[Serien-Kurzrezensionen] "Criminal Minds" Staffel 1 und "The Night Manager"

Charlie | Sonntag, 19. Juni 2016 |

"Criminal Minds" - Staffel 1




Genre: Thriller
Länge: 22 Folgen à 42min
Altersfreigabe: ab 16
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: September 2005 - Mai 2006 (auf CBS)
Deutssprachige Erstausstrahlung: August 2006 - Januar 2007 (auf ATV)
Darsteller: Mandy Patinkin, Shemar Moore, Lola Glaudini, Thomas Gibson, Matthew Gray Gubler, A. J. Cook, Kirsten Vangsness, u.a.
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Inhalt

Die Behavioural Analysis Unit (BAU) des FBI ermittelt in Kriminalfällen, in denen der Täter einem besonderen psychologischen Muster folgt, häufig bei von Serienkillern begangenen Verbrechen. Sie erstellen ein psycholigisches Profil, um den Täter zu fassen und weiteren Verbrechen vorzubeugen.



Meinung

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein morbides Interesse an Medien aller Art (seien es Zeitschriften, Bücher, Filme oder Serien) über Verbrechen habe, wobei es mir die Gerichtsmedizin, die forensiche Psychologie und Informationen über Serienkiller besonders "angetan haben" (was natürlich nicht heißen soll, dass ich irgendetwas davon gutheiße, ich finde es nur faszinierend.). Daher wollte ich "Criminal Minds" unbedingt einmal sehen, doch meine Erwartungen wurden nicht hundertprozentig erfüllt.

Positiv hervorzuheben ist, dass der Aufbau der Folgen von dem anderer Serien abweicht, da hier der Täter oft nicht im unmittelbaren Umfeld des Opfers gesucht wird und am Ende meist niemand ist, den der Zuschauer bereits kennt. Sattdessen geht es oft um das Profil des Täters, seine Motivation und wie sich aus seinen Taten Informationen über ihn, seine Vergangenheit und seine Vorgehensweise gewinnen lassen, durch die das Team ihn meist letztendlich schnappen kann. Es gibt also kein langes Rätselraten mit beispielsweise dem klischeehaften Verdächtigen, der dann doch etwas weiß, aber es erst geheimhält und dann noch mehr Stress bekommt. Stattdessen bekommt der Zuschauer psychologische Analysen und immer wieder eingestreute, spannungssteigernde Clips, in denen der Täter bei seinem aktuellen oder der Wahl eines neuen Opfers gezeigt wird, während die BAU noch im Dunkeln tappt.
Das ist mal etwas Anderes und besonders für an forensischer Psychologie interessierte Zuschauer interessant, da man einiges über bestimmte Krankheitsbilder lernt. Leider fällt auch auf, dass sich die Profile der Täter irgendwann wiederholen bzw. ähnlich sind oder in altbekannte Klischees (die Mutter hat ein Trauma ausgelöst, der Täter ist ein religiöser Fanatiker, etc.) abdriften, die man auch in zweitklassigen Psychothrillern finden kann.

Neben den Fällen sind mir bei Krimiserien auch die Figuren sehr wichtig, denn die können, je nach Serie, entweder faszinierend oder zumindest unterhaltsam sein. Die Charaktere in "Criminal Minds" waren in meinen Augen leider beides nicht. Klar, die Ermittlungsmethoden des erfahrenen und immer souverän wirkenden Jason Gideon sind anfangs ganz faszinierend, bis sie dann auch langsam zum Klischee werden, und das Gefrotzel zwischen Morgan und der schrägen technischen Analytikerin Penelope Garcia ist recht unterhaltsam, aber wirklich spannend fand ich sie alle nicht. Entwerder waren sie wie J.J., Morgan und Elle recht farblos oder beinahe klischeehaft und überzeichnet wie Gideon und Garcia (welche mich übrigens sehr an die ebenfalls exzentrische Analytikerin Abby aus NCIS erinnert). Hodge, Familienvater und Chef des Teams, hat ebenfalls bereits zu Anfang begonnen, mir auf die Nerven zu gehen - nicht, weil er unsympathisch wäre, aber weil man schon von der ersten Folge an erahnen kann, dass es irgendwnan bei ihm einen Ehekrach geben wird, weil er zu wenig Zeit mit seiner Frau und seinem Kind verbringt. Und private Dramen von Ermittlern, die sich dann im schlimmste Fall noch auf ihre Arbeit auswirken, finde ich sehr anstrengend.

Alles in allem unterhält "Criminal Minds" zwar gut und bietet einen interessanten,  neuen Ansatz und Aufbau für Krimiserien, wird jedoch mit der Zeit, nicht zuletzt wegen der farblosen Figuren, etwas langweilig. Ich vergebe 3 Sterne.




The Night Manager





Genre: Thriller
Basiert auf: dem gleichnamigen Roman von John le Carré
Länge: 8 Folgen à 45min (im Original 6 Folgen à 60min)
Altersfreigabe: ab 12
Produktionsland: Großbritannien, USA
Erstausstrahlung: Februar - März 2016 (auf BBC One)
Deutssprachige Erstausstrahlung: 28. März (auf Amazon Video)
Darsteller: Tom Hiddleston, Hugh Laurie, Olivia Colman, Elizabeth Debicki, Tom Hollander, Alistair Petrie u.a.
 Quelle




Inhalt

Kairo 2011: Jonathan Pine (Tom Hiddleston) ist Nachtwächer eines Nobelhotels in Kairo und wird eines Tages von einer Frau namens Sophie Alekan, der Geliebten Freddy Hamids, welcher einer mächtigen kairoer Familie angehört, ins Vertrauen gezogen. Sophie besitzt Dokumente, die belegen, dass die Hamids mit einem britischen Unternehmer namens Richard Roper (Hugh Laurie) mit Waffen handeln. Trotz Pines Versuchen, Sophie zu beschützen, wird diese kurz darauf ermordet, was bei Pine, der sich einem Freund in der britischen Botschaft anvertraut hat, den Verdacht auslöst, dass die Regierung ebenfalls ihre Hände im Spiel haben könnte.

Vier Jahre später begegnet Pine, der nun in der Schweiz arbeitet, Roper wieder, doch nun arbeitet er mit der britischen Agentin Angela Burr (Olivia Colman) zusammen, die Roper ebenfalls um jeden Preis zur Strecke bringen will. Pine soll sich in Ropers Reihe einschleichen und ihn so zu Fall bringen, während Burr in London gegen Korruption in der Regierung kämpft.


Meinung

Ich gestehe: Diese Miniserie wollte ich nur wegen der Schauspieler sehen, denn ich bin aus unerklärlichen Gründen ein absoluter Tom-Hiddleston-Fan und begeistert von Hugh Laurie als "Doctor House". Und die Darsteller haben mich auch definitiv nicht enttäuscht.

"The Night Manager" ist eine erstaunlich ruhige Serie, in der die Spannung Folge für Folge mehr aufgebaut wird, was vor allem an der psychologischen Dichte zwischen den Figuren liegt, deren Motive man immer wieder hinterfragt und hinter deren Fassade man einfach nicht zu blicken vermag. Hugh Laurie mal als charmanten, aber gefährlichen Bösewicht zu sehen, war eine interessante Abwechslung und er meistert diese Rolle so überzeugend, dass ich des Öfteren Angst um einige der Figuren hatte. Roper ist absolut skrupellos, hat gleichzeitig aber nach außen hin einer sehr glaubhafte Gutmensch-Fassade - ein Gegensatz, den Laurie sehr authentisch zu vermitteln versteht. 
Doch auch Pine, die Hauptfigur, ist nicht nur schwarz-weiß und da man häufig nichts über sein Innenleben und seine Anweisungen von Burr weiß, wird man des Öfteren von seinen Handlungen überrascht. 
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Figuren in Ropers Umkreis, beispielsweise seine Geliebte Jed, seine Partner Corky (wobei es mich dermaßen irritiert hat, dass dieser von Tom Hollander gespielt wurde, welchen ich als Mr. Collins aus "Stolz und Vorurteil" kenne, weshalb ich ihn kaum ernstnehmen konnte, obwohl auch er sehr gut spielt) und Sandy und seine Bodyguards Tabby und Frisky. Alle Schauspieler sind exzellente Wahlen für die jeweiligen Rollen und genau deshalb entwickelt sich in der Serie diese unterschwellige Spannung, die dafür sorgt, dass man trotz wenig Action immer weitergucken will. 

Im Laufe der Serie zieht sich das Netz um Pine und Burrs Fall immer weiter zusammen. In London wird deutlicher und deutlicher, dass Roper mehr als einen Vertrauten in hohen Positionen in Regierung und Geheimdienst hat, was einen sowohl um Burr als auch um Pine fürchten lässt, und in Spanien, wo Roper sich einen Großteil der Zeit, die die Serie abdeckt, aufhält, bewegt Pine sich auf dünnem Eis und riskiert nicht nur sein eigenes Leben.
Hier haben mir jedoch einige Erklärungen bezüglich der Handlung gefehlt. Ropers viele gute Kontakte kann man ja noch damit erklären, dass er nun mal ein reicher und einflussreicher Geschäftsmann ist und ggf. erpressen oder bestechen kann, doch was in meinen Augen nur unzureichend erklärt wurde, war, wieso Roper Pine so schnell vertraut. Selbstverständlich war das für den Spannungsbogen der Serie notwendig, doch es kam mir nicht realistisch vor - vielleicht, weil man keine Einblicke in Ropers Gedankenwelt bekommt, was in der Buchvorlage möglicherweise anders ist.
Den Showdown in der letzten Folge habe ich natürlich erwartet und gebraucht, fand ihn aber doch etwas enttäuschend, da er nicht wirklich Überraschungen bietet. Hier weicht die Miniserie übrigens ganz gravierend von der Romanvorlage ab. Generell passiert in der letzten Folge alles, was in den anderen Folgen, die sich teilweise so dahingeschleppt haben, nicht passiert ist. 

"The Night Manager" greift immer wieder aktuelle Themen (Waffenhandel und Korruption) auf und mischt sie mit der nötigen Prise Drama (Liebe, Rache), zieht sich jedoch anfangs stark in die Länge, weist einige Lücken auf und kann mit dem Ende nicht wirklich überraschen. Auch wenn die Darsteller alle fantastisch und ihre Rollen faszinierend sind, kann ich nur knappe 4 Sterne geben.

Ein Lob gibt es übrigens für das toll gestaltete Intro

Wer auf British English steht, sollte sich außerdem bewusst machen, dass Tom Hiddleston zwar eine (in meinen Augen) echt tolle Stimme hat, die Serie aber inhaltlich recht komplex ist und einem ohne Untertitel einige Informationen umgehen. Untertitel gibt es bisher leider nur auf Deutsch und noch nicht auf Englisch.

Kommentare:

  1. Also Criminal Minds schaue ich nur ab und an mal, muss aber sagen, dass es gerade in den späteren Staffeln auch einige recht krasse Fälle gab. Die Figuren mochte ich zwar, vor allem Reid und Morgan, aber zu meinen Lieblingsserien zählt die Produktion trotzdem nicht. Schaue sie eher mal, wenn abends nichts mehr im Tv kommt und ich noch nicht schlafen möchte.

    The Night Manager hingegen fand ich auch super. Schauspielerisch ist die Serie einfach auf sehr hohem Niveau, da gibt es echt nichts zu meckern. Bei der Storyline fand ich es schön, dass man sich so ein aktuelles Thema ausgesucht hat, das ja auch recht komplex ist. Das hat einfach sofort mein Interesse geweckt und ich fand es erfrischend, dass man hier die Spannung langsam aufgebaut hat. Das Finale hat zwar ein paar Schwachstellen, aber alles in allem ist es wirklich eine Mini Serie die sich sehen lassen kann und die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man die Chance dazu hat, sie anzschauen.

    Somit zwei wirklich tolle Kritiken.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Aww Dankeschön für das liebe Kompliment. Genau so geht es mir im Moment auch ständig, mittlerweile lasse ich mich aber auch öfter mal auf Stücke ein, die ich sonst wieder zurückgehängt hätte.

    Das ist ja echt ne unschöne Erfahrung, die du da machen musstest. Ich finde die Gründe, warum über jemanden gelästert wird, auch sehr lächerlich. Es ist doch nichts Schlimmes dabei, dass du nicht so für Partys interessierst ist doch nichts schlimmes. Ich bin davon übrigens auch nicht so der Fan ;). Bist da also nicht alleine. Jedoch finde ich, sagt das ja nichts über den Charakter aus.

    Sowas finde ich aber auch echt schlimm, zeigt aber auch nur wieder, dass manche halt ne große Klappe haben, aber nichts dahinter steckt. Es gehört nun mal auch ne Portion Mut dazu, jemanden zu sagen, dass es vielleicht nicht so passt oder einfach mal ehrlich zu sein. Da muss man einfach drüber stehen. Finde es somit toll, dass du dir selbst heute treu bleibst und dich nicht verbiegen lässt. Das ist auch in der Jugend erstmal was, was man lernen muss. Ich wollte wie gesagt auch immer jedem gefallen, aber irgedwann geht das einfach nicht mehr.

    Ach was ich finde nicht, dass du vom Thema abgekommen bist. Ich habe ja auf solche Vorfälle angespielt, wo man versucht, anderen zu gefallen, das tut was der Rest will, auch wenn man sich selbst dabei vielleicht gar nicht wohlfühlt. Habe ich früher nämlich auch getan, um bei meinen Freundinnen auf jeden Fall angesagt zu bleiben.

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    1. Krass im Sinne von brutal oder spannend? Brutal sind da bis jetzt ja auch einige, aber trotzdem packt mich die Serie noch nicht so.

      Beim Night Manager haben sie das gut in die aktuelle Zeit verlegt und mit dem arabischen Frühling und so verbunden, das stimmt. Und die Spannung wird definitiv gut aufgebaut. Bloß schade, dass dann das Finale eben diese Schwachstellen hatte.
      Sehenswert ist die Serie natürlich trotzdem, das stimmt.

      Danke für das Kompliment :).

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