[Buchrezension] "Anna im blutroten Kleid" von Kendare Blake

Charlie | Mittwoch, 12. Oktober 2016 |

 

"Supernatural" trifft Jugendbuch - Erfrischend anders



© Diana






Originaltitel: Anna Dressed in Blood
Autorin: Kendare Blake
Verlag: Heyne fliegt
Genre: Horror, Jugendbuch, Urban Fantasy
Reihe: 1. Teil einer Dilogie
Erscheinungsdatum: November 2012
Seitenzahl: 384 (nur noch als ebook erhältlich)
Verlagsseite










Inhalt

Der 17-jährige Theseus Cassio "Cas" Lowood ist kein normaler Teenager, denn wie einst sein Vater folgt auch er nun seit drei Jahren der Familientradition und arbeitet als Geisterjäger. Alle paar Monate zieht er mit seiner Mutter in einen neuen Ort, um die Toten, die keine Ruhe finden, dorthin zu schicken, wo sie hingehören.
Doch sein neuster Fall macht ihm zu schaffen: Anna im blutroten Kleid, der Geist eines Mädchens, das vor 60 Jahren auf dem Weg zu einem Tanzabend in der Schule grausam ermordet wurde, treibt in ihrem alten Haus ihr Unwesen und soll bereits über 20 Menschen auf dem Gewissen haben.
Anna ist stärker als jeder Geist, den Cas je gesehen hat, und etwas macht sie zu etwas Besonderem; etwas, das mit den Umständen ihres Todes zu tun hat; etwas, das in Cas Mitleid für sie weckt. Cas weiß, dass er einen besonderen Plan braucht, um es mit Anna aufzunehmen. Einen Plan, der andere Menschen mit in die Sache hineinziehen und in Gefahr bringen könnte.


Inhalt

Nachdem ich  angefangen hatte "Supernatural" zu gucken, fiel mir wieder ein, dass "Anna im blutroten Kleid" noch irgendwo bei mir rumlag und ich entschied mich, es endlich mal zu lesen. Und tatsächlich hat das Buch nicht nur ein traumhaft atmosphärisch-düsteres Cover, ich kann auch den Inhalt wärmstens nicht nur Fans von "Supernatural" sondern allen Lesern, die Lust auf ein unterhaltsames Jugendbuch aus dem Genre Horror haben, empfehlen.
"Anna im blutroten Kleid" ist ein sehr faszinierendes Buch, denn es ist einerseits etwas erfrischend anderes, neues, in anderen Punkten aber auch eher klischeehaft und ein "typisches" Jugendbuch.

Das Genre Horror macht "Anna" definitiv zu etwas Besonderem unter Jugendbüchern und obwohl ich nach der Lektüre noch ruhig schlafen konnte (und ich bin sonst recht empfindlich und kein Fan des Genres), sollte man den Roman vielleicht lieber nicht lesen, wenn man Probleme mit der Beschreibung von Gewalt und Toten hat.
Die Fantasy-Elemente mit Geistern und Schutzzaubern, die Kendare Blake hier einbaut, erkennt man allesamt aus anderen Geschichten wieder und für bestimmte Ereignisse, insbesondere am Ende, hätte ich mir ein paar Erklärungen mehr gewünscht, doch ihr atmosphärischer Schreibstil ist es, der die Horror-Elemente so wirkungsvoll macht. Die Autorin arbeitet mit vielen sehr bildlichen (und nicht immer appetitlichen) Beschreibungen und einem gekonnten Wechsel aus ruhigem Spannungsaufbau und Schockmomenten, die einen das Buch geradezu verschlingen lassen.
Auch typische Elemente eines Horrorfilms weist das Buch auf, beispielsweise die obligatorischen Figuren, an deren Verhalten man schon früh ausmachen kann, dass sie die Geschichte wohl nicht überleben werden.

Anna als Charakter und die Geschichte des armen Mädchens passen in den Horror-Teil des Buches wunderbar rein, denn Anna hat als Geist etwas Besonderes und Faszinierendes, das nicht nur Cas nicht mehr loslässt. Einerseits ist da das traurige, junge Mädchen, das eigentlich nur einsam ist und niemandem wehtun will, andererseits lauert in ihr etwas Böses, das sie nicht kontrollieren und das weder sie noch Cas sich erklären können.
Man kann gut nachvollziehen, wieso Annas Geschichte Cas berührt und interessiert. Gerade die Erklärung dafür, wieso Anna als Geist ist, wie sie ist, fand ich allerdings etwas mau.

Für Auflockerung sorgen Cas und andere Nebenfiguren der Geschichte. Cas ist ein sehr sympathischer und cooler Charakter, hat gleichzeitig aber auch seine weichen, schwachen Seiten, die ihn umso menschlicher machen. Einerseits ist er der unerschrockene Geisterjäger, nach dem Tod seines Vaters getrieben von Rachsucht, der stets sich selbst und seiner Mutter beweisen will, dass er trotz seiner jungen Jahre ein genauso guter Geisterjäger ist wie sein Vater. Andererseits ist er auch nur ein Jugendlicher, der sich nach Freundschaft und Liebe sehnt und dem man nichts mehr wünscht als die Chance auf ein ruhiges Leben und etwas Normalität. Er war mir von Anfang an sehr sympathisch und selbst eine Entwicklung gegen Ende des Buches, die wohl eher ungewöhnlich ist, konnte ich bei ihm erstaunlich gut nachvollziehen, wenn sie sich auch meiner Meinung nach deutlich zu schnell vollzog.

Die meisten Nebenfiguren bleiben eher im Hintergrund und sind daher nicht wirklich ausgearbeitet, doch zwei von ihnen stechen heraus: Carmel, die "Schulkönigin", mit der Cas sich ursprünglich nur anfreundet, um schnell Zugang zu den Geistergeschichten des Ortes zu bekommen, die dann aber unerwartet in die Jagd auf Anna hineingezogen wird, und Thomas, ein telepathisch begabter Jugendlicher, der Cas bei seinem Job unterstützen will. Besonders Carmel beweist angenehmerweise, dass in ihr mehr steckt, als man anfangs vermutet hätte, und Thomas ist mit seiner leicht unbeholfenen aber mutigen und hilfsbereiten Art einfach nur liebenswürdig.

Gegen Ende des Buches kommt es dann noch einmal zu einer recht überraschenden Wendung, die ich einerseits sehr interessant fand und die die Spannung deutlich steigerte, die mich andererseits aber auch störte, da sie Annas Geschichte etwas in den Hintergrund rückte und dafür sorgte, dass beide Konflikte nicht ganz so ausgearbeitet werden konnten, wie ich es mir gewünscht hätte.
Das Ende ist weder wirklich offen noch wirklich abgeschlossen und ich finde es schade, dass der zweite Band der Reihe, "Girl of Nightmares", offenbar nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Man kann auch ohne ihn auskommen, doch ich werde ihn mir wohl auf Englisch zulegen.



Fazit

"Anna im blutroten Kleid" hat alleine schon wegen des Genres Horror und des wunderbaren, schaurigen Schreibstils etwas Besonderes und unterhält definitiv sehr gut, sowohl weil es sich schnell lesen lässt und man mitfiebern kann, als auch weil die Figuren interessant und sehr sympathisch sind.
Jedoch hatte ich das Gefühl, dass nicht das ganze Potential genutzt wurde, das die Geschichte gehabt hätte, und an einigen Stellen waren die Erklärungen für das, was passiert ist oder sich entwickelt, nicht gerade befriedigend. Daher vergebe ich sehr gute 4 Sterne.




Kommentare:

  1. Das klingt wirklich erfrischend anders und das Cover ist mir gleich aufgefallen. Es hat etwas Besonderes, schon alleine farblich.
    LG, Ingrid

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    1. Ist es auch :). Das Cover gefällt mir auch sehr gut, weil es düster aber auch hübsch ist. Und das rot sticht, passend zum Titel, heraus.

      LG,
      Charlie

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  2. Hey,

    Für unsere Supernatural-Werwolfrunde habe ich jetzt endlich auch mal mit Supernatural angefangen und bin bis jetzt schwer begeistert :D
    Das Buch liegt schon ewig auf meinem SuB, aber es klingt, als müsste ich es jetzt endlich lesen, das passt gerade zu gut^^

    Ich hoffe es ist nicht so gruselig, ich finde ja schon Supernatural manchmal etwas grenzwertig (bin echt ein Weichei :D).

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Hi Lena :),

      war das ein kleiner Hinweis darauf, dass ich auch mal an den Werwolf-Runden teilnehmen soll :D?

      Wenn du grad mit Supernatural angefangen hast, dann passt "Anna..." jetzt auf jeden Fall - und zur Jahreszeit ja sowieso ;).

      Nein, ich fand das Buch zwar blutiger als andere Jugendbücher, aber nicht allzu schlimm. Die Gewalt in "Supernatural" versuche ich immer nicht so ernst zu nehmen, weil die Serie ja schon ab und an auch eher trashig ist :D.

      Liebe Grüße :),
      Charlie

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  3. Hallo Charlie,

    schöne Rezension, da sie sehr ausführlich ist und auf verschiedene Aspekte eingeht.
    Cas war mir damals auch sehr sympathisch und ich mochte diese leicht gruselige, gelungen rübergebrachte Atmosphäre.

    Ich habe das Buch vor einer ganzen Zeit gelesen und mochte es sehr, weshalb ich umso enttäuschte war, zu erfahren, dass die Fortsetzung nicht übersetzt wird. Schon damals habe ich in Erwägung gezogen, das Ganze dann eben auf Englisch zu lesen und mittlerweile nimmt diese Plan Form an. ^^

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hi Dana,

      wie immer danke für das Kompliment!

      Ich finde das auch sehr nervig. Zumindest unter Bloggern war das Buch damals, soweit ich mich erinnere, recht populär. Und jetzt habe ich, wenn ich mir den zweiten kaufe, zwei nicht zusammenpassende Bücher im Regal stehen *grummel*...

      LG :)

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