[Serienrezension] "Broadchurch" - Staffel 1

Charlie | Freitag, 3. Juni 2016 |

Extrem emotional, extrem genial gespielt, extrem bedrückend






Genre: Krimi/Thriller
Länge: 8 Folgen à 44-50min
Altersfreigabe: ab 12
Erstausstrahlung: März - April 2013
Darsteller: David Tennant, Olivia Colman, Jodie Whittaker, Andrew Buchan, u.A.
Quelle





Inhalt

Der 11-jährige Daniel Latimer wird tot unter einer Klippe am Strand der Kleinstadt Broadchurch gefunden. Selbstmord wird bald ausgeschlossen; Danny wurde erwürgt und seine Leiche dort platziert.
Während die Bevölkerung spekuliert und die Ehe der jungen Eltern zu zerbrechen droht, müssen DS Ellie Miller, eine Nachbarin der Familie Latimer, und DI Alec Hardy, der noch immer darunter leidet, einen alten Mordfall nicht gelöst zu haben, Dannys Mörder finden.




Meinung


Meiner Erfahrung nach - und ich schaue jede Krimiserie, die in in die Finger bekomme - gibt es zwei Sorten von Krimiserien: die lockeren, oft auch humorvollen, mit Ermittlern, die die ein oder andere lustige Macke haben und Staffeln mit 22-24 Folgen, die jeweils eine abgeschlossene Handlung haben und die kürzeren, bedrückenderen, ernsteren. Diese haben meist nur wenige Folgen, die dafür aber alle aneinander anknüpfen und nur einen einzigen Fall behandeln. Sie geben einem mehr Zeit, die Figuren und den Fall kennenzulernen und in die Handlung mit einzutauchen, beleuchten Einzelschicksale - nicht zuletzt auch die der Ermittler - näher und nehmen einen so oft noch mehr mit. "Broadchurch" ist gehört zur zweiten Kategorie.

Die Serie spielt in einer Kleinstadt, in der beinahe jeder jeden kennt, und behandelt nicht nur die Ermittlungen im Mordfall Daniel Latimer, sondern auch die Folgen, die der Mord für die Stadt hat: gegenseitiges Misstrauen, falsche Beschuldigungen, Dreck von vor vielen Jahren, der wieder ausgegraben wird, wobei die lokalen Zeitungen eine nicht geringe Rolle spielen. Man lernt viele der Bewohner kennen, nicht nur die Ermittler und das Umfeld des Toten, was eine interessante Bandbreite an Figuren ergibt. Nach und nach findet der Zuschauer heraus, dass viele der Bewohner Broadchurchs Geheimnisse haben, wodurch sich auch einige der Figuren verdächtig machen.
Alles in allem ist es den Autoren der Serie gelungen, ein sehr dichtes Netz an Figuren, aber auch Lügen und Geheimnissen zu weben, das den Zuschauer in die Welt von Broadchurch eintauchen und mit den Ermittlungen, aber auch dem Leben der Figuren mitfiebern lässt.
Wichtige Themen neben den Ermittlungen sind beispielsweise die Rolle der Presse, aber auch die Frage, ob eine Ehe nach dem Tod des gemeinsamen Kindes noch eine Chance hat, und generell der Umgang mit dem Mord an einem Jungen, den die ganze Stadt kannte.

Dazu muss gesagt werden, dass das Schauspiel wirklich erstklassig ist. Die Darsteller beweisen allesamt unglaubliches Talent, insbesondere Jodie Whittaker und Andrew Buchan, die die Eltern des toten Jungen spielen, und die Verzweiflung, Wut und Fassungslosigkeit so emotional rüberbringen, dass sie mich besonders am Ende der Serie zu Tränen gerührt haben. Doch auch Olivia Colman und David Tennant sind erstklassige Hauptdarsteller und besonders Colman, von der ich vorher noch nicht gehört hatte, hat mich in der Rolle sehr überzeugt und beeindruckt.

All die Emotionen und das Eindringen in die teilweise tragischen Schicksale der einzelnen Figuren ergibt in Kombination mit der stimmungsvollen, aber sehr bedrückenden Musik und den teilweise lang andauernden Einstellungen, in denen die Leute nur in die Ferne starren oder einen Weg langlaufen, eine sehr bedrückende Stimmung, die einen selbst runterziehen kann, weshalb es sich empfiehlt, nicht die ganze Serie am Stück zu sehen.
Tatsächlich hat "Broadchurch" zumindest mich besonders am Ende sehr berührt und ich habe die ein oder andere Träne vergossen.

Leider - und das muss trotz des ganzen Lobes erwähnt werden - leidet die eigentliche Krimihandlung meiner Meinung nach unter dem Wunsch, die einzelnen Figuren, ihre Beziehungen untereinander und die Folgen des Mordes für die Stadtgemeinschaft darzustellen, denn die Ermittlungen sind nicht unbedingt Hauptbestandteil der Serie und gehen nach Sicherung der Beweise eher schleppend voran. Besonders die Auflösung, so überraschend und erschreckend sie auch ist, kam für meinen Geschmack recht plötzlich und weniger durch die Arbeit der Ermittler als den Täter selbst zustande, was ich etwas enttäuschend fand, auch wenn es - wie man später herausfindet - zum Täter selbst passt.



Fazit

"Broadchurch" ist sicher keine Serie für jemanden, der kurzweilige Unterhaltung sucht, denn diese Geschichte eines furchtbaren Mordes ist emotional, bedrückend und geht unter die Haut. Die Darsteller sind beeindruckend, die Figuren allesamt interessant und ihre Beziehungen untereinander, das ganze Gefüge der fiktiven Kleinstadt, faszinierend. Zudem wirft die Serie einige wichtige und interessante Fragen, nicht zuletzt über die Aufgaben und den Moralkodex der Presse, auf. Unter der Komplexität leidet jedoch manchmal die Darstellung der Ermittlungen, insbesondere am Ende, weshalb ich nur 4,5 Sterne vergebe.



Tipp:
Wer den Originalton, so wie ich, vorzieht, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass David Tennant hier einen sehr starken schottischen Akzent hat, der es dem im Schottischen nicht geübten Zuschauer (mir z.B.) schwer machen könnte, ihn zu verstehen.

Kommentare:

  1. Eigentlich möchte ich die Serie sehr gerne schauen (wegen David Tennant natürlich), befürchte aber, das Thema könnte mich zu sehr runterziehen :/ Ich bin kein Fan allzu düsterer Krimiserien, aber deine Rezension macht auch sehr neugierig. Ach herrje...! ;)

    Viele Grüsse
    Jari

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hm, also wenn du düstere Serien nicht magst, du solltest du dir das überlegen, denn "Broadchurch" ist schon recht deprimierend. Aber ich mochte es trotzdem und ich habe durchaus auch schon Serien abgebrochen, weil sie mir zu düster waren. Und wenn du David Tennant magst, lohnt es sich sicher, mal reinzuschauen :).

      Löschen
    2. Ich glaube, ich werde es mal wagen. Weil David Tennant und so ;) Vielleicht geht es, wenn ich nur ab und zu mal eine Folge schaue. Danke auf jeden Fall für deine Rezension dazu!

      Löschen
    3. Das klingt nach einer guten Idee :). So mache ich es auch immer mit deprimierenden Serien ^^. Danke für deine Kommentare :).

      Löschen
  2. Also ich habe ja mit der Serie angefangen und die ersten drei Folgen gesehen, sie sich leider doch etwas gezogen hatte und dann wirklich vergessen die Woche drauf weider einzuschalten. Zwar höre ich viel Gutes, aber mich hat der Anfang nicht so gepackt gehabt, aber hört sich so an, als würde die Serie ja noch besser werden. In Netflix habe ich sie mal auf meine Watchliste und vielleicht schaue ich ja mal weiter.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Der Film bezieht sich ja jetzt nicht auf die Anschläge, die kürzlich in Paris waren ;). Sondern ist halt einfach ein Thriller, der diese Thematik aufgefasst hat, aber dann auch eher in Richtung Verschwörung geht, das hat ja jetzt nichts mit der Is zu tun und ist ja auch eine Thematik die es in Filmen eigentlich ständig gibt ;). Finde da sollte man nun auch nicht so viel rein interpretieren.

    Oh ja Emilia Clarke ist echt eine tolle Schauspielerin. Ich kenne sie von Game of Thrones und da macht sie wirklich in jeder Folge einen verdammt guten Job, somit habe ich mich rießig gefreut, dass sie an der Seite von Sam Claflin spielt, weil ich den auch total mag. Das Buch habe ich jetzt nicht gelesen, muss gestehen, dass mich sowas eher als Film anspricht, aber ich bin trotzdem gespannt. Über das Buch habe ich viel Gutes gehört, mal schauen was die Buchleser dann vom Film sagen und wie nah er an der Vorlage ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hm ja, die Serie ist halt nicht im klassischen Sinne spannend. Wirklich viel Action gibt es nicht, es ist mehr ein Drama und eine Mileustudie. Ich versteh, wenn das nicht jedem gefällt.

      Löschen
  3. Ahhh, Broadchurch, oh ja. Bin ich auch ein großer Fan von, auch wenn ich in der 2. Staffel irgendwo hängen geblieben war und jetzt leider gaar nicht mehr weiß, wo ich eigentlich war. Hab auch schon wieder so viel Neues angefangen (im Moment Preacher), aber ich gucke auf jeden Fall bald mal weiter.

    Fand die Figuren und deren Entwicklung auch wirklich klasse, dieser Schmerz, die Geheimnisse - und in Staffel 2 dann natürlich die Hetzjagd (mehr oder weniger). Mein Kritikpunkt war nur, dass mindestens einer der Stränge nicht ganz aufgelöst wurde - weiß aber auch grad nicht mehr, welcher - und dass ein paar Dinge zu forciert wirkten. Aber sonst war ich wirklich komplett gefesselt und es hat mich auch nicht gestört, dass der Krimi selbst weniger prägnant war.

    Toll, dass dir die Staffel auch so gefallen hat! Bin ja sehr froh, dass es noch eine 3. Staffel geben wird ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich warte noch darauf, dass die 2. Staffel beu Netflix hochgeladen wird ^^. Bin in letzter Zeit zu knapp bei Kasse, um mir Serien auf DVd zu kaufen.

      Dann bin ich mal gespannt, worum es in Staffel 3 gehen wird.

      Löschen

Du willst einen Kommentar hinterlassen?
Super, ich freue mich immer über Meinungen und (konstruktive!) Kritik ;).
Bitte nicht wundern, falls Deine Nachricht nicht sofort angezeigt wird! Ich habe meinen Blog so eingestellt, dass ich alle Kommentare zuerst freischalten muss. So kann ich sicherstellen, dass ich nicht vergesse, auf einen zu antworten.
Liebe Grüße und hau in die Tasten :D!
Charlie