie so ganz klar und das letzte Kapitel kam mir dann wiederum zu abrupt.


Fazit

Aus der spannenden Idee und vor allem dem Thema postnatale Depression in Kombination mit möglichem Kindsmord hätte man eine Menge machen können, doch leider verpasste die Autorin die Chance, ihrer in Teilen sehr faszinierenden Figur etwas Leben einzuhauchen. Auch die Auflösung wirkt nicht immer besonders originell und das Ende zu überstürzt und einfach. Ich vergebe knappe 3 Sterne.

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