[Serienrezension] "Good Wife" - Staffel 1

Charlie | Montag, 28. November 2016 |


Intrigen, Verbrechen, Beziehungsdrama, Frauenpower - Anspruchsvolle Dramaserie mit tollen Figuren





Originaltitel: The Good Wife
Genre: Drama
Basiert auf: - (Inspiriert von wahren Ereignissen)
Länge: 23 Folgen à 42min
Altersfreigabe: ab 12
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: September 2009 - Mai 2010 (auf CBS)
Deutssprachige Erstausstrahlung: März - Oktober 2010 (auf ProSieben)
Darsteller: Julianna Margulies, Archie Panjabi, Josh Charles, Christine Baranski, Chris Noth, Matt Czuchry, u.a.
 Quelle



Inhalt 
Als ihr Mann, Staatsanwalt Peter Florrick, sich wegen eines Sex- und Korruptionsskandals vor Gericht verantworten muss, sieht sich Alicia Florrick - Hausfrau und Mutter zweier Kinder - gezwungen, ihren alten Beruf als Anwältin wieder aufzunehmen.
In der Kanzlei ihres Collegefreundes Will muss sie sich nicht nur gegen einen konkurrierenden Juniorpartner sondern auch dagegen behaupten, dass sie von vielen Leuten vor allem über ihren Mann definiert wird.
Während sie versucht, den Spagat zwischen Arbeitsleben und Familie zu schaffen, wird sie zudem immer weiter in Peters Prozess hineingezogen, dessen Anwälte alles versuchen, um einen Freispruch zu erwirken und es Peters Konkurrenten, dem neuen Staatsanwalt Glenn Childs, heimzuzahlen.

Meinung 
Intrigen, Drama, Liebe, Sex und sogar ein wenig Krimi - "The Good Wife" vermischt auf stilvolle Art verschiedene Thematiken, die das Fernsehpublikum immer wieder faszinieren und immer wieder für gute Quoten sorgen - auch bei dieser sieben Staffeln umfassenden Dramaserie um die Anwältin Alicia. 
Ähnlich wie bei "Suits" oder "How to Get Away With Murder" hat jede Folge eine in sich abgeschlossene Handlung (einen juristischen Fall), doch es ziehen sich auch diverse länger andauernde Konflikte, sowohl juristischer als auch persönlicher Natur, durch die ganze Staffel.
Die Handlungen der einzelnen Folgen bieten einen vielseitigen Einblick in das amerikanische Justizsystem aber auch die menschlichen Abgründe. Es werden ethische Fragen aufgeworfen, teilweise ermitteln die Figuren in Fällen sogar selbst, was dann an eine Krimiserie erinnert, und schon in dieser Staffel wird eine Aussage ganz deutlich: Das Leben ist nicht fair. Nicht immer geht alles zugunsten der "Guten" aus. Schuldige Mörder_innen kommen frei, unschuldige Menschen dagegen ins Gefängnis, mit fiesen Tricks werden die Geschworenen manipuliert - und das von beiden Seiten aus.
"Good Wife" zeigt hier ganz deutlich nicht nur die Ungerechtigkeiten des amerikanischen Justizsystems, sondern auch, wie weit Menschen für Geld und Erfolg gehen würden, egal ob Anwälte, Staatsanwälte oder sogar Richter. 
Das macht auch für mich den Reiz der Serie aus: Es gibt keine Person, die man hier pauschal als gut bezeichnen könnte. Jede_r, auch Alicia, macht hier Fehler und geht damit nicht immer moralisch einwandfrei um. Es wird gelogen, bedroht und getrickst; mal vermeintlich zum Wohle der Klient_innen, mal auch nur um die eigene Haut zu retten. Niemand war mir in dieser Serie voll und ganz sympathisch und viele Figuren zeigen im Laufe der Staffel noch Facetten, die man nicht erwartet hätte.
Wobei es auch dabei leider Ausnahmen gibt. Einige wenige Figuren sollten ganz klar die Bösen, Hinterhältigen und Korrupten ohne Herz darstellen und zeigen zumindest in dieser Staffel auch keine menschliche Seite, die ihre Taten irgendwie verständlicher machen würde, was ich schade fand.
Interessant werden besagte Figuren vor allem durch die Konflikte, die sich durch die gesamte Staffel ziehen.
So erkennt man bei Alicia im Familienleben plötzlich ganz andere, verletzlichere aber auch unsympathische Facetten und merkt ihr, so professionell sie vor Gericht auch oft wirkt, an, wie schwer ihr der Spagat zwischen Familie und Beruf oft fällt und wie sehr sie noch unter Peters Skandal leidet. Denn auf letzteren wird die häufig angesprochen, auch wenn sie selbst davon keine Kenntnis hatte und das ihre Arbeit als Anwältin nicht beeinflussen sollte.
Auch die Dynamiken unter den Kolleg_innen bei "Stern, Lockhart & Gardner" sind faszinierend. Einerseits steht man sich bei uns löst zusammen Fälle, andererseits stehen Alicia und Juniorpartner Cary in Konkurrenz um nur eine freie Stelle. Wills und Alicias Vertrautheit macht ihre Zusammenarbeit als Chef und Angestellte auch nicht unbedingt leicht und dann wären da noch - was mich sehr an "Suits" erinnert hat - andere Zwistigkeiten zwischen den Partner_innen der Kanzlei. 
Den größten Teil der "Haupthandlung" nimmt jedoch wohl Peter ein, sowohl sein Prozess als auch seine Beziehung zu Alicia und seiner Familie.
Alicia hat Peter noch immer nicht verziehen, dass er sie - was in der Presse auch oft genug breitgetreten wird - mit einer Prostituierten betrogen hat, soll aber trotzdem auf Wunsch seiner Anwälte vor Gericht für ihn aussagen und ihn, sollte er auf Kaution freigelassen werden, bei sich aufnehmen.
Das viele Unausgesprochene zwischen ihnen und der Wunsch, ihre Kinder aus alledem möglichst rauszuhalten, sorgt natürlich für Spannungen, ebenso wie Peters Ehrgeiz, nicht nur freigesprochen zu werden, sondern es seinem Konkurrenten Childs auch ordentlich heimzuzahlen, wobei er oft vergisst, dass in seiner skandalösen Situation etwas Bescheidenheit angemessen wäre.
Gerade in der Beziehung von Peter und Alicia liegt aber auch mein größtes Problem mit der Serie, denn ich fand sie einfach nur frustrierend. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein essentieller Konflikt immer wieder am Rande angerissen aber nie vollständig geklärt wird, was an beiden Charakteren gleichermaßen lag.
Alicia sagt zwar in einer der ersten Folgen zu Peter, dass sie seine angebliche Korruption deutlich weniger interessiere als die Tatsache, dass er mit einer Prostituierten geschlafen hat, doch selbst in dieser Szene wirkt es, als wäre sie deshalb vor allem für ihre Kinder wütend, die in der Schule ständig darauf angesprochen werden, und nicht, weil er sie selbst 18 mal (!!!) betrogen hat.
Peter selbst scheint generell nie einzusehen, dass er hier ihrer Beziehung einen schwerwiegenden Schlag versetzt hat, denn in der Öffentlichkeit entschuldigt er sich zwar schwammig für seine "persönlichen Fehler", Alicia gegenüber beteuert er jedoch lediglich seine Unschuld bezüglich der Korruptionsvorwürfe.
Dafür ist er selbst ein unfassbarer Kontroletti und scheint zu glauben, während er Alicia wichtige Dinge vorenthält, gehöre sie vollkommen ihm und habe ihm stets über alles Rechenschaft abzulegen und natürlich alles dafür zu tun, dass er freikommt, ungeachtet ihrer eigenen Karriere. Generell macht Peter den Eindruck, als erwarte er, dass die Beziehung der beiden wieder wie früher wird, ohne dass er irgendetwas dafür tun müsste, z.B. Rücksicht auf Alicia nehmen.
Und genau an diesem Punkt war ich mehr als enttäuscht von der sonst so starken Alicia. Zwar lässt sie sich nicht immer von Peter herumkommandieren, meistens tut sie jedoch tatsächlich, was er oder seine Anwälte wollen, und nicht ein einziges Mal konfrontiert sie ihn direkt mit dem Vertrauensbruch und den Schmerzen, die er ihr und ihren Kindern zugefügt hat. Nie führen die beiden ein wirkliches Gespräch darüber, was jetzt aus ihnen werden soll und ob sie ihm jemals wieder trauen kann, und Peter schwört zwar die ganze Zeit sich ändern zu wollen, doch am Ende ist es Alicia, die für ihren selbstbezogenen Mann zurückstecken muss.
Das ist für mich leider ein ganz großes Manko dieser Serie, zumal man selten erfährt, warum Alicia ihrem Mann eigentlich noch so eine "gute Frau" ist. Zwar macht sie deutlich, dass sie eine öffentliche Scheidung wegen der Kinder nicht will, aber wieso sie ihn nicht mal im Vertrauen mit seinem Verhalten konfrontiert, blieb mir schleierhaft. 
Fazit 
"Good Wife" ist eine anspruchsvolle Dramaserie voller vielschichtiger und nicht leicht durchschaubarer Figuren, die durch ihre Handlung viele moralische Fragen aufwirft und dem US-amerikanischen Justizsystem aber auch den Menschen generell den Spiegel vorhält, da sie zeigt, wie leicht für Geld und Erfolg aus Menschen Monstern werden.
Auch die Dynamiken zwischen den Figuren und ihre Entwicklung sind äußerst interessant, doch der beinahe wichtigste persönliche Konflikt wurde für meinen Geschmack zu sehr außer Acht gelassen und runtergespielt, was mich sehr enttäuscht und mir die Hauptfigur deutlich unsympathischer gemacht hat.
Ich vergebe sehr gute 4 Sterne.

Kommentare:

  1. Tolle Kritik. The Good Wife steht auch noch auf meiner Watchliste und du hast mich noch neugieriger gemacht, auch wenn ich glaube, dass ich von der Beziehung zwischen Alicia und Peter auch genervt bin, denn sowas mag ich auch nicht. Aber gut ist ja nur ein Teil der Handlung. Die Serie wurde uns aber schon öfters im Studium empfohlen, weil sie ziemlich nah an der Wahrheit sein soll und das amerikanische Justizsystem sehr gut darstellt. Das hat mich natürlich auch neugierig gemacht. Dazu wird sie ja generell von vielen gelobt, vor allem von Kritikern.

    Danke auch für deine lieben Kommentare, bin endlich mal zum Antworten gekommen:
    Uih da wünsche ich dir und deiner Mum dann ganz viel Spaß. Hihi jap Jude Law ist heiß, da stimme ich dir zu.

    Ich bin sehr sehr gespannt auf den Film, denke aber mal, dass man die langen Passagen da rauslässt, das würde für einen Film auch gar keinen Sinn ergeben und ich denke auch nicht, dass man sich da jetzt in solchen Details verloren hat.

    Falls du dir den Jane Austen Film mal anschaust, wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Spaß. Ich will auch unbedingt mal in eine ihrer Verfilmungen reinschauen, gibt ja ein paar auf Netflix und Amazon.

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    1. Danke!
      Ich kann die Serie auf jeden Fall empfehlen, trotz Peter.

      Wie realistisch sie ist, kann ich nicht beurteilen, aber wenn das alles stimmt, ist das amerikanische Justizsystem schon ziemlich krank.

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  2. Ich habe es bisher noch nicht geschaut. In meinen Freundeskreis schaut es auch keiner, aber ich habe von Bloggern schon gehört, dass es ziemlich gut sein soll. Steht auf jeden Fall auf meiner Watchliste, aber ich hatte einfach noch nicht die Zeit dafür. Demnächst enden bei mir aber ziemlich viele Serien, sodass ich wohl dann auch Zeit für neuen Stof habe.

    Jap ich finde den Preis immer noch unschlagbar, man muss das ja mal auf den Monat runterrechnen und mal schauen, wie viel man alleine für eine Serienstaffel bzw. für einen Film bezahlt. Das ist wesentlich mehr und niederiger als Netflix ist es immer noch. Die Musik bräuchte ich zwar nicht, aber ist natürlich ne schöne Sache, für alle die kein Spotify haben. Ich habe letzteres kostenfrei in meinem Handyvertrag mit dabei und brauche Amazon Prime Music somit gerade nicht. Ich habe aber mit der Preiserhöhung auch absolut kein Problem, weil man das auch gut begründet hat, ja gleich einen neuen Deal mit Constantin Film abgeschlossen hat, wo ich mich wieder auf einige Filme freue und ich schon bemerkt habe, dass viele Filme viel flotter angeobten werden. Spotlight gabs ja auch richtig schnell schon. Das ist mir das Geld echt wert, schon alleine deshalb weil im normalen Tv echt nicht mehr wirklich viel läuft, was ich schaue. Die ganzen Shows, Scripted Reality Formate und Promi Dokus interessieren mich einfach nicht.

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    1. Ich bin erst bei der dritten Staffel, aber bisher fand ich es auch richtig gut. Aber bei richtig lang laufenden Serien bin ich erstmal immer skeptisch.
      Hast du es gut, dass du bald mit einigen Serien fertig bist. Ich fange gefühlt dauernd nur welche an ^^.

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