[Serienrezension] "Miss Fishers mysteriöse Mordfälle" - Staffel 1

Charlie | Samstag, 6. August 2016 |

Extravagant, charmant und furchtlos - eine außergewöhnliche Detektivin






Genre: Krimi
Basiert auf: den Phryne Fisher Mysteries-Romanen von Kerry Greenwood
Länge: 13 Folgen à 60min
Altersfreigabe: ab 12
Produktionsland: Australien
Erstausstrahlung: Februar - Mäi 2012
Deutssprachige Erstausstrahlung: Mai - Juni 2014
Darsteller: Essie Davis, Nathan Page, Ashleigh Cummings, Hugo Johnstone-Burt, ...
 Quelle




Inhalt

Melbourne Ende der 20er-Jahre: Miss Phryne Fisher, die während des ersten Weltkriegs durch Erbe zu Geld genommen ist, kehrt nach Melbourne zurück, um eine alte Freundin zu besuchen und stolpert damit, ohne es zu ahnen, in einen Mordfall hinein, denn der Ehemann der besagten Freundin, wurde ermordet und Phryne kann es nicht lassen, ihre Nase in die Ermittlungen zu stecken.
Sehr zum Leidwesen des Inspectors Jack Robinson bleibt dies nicht der erste Fall, in den Phryne sich einmischt, denn sie erklärt sich kurzerhand zur Privatdetektivin und ermittelt in weiteren Fällen auf eigene Faust.




Meinung

Auf "Miss Fisher" bin ich mehr oder weniger durch Zufall gestoßen, da ich so ziemlich jede Krimiserie sehe, die mir unter die Finger kommt, und ich finde es schade, dass sie in Deutschland so unbekannt ist, denn sie hat wirklich ihren ganz besonderen Charme.

Die Kriminalfälle, die wie auch die Figuren auf den Romanen der australischen Autorin Kerry Greenwood basieren, stechen an sich nicht sonderlich aus der Masse, die man aus Krimiserien kennt, heraus, denn sie sind, auch wenn sie im Roman vielleicht komplexer sind, auf eine Handlung runtergebrochen, die man in knapp 50 - 55 Minuten erzählen kann und folgen so dem üblichen Schema, bei dem erst im Trüben gefischt wird und es dann am Ende jemand war, von dem man es erst gar nicht erwartet hätte.

Was den Charme der Serie ausmacht und mich so verzaubert hat, sind eher die Aufmachung und die Figuren.
Laut Wikipedia ist "Miss Fisher" mit rund 650.000€ Produktionskosten pro Folge eine der teuersten Fernsehproduktionen Australiens und das glaube ich gerne, denn die Serie ist absolut liebevoll und, gerade wenn man sich in Miss Fishers Kreisen bewegt, extravagant ausgestattet, seien es Miss Fishers ausgefallene Kleider; Bands, die 20er-Jahre-Jazz spielen; ein ganzer Zug, ein Theater oder ein Zirkus im Stil dieser Zeit. Wenn man die bunte, glitzernde Welt der Reichen und Schönen der Goldenen 20er sieht, bekommt man glatt Lust, selbst einmal eine dieser Partys zu besuchen. Gleichzeitig gibt es aber auch genug Kontraste: Bilder von dunklen, verdreckten Gassen und kleinen Wohnungen der Unterschicht, die zeigen, dass damals eine große Kluft zwischen den Gatsby-ähnlichen Partys und der normalen Bevölkerung bestand.
Unterlegt ist das ganze mit einem wunderbaren Soundtrack aus 20er-Jahre Musik (wobei zumindest "Miss Fisher's Theme", die Intro-Musik, sicher nicht wirklich aus den 20ern stammt), der die Stimmung und das Flair wunderbar untermalt.

Der größte Grund, weshalb ich mich so in die Serie verliebt habe, ist aber die bunte Mischung aus absolut liebenswürdigen Figuren.
Die Hauptrolle spielt natürlich die namensgebende Miss Fisher, eine Dame, die laut Buchvorlage 28, in der Serie jedoch wohl eher Ende 30 ist und für diese Zeit recht ungewöhnlich lebt, da sie wohl schon immer ihren eigenen Kopf hatte. Miss Fisher ist eine starke, unabhängige Frau, die lieber eine Affäre nach der anderen hat, als zu heiraten, da sie sich selbst als "nicht der Typ zum Heiraten" sieht. Sie hat kein Problem damit, ihre Nase in Kriminalfälle reinzustecken, die sie interessieren, auch wenn sie dabei Menschen auf die Füße tritt oder sich in Gefahr begibt. Mit ihrer charmanten und selbstbewussten Art bringt sie einen oft zum Schmunzeln. Doch auch Phryne Fisher hat ihre Ängste und Schwachstellen, denn sie leidet noch immer sehr unter dem Verschwinden ihrer Schwester Janey, die vermutlich entführt wurde, als sie Kinder waren. Die Geschichte ihrer Schwester zieht sich durch die gesamte erste Staffel, allerdings nicht als aufdringliche Rahmenhandlung, mit der man verzweifelt versucht, die Zuschauer bei der Stange zu halten. Stattdessen wird sie in Folgen passend eingebettet.

Neben Phryne gibt es noch eine Reihe weiterer wiederkehrender Figuren, allen voran Inspector Jack Robinson, der für die meisten der Fälle verantwortlich ist, an denen Miss Fisher Gefallen findet, und der sich deshalb meist mit ihr rumschlagen muss. Von der Dynamik her haben die beiden mich ein bisschen an Castle und Beckett aus "Castle" erinnert (nur in vertauschten Rollen, da ja hier der Mann der Polizist ist), denn einerseits droht Jack immer an Phryne zu verzweifeln, andererseits ist da auch ein Knistern zwischen den beiden, das der Serie eine gewisse Würze verleiht.
Eine weitere wichtige Figur ist Dorothy "Dot" Williams, die bei Mlss Fisher zunächst als eine Art Hausmädchen angestellt ist, ihr aber auch bei den Ermittlungen hilft. Dot ist zunächst ein sehr schüchternes und frommes Mädchen, das die Methoden und den Lebensstil Miss Fishers gewöhnungsbedürftig findet, doch im Laufe der Serie wird sie immer selbstbewusster und beginnt, Gefallen an dem Leben der Detektivin zu finden.
Dot hat sich außerdem in den jungen Police Constable Hugh Collins verguckt, der auch Interesse an ihr zu haben scheint, doch die schüchterne Art der beiden steht Ihnen stets im Weg, was sie zu einem herzallerliebsten Fast-Paar und neben Miss Fisher und Inspector Robinson zu meinen Lieblingsfiguren in der Serie macht.
Natürlich gibt es auch noch eine ganze Reihe anderer Nebenfiguren, beispielsweise Cec und Bert, zwei Männer aus der Arbeiterschicht, die Taxi fahren und öfters Ermittlungen für Miss Fisher durchführen, Miss Fishers Adoptivtochter Jane, ihre Tante Prudence und ihr Butler Mr. Butler, die allesamt eine recht originelle, bunte und unterhaltsame Mischung darstellen.

Übrigens lässt sich die Serie auch sehr gut im Original gucken, da sich der australische Akzent, den ich erwartet hatte, in Grenzen hält. Lediglich Cec und Bert sprechen oft mit einem starken Akzent, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er bin australisch oder einfach der Akzent der Unterschicht sein soll.



Fazit

Die einzelnen Fälle mögen nicht unbedingt großartig aus denen anderer Krimiserien herausstechen, doch für die liebevolle und detaillierte Aufmachung und vor allem die charmanten und absolut liebenswerten Charaktere kann ich einfach nicht anders als 4,5 Sterne vergeben. "Miss Fishers mysteriöse Mordfälle" ist eine ganz besondere Serie und verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit.


Kommentare:

  1. Aha! Dauernd wird mir die Serie auf Netflix vorgeschlagen =D Weil du so von ihr schwärmst und die Goldenen 20er immer einen Blick wert sind, werd ich mir die Staffel mal ansehen. Derzeit hänge ich an iZombie, da es ja letztens ebend auf Netflix veröffentlicht wurde - nach dem Abi verbringe ich sehr viel Zeit auf dieser Seite, vor allem abends, ich hab nach dem Gratismonat nicht auf gehört, ein Wunder ^^

    Danke jedenfalls für diese ausführliche Rezi, ich hab wirklich Blut geleckt!
    Liebe Grüße,
    Ley

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    1. Schlaues Netflix ;). Tu das unbedingt!
      Davon habe ich auch schon gehört. Ist das gut?
      Hahaha genau das habe ich nach meinem Abi auch gemacht ^^. Dafür ist diese Zeit auch da, finde ich. Geht früh genug vorbei.

      Gerne :).
      LG :)

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    2. Ja also ich find sie wirklich interessant vor allem der Zombie-Prozess wie man dazu wird ist cool und mit dabei sind auch Kriminalfälle. Es hat oft einen heiteren Ton, aber es wird richtig spannend, vor allem ab Mitte der Staffel :) (außerdem spielt ein Brite mit höhö *.* die Charaktere sind generell alle super und richtig schön sympathisch)

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    3. Briten *_*. Das überzeugt mich :D. Heiter klingt auch gut. Ich mag Zombies nämlich vor allem wegen dieser düsteren Atmosphäre sonst nicht :S.

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