[Buchrezension] "The Catcher in the Rye" von J. D. Salinger

Charlie | Donnerstag, 4. August 2016 |

Einfach nur schrecklich




Originaltitel: The Catcher in the Rye
Autor: J. D. Salinger
Genre: Coming of Age, Klassiker
Reihe: /
Erscheinungsdatum: 1951




Inhalt
Der 16-jährige Holden ist mal wieder von einer seiner Schulen geflogen und beschließt nach einem Streit spontan, diese noch vor Beginn der Ferien zu verlassen. Nach Hause kann er jedoch nicht, da er nicht will, dass seine Mutter sofort von seinen Verweis erfährt.
Daher treibt er sich noch einige Tage in New York rum.



Meinung
Grob gesagt lege ich bei Büchern auf drei Punkte besonders wert: Handlung, Charaktere und Schreibstil. "The Catcher in The Rye" ("Der Fänger im Roggen") hat es in meinen Augen geschafft, in allen dreien zu versagen.
 
Schon auf den ersten Seiten fällt der Schreibstil ins Auge, der von Umgangssprache und ungewöhnlichen Sprechmustern geprägt ist. Holden, der die Geschichte erzählt, spricht in einem ziemlich rohen, unstrukturierten Slang. Er zieht beispielsweise mehrere Wörter zu einem zusammen ("whatsaname" statt "what's her name"), was beim Lesen oft schwer zu entziffern ist, wenn man noch nicht dran gewöhnt ist, oder wiederholt bestimmte, inhaltsleere Formulierungen mehrmals pro Seite (zB. hängt er "and all" oder "or something" an viele Sätze ran oder relativiert Aussagen mit "sort of", unabhängig davon, ob es passend ist oder nicht).
Zudem nennt er ausnahmslos jede Person, über die er redet, "old", völlig egal ob es sich um seinen "alten" Lehrer, seinen "alter" Schulkameraden oder seine "alte" kleine Schwester handelt.
Die Formulierung "that kills me" taucht ebenfalls häufig in verschiedenen Kontexten auf, sowohl wenn etwas Holden aufregt, als auch wenn er es toll findet. Andere Dinge machen ihn stets "depressiv" - eine Formulierung, die ebenfalls leicht ihre Wirkung verliert, da er sie inflationär verwendet.
Insgesamt ist das Buch durch diesen Schreibstil extrem anstrengend zu lesen, da das Auge immer über die ständigen Wortwiederholungen und Stillosigkeiten stolpert, sodass man sich kaum auf den Inhalt konzentrieren kann. Authentizität hin oder her, das war wirklich nicht angenehm zu lesen und es wundert mich, dass Englisch das einzige Fach ist, in dem Holden nicht durchgefallen ist.

Auch Beleidigungen gehören zu seinem absoluten Lieblings-Repertoire, denn Holden kann scheinbar nichts und niemanden leiden. Selbst wenn er jemanden als "ganz in Ordnung" beschreibt, relativiert er diese Aussage sofort wieder, indem er irgendetwas Negatives zu berichten findet. Zudem ist offenbar jede Person aus seinem Bekanntenkreis und auch alle anderen Menschen, die er trifft, "phony", also heuchlerisch. Das ist vor allem insofern ironisch, dass er sich trotzdem mit ihnen abgibt und sie nie offen kritisiert, was ihn selbst zum Heuchler macht. Doch sich selbst und seine Handlungen reflektiert Holden eigentlich nie.
Seine negative, sprunghafte und unentschlossene Art macht es schwer, ihm auch nur ein Fünkchen Sympathie entgegenzubringen, was bei mir dazu führte, dass ich auch kaum noch Lust verspürte, mir etwas über seine Erlebnisse und Gedanken durchzulesen.
Das vermutlich einzig halbwegs sympathische an diesem Protagonisten ist, dass man schnell merkt, dass er mit seinen eigenen Gefühlen nicht umgehen und diese nicht wirklich deuten kann - ein Problem, dass viele Jugendliche in der Pubertät haben.
Trotz allem stellt sich mir die Frage, wieso "The Catcher in the Rye" gemeinhin als einer der ersten, guten "Coming of Age"-Romane bezeichnet wird, denn zum Glück kenne ich zumindest keinen einzigen Teenager, der sich so verhält wie Holden. Er ist definitiv kein Maßstab und kein Vorbild oder auch nur eine Identifikationsfigur für Jugendliche, die mit dem Erwachsenwerden zu kämpfen haben.

Das allein hat das Lesen für mich schon sehr schwer gemacht, doch die "Handlung" gab mir den Rest. Das Buch spielt an wenigen Tagen und ist nicht sehr dick, aber dennoch ist J. D. Salinger die zweifelhafte Kunst geglückt, so gut wie gar keine Handlung einzubauen. Holden läuft viel herum, trifft mehr oder weniger freiwillig einige Menschen und ansonsten raucht und trinkt er hauptsächlich und schweift in Erinnerungen oder lenkt vom Thema ab. Durch letzteres wird der Leser immer wieder aus der Bahn geworfen, weil Holden plötzlich mitten in der Erzählung zu einem ehemaligen Klassenkameraden oder Ähnlichem bschweift.
Man kann weder einen Spannungsbogen noch eine Entwicklung erkennen und bei seinen Erzählungen, wie es zu dem gekommen ist, was er im "Prolog" und "Epilog" erlebt, lässt Holden genau diesen Punkt aus. Man kämpft sich durch drei Tage seines Lebens um am Ende nicht zu wissen, warum er tut, was er tut, oder was er danach tun wird.

Fazit
Auf die Gefahr hin, igorant oder ungebildet zu wirken: "Der Fänger im Roggen" gehört zu den schlechtesten Büchern, die ich je gelesen habe. Der Schreibstil ist durch den vielen Slang und die ständig wiederholten Formulierungen extrem anstrengend zu lesen, die Hauptfigur unfassbar unsympathisch und es passiert so gut wie nichts, da Holden, statt eine Geschichte zu erzählen, viel zu viel abschweift. Am Ende weiß man nicht, was der Sinn dieses Buches war. Dafür kann ich nur einen Stern vergeben.

Kommentare:

  1. Ich kann mich an das Buch kaum erinnern. Ich glaube, ich habe es sogar freiwillig gelesen. War da was mit einem "Bild" mit einem Ententeich? Ich glaube nicht, dass ich es auf Englisch gelesen habe, daher kann ich jetzt auch zum Sprachstil nichts sagen. Aber ging es nicht auch darum, die Nöte eines Jugendlichen zu zeigen? Da bietet sich die Jugendsprache eben auch an. Und selbst heute noch sagen Jugendliche bei uns ständig "Alda!"
    Ich glaube, spannend fand ich das Buch aber auch nicht. Sollte es vielleicht gar nicht sein. :-)

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    1. Ja, Holden stellt sich und anderen Personen öfter die Frage, wo die Enten in dem Teich im Central Park hingehen, wenn dieser im Winter zufriert.
      Ich wüsste auch mal gerne, wie das Buch übersetzt wurde, aber ich glaube, mein Interesse reicht nicht aus, um es nochmal zu lesen :D.
      Ja, es wird zumindest ziemlich deutlich, dass Holden einige Probleme hat, zB damit, sich selbst und seine Taten zu reflektieren oder sich seine Emotionen einzugestehen. Nicht umsonst landet er ja am Ende in einer Psychatrie oder ähnlichem.
      Oh, stimmt, das mit "Alda" ist mir noch gar nicht aufgefallen :D.
      Sicher, ein Thriller sollte es nicht sein, aber dass wenigstens etwas passiert, hätte ich mir schon gewünscht.

      Danke für diesen interessanten Kommentar :).
      Liebe Grüße

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  2. Okay ich glaube ich werde das Buch meiden, denn die Punkte die du aufgezählt hast würde mich auch sehr stören. Schon alleine der Slang würde mich richtig nerven, um solche Bücher mache ich dann eh einen Bogen und wenn es dann kaum Handlung gibt, die Hauptfigur nur raucht und trinkt, dann hat man mich endgültig vergrault. Finde es aber toll, dass du ehrlich warst, immerhin kann ein Buch nun mal nicht jedem gefallen ;).

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich war auch positiv überrascht vom ersten Teil, hätte ehrlich gesagt gar nicht erwartet das der so gut ist, aber er hatte mich dann sehr gut unterhalten. Somit freue ich mich da auch sehr auf die Fortsetzung. Im Urlaub wünsche ich dir viel Spaß ;). Kannst den Film ja auch mal auf Dvd nachholen.

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    1. Jugendbücher mit Slang finde ich auch generell unfassbar nervig, wenn er zu extrem wird oder einfach nicht zeitgemäß ist. Ob der hier zeitgemäß ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber jedenfalls ist es keine Umgangssprache, die ich nutzen würde.
      Bei dem Buch konnte ich auch gar nicht anders als ehrlich sein und manchmal muss man seinen Frust auch einfach rauslassen ^^.

      Dankeschön :). Ja, das mache ich zur Not dann auch.

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  3. Ich habe die deutsche Übersetzung vor einigen Jahren mal freiwillig gelesen, weil es überall auf den "Das-muss-man-unbedingt-gelesen-haben"-Listen und vor allem in jedem Regal eines Intellektuellen steht.
    Ich hatte große Erwartungen an dieses Buch, welche sehr enttäuscht wurden.
    Ich fand die Geschichte nicht besonders ansprechend, konnte nicht wirklich verstehen, was denn nun Holdens Problem war und was er uns mitteilen wollte. Was wollte uns der Autor damit sagen? Was ist diese tiefgründige Message, von der alle sprachen?
    Ich finde diesen Roman, zumindest heutzutage, völlig überbewertet. Damals war er vielleicht revolutionär und sprach einem angepissten Teil der Generation vielleicht aus der Seele. Ich konnte mich jedoch nicht hinein versetzen. Schön, dass es nicht nur mir so ergangen ist. :) Die Sprache fand ich in der deutschen Übersetzung nicht so schlimm. War aber vergleichbar ähnlich. Ich fand es passend, zu seiner Art, zu seinem alles ablehnenden Charakter und zu einem jungen Menschen eben. Die fehlende Handlung / Entwicklung hat mir viel mehr zu schaffen gemacht. :D

    Liebe Grüße,

    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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    1. Da bin ich ja erleichtert, dass es nicht nur mir so geht!
      Ich hab es ja auch freiwillig gelesen und dachte, wenn so viele Leute es so loben, muss es ja gut sein, aber am Ende hatte ich auch keine Ahnung, was mir das Buch jetzt sagen wollte und - wie du schon sagst - was Holden eigentlich für ein Problem hat.

      Hm also als junger Mensch kann ich aus Erfahrung sagen, dass zumindest heute die wenigsten jungen Menschen so reden :D. Aber klar, zu ihm und seinem nervigen Charakter hat es irgendwie gepasst.

      LG

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