[Diskussion] Kinder taufen lassen?

Charlie | Donnerstag, 3. November 2016 |


Vor kurzem stieß ich über Facebook auf folgenden Artikel im Tagesspiegel.
Zu den meisten Themen möchte ich mich hier gar nicht äußern, denn obwohl ich in Berlin (die Stadt, auf der sich der Autor bezieht) in einem Umfeld sowohl mit gläubigen als auch mit nicht gläubigen Menschen aufgewachsen bin, habe ich noch nie erlebt, dass die Gläubigen für ihren Glauben angefeindet wurden oder sich dafür rechtfertigen mussten, wie der Autor es beschreibt. Ausschließen will ich natürlich nicht, dass so etwas passiert. Wie schon in meinem Post über Lebenseinstellungen erwähnt, gehen Menschen ja oft sehr verschiedenen mit denen um, die ihre Überzeugungen nicht teilen.

Interessant fand ich eher einen Kommentar, den ein Facebook-User unter den Link zum Artikel gepostet hatte. Er kritisierte darin unter anderem das Argument des Autors, Kinder zu taufen sei gerechtfertigt, da man etwas (in diesem Fall also die Kirche bzw. den Glauben) kennen sollte, um sich dafür oder dagegen entscheiden zu können, und da man ja jeder Zeit wieder austreten könne.
Der Meinung des Kommentators nach war dieses Argument nicht überzeugend und er brachte die Beispiele an, dann könne man sein Kind ja auch in ein NPD-Ferienlager oder einen Scientology-Kindergarten schicken. Ich möchte mich in diesem Post weder zur NPD noch zu Scientology äußern und habe diese Beispiele lediglich wiedergegeben, um zu zeigen, dass besagter Kommentator offenbar die Kirche mit Organisationen vergleichen wollte, den oft Menschenfeindlichkeit und Manipulation vorgeworfen wird.


Ist es nun also gut Kinder zu taufen? Oder kommt es einer Manipulation des Kindes in jungem Alter gleich und ist eher ein Aufzwingen des elterlichen Willens?
Anhand dieser beiden gegensätzlichen Positionen habe ich mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht.
Wohlgemerkt beziehe ich mich hier nur auf die Taufe von Babys, Kindern also, die selbst das Konzept von Kirche und Glauben noch nicht verstehen und noch nicht für sich entscheiden können, ob sie dazugehören wollen oder nicht.
Leider muss ich gestehen, dass ich mich zu wenig mit anderen Religion auskenne, um zu wissen, ob es dort ein ähnliches Aufnahmeritual in die Glaubensgemeinschaft gibt. Falls ja, kann dieser Post eventuell darauf teilweise übertragen werden.





Das Argument des Autors, man müsse etwas erst kennen, um sich dafür oder dagegen entscheiden zu können, halte ich grundsätzlich erstmal für richtig. Viel zu viele Vorurteile entstehen daraus, dass Menschen etwas über andere glauben, was sie aus zweiter Hand gehört haben, ohne die entsprechende Gruppe von Menschen überhaupt zu kennen. Sofern aus diesen Informationen aus zweiter Hand eine Abneigung entsteht, machen sich diese Leute teilweise gar nicht mehr die Mühe, die anderen kennenzulernen.
Eine natürliche Neugier auf Unbekanntes und ein wenig mehr Offenheit kann uns allen sicher nicht schaden. Um es mit Alexander von Humboldt zu sagen: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben."

Aber weiter im Text. Ein Argument für die Taufe ist diese Aussage meiner Meinung nach jedoch trotzdem nicht.
Zum einen, weil man auch sehr gut die christliche Religion kennenlernen kann, ohne direkt getauft zu sein. Es ist einem zum Beispiel trotzdem erlaubt Gottesdienste zu besuchen oder Geschichten aus der Bibel zu hören.
Und selbst, wenn man dieses Gegenargument nicht gelten lassen würde, stellt sich mir die Frage, wer man denn ist zu entscheiden, welche der vielen Religionen auf der Welt das Kind denn kennenlernen soll. Denn sollte jemand der Meinung sein, dass ein Kind nur als Mitglied der Kirche diesen Glauben wirklich versteht, nimmt man ihm ja mit einer Taufe automatisch die Möglichkeit, andere Religionen genauso gut kennenzulernen und trifft dann eben doch eine wichtige Entscheidung für das Kind. Denn wenn es die ersten Jahre christlich erzogen wird, wird es bereits auf eine bestimmte Weise geprägt, so wie alles , was die Eltern ihm mitgeben, es prägen wird.
Sollte mir gegenüber also ernsthaft jemand behaupten, sein Kind getauft zu haben, damit es später besser entscheiden kann, ob es christlich sein will oder nicht, würde mich das nicht überzeugen. Es hat dann ja nie etwas anders genauso gut kennengelernt.



Warum nicht einfach zugeben, dass man ein Kind tauft, weil man vom christlichen Glauben überzeugt ist und hofft, dass das Kind es auch sein wird?
Im Gegensatz zum oben erwähnten Kommentator halte ich, obwohl ich selbst nicht glaube, die Kirche nämlich nicht für so manipulativ und menschenfeindlich und ich finde auch nicht, dass man sein Kind einer Gehirnwäsche unterzieht, wenn man es schon jung taufen lässt.

Da wäre einmal der Unterschied zwischen Glaube und Kirche.
Die Kirche ist eine Institution und wie jede von Menschen geschaffene Institution ist sie nicht perfekt. Es gibt Uneinigkeiten, es gibt einzelne Personen, die sich nicht gesetzestreu verhalten (sei es das Wirtschaften in die eigene Tasche oder Kindesmissbrauch) und es gibt Menschen, die sich noch ganz starr an Regeln halten, die heute von den meisten anderen als veraltet angesehen werden, wodurch zum Beispiel die sehr verschiedenen Positionen von Mann und Frau in der katholischen Kirche zustandekommen.
Das alles sind mögliche Gründe, die Kirche als Institution zu kritisieren, doch haben sie mit dem reinen Glauben nichts zu tun. Wie der Autor des Artikels schon richtig anmerkt, kann man auch glauben und die Kirche kritisieren oder sogar zur Kirche gehören und sie trotzdem kritisieren. Ich kann schließlich auch die Demokratie für die beste Staatsform halten und trotzdem kritisieren, wie sie bei uns umgesetzt wird.

Glaube dagegen ist meiner Meinung nach das, was man daraus macht.
Da das, woran man glaubt, nicht bewiesen ist, gibt es keine in Stein gemeißelten Regeln und man kann selbst entscheiden, ob man glaubt, dass es wirklich Gott war, der Moses die zehn Gebote diktiert hat. Man kann auch an Gott glauben, ohne an alles in der Bibel zu glauben. Man kann auch an einzelne Geschichten aus der Bibel zu glauben und an andere nicht. Man kann den Glauben verschieden interpretieren, auf aggressive Art oder auf friedliche.
Viele der Grundregeln des Christentums entsprechen unseren heutigen Moralvorstellungen, die auch atheistische Menschen und Angehörige anderer Religionen teilen. Glauben bedeutet nicht gleich, dass man die Evolution verleugnet und seinem Kind beibringt, Sex vor der Ehe sei eine Sünde und man müsse alle "Heiden" zum Christentum bekehren. Glauben gibt den meisten Menschen in erster Linie Kraft und zumindest die Kirche, wie ich sie kennengelernt habe, predigt Nächstenliebe und ist für die Menschen da.
Und um ehrlich zu sein ist es mir deutlich lieber, wenn Eltern ihrem Kind etwas über ein allmächtiges und gütiges Wesen beibringen, dessen Existenz nicht bewiesen ist, als wenn sie es Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Homophobie und andere menschenfeindliche Grundsätze lehren - wobei sich Glaube und solche Hetze natürlich nicht ausschließen, aber eben auch nicht zwingend mit einander einhergehen. Genauso wenig wie sein Kind religiös erziehen bedeutet, ihm keine andere Wahl zu lassen und diese Religion für das einzig Richtige zu halten.


Außerdem sollen wir uns bewusst machen, dass es quasi unmöglich ist, als Eltern dem eigenen Kind nicht die eigenen Wertvorstellungen auf die eine oder andere Art mitzugeben, und das betrifft nicht nur Religion sondern auch politische und moralische Überzeugungen.
Die politische Einstellung der Eltern ist ebenfalls meist die erste, die ein Kind mitbekommt, und die meisten orientieren sich wohl unweigerlich daran. Natürlich muss man in der Wohnung genauso wenig Parteiplakate aufhängen wie Kreuze und Bibelzitate, aber es lässt sich kaum verhindern, dass ein Kind irgendwie von seinen Eltern beeinflusst wird.
Und das ist auch keine Katastrophe. Ich kenne genug Menschen, deren politische Einstellung sich sehr von der ihrer Eltern unterscheidet, und ich selbst bin nicht gläubig, obwohl ich getauft wurde und als Christin aufgewachsen bin.
Die Überzeugungen der Eltern in jungen Jahren kennenzulernen bedeutet also nicht, nie wieder davon loszukommen, denn sie stellt ja keine Verpflichtung dar, ihr auch in späteren Jahren zu folgen.


Ob religiös oder nicht, wichtig ist in meinen Augen vor allem, Kindern Offenheit, Neugier und Toleranz vorzuleben. Und das bedeutet, dass man als Elternteil weder Religion völlig verteufeln noch für das einzig Richtige halten sollte, um Kindern beizubringen, dass sie die Wahl haben.
Eine so erzogene Person wird später hoffentlich automatisch in der Lage sein, die eigenen Wertvorstellungen kritisch zu hinterfragen und anderen gegenüber offen zu sein, und so die Freiheit haben zu entscheiden, ob sie einer Religion angehören will und wenn ja, welcher - selbst wenn sie als Kind getauft wurde.



Was sagt ihr dazu?
Seid ihr gläubig? Werdet ihr eure Kinder später taufen bzw. habt ihr sie taufen lassen? Wenn ja, warum, und wenn nein, warum nicht?



Kommentare:

  1. Hey Charlie, wieder mal ein sehr interessanter Post! Sowas les ich gerne!

    Zu meinem Hintergrund: Ich bin römisch-katholisch (so wie der Großteil von meinem Umfeld), getauft und gefirmt und gehe sogar auf eine katholische Schule (aber nicht wegen dem Prinzip, sondern weil es eine gute Schule ist - wenn es möglich wäre hätte ich mich schon lange vom Fach Religion befreit, das geht aber nicht, weil es eben eine katholische Schule ist :D). Ich praktiziere aber meinen Glauben null, haben wir auch zuhause nie gemacht und ich hab auch nicht den Eindruck, dass Glaube meinen Eltern wichtig ist. (Die Familie väterlicherseits lebt am "Land" und ist schon recht gläubig, vor allem Oma, Opa und Uroma.)

    Ich nehm es meinen Eltern nicht übel, dass sie mich als Baby getauft haben. Ich selbst hätte mir den Glauben zwar nicht ausgesucht, aber eine Taufe tut ja niemandem weh und "besudelt" bin ich dadurch (m.M.n.) ja auch nicht ^^ So weit zu gehen, es Manipulation zu nennen, würde ich nicht gehen, weil Eltern ihrem Kind damit doch niemals etwas Böses wollen. "Aufzwingen" des Willens bzw. des Glaubens trifft es da schon eher, auch wenn Taufen in einer christlichen Ehe eigentlich das Normalste überhaupt ist. Man geht ja quasi in die kirchliche Ehe mit der Erwartung (Aussage meines Relilehrers), Kinder zu bekommen, die dann natürlich im selben Glauben erzogen werden sollten. Am besten Würde ich es finden, wenn man ab einem bestimmten Alter selbst entscheiden darf, ob man das will (ein ehemaliger Freund von mir hat sich erst mit 14/15 taufen lassen). Dann muss man, je nach Alter, wahrscheinlich Taufe, Erstkommunion und Firmung gleichzeitig feiern :D

    "... wer man denn ist zu entscheiden, welche der vielen Religionen auf der Welt das Kind denn kennenlernen soll" finde ich allerdings nicht so logisch. Natürlich will man als Eltern, die ihren Glauben auch praktizieren, ihr Kind in dem selben Glauben einführen und erziehen. Wäre doch irgendwie ungerecht, wenn man als Eltern dieses ungeschriebene Recht nicht verwirklichen darf, oder? :/ Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass vegetarische Eltern ihr Kind mit Fleisch bekochen.

    Ich sehe das wie du: Wenn man den Glauben nicht teilt, kann man aus der Kirche austreten oder zu einer anderen Religion konvertieren. Ich persönlich würde meine Kinder aus jetziger Sicht nicht taufen lassen, weil mir Glaube und Religion nichts bedeutet und ich es hirnrissig finde, mein Kind dann so "heuchlerisch" zu erziehen. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, selbst aus der Kirche auszutreten, und werde es wahrscheinlich auch irgendwann machen - auch wenn ich dann z.B. nicht kirchlich heiraten darf. Das Argument find ich aber ohnehin dämlich. Wieso sollte eine kirchliche Hochzeit das einzige Argument sein, das mich in der Kirche hält? Das ergibt doch keinen Sinn xD

    Toller Post!
    Alles Liebe,
    Sandro

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    1. Vielen Dank für das Kompliment :).
      Ich habe in letzter Zeit einige Ideen für solche Posts und mag es ganz gerne, so etwas mehr Abwechslung zwischen die Rezensionen zu bringen.

      Du hast recht, Manipulation ist v'ein zu negatives Wort. Aber Beeinflussung ist es in meinen Augen schon, allerdings - wie gesagt - eine, die man als Elternteil kaum verhindern kann, wenn man nun mal religiös ist. Es ist ja quasi unmöglich, die eigenen Überzeugungen komplett vom Kind fernzuhalten.

      Naja, mag ja sein, dass ein christliches Ehepaar christliche Kinder haben will, aber hier ging es ja darum, ob das im Sinne des Kindes wäre ;) und das Kind kann da nun mal nicht mitreden. Es könnte ja etwas dagegen haben, egal wie normal es den Eltern vorkommen mag ^^.

      Ich kenne tatsächlich viele, die sich erst mit 14 haben taufen lassen. Ich finde, das ist doch eine ganz gute Lösung :).

      Doch, tatsächlich hat meine Mutter uns immer mit Fleisch bekocht, obwohl sie Vegetarierin ist :D. Aber das hat ja noch andere Gründe außer dem, dass sie uns ihre Überzeugung nicht aufzwingen wollte.
      Ich habe ja nicht gesagt, dass es Eltern verboten ist, ihren Kindern ihren Glauben nahezubringen. Das ist ja, wie gesagt, ohnehin kaum möglich. Ich habe das Argument, was du zitiert hast, nur gebracht, weil ich es sinnlos fand, als Argument für die Taufe anzuführen, dass man etwas kennen müsse, um sich dafür entscheiden zu können. Wer so argumentiert klingt dadurch, als würde er eigentlich sagen: "Ich will, dass mein Kind nur diese eine Religion kennenlernt, damit es sich nur für diese eine entscheiden kann." (denn angeblich können Kinder sich ja nur für etwas entscheiden, was sie kennen). Dann könnte ich sagen, das Kind hatte ja auch gar nicht die Möglichkeit, sich für andere Religionen entscheiden zu können, weil es diese nicht kennengelernt hat.
      Ich finde das Argument in dem Gebrauch daher heuchlerisch und wäre eher dafür, dass Eltern einfach zugeben, dass sie ihr Kind zugunsten ihrer Religion beeinflussen wollen.

      Ich habe auch vor aus der Kirche auszutreten und kirchlich heiraten würde ich sowieso nicht, eben weil ich nicht gläubig bin und mir daher auch nichts über das Sakrament der Ehe und Gott und soweiter auf meiner Hochzeit würde anhören wollen. Das fände ich heuchlerisch.

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar :).

      LG,
      Charlie

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  2. Hallo Charlie! :)
    Da tauche ich nach langem mal wieder in die Blogger-Welt ein und habe direkt so einen tollen und anregenden Text vor der Nase! Das finde ich super!

    Zumal ich mir über das Thema auch schon das ein oder andere Mal Gedanken gemacht habe. Als getaufte Katholikin aber grundsätzlich skeptische Person bleibt das wohl nicht aus.

    Grundsätzlich finde ich die Taufe gut und wichtig. Beziehungsweise finde ich es gut, wenn man als Kind gleich in eine überfamliäre Gemeinschaft aufgenommen wird und sich vor diesem sozio-kulturellen Hintergrund entwickeln kann (lassen wir Fundamentalisten jedweder Art hier mal außen vor). Es geht mir dabei nicht so sehr um die Religion und den Glauben, sondern einfach darum, sich als Einzelner in einer größeren Gemeinschaft, die doch irgendwie überschaubarer scheint als die gesamte menschliche Gemeinschaft, zu formen und sich mit kollektiven Wertvorstellungen auseinanderzusetzen. Dazu ist Religion eben sehr praktisch, aber meinetwegen kann es sich dabei auch um eine gelebte kant'sche Ethik (wobei diese ja auch durchdrungen ist von christlichen Werten), oder irgendwelche Meditationsübungen mit Besinnungssitzungen handeln.

    Der Unterschied zwischen Glaube und Kirche ist dabei eigentlich das, was man als reflektierter Geist zu sehen lernen sollte. Ich halte nichts von blinder Institutionshörigkeit, denke aber auch, dass die Tendenz sowieso zu mehr Offenheit innerhalb der Glaubensgemeinschaften gehen muss. Den Christen laufen die Leute ja gerade weg ohne Ende, da muss langsam wirklich eine Modernisierung her.

    Aber wie auch immer. Ich bin selbst nicht besonders religiös, aber ich bin froh, mich, unter anderem durch die Taufe, von früh an mit für mich auch heute noch wichtigen Werten und Verhaltensweisen auseinandergesetzt zu haben. Später dann auch durchaus kritisch. Deshalb werde ich meine Kinder mit relativer Sicherheit auch taufen lassen. Nicht, weil ich will, dass sie an einen bärtigen alten Mann im Himmel glauben - oder, weil ich das tue - sondern, damit sie früh lernen, dass es mehr gibt als ihren kleinen Mikrokosmos, in dem sie leben. Was sie dann damit anfangen, ist langfristig gesehen ihre Sache und das ist auch völlig okay so.

    Aus deinem Text spricht eine sehr gemäßigte und wertschätzende Haltung, die eigentlich auch so ähnlich in den Lehren aller mit bekannten Religionen zu finden ist (ich hatte mal eine Phase, da hab ich mich viel mit dem Thema beschäftigt :D ). Deine Meinung zu dem Thema entpricht auch sehr dem, was hoffnetlich irgendwann die meisten Menschen verstanden haben: dass es egal ist, woran ein Mensch glaubt, solange er mit sich und der Welt im Reinen ist und friedfertig und tolerant gegenüber andersdenkenden ist.

    Liebste Grüße
    MelMel

    PS: Würdest du deine Kinder denn taufen lassen? :D

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    1. Hi MelMel,

      schön, wieder von dir zu hören, und danke für das Kompliment :).

      Den Punkt mit der Gemeinschaft ist ein sehr guter, den ich völlig vergessen hatte, weil ich so gut wie nie in der Kirche und daher auch in keiner Gemeinschaft integriert war. Aber es stimmt natürlich, eine solche Gemeinschaft kann unterstützen und ein Gefühl von Sicherheit geben.

      Genau, der Unterschied zwischen Kirche und Glaube ist wichtig und man kann ja auch in der Kirche sein und trotzdem nicht blind an alles glauben, was von einzelnen Personen dieser Institution erzählt wird. Sowas können Eltern, die ihr Kind taufen lassen, ihm ja ebenso vermitteln.

      Das klingt nach einer gesunden Einstellung. Man kann seinem Kind quasi einen Anstoß geben, aber man kann es nicht den ganzen Weg schieben und es muss selbst sehen, was es daraus macht :).

      Freut mich, dass du meine Meinung so verstanden hast, wie sie auch gemeint war :).

      Und nein, ich werde meine Kinder mit ziemlicher Sicherheit nicht taufen lassen, außer ich sollte mal einen streng Gläubigen heiraten, was ich bisher bezweifle ^^. Zum einen, weil ich nicht gläubig bin und auch kein Interesse daran habe, meinen Kindern die christliche Religion irgendwie mehr näherzubringen als andere Religionen, und zum anderen, weil ich mit der Kirche nichts am Hut habe und mich dort auch nie als Teil einer Gemeinschaft gefühlt habe (was nicht heißt, dass man das nicht könnte, sondern nur, dass meine Eltern selbst kein Teil dieser Gemeinschaft waren und mich deshalb dort auch nie eingeführt haben).
      Was ich meinen Kindern aber sehr wohl beibringen möchte sind die Offenheit, der Respekt und die Toleranz, die ich in diesem Post gepredigt habe ^^.

      Liebe Grüße,
      Charlie

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  3. Bore da, Charlie.
    Tatsächlich denke ich nicht, dass es Grundvoraussetzung ist, einer Religion anzugehören, um Menschen die Menschlichkeit nahe zu bringen. Dafür ist die Fähigkeit des Homo sapiens, Auswirkungen des Handelns in gute oder schlechte Folgen einzuordnen, allzu weitläufig ausgeprägt.
    Religionen - oder jeder andere Ismus - haben auf die Notwendigkeiten für ein Zusammenleben lediglich aufgesattelt. In der Regel kam dann alsbald der Aspekt der Kontrolle und somit Machtausübung hinzu.
    Und jeder Ansatz von Alleinvertretungsanspruch relativiert sich ad absurdo, blickt man/frau auch nur 10000 Jahre zurück.

    Tatsächlich sind wir alle, in der Kindheit, einem Willen unserer Eltern ausgesetzt; wir können uns also froh schätzen, wenn sie uns dabei die positiven Anlagen zu fördern verstanden. Die Wichtigste: Unsere Freiheit zu denken.

    Ob ich glaube? Dafür denke ich viel zu gern eigenständig.
    Allerdings sehe ich auf Glaubende nicht herab; ich schätze sie letztlich nach ihrem Handeln, Sagen & Denken ein.

    "Jederman kann inbrünstig zu seinem Gott beten & menschlich dennoch ein Arsch sein."
    (Myrelle Minotier)

    bonte

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    1. Hallo RoM,

      das ist richtig, aber solange Religion dafür verwendet wird, den eigenen Kindern Menschlichkeit beizubringen, oder diese moralischen Prinzipien mithilfe der Religion erklärt werden, kann eine religiöse Erziehung doch ganz gute oder zumindest keine schlechtere Auswirkung auf das Kind haben als eine atheistische oder agnostische.

      Kontrolle und Machtausübung waren (oder sind?) ja auch jahrhundertelang ein Problem der Kirche. Man denke an die Ablassbriefe, die die katholische Kirche vor Zeiten der Reformation ihren Schäfchen teuer verkaufte. Religiöse Interessen mit wirtschaftlichen oder politischen mischen endet nie gut.
      Aber das ist ja kein Problem des Glaubens an sich. Instrumentalisieren kann man so ziemlich jede Überzeugung, ob religiöse oder nicht.

      Und den eigenen Kindern beizubringen, dass es ihnen freisteht, anders zu denken, und sie alles, auch die eigenen Überzeugungen, kritisch betrachten sollen, ist eine wichtige Aufgabe von Eltern.

      Das ist auch das beste, Menschen danach einzuschätzen, was sie tun und sagen, und nicht danach, welcher Gruppe von Menschen sie angehören.

      Das ist eine sehr wahre Aussage :D.

      Viele Grüße,
      Charlie

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  4. Super interessanter Beitrag! Da geb ich doch gerne mal meinen Senf dazu =)
    Meine eigene Geschichte dazu ist eigentlich ganz witzig. Mein Vater ist schon früh aus der Kirche ausgetreten. Als der Pfarrer, der sich netterweise bereit erklärt hatte, meine Eltern trotzdem kirchlich zu trauen, ihn nach dem Grund fragte, sagte er knallhart: "Wollte keine Kirchensteuer zahlen."
    Der Pfarrer hat ziemlich geschluckt, die kirchliche Trauung hat er trotzdem durchgezogen. Cooler Typ!
    Interessanterweise bestand mein Vater darauf, meine Schwester und mich taufen zu lassen, während es meiner Mutter herzlich egal war. Anscheinend hatte er Angst, dass wir ungetauft irgendeinen Nachteil haben könnten oder in der Schule gehänselt werden könnten oder so? Find ich aus heutiger Sicht ziemlich seltsam, wahrscheinlich war das früher in unserer Gemeinde etwas anders als heute.
    Meine große Schwester ließ sich auch konfirmieren, als sie alt genug war. Ich nicht. Meine Mutter interessierte sich für den Grund und ich sagte aus tiefster Überzeugung: "Ich find Gottesdienste todlangweilig." (Ist immer noch so..)
    Ich bin dann mit 18 auch direkt aus der Kirche ausgetreten. Da hätte ich nämlich auch bald anfangen müssen, Kirchensteuer zu zahlen, hab ich gar nicht eingesehen, ganz der Papa x)
    Ich bin definitiv keine Atheistin und finde auch sämtliche Religionen und Glaubensrichtungen mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten super faszinierend. Aber ich konnte mich noch mit keiner davon wirklich identifizieren, am allerwenigsten mit dem Christentum. Ich kann dir selber nicht so genau sagen, inwieweit meine Erziehung da mitreingespielt hat. Zuhause war Religion kein wirkliches Thema, aber ich mochte den Religionsunterricht als Kind ganz gerne, die Geschichten und Lieder haben mir gefallen. Später bin ich mehr auf Distanz gegangen und habe in den Ethikunterricht gewechselt, sobald ich konnte. (7. Klasse war das glaube ich.)
    Ich glaube, ich fand die Vorstellungen des Christentums sehr einengend. Ja, ich glaube, das ist allgemein mein persönliches Problem mit Religionen. Ich habe keine Lust, mir vorschreiben zu lassen, welche Gestalt mein Glauben haben sollte. Ich würde mich am ehesten als Pantheistin bezeichnen. Das ist die Glaubensrichtung, die mich am wenigsten einengt.

    So, und um auf die eigentliche Fragestellung zurückzukommen: Ob ich meine Kinder taufen würde, ist für mich tatsächlich gar kein Thema, weil ich 1. wie schon gesagt keinen Bezug zu irgendeiner "festen" Religion habe und 2. gar keine Kinder möchte. :3
    Grundsätzlich sehe ich aber kein Problem darin, Kinder in dem eigenen Glauben zu erziehen. Solange man ihnen gleichzeitig die nötige Offenheit mitgibt, andere Meinungen zu akzeptieren. Und, ganz wichtig, es ihnen auch nicht übel nimmt, wenn sie im Laufe der Zeit andere Ansichten entwickeln.
    Normalerweise sollten die Werte einer Religion den Menschen ja auch helfen, gut zusammenzuleben. Wird halt leider oft anders interpretiert...

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    1. Vielen Dank für das Kompliment und deinen Kommentar :).

      Sehr cooler und toleranter Pfarrer, würde ich sagen :D. Interessant, dass man sich kirchlich trauen lassen kann, wenn man gar nicht mehr in der Kirche ist.
      Ich will tatsächlich auch aus der Kirche austreten, um die Steuer nicht bezahlen zu müssen, aber nicht, weil ich grundsätzlich zu geizig dafür wäre, sondern weil ich mein Geld nicht einfach gedankenlos einer Institution spendne will, hinter der ich nicht stehen kann. Dann suche ich mir lieber ein schönes Hilfsprojekt, wenn ich mal Geld verdiene.

      Also ich glaube bei mir in der Schule hat das echt niemanden interessiert, ob man getauft war oder nicht. Es durfte trotzdem jeder in den Religionsunterricht, musste man aber nicht.

      Ich fand Gottesdienste auch schon immer schrecklich langweilig und das Jahr, in dem ich für meinen Erstkommunionsunterricht jeden Sonntag dorthin musste, war furchtbar. Das ist einfach nicht meine Art, einen Glauben zu praktizieren, selbst wenn ich gläubig wäre.

      Bei uns gab es erst ab der 7. Klasse Ethik, vorher mussten auch alle Christen in den jeweiligen Religionsunterricht. Ich mochte aber meinen Religionslehrer und wir haben auch in Reli z.B. andere Religionen behandelt.

      Das ist eine interessante Ansicht und ich glaube, ich weiß, was du meinst. Ich finde, Glaube ist auch so etwas Abstraktes, das man das gar nicht so sehr in feste Regeln schreiben kann oder sollte.
      Den Begriff Pantheismus musste ich erstmal googlen ^^. Das Konzept finde ich sehr faszinierend und schlüssig.

      Da kann ich mich dir nur anschließen :). (Außer was die Keine-Kinder-Sache betrifft; da will ich mich noch nicht festlegen.)

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    2. Ich hab noch nen kleinen Nachtrag: Zu meiner Verblüffung hat mich jetzt meine Schwester gefragt, ob ich Taufpatin ihres Kindes sein will (wird um Weihnachten rum schlüpfen, total verrückt, wie schnell die Zeit vergeht o__O)
      Ich bin auf jeden Fall schon als Patentante vorgesehen, aber meine Schwester meinte, sie fand das immer ganz schön, wie ihre Patentante, die eben auch Taufpatin war, mit ihr über Gott und Kirche geredet hat und eben tatsächlich diese "kirchliche Erziehung" übernommen hat, was ja ansonsten bei uns kein großes Thema war. Und sie hätte das gerne auch für ihr Kind, aber weiß natürlich nicht, ob ich mir überhaupt vorstellen könnte, diese Rolle zu übernehmen. Ich war erstmal ganz schön baff. "Ach, ihr wollt das Kind taufen lassen?" "Jaa, schon."
      Da musste ich direkt an deinen Blog und diesen Beitrag denken. :D
      Wir hatten dann auch eine recht intensive Unterhaltung darüber, wie wir eigentlich zu, Christentum stehen. Sie hat mir nochmal eine neue Perspektive auf das Thema mitgegeben. Meiner Schwester hat der Glaube an Gott als Kind und Jugendliche tatsächlich viel Halt und Sicherheit gegeben. Das Gleiche wünscht sie sich auch für ihr eigenes Kind. Sie meinte auch, dass sie diese religiöse Erziehung gerne auch selbst machen würde, das aber ziemlich heuchlerisch fände, weil sie im Laufe der Zeit ihren Glauben verloren hat, irgendwann zwischen Terroranschlägen und der Ermordung eines alten Bekannten in unserem Heimatdorf.
      Ich finde ihre Einstellung sehr interessant. Sie glaubt selbst nicht daran, wünscht ihrem Kind aber den Glauben an etwas Höheres, an dem es sich festhalten kann.

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    3. Hi Fi,

      freut mich, dass du dich an meinen Beitrag erinnert hast.
      Das ist ja eine interessante Entwicklung.
      Es ist natürlich eine große Ehre, gefragt zu werden, ob man Taufpatin werden möchte. Das zeigt ja auch, dass die Eltern einem großes Vertrauen entgegenbringen und einen sehr wertschätzen.
      Ist aber auch natürlich seltsam, wenn man selbst nicht glaubt, einem Kind Religion nahebringen zu sollen. Weißt du schon, ob und wie du das machen wirst?

      Ich denke auch, dass Glaube einem viel Kraft geben kann. Hat er mir früher auch, als ich noch nicht so eine schreckliche Realistin war ^^.
      Ich frag mich nur, wie sinnvoll es ist, unbedingt jemanden zu suchen, der dem eigenen Kind sowas geben kann, wenn man selbst offenbar irgendwann Kraft in etwas anderem gefunden hat.

      Aber in jedem Fall ist es toll, dass deine Schwester dich gefragt hat :).

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    4. Ich hab ihr gesagt, dass ich es für wenig sinnvoll halte, diese Rolle zu übernehmen. Hat sie auch eingesehen. :)
      Jetzt gibt es eine etwas unkonventionelle Lösung: Meine Schwester hat eine gute Freundin gefragt, die in der Kirche recht aktiv ist.
      Jetzt bekommt das Kind gleich 3 Paten. Einen Patenonkel, eine Patentante und eine Taufpatin xD

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  5. Sehr interessanter Beitrag!
    Ich wurde selbst als Baby getauft, einfach weil es für viele Leute dazu gehört. Meine Eltern sind meines Wissens nach ebenso wenig gläubig wie ich, aber weil praktisch jeder sein Kind taufen lässt, haben sie es eben auch gemacht. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sie es nicht getan hätten, weil mir so zum Beispiel die wöchentlichen Gottesdienste in der Grundschule oder der Kommunionsunterricht erspart geblieben wäre, womit ich einfach nichts anfangen kann und mich immer nur gelangweilt habe. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
    Die Eltern einer damaligen Freundin haben sie nicht taufen lassen, weil sie ihr selbst die Entscheidung lassen wollten und mit 9 hat sie sich dann entschieden. Die Lösung finde ich am besten, weil ich das erste Argument was du nennst auch so auffasse wie du es tust. Man sollte vorher wissen, was es ist und wofür man sich entscheidet, bevor man einer Religion beitritt. Ich kenne nämlich auch viel mehr Menschen, die getauft wurden, aber nicht an Gott glauben, als andersherum. Genau genommen ist mir der andere Fall noch nie begegnet und selbst wenn, könnte man es eben einfach nachholen. Das erscheint mir deutlich sinnvoller als einfach auf gut Glück zu taufen und zu sagen "du kannst ja wieder austreten wenn du willst."

    Liebe Grüße!

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    1. Danken sehr :).

      Warst du denn auf einer katholischen Schule? An staatlichen Grundschulen gibt es meines Wissens nach keine verpflichtenden Gottesdienste, egal ob man getauft ist oder nicht. Bei uns wurden die aber immer gerne als Ausrede genutzt, um z.B. an Aschermittwoch zwei Stunden zu verpassen ^^.
      Ich finde, im Alter von 10 oder wann auch immer man Erstkommunion hat, sollte man sich schon selbst entscheiden können, ob man das machen will. Ich musste das leider auch noch machen, durfte mich dann aber gegen die Firmung entscheiden.
      Ich finde auch, dass es nicht Sinn der Sache ist, sein Kind zu etwas zu zwingen, was ihm keinen Spaß macht. So hat es ja automatisch keine sonderlich positive Verbindung zu Religion.

      Das sehe ich auch so und werde das mit meinen Kindern, sollte ich mal welche habe, auch so handhaben. Sie können sich gerne taufen lassen, wenn sie alt genug sind zu wissen, was es bedeutet, aber ich werde sie nicht vorher dazu zwingen.

      Liebe Grüße :)

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    2. Nein, die Schule war aber direkt neben einer Kirche und aus irgendeinem Grund mussten wir eben jeden Dienstag morgen zum Schulgottesdient. Irgendwie hat das auch niemand in Frage gestellt. Für die evangelischen Schüler galt das aber auch, soweit ich mich erinnere.
      Die Kommunion habe ich damals mitgemacht, weil mir gar nicht klar war, dass es eine Option ist, das nicht zu machen. Alle die ich kannte haben es gemacht und dann dachte ich, es gehört einfach dazu. Die Firmung habe ich dann aber auch nicht gemacht.

      Liebe Grüße!

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  6. Hey,

    ja das Thema ist für viele ein heißes Eisen. Aber, das entscheidende ist das ein Kind dessen Eltern es taufen lassen ihr Kind genauso erziehen werden und ihm die gleichen Einflüsse bieten wie ohne Taufe. Die Taufe ist auch mitnichten ein endgültiger, unumgänglicher Schritt. Je nachdem ob evangelisch oder katholisch muss das Kind zu einem späteren Zeitpunkt diesen Schritt bestätigen. In der katholischen Kirche mit der Kommunion und Firmung (ich bin evangelisch, da haben andere mehr Ahnung von), in der evangelischen Kirche mit der Konfirmation. Sowohl Firmung als auch Konfirmation geschehen zu einem Zeitpunkt wo die Kinder schon Jugendliche sind und durchaus in der Lage sind das ganze differenziert zu betrachten. In meiner Zeit im Konfirmationsunterricht haben sich einige nach den ersten Stunden gegen die Konfirmation entschieden.
    Ich finde das Konzept der Kindstaufe eigentlich ziemlich schön wenn man als Eltern das Christentum mehr oder weniger auslebt. Denn, sie stellt dem Kind zwei Taufpaten an die Seite die es bis zur Konfirmation/Kommunion auf seinem Lebensweg begleiten sollen.
    Lebe ich diese Religion als Eltern jedoch gar nicht und habe auch sonst kein Interesse dadran, dann ist auch eine Taufe meiner Meinung nach überzogen.

    Liebe Grüße,
    Tabea

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    1. Hi Tabea,

      schön, dass du meinen Blog und diesen Post gefunden hast :).

      Ja, das kann gut sein, dass das für die Erziehung eigentlich keinen Unterschied macht. Meine Eltern haben mich zum Beispiel taufen lassen, mich aber trotzdem nicht religiös erzogen, und genau würden sicher Eltern, die religiös sind, ihr Kind auch so erziehen, selbst wenn sie es nicht taufen lassen.

      Ich meine aber, dass man trotzdem Mitglied der Kirche ist, auch wenn man die Konfirmation oder die Kommunion nicht mehr mitmach. Zumindest müsste man so gelistet sein und die entsprechenden Kirchensteuern zahlen. Allerdings darf man in der katholischen Kirche ohne Firmung nicht Taufpate/_in werden, glaube ich.
      Ich finde aber auch, dass diese späteren Zeremonien eine gute Sache sind, weil man sich dann eben nochmal bewusst mit der Religion und der Frage, ob man das wirklich will, auseinandersetzt.

      Liebe Grüße,
      Charlie

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  7. Hallo Charlie!
    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Wir befinden uns jetzt gerade in der Situation, die du oben beschreibst. Wir sind vor viereinhalb Monaten Eltern geworden und haben nun einen kleinen Stöpsel hier.
    Von uns wird kollektiv erwartet, dass wir unsere Tochter taufen lassen, aber wir möchten das nicht.

    Mein Mann ist seit Jahren nicht mehr in der Kirche und ich bin (witzigerweise) aus Aberglaube immer noch drin. Gläubig sind wir beide nicht.
    Wir sind beide der Meinung, dass unsere Tochter später selber entscheiden sollte, ob sie getauft/konfirmiert/etc. werden möchte. Vielleicht möchte sie sich ja auch gar nicht dem Christentum anschließen.

    Wir sind offen, was das Thema angeht, wollten sie aber nicht schon von Geburt an in eine Religion zwingen, auch wenn wir sie nciht praktizieren.

    Lieben Gruß
    Miriam

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    1. Hallo Miriam,

      es freut mich sehr, dass du meinen Post interessant findest.
      Ich habe ja bereits auf eurem Blog von der Kleinen gelesen. Herzlichen Glückwunsch übrigens, wenn man das so sagt :).

      Habt ihr so religiöse Familien bzw. einen so religiösen Freundeskreis? Oder ist da die Taufe auch mehr Tradition als noch wirkliche Überzeugung?

      Ich denke, ich werde - sollte ich später Kinder haben - eine ähnliche Einstellung zur Taufe haben wie ihr. Wenn man den Glauben ohnehin nicht praktiziert, finde ich es auch seltsam, sein Kind taufen zu lassen.

      Das klingt doch nach einer guten und verständlichen Einstellung und ich hoffe, eure Verwandten und euer Freundeskreis akzeptieren das!

      Liebe Grüße,
      Charlie

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  8. Wirklich ein interessantes Thema.

    Im Kreisssaal las ich bei der Geburt unseres Sohnes:

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
    Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
    Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
    Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
    Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
    Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
    Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
    Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
    Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
    und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
    Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
    Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

    Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

    Also. Natürlich müssen Eltern Entscheidungen treffen, und in den Sechzigern war z.B. ein ungetauftes Kind in bestimmten Gegenden gesellschaftlich benachteiligt. Gut, dass das heute keine echte Rolle mehr spielt.

    Unser Sohn wurde erst kurz vor der Konfirmation getauft, da er überwiegend positive Erlebnisse mit Kirche und Religionsgemeinschaft gesammelt hatte. Die Entscheidung ihm zu überlassen, fanden wir damals und heute richtig (ist knapp 30 Jahre her), und auch die Enkelin wird erst mal nicht getauft. Andere Eltern fühlen sich vielleicht besser eingebunden oder wollen enge Freunde als Paten in die Familie integrieren, und fühlen sich so mit einer Taufe wohler. Nur, um einer gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sollte heute kein Grund mehr für Taufe sein.
    ...meine 2 ct ;)

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    1. Das ist wirklich schön und sehr wahr. Leider vergessen viele Eltern oft, dass ihre Kinder nicht ihnen gehören und sie sie nicht nach Ihrer Vorstellung formen, sondern sie sich selbst entwickeln lassen sollen. Auch wenn Erziehung natürlich nicht völlig weggelassen werden kann ;).

      Wenn Eltern in einer Religionsgemeinschaft Freude finden, verstehe ich, wieso sie ihr Kind dort auch einbinden wollen. Wichtig ist nur, dass sie es nicht zwingen und keinen Druck aufbauen, der dem Kind das Gefühl gibt, es müsste religiös sein.
      Insofern ist es sicher schön zu sehen, wenn ein Kind sich dann so wie euer Sohn aus freien Stücken für die Religionsgemeinschaft entscheidet.

      Und wie du schon sagst, die Taufe sollte aus Überzeugung geschehen und nicht aus irgendeinem sozialen Zwang, sonst verliert sie auch ihre eigentliche Bedeutung.

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  9. Hi,

    ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und an diesem interessanten Post hängen geblieben.

    Was mir allgemein auffällt, ist, dass man als Kind westlicher Kultur automatisch grundlegende christliche Werte vermittelt bekommt, egal, wie atheistisch man erzogen wird, einfach, weil die Kultur christlich geprägt ist. Wie stark das ausgeprägt ist, ist natürlich unterschiedlich.
    Aber mit irgendwelchen Wertvorstellungen wird man zwangsläufig aufwachsen, von daher läuft es immer darauf hinaus, dass einem erst mal irgendeine Lebenseinstellung "aufgedrängt" wird. Gerade in unserer Gesellschaft wird man aber spätestens in der Schulzeit mit anderen Vorstellungen konfrontiert, erhält die Möglichkeit, seine bisherige zu überdenken, sie mit diesen zu vergleichen und ein persönliches Fazit zu ziehen. Allerdings wird das Ganze zumindest meinen Erfahrungen nach immer noch ziemlich vom Christentum dominiert, was aber einfach an der Kultur liegt, in der wir leben.
    Sowieso denke ich, dass Religionen vor allem den Sinn haben, irgendwelche Wertvorstellungen zu vermitteln, und die meisten gehen da in die Richtung Menschlichkeit, Bescheidenheit usw., was an sich nicht zu verurteilen ist, sondern eigentlich sogar durchaus irgendwie empfehlenswert.
    Wobei ich nicht abstreiten will, dass die in der ersten Erziehung vermittelten Werte schon sehr prägend sind. Von daher denke ich, dass es Sinn macht, sein Kind auch dahingehend zu erziehen, dass es bisherige Werte hinterfragt und sich seine eigene Meinung bildet. Auch wenn man natürlich als überzeugter Gläubiger schon irgendwie seine Überzeugung auch vertreten will, aber das eine schließt das andere ja nicht aus.

    Was die Taufe angeht, so denke ich, dass es nicht wirklich schadet, sein Kind taufen zu lassen, schließlich haben auch schon getaufte Menschen die Religion gewechselt und Atheisten hat es wahrscheinlich auch nicht geschadet, dass sie als Kind mal mit Wasser und rituellen Worten in Kontakt gekommen sind. Da sie auch nicht daran glauben, dass damit irgendein göttlicher Anspruch erhoben wurde, können sie also einfach aus der Kirche austreten und damit hat sich das. Denn selbst wenn man christlich erzogen wird, kommt man - sofern man nicht vollkommen weltfremd aufwächst - zwangsläufig mit anderen Vorstellungen in Kontakt, gerade in unserer globalisierten Welt.
    Umgekehrt kann man natürlich auch einfach dem Kind die Entscheidung überlassen, ob es sich taufen lassen will oder nicht. Ich glaube, dass Strenggläubige damit Angst hätten, ihr Kind wäre damit noch ein Sündiger und würde im Falle eines Todes nicht bei Gott aufgenommen werden, was aus ihrer Sicht ein Gegenargument wäre. Von daher spielt natürlich auch der Glauben der Eltern eine Rolle.

    Im Großen und Ganzen denke ich also nicht, dass eine Taufe oder ihre Abwesenheit als Kind so entscheidend ist, dass sie die Kindheit ruinieren kann. Und mit irgendwelchen Wertvorstellungen wächst man sowieso auf, daher sollte ein Kind vor allem dahingehend erzogen werden, dass es Ansichten hinterfragt und zu eigenen Schlüssen gelangt.

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hi Dana,

      vielen Dank für diesen langen und ausführlichen Kommentar.

      Du hast natürlich absolut Recht. Vieles in unserer Gesellschaft, vor allem unsere Moralvorstellungen, beruht auf dem Christentum. Das ist etwas, das wir auch durch eine Trennung von Kirche und Staat nicht ändern können, das auch Nicht-Gläubige oder Andersgläubige betrifft und das auch vollkommen logisch ist, das Europa nun einmal seit Jahrhunderten christlich geprägt ist. Und wie gesagt, ich finde einige christliche Werte ja auch absolut sinnvoll und wichtig, z.B. Nächstenliebe. Man muss ja auch als Atheist*in nicht gleich alles ablehnen, was Christ*innen auch wertschätzen. Und ich finde es wunderbar, wenn Eltern so etwas an ihre Kinder weitergeben, sei es im Rahmen von Religion oder anders.

      Und du hast natürlich auch recht damit, dass einem immer auf die ein oder andere Art Wertvorstellungen aufgedrängt werden. Ich glaube, ich habe oben auch geschrieben, dass es natürlich nicht möglich ist, sein Kind "neutral" zu erziehen. Um zu wissen, was Wertvorstellungen, Religionrn, etc. sind, müssen wir ja auch erstmal welche kennen. Und es ist schwierig, einem kleinen Kind gleich alle Religionen gleichermaße nahezubringen.

      Und genau, ich finde auch, dass es sich nicht ausschließt, sein Kind religiös zu erziehen und es trotzdem zu kritischem Denken anzuregen.

      Und auch dahingehend stimme ich dir absolut zu, dass Taufe und eine bestimmte Erziehung nur wenig mit einander zu tun haben. Man kann auch ungetaufte Kinder religiös erziehen oder getaufte - wie mich z.B. - nicht religiös.

      Liebe Grüße,
      Charlie

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