[Serienrezension] "Downton Abbey" - Staffel 6

Charlie | Montag, 26. September 2016 |

Wunderbar britisch, herzzerreißend dramatisch und ein herzerwärmender Abschluss - Abschied von Downton Abbey

 
 
 
Hinweis:
Diese Rezension wird Spoiler zu den ersten fünf Staffeln enthalten. Lest sie daher nicht, wenn ihr diese noch nicht kennt.
 
 





Genre: Drama, Historisch
Basiert auf: -
Länge: 9 Folgen zwischen 47 und 93 Minuten
Altersfreigabe: ab 6
Produktionsland: Großbritannien
Erstausstrahlung: September - Dezembers 2015 (auf ITV)
Deutssprachige Erstausstrahlung: 16. März 2016 (auf Sky)
Darsteller: Hugh Bonneville, Laura Carmichael, Jim Carter, Raquel Cassidy, Brendan Coyle, Michelle Dockery, Kevin Doyle, Michael Fox, Joanne Froggatt, Matthew Goode, Harry Haden-Paton, Robb-James Collier, Phyllis Logan, Elizabeth McGovern, Sophie McShera, Maggie Smith, Penelope Wilton, ...
 Quelle



Inhalt 
 
Auf Downton Abbey geht es gewohnt romantisch, herzzerreißend und dramatisch zu. 
 
Mr. Carson und Mrs. Hughes planen ihre Hochzeit, Anna und Mr. Bates haben noch immer mit den Ermittlungen um Mr. Greens Tod zu kämpfen, Thomas fürchtet um seine Stelle, Mrs. Patmore kann endlich ihr neu erworbenes Haus vermieten und wird dabei vor unvorhersehbare Probleme gestellt, Daisy bereitet sich auf Prüfungen in der Schule vor und im Haus der Dowager Countess geht der Konkurrenzkampf zwischen Denker und Spratt weiter.
 
Da Tom nun nach Amerika gezogen ist, will Mary den Besitz mit Robert alleine verwalten. Während sich bei ihr eine neue Liebschaft anbahnt, wird sie gleichzeitig von ihrer Vergangenheit eingeholt.
Edith hat es endlich geschafft, Marygold nach Downton Abbey zu holen, doch die wahre Herkunft des Mädchens ist immer noch ein Geheimnis, das Edith vor allem vor Mary wohl behüten will. Wird auch sie endlich ihr Glück finden?
Isobel bekommt unerwarteten Besuch, der neues Licht aber auch neue Fragen auf Baron Mertons Sohn Larry wirft, und Robert hat mit seiner Gesundheit zu kämpfen.
 
Für wen hält diese sechste und letzte Staffel ein Happy End bereit?
 
 
 
 
Meinung 
 
 
"Downton Abbey", die perfekte Serie für jeden, der England, britisches Englisch, jede Menge Drama und tolle, historische Kulissen und Kostüme liebt, geht mit dieser Staffel zu Ende und um es mit Isobel Crawleys Worten zu sagen: "Bravo!"
Selten bin ich bisher einer Serie begegnet, die genau zum richtigen Zeitpunkt (ohne vorher nervtötend in die Länge gezogen worden zu sein) und auf absolut befriedigende und dennoch nicht zu kitschige Weise zu Ende geführt wurde, aber "Downton Abbey" ist dies tatsächlich gelungen. 
 
Einer der Punkte, der mich bei dieser Serie am meisten beeindruckt, ist, wie sie es schafft, all den vielen Figuren, die einem mit der Zeit ans Herz gewachsen sind, genug Raum zu geben, sodass jede von ihnen eine eigene Geschichte bekommt. Ich könnte von keiner Figur behaupten, sie sei mir zu kurz gekommen oder habe die Handlung zu sehr dominiert. Tatsächlich habe ich mich sogar gefreut, dass Mr. Molesley, den ich sehr gerne mag, mehr Handlung bekommt.
Gleichzeitig werden die einzelnen Handlungsstränge auf geschickte Art mit einander verwebt, sodass keiner von ihnen abgehackt oder gezwungen wirkt.
 
 
Was in dieser letzten Staffel am meisten zum Nachdenken anregt, ist die Entwicklung der einzelnen Figuren. Immerhin sind seit der ersten Staffel 13 Jahre vergangen und viele der Figuren sind bereits seit damals Teil der Serie.
 
Besonders beeindruckt hat mich in dieser Staffel Edith. Sie hat in all den Jahren so viel durchmachen müssen, während ihrer Schwester Mary oftmals das Glück zuzufliegen schien (nicht immer natürlich: Matthew :'(). Wenn man sie mit der ersten Staffel (an die ich mich, zugegebenermaßen, nicht mehr so gut erinnre) vergleicht, hat Edith mittlerweile deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen und sich zu einer starken Frau entwickelt, die weiß, was sie will, und das auch ohne Mann an ihrer Seite durchsetzen kann. Die Szenen mit ihr haben mich am allermeisten berührt und sogar zum Weinen gebracht, weil ich ihr einfach so sehr ein Happy End gewünscht, mich mit ihr gefreut und mit ihr gelitten habe.
Trotzdem bin ich von Laura Carmichael als Schauspielerin nicht hundertprozentig überzeugt. Zu oft hatte sie für meinen Geschmack den gleichen Gesichtsausdruck aufgesetzt.
 
Mary ist da das komplette Gegenstück. Schon in der ersten Staffel war sie teilweise berechnend und kühl (z.B. als sie Matthews Heiratsantrag erst annehmen wollte, als klar war, dass Cora keinen männlichen Erben zur Welt bringen wird), aber in dieser Staffel wurden ihre fehlende Empathie und ihr unausstehlich egozentrisches Verhalten auf die Spitze getrieben. Einerseits verhält sie sich sehr menschlich, z.B. wenn sie Mitgefühl mit Anna oder Carson zeigt oder gezeigt wird, wie tief die Wunde von Matthews Tod noch ist. Andererseits scheint sie einen regelrechten Hass auf Edith zu haben. Sie gönnt ihr absolut nichts, obwohl sie selbst momentan ein sehr gutes Leben hat (Verehrer, eine wichtige Aufgabe, Mutter des Erben von Downton Abbey), macht ständig gehässige Kommentare und versucht regelrecht, Ediths Leben zu ruinieren. Ich habe absolut nicht verstanden, woher diese Boshaftigkeit kam, da Edith Mary zumindest in den letzten Jahren nie etwas getan hat und Mary es auch nicht nötig hat, sich durch ein solches Verhalten aufzuwerten.
Doch am Ende der Staffel macht Mary plötzlich eine völlig unvorhergesehene und leider auch ziemlich unlogische Wandlung durch, die völlig aus dem Nichts kommt und daher nicht wirklich nachvollziehbar wirkt.
Das hat mich in dieser Staffel dezent aufgeregt, da ich dieses Verhalten im Gegensatz zu sonstigen Dramen der Serie einfach nicht nachvollziehen konnte und vor allem nicht verstanden habe, wie andere Figuren, die ich sonst sehr schätze, so blind gegenüber Marys Egoismus sein konnten.
Marys neuen Verehrer, Henry Talbot, dessen Faszination für die junge Lady ich absolut nicht nachvollziehen konnte, fand ich leider sehr farblos, obwohl ich Matthew Goode als Schauspieler schätze.
 
Eine weitere absolut faszinierende und sich stets entwickelnde Figur ist Thomas, der wohl von allen Figuren die größte Tiefe hat. Sicher bin ich nicht die einzige, der er anfangs absolut verhasst war, doch mit der Zeit lerne man Thomas Geheimnisse, seine größten Ängste und seine große Einsamkeit kennen und hatte teilweise sogar Mitleid mit ihm.
Auch in dieser Staffel ist er wieder wirklich herzzerreißend und tatsächlich habe ich sogar ihm ein Happy End gewünscht.
Robb-James Collier leistet hier absolut fantastische Schauspielarbeit. Meiner Meinung nach eine der beeindruckendsten Leistungen in der Serie.
 
 
Ich könnte noch viele weitere Absätze den anderen Figuren widmen, beispielsweise der Dowager Countess, die Maggie Smith wie immer absolut herrlich spielt, doch in dieser Rezension ist leider kein Platz für alle Personen.
Anmerken möchte ich jedoch, dass ich das Ende der Serie und die Auflösung der Geschichten der einzelnen Figuren absolut gelungen finde.
Man ist von "Downton Abbey" jede Menge Dramatik, Tränen und das ein oder andere offene oder eher schlechte Ende für einige Figuren gewohnt und natürlich gibt es auch in dieser Staffel wieder genug davon, aber gefühlt etwas weniger als sonst. Es wirkt, als käme die Handlung langsam zur Ruhe und würde sich auf ein zufriedenstellendes Ende vorbereiten, das man schließlich auch bekommt. Wobei das in diesem Fall glücklicherweise nicht bedeutet, dass am Ende alle Figuren mit Haus und Kind unter der Haube und glücklich auf immer und ewig sind. Aber doch einige von ihnen bekommen das erwünschte Happy End und alle Handlungsstränge werden zu einem Ende gebracht, das nicht zu viele Fragen aber gleichzeitig Raum für die eigene Fantasie offenlässt. Und das ist wahrlich die Königsdisziplin der Serienproduktion.
 
Oh, und habe ich schon die absolut hinreißenden Kleider erwähnt, die vor allem Mary und Edith in der ganzen Staffel tragen? Auch optisch ist "Downton Abbey" wieder ein Traum gewesen.
 
 
 
Fazit 
 
Was für ein wunderbarer Abschluss! Die sechste und letzte Staffel von "Downton Abbey" hat mich mit Tränen in den Augen und einen warmen Herzen zurückgelassen. Endlich kommen die Handlungsstränge und damit die Geschichten der Figuren, die teilweise beeindruckende Entwicklungen durchgemacht haben, zu einem zufriedenstellenden Ende, aber nicht ohne eine gute Portion Drama, wie es sich für "Downton Abbey" gehört.
Ich vergebe 4,5 Sterne für diesen wunderbaren Abschluss einer wunderbaren Serie.


Kommentare:

  1. Da Downton Abbey auf Amazon Prime noch schauen möchte und bisher noch keine einzige Folge gesehen habe, habe ich jetzt deine Kritik nicht gelesen ;). Somit gibt es heute mal nur meine Antwort zu deinem wirklich tollen Kommentar <3. Ich freuem ich immer über lange Kommentare.

    Ich dachte auch erst, dass ich keine 100 Filme zusammenbekommen, aber am Ende hat es dann doch geklappt. Sind bei mir doch einige in den vergangenen Jahren hängen geblieben, aber ich schaue auch beides ziemlich gerne Filme und Serien.

    Für mich ist Harry Potter auch mit die beste Buchverfilmung, klar fehlt auch hier immer etwas, wie du schon sagtest, aber dafür waren die Romane einfach zu dick, um die wirklich komplett in einen Film zu bekommen. Für mich bleibt diese Reihe einfach einzigartig, was halt vor allem daran liegt das ich mit der Reihe, egal ob Bücher und nun die Filme, groß geworden bin.

    Das freut mich aber, dass wir so viele Überschneidungen hätten :). Ja bei Panem fand ich persönlich vor allem die letzten beide Filme sehr enttäuschenden, deshalb tauchen die hier auch nicht auf. Teil 1 und 2 fand ich eigentlich noch sehr gut verfilmt, danach kam diese unsinnige Teilung und die hat auch die Qualität wirklich vermindert. Schade eigentlich, gerade weil es ja der Abschluss gewesen ist.

    Das Keira Knightley so eine tolle Stimme hat, wusste ich vorher auch nicht. Klar sie ist jetzt keine nächste Beyonce, hat gerade dieses ruhige und leise in ihrer Stimme mag ich sehr.

    Der erste Fluch der Karibik Teil ist auch der Beste, einfach weil Jonny da diese unglaublich lustig Kultfigur erschaffen hat, auf der damals wirklich noch der Fokus lag. Für mich war Fluch der Karibik ja immer Jack Sparrow und der kam mir dann vor allem im dritten Teil etwas zu kurz.

    Ich glaube Percy hat es nur auf diese Liste geschafft, weil ich den Film damals gesehen hatte, bevor ich die Bücher gelesen habe. Somit hat er mir ziemlich gut gefallen, seit ich das Buch gelesen habe, weiß ich aber wie viel da geändert wurde. Ich weiß jetzt nicht was du mit Juni meinst, heißt ein Film so? Weil ich meinte Juno, also den mit Ellen Page in der Hauptrolle.

    Ich stehe ja auf einen guten Action und hatte mit den Szenen jetzt auch keine Probleme. Mich hat die Reihe wirklich begeistert und ich bin einfach ein großer Fan davon. Teil 3 habe ich mir jetzt vor Kurzem auch auf Dvd mitgenommen. Aber wie du schon sagtest, Action ist Geschmackssache. Bei "Alice im Wunderland" habe ich das Buch jetzt auch nicht gelesen, aber den Film kann ich dir wirklich empfehlen, weil er nicht nur gut besetzt ist, sondern auch sehr bildgewaltig und verrückt ist.

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    1. Ich kann die Serie wirklich nur empfehlen :).

      Und ich kommentiere auch gerne lange und ausführlich :).

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  2. Bei Die Bestimmung habe ich den letzten Teil noch gar nicht gesehen, möchte erst das Buch lesen. Aber als ich dann von der Teilung erfuhr, war ich da etwas überrascht. Die ging ja auch komplett schief und das man nun überlegt nur einen Tv Film zu machen, finde ich wirklich den Fans gegenüber ärgerlich. Wer weiß wann der dann in Deutschland zu sehen ist. Bei die Tribute von Panem fand ich leider auch, dass man da beim letzten Teil wichtiges weggelassen hat, was ich gar nicht verstehe, weil die Zeit hätte man ja definitiv gehabt.

    Der Schreibfehler ist mir ja noch gar nicht aufgefallen. Danke für den Hinweis, dass muss ich gleich mal ändern, damit es nicht zu weiteren Verwirrungen kommt.

    Für 12 Jährige finde ich den Film jetzt auch nicht geeignet, wusste gar nicht, dass die Reihe ab dem Alter freigegeben ist. Da hatte ich damals natürlich nicht so drauf geachtet. Puh der erste Teil ist bei mir schon etwas her, ich kann mich da nicht mehr an alle Details erinnern. Generell mochte ich halt die Storyline an sich, die Thematik, dass er versucht seine Tocher wiederzufinden und wie weit er dafür als Vater geht, vielleicht war er auch deshalb etwas brutaler, um hier zu zeigen, dass er bereit ist alles für seine Tocher zu tun. Aber gibt wirklich einige Actionfilme die wirklich sehr brutal sind, John Wick wäre da mein neustest Beispiel, der war auch nichts für leichte Gemüter.

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  3. Ich bin schon gespannt, ob er mir zusagt. Der Abschluss einer Reihe, ist ja immer so eine Sache. Man kann da als Autor aber auch unmöglich jedem Recht machen.

    Achso gut, weil ab 12 wäre hier schon krass gewesen. Echt Indiana Jones ist ab 16 Jahren, wusste ich auch nicht, aber ich muss auch gestehen, dass ich von der Reihe noch keinen Teil gesehen habe. Kenne zwar Ausschnitte, aber spricht mich einfach nicht so an.

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Charlie