[Wissenswertes] Erdüberlastungstag/Earth Overshoot Day

Charlie | Montag, 8. August 2016 |

Heute, am 8. August, ist der diesjährige sogenannte Erdüberlastungstag (auf English "Earth Overshoot Day"). Dieser, vom Global Footpint Network errechnete Tag gibt an, wann alle erneuerbaren Ressourcen, die die Erde in einem Jahr wieder herstellen kann, aufgebraucht sind - Das sind z.B. Wasser, Holz oder auch die Menge an CO2, die innerhalb eines Jahres wieder in Sauerstoff umgewandelt werden kann. Ab diesem Tag leben wir also sozusagen auf Kosten der nächsten Jahre, denn wir reduzieren durch unseren Verbrauch den Vorat an diesen Ressourcen immer mehr.


© INKOTA



Entwickelt wurde das Projekt ursprünglich von der New Economics Foundation; die erste große Kampagne zum Erdüberlastungstag wurde 2006 in Zusammenarbeit mit dem Global Footprint Network ins Leben gerufen.
Doch das Problem existiert natürlich schon viel länger: 1961 verbrauchte die Weltbevölkerung noch nur 2/3 aller für ein Jahr vorhanden Ressourcen, was sich jedoch ab den 70ern drastisch änderte. Seitdem kommt der Erdüberlastungstag jedes Jahr früher. 1993 war er noch am 21. Oktober, 2003 am 22. September, 2015 am 13. August -Alle zehn Jahre rückt er also um ungefähr einen Monat nach vorn.


Berechnet wird der Erdüberlastungstag, indem die sogenannte Biokapazität der Erde (die Menge an erneuerbaren Ressourcen, die innerhalb eines Jahres wieder hergestellt werden kann) durch den ökoligischen Fußabdruck der Weltbevölkerung (also den Bedarf an Ressourcen, welcher sich unter anderem aus dem Konsumverhalten der Menschen aber auch den Produktionsbedingungen ergibt) geteilt und mit der Anzahl der Tage (365 bzw. 366 dieses Jahr) multipliziert wird.  Der ökologische Fußabdruck besteht heute übrigens bereits zu mehr als der Hälfte allein aus unserem CO2-Fußabdruck.


Zusätzlich zum globalen Erdüberlastungstag hat jedes Land noch seinen eigenen. Deutschlands war laut INKOTA dieses Jahr am 29. April, was erschreckend ist, da er laut der offiziellen Website des Earth Overshoot Day im Jahr 2012 erst am 5. Juni war - was allerdings immer noch deutlich vor dem globalen Datum liegt.
Deutschland liege hier vor allem aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes durch Energie, Verkehr und Landwirtschaft und durch die Fleischproduktion so weit vorne, heißt es in der Pressemitteilung von INKOTA. Würden die Menschen überall so leben wie in Deutschland, bräuchten wir ganze 3,1 Erden, um den Bedarf an Ressourcen zu decken. Global gesehen wären es "nur" 1,6.
Deutschland liegt mit seinem Datum in der oberen Hälfte und sogar vor den USA (2012 am 15.6.), aber hinter dem Vereinigten Königreich (2012 am 6.4.), den Niederlande, Belgien, Italien, Japan, Korea und anderen Ländern. Mehr als 80% der Weltbevölkerung, so eine Pressemitterilung des Global Footprint Network aus dem Jahr 2013, leben in Ländern, deren ökoligischer Fußabdruck die Biokapazität ihres Landes übersteigt.
Das Land, das mit seinem Erdüberlastungstag am besten abschnitt, war 2012 übrigens Litaun mit dem 20. Dezember.


Über die Folgen des Klimawandels brauche ich hier sicher nicht mehr viel sagen, denn jeder kann sich denken, wozu das Abschmelzen der Polkappen, die Abholzung der Regenwälder, die Überfischung der Meere und und und führen werden. Tierarten sterben aus, es kommt zu extremen Wetterereignissen wie zB. Überschwemmungen und Dürren, Rohstoffe werden immer teurer, etc.





Was wir tun können

Auf dieser Website kann man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen und nicht nur die Tipps am Ende, auch die Fragen, die man beantworten muss, geben einem eine Vorstellung davon, welche ganz alläglichen Dinge in unserem Leben zur Vergrößerung unsere ökologischen Fußabdrucks beitragen. Um diesen möglichst klein zu halten, könnte man z.B.
  • Müll trennen
  • Strecken lieber laufen oder mit dem Rad oder auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren statt mit dem Auto
  • weniger bzw. kein Fleisch/generell tierische Produkte essen
  • Strom sparen, indem man Elektrogeräte nicht nur in den Stand-by-Modus versetzt, sondern ganz ausschaltet, oder indem man immer das Licht ausmacht, wenn man den Raum verlässt
  • Kleidung eher gebraucht als neu kaufen
  • regionale, frische und Bio-Produkte kaufen
  • auf Ökostrom umsteigen
  • den Wasserverbrauch z.B. beim Duschen reduzieren, indem man das Wasser ausmacht, während man sich die Haare einseift, etc. 
  • Produkte aus recycleten und recyclebaren Materialien kaufen (z.B. Papier)
  • nur so viele Produkte kaufen, wie man tatsächlich braucht (gilt vor allem für Lebensmittel) und diese auch so gut wie möglich nutzen (z.B. Papier doppelseitig nutzen)

Bewusster konsumieren und bewusster leben lautet hier also die Devise.
Wieviel davon tut ihr bzw. tut ihr nicht? Und wo könntet ihr vielleicht noch mehr der Umwelt zuliebe auf euer Verhalten achten?


Mein eigener ökoligischer Fußabdruck liegt laut dieser Website bei 3,6 Hektar, was zwar unter den für Deutschland durchschnittlichen 5,1, aber immer noch weit über den idealen 1,8 Hektar liegt.
Wie sieht euer ökoligischer Fußabdruck aus?


Quellen


http://www.inkota.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung-deutscher-erdueberlastungstag-ab-morgen-leben-wir-auf-pump/
http://www.footprint-deutschland.de/inhalt/berechne-deinen-fussabdruck
http://www.inkota.de/fileadmin/user_upload/Presse/Pressemitteilungen/INKOTA_Pressemitteilung_Erdueberlastungstag_Dresden_20160804.pdf
http://www.overshootday.org/about-earth-overshoot-day/
http://www.footprintnetwork.org/images/article_uploads/EarthOvershootDay_2013_Media_Backgrounder.pdf
http://www.footprintnetwork.org/images/article_uploads/EarthOvershootDay_2013_PR_General.pdf
http://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/page/earth_overshoot_day/
http://www.inkota.de/themen-kampagnen/ressourcengerechtigkeit/erdueberlastungstag/

Alle aufgerufen am 07.08.2016

Kommentare:

  1. Heyho =)
    Ich wusste über diesen Tag gar nicht Bescheid, das ist wirklich sehr spannend und neu für mich! Es ist aber natürlich kein Geheimnis, dass wir als eines der reichsten Industrieländer unser Verhalten niemals anderen zusagen möchten, denn sonst wäre es für uns ja nicht möglich so zu leben. 3,1 Erden ist trotzdem eine sehr erschreckende Zahl. Da bin ich persönlich dann doch stolz, dass ich mehr als die Hälfte deiner Punkte schon sehr lange mache, mittlerweile geht auch das mit dem weniger Fleisch kaufen voran und ich gehe öfter auf Flohmarkt/Vintage Aktionen. Das mit dem Wasserverbrauch ist bei mir noch nicht ganz eingebrannt. Also das Wasser schalte ich schon aus zwischen duschen und einseifen (gibt es Leute, die das nicht machen? Fand ich grad seltsam, dass du das als Beispiel genommen hast, kenne ich gar nicht, dass das welche nicht machen). Allerdings vergesse ich hin und wieder, nicht den total starken Strahl am Waschbecken laufen zu lassen, sondern halt nur so viel, wie ich auch brauche. Jedes mal, wenn ich dran denke, bin ich froh, aber es passiert einfach zu oft, dass ich nicht darauf achte.

    Ich werde jetzt erstmal meinen ökologischen Fußabdruck berechnen, das habe ich vor Jahren auch mal gemacht, aber vergessen, was rauskam^^ ist wieder Zeit!
    Liebe Grüße,
    Ley

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    1. Ich wusste auch nichts darüber, bis ich von einer Mitarbeiterin von INKOTA eine Mail zu dem Thema bekam. Aber dann fand ich ihn so spannend, dass ich dachte: "Warum nicht einen Post darüber schreiben?"

      Ich war auch beruhigt, dass ich viele der Dinge schon mache.
      Aber äh, naja, die Dusche auszumachen zwischendurch zählt zB nicht dazu ^^. Und wenn ich höre, wie meine Familie duscht, rate ich mal, dass sie das auch nicht tun.
      Auf das mit dem vollen Wasserstrahl im Waschbecken bin ich auch noch nie gekommen, das ergibt Sinn. Danke für den Tipp :D.

      LG :)

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  2. Ich finde sowas generell immer erschreckend und hätte gar nicht gedacht, dass wir bei diesem Datum so weit vorne liegen, vor allem noch vor den Usa. Die gelten ja als einer der größten Klimasünder.

    Persönlich setze ich einige der Punkte um, muss zwar gestehen nicht alle, aber bei uns wird der Müll getrennt (was auch echt keine große Sache ist), Fleisch wird bei uns auch sehr wenig gegessen, meistens 2 mal die Woche und ich finde das reicht auch aus, Licht wird immer ausgeschalten, wenn ich den Raum verlasse, genauso wie ich beim Duschen nicht das Wasser durchlaufen lasse. Finde das sind echt kleine Dinge, die hat man schnell geändert und die tun auch nicht weh. Ändern müsste ich das mit den Kurzstrecken ,da oute ich mich als jemand der echt manchmal etwas faul ist xD.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Du meinst Master oder, weil Studienpatz hast du ja schon wenn ich mich richtig erinnere. Meinte das bei dir gelesen zu haben. So verrückt ist das aber gar nicht, ich hatte glaube ich auch als ich nach meinem Bachelor gegoogelt habe, schon immer geschaut wie das dann mit dem Master aussieht. Gibt ja für manche Studiengängen auch gar keinen und gerade wenn man den mal machen möchte, sollte man sich da vorher kundig machen. Zumal es auch nicht verkehrt ist, schon von anfang an ungefähr den Schnitt zu wissen, den man bräuchte. Ändert sich zwar jedes Jahr immer etwas, aber normalerweiße nicht so drastisch. Das wird aber alles werden, sobald du mit dem Studium anfängst.

    Dankeschön, ich wünsche dir auch einen schönen August, genieß die freue Zeit ;).

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    1. Das hat mich auch sehr erschreckt! Liegt wohl aber daran, dass der Erdüberlastungstag für die einzelnen Länder danach berechnet wird, was die Fläche dieses Landes wieder regenerieren kann. Da schneidet die USA besser ab, weil sie einfach zB mehr Wälder haben, denke ich.

      Müll trennen finde ich auch selbstverständlich und bin immer wieder überrascht, dass das in anderen Ländern, Frankreich zB, nicht überall so gehandhabt wird.

      Ich denke auch, dass sich das mit dem Master ergeben wird :). Sind ja noch mindestens 3 Jahre bis dahin. Aber ich stresse mich trotzdem immer gerne ^^.

      Danke sehr :).
      Liebe Grüße!

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  3. Ein toller, informativer Post, vielen Dank dafür! Du beschreibst sehr eindringlich die Probleme, die wir verursachen und die eigentlich uns allen Angst machen sollten. Ich habe mich während des Lesens auch grade wieder richtig schlecht gefühlt - keine Kritik, eigentlich schlimm genug, dass es mir nicht pausenlos so geht -, denn ich weiß, dass mein ökologischer Fußabdruck ziemlich hoch ist. Versaut habe ich ihn mir dieses Jahr sowieso schon mit meinem Flug nach New York - zum Glück bleibe ich sonst meist zuhause. Und auch meinen Fleischkonsum schränke ich seit einiger Zeit immer mehr ein, wenn ich auch nie eine Vegetarierin sein könnte. Beim Rest - da hapert's, und da bin ich ja nicht die Einzige. Es ist eben so schwierig, sich von seinem momentanen Leben und den Gefälligkeiten zu lösen und mal wirklich was zu TUN.

    Danke dir trotzdem noch einmal für den Artikel. Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an!

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    1. Danke für das Kompliment :)!
      Dann habe ich ja schon mal erreicht, dass du über das Thema nachdenkst, das ist gut :). Ging mir beim Schreiben selbst auch so, dass ich ein schlechtes Gewissen bekommen habe.
      Geflogen bin ich dieses Jahr auch schon, und dann auch noch eine Strecke, bei der das nicht mal so nötig war wie bei Deutschland - New York. Aber immerhin mache ich keine Inlandsflüge ^^.

      Klar ist das schwierig und ich mache ja auch einiges von der Liste nicht, aber es ist ja schon ein Fortschritt, wenn man mit einer kleinen Sache anfängt :).

      Das freut mich; das war mein Ziel :).

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  4. Oh, ich wusste gar nicht, dass es solch' einen Tag auf dem Hintergrund von Berechnungen gibt und dass er sich immer weiter verschiebt. Es ist einfach nur erschreckend, aber mir scheint, es interessiert nur wenige und keiner hört zu oder denkt nach. Ich hatte vor einiger Zeit mal Nico Paechs Buch gelesen und eine Serie in meinem Blog darüber gemacht, hier die kurzen Anmerkungen zum Greenwashing:
    https://kunterbunt11.wordpress.com/2014/12/02/greenwashing/
    Meiner Meinung nach gibt es nur EINE Möglichkeit, dem Einhalt zu gebieten: weniger konsumieren. Wie man das machen kann, schreibst du ja bei den letzten Punkten. Wobei ... Greenwashing (s. Paech). Aber das wäre besser als gar nichts.
    LG, Ingrid

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    1. Dann habe ich ja wieder eine weitere Person aufgeklärt :).
      Ja, dass es kaum jemanden
      interessiert, befürchte ich auch. Die Kampagne, durch die ich auf das Projekt gekommen bin, läuft wohl nicht so gut. Da bin ich froh, dass ich über den Blog wenigstens ein paar Leute erreicht habe.

      Greenwashing ist ein interessanter Begriff, von dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Danke für diese Anregung, da werde ich micj nochmal genauer zu informieren und deine Posts lesen.
      Leider ist öko ja mittlerweile wirklich eine Verkaufsstrategie geworden. Die Menschen wollen ein gutes Gewissen bei gleichem Konsum und stürzen sich geradezu auf Unternehmen, die ihnen das bieten.

      LG

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    2. Und das führt dann möglicherweise dazu, dass weiter Strom verschwendet wird (oder anderes), denn: es ist ja ÖKO ;-)

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    3. Exakt. Wie gesagt: gutes Gewissen bei gleichem Konsum. Ein trügerisches System.

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  5. Interessanter Eintrag, vielen Dank!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM

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