[Serienrezension] "Gilmore Girls: Ein neues Jahr"

Charlie | Montag, 12. Dezember 2016 |

Viel zu kurz!





Originaltitel: Gilmore Girls: A Year in the Life
Genre: Dramedy
Basiert auf: - *
Länge: 4 Folgen à 90min
Altersfreigabe: ab 6 (?)
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: 25.11.2016 (auf Netflix)
Deutssprachige Erstausstrahlung: 25.11.2016 (auf Netflix)
Darsteller: Lauren Graham, Alexis Bledel, Scott Patterson, Kelly Bishop, u.a.
 Quelle


*Fortsetzung der Serie "Gilmore Girls"


Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler für die sieben Staffeln der Vorgängerserie, nicht jedoch für diese Produktion.
 
 
 
Inhalt
 
Beinahe zehn Jahre nach dem Ende der letzten Staffel erzählt diese Mini-Serie die Geschichte von Lorelai, Rory und der verrückt-charmanten Kleinstadt Stars Hollow endlich weiter.
 
Noch immer führt Lorelai ihr Hotel und noch immer ist sie mit Luke zusammen. Doch während sich auf der Arbeit vieles verändert (und nicht alles zum Guten), scheint sie privat auf der Stelle zu treten.
Auch die Beziehung zu Emily, die nach Richards Tod in einer Lebenskrise steckt, ist weiterhin angespannt.
Rorys Privatleben dagegen ist recht turbulent, denn sie hat momentan keinen Job, keine Wohnung aber dafür eine Affäre mit einem uns Zuschauer*innen wohlbekannten Herren...
 
 
 
Meinung
 
Die wichtigste Frage, die sich sicher allen Fans der Serie stellt, ist wohl: Ist es noch wie das alte "Gilmore Girls"?
Doch so leicht ist die Frage gar nicht zu beantworten.
 
Einerseits sind diese vier Folgen eine Art Heimkehr für all diejenigen, denen Lorelai, Rory und die schrägen Bewohner von Stars Hollow ans Herz gewachsen sind.
Wir haben noch immer eine spritzige aber nicht konfliktfreie Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Lorelai und Rory und eine deutlich konfliktreichere zwischen Emily und Lorelai. Luke ist noch der alte, liebenswert Grummelbär, der in dieser Staffel unter anderem dadurch amüsiert, dass er den Gästen in seinem Café ein falsches WLAN-Passwort gibt, weil er es hasst, wenn seine Gäste mit ihren Laptops im Café sitzen.
Und auch die Bewohner von Stars Hollow sind so, wie man sie in Erinnerung hat: Kirk übt weiterhin schräge Berufe aus, Taylor hat kreative Ideen für sein Städtchen und selbst der Gitarrenmann hat wieder einen kleinen Auftritt.
Meine absoluten Favoriten waren jedoch definitiv Michel und Paris, die beide ganz wie früher sind und eindeutig für die lustigsten Szenen sorgen.
Man fühlt sich einfach wohl in der typischen Gilmore-Atmosphäre, die man jahrelang missen musste.
 
Natürlich wird es auch wieder emotional, rührt zum Teil sogar zu Tränen. Lorelai ist nicht wirklich glücklich in ihrer Beziehung mit Luke, Rory weiß überhaupt nicht, was sie vom Leben will, und Emily stellt ihr ganzes Leben auf dem Kopf, um Richards Tod zu verarbeiten. Alle drei haben sich seit der letzten Staffel sehr weiterentwickelt oder sind gerade dabei, sodass man selbst in vier Folgen von den Figuren überrascht werden und stolz auf sie sein kann. Vor allem Emily und Lorelai haben mich durchaus begeistert, auch wenn sie zwischendurch auch böse Streits haben, in denen sie beide sehr unfair sind. Man fiebert mit mit den Gilmore Girls und wünscht ihnen das Beste. 
 
Doch wie auch bei den ersten sieben Staffeln haben mich auch in dieser einige Dinge und das Verhalten einiger Figuren aufgeregt und diesmal war das leider Rory. Ihre Entwicklung seit der letzten Staffel mag realistisch sein, denn nur weil die intelligent und ambitioniert ist, muss ihr ja nicht gleich eine Karriere in den Schoß fallen. Ihre Planlosigkeit fand ich sogar sehr sympathisch. Aber was ist nur privat aus ihr geworden?
Das fängt schon an mit der Affäre, die sie führt und mit der ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hätte. Sie ist offensichtlich nicht glücklich damit, traut sich aber nicht sich oder ihm ihre Gefühle einzugestehen, was sie schwach wirken lässt und innerlich kaputtmacht. Und dabei hat sie sogar einen Freund, den sie ohne jede Scham betrügt, obwohl man fairerweise sagen muss, dass er ohnehin absolut farblos ist und nur als Running Gag dient- was ich allerdings auch sehr schade fand. So plumpe Witze hat die Sendung nicht nötig.
Gleichzeitig verhält Rory sich extrem kindisch und selbstbezogen, sodass ich oft einfach kein Mitleid mit ihr haben konnte.
Allgemein hatte ich das Gefühl, dass sie hier eher Spielball des Lebens ist, während ihre Mutter und Großmutter ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Sehr enttäuschend.
 
Mein absolutes Hassobjekt ist allerdings der Mann geworden, mit dem Rory eine Affäre hat. Ich mochte ihn in der Original-Serie wirklich, aber auch er hat sich auf absolut unsympathische Art und Weise verändert und nutzt Rory meiner Meinung nach nur aus, wenn es ihm gerade passt, mal abgesehen davon, dass er verlobt ist - mit einer anderen.
Leider nimmt gerade Rorys Beziehung mit ihm großen Raum in der Staffel ein und bekommt sogar eine der längsten und langweiligsten Szenen, was mich zunehmend genervt hat, weil daran nichts romantisch oder süß war. Man hatte eher den Eindruck Menschen zuzusehen, die nie erwachsen geworden sind. Und leider hatte ich auch nie das Gefühl, dass diese Beziehung als problematisch thematisiert wird, obwohl sie Rory ganz offensichtlich nicht gut tut. 
 
Abgesehen von Rorys Entwicklung, die wohl Geschmacksache ist, hat diese neue Staffel in meinen Augen vor allem einen Schwachpunkt: Sie ist viel zu kurz. Und das sage ich nicht nur, weil ich ein großer Fan bin, sondern auch, weil leider deutlich zu merken ist, dass nicht genug Zeit war, um all das einzubauen und auszuführen, was man gerne eingebaut hätte.
So sieht man beispielsweise Paris wieder und erfährt, wie es ihr so ergangen ist, Sookie dagegen kommt in sechs Stunden gerade mal fünf Minuten vor, Lane nicht viel mehr und das, wo die beiden in der Serie doch bisher so wichtige und liebgewonnene Nebenfiguren waren.
Auch hat man das Gefühl, dass ein großer Teil der ersten Folge erstmal dafür draufgeht, alle Figuren und Veränderungen vorzustellen, was eher hektisch wirkt und für die eigentliche Handlung nur noch drei Folgen lässt.
Lorelais und Emilys Entwicklung wird trotzdem recht ausführlich gezeigt, Rory jedoch scheint über das ganze Jahr hinweg, das hier beschrieben wird, kaum etwas zu tun.
Für viele subtile Veränderungen, besonders der Figuren untereinander, wäre in einer "richtigen" Staffel mehr Zeit geblieben, was vielleicht befriedigender gewesen wäre. 
 
Zwei Kleinigkeiten, für die die Serienmacher allerdings nichts können: Hatte Lauren Graham (Lorelai) dieses Face Lifting wirklich nötig? Teilweise sieht ihre Mimik wirklich grotesk oder einfach nicht authentisch aus.
Und Emily hat leider wieder eine neue Synchronstimme, die nicht wirklich gut passt und anfangs sehr irritiert.
 
Doch die große Frage lautet natürlich: Wie ist das Ende so?
Ohne zu spoilern kann man sagen, dass die Serie endet, wie sie vorher erzählt hat: mitten im
Leben. Nicht perfekt abgeschlossen, in einem Aspekt sogar erschreckend offen, aber insgesamt lässt sie einen mit einem positiven Gefühl zurück und dem Glauben daran, dass die Geschichte nicht zu Ende erzählt ist; dass die Gilmore Girls weiterleben werden, wenn auch nur in unserer Fantasie. Und immerhin ein sehnlichster Wunsch der meisten Fans wird endlich erfüllt.
Ein ganz bestimmter Aspekt, genauer gesagt die berühmten vier letzten Worte, haben einige Zuschauer*innen sicher erstmal sehr überrascht, doch je länger ich darüber nachdenke, desto passender finde ich sie und die Entwicklung, die darin angesprochen wird.
Das Ende mag kein konventionelles Kitsch-Happy-End sein, aber die Gilmore Girls sind ja auch keine konventionellen Frauen ;). Und ich bin mit sicher, was immer auch kommt: Sie werden es rocken.
 
 
 
Fazit
 
Nach fast zehn Jahren entführt einen "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" erneut in die charmante Kleinstadt Stars Hollow und das Leben der chaotischen Gilmore Girls Lorelai und Rory. Zum Teil ist alles wieder beim Alten: man lacht, man wird zu Tränen gerührt und man fiebert mit mit den Gilmores.
Leider ist die Staffel aber auch viel zu kurz, um allen Figuren einen würdigen Auftritt zu geben und die wichtigsten Entwicklungen gut zu erklären. Und dann wäre da noch Rory, die sich leider sehr zum Negativen entwickelt und mich ziemlich enttäuscht hat. Daher kann ich dieser Staffel nur sehr knappe 4 Punkte geben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Kommentare:

  1. Haha, dieses Mal ist es anders herum - jetzt bereite ich einen Post zu dem Thema vor, über das du gerade gebloggt hast xD
    Aber ja, im Großen und Ganzen kann ich mich deiner Meinung/Kritik anschließen. Ich finde nicht, dass die Staffel so enttäuschend war, wie viele wohl den Eindruck hatten, ich habe mich tatsächlich gefühlt, als käme ich nach Hause und habe mich so sehr gefreut, alle lieb gewonnen Figuren wieder zu sehen.
    Natürlich habe auch ich Kritikpunkte - aber der größte im Internet zu findende gehört nicht dazu und bei dir offensichtlich auch nicht. Ich finde es nämlich auch gut, das Rory mal in einer Lebens- und Sinnkrise steckt - generell halte ich den aktuellen Zeitgeist für sehr gut eingefangen und dazu gehören solche Krisen eben irgendwie. Zur restlichen Entwicklung dieser Figur kann ich dir nur zustimmen. Und das Ende fand ich schrecklich :D Ich konnte nicht fassen, dass es wirklich das Ende war - ich bin immernoch schockiert xD

    Zu deinem Kritikpunkt der Hektik: ich fand einige Sequenzen absolut unnötig ausführlich dargestellt (zum Beispiel die Sequenz, die du meinst, oder dieses alberne Musical) und dafür sind andere Dinge zu kurz gekommen. Da hätte man durchaus ab- und zugeben können. Aber nun ja. Ich habe das Anschauen auf jeden Fall sehr genossen. Und die Dialoge waren so spritzig wie gewohnt! ♥

    Liebe Grüße :)

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    1. Dann bin ich dir wohl diesmal zuvorgekommen :D.
      Schön, dass wir einer Meinung sind :).
      Wirklich enttäuschend fand ich die Staffe eben auch nicht, da tun viele den Folgen unrecht, finde ich. Vieles ist ja im Grunde doch wieder wie früher.

      Der aktuelle Zeitgeist ist wirklich zu spüren und das finde ich auch super umgesetzt. Und dass Rory nicht alles zufliegt, ist ja auch nur realistisch und irgendwie auch beruhigend ^^.
      Ich hätte gedacht, der größte, im Internet zu findende Kritikpunkt sei das Ende ^^. Ich finde es auch schade, dass das jetzt wirklich das Ende sein soll, finde es aber auch irgendwie passend.

      Ach ja, das Musical, das hassen fast alle. Ich fand es lustig, dass das echte Broadway-Stars waren, die ich sogar kannte :D. Aber ich fand es auch doof, so viel Sendezeit für einige unwichtige Sachen zu verschwenden, statt bestimmte Figuren ausführlicher vorzustellen oder gewisse Entwicklungen zu erklären.

      LG :)

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  2. Ich bin absolut deiner Meinung. Viele Handlungsstränge wirken wegen dem knappen Raum sehr gedrängt und hätten von mehr Platz wirklich profitiert. Ich konnte mich in dieser Staffel auch nicht wirklich mit Rory anfreunden. Sie war immer so zielstrebig und wusste genau, was sie will, und nun lebt sie einfach in den Tag hinein ohne Plan. Und ihr Verhalten gegenüber Paul (der blasse Typ hiess doch Paul, oder?) geht ja mal gar nicht. "Oh, ich wollte Schluss machen, aber ich habe es vergessen." Ich finde das nicht wirklich lustig...

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    1. Ich finde es auch seltsam, dass Netflix da nicht ein paar mehr Folgen spendiert hat. Dieses Revival wurde schon Monate vorher so gehypet, da hätten sich sicher auch 10 Folgen rentiert.
      Dass bei Rory beruflich nicht alles glattläuft, fand ich ja noch realistisch. Aber wie locker sie das alles nimmt und vor allem, wie ihr Privatleben aussieht... Oh je.
      Genau, Paul hieß der. Diesen Running Gag fand ich auch nicht wirklich witzig.

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  3. Hey Charlie, da bin ich auch mal wieder. Lange nicht da gewesen, tut mir voll Leid :/ Ich kommentiere meistens, wenn ich auf der Arbeit bin und deinen Blog mag unser Internet irgendwie gaaaar nicht. Daher nun also mal am Wochenende!

    Ich kann deine Kritikpunkte ziemlich gut nachvollziehen - und ich muss ehrlich sagen, für mich haben sie das ganze Erlebnis auch kaputt gemacht. Ich habe mich monatelang auf das Revival gefreut, mich extra mit zwei Freundinnen verabredet - und wir alle hatten ziemlich lange Gesichter und haben dann nach 2 Folgen auch abgebrochen. Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich die letzte Episode bisher nicht geschaut habe. Ich war einfach nicht glücklich. Es ist alles so dramatisch, so festgefahren, so traurig. Natürlich gab es vorher auch schon Probleme im Leben der Frauen, aber das hier...Mit Rory konnte ich auch einfach gar nichts mehr anfangen. Vor allem weil sie einen ziemlich ähnlichen Fehler ja nun schon 10 Jahre zuvor gemacht und offenbar nichts draus gelernt hat.
    Genau wie dir wirkte mir das alles oft zu gehetzt. Und sympathisch waren mir hier ganz ehrlich nur noch wenige Leute. (Am schlimmsten fand ich übrigens das völlig in die Länge gezogene Musical. Gott, hab ich mich gelangweilt.)

    Ich werde irgendwann auch noch einen Rant dazu schreiben, wenn ich mich mal dazu durchringen kann, Folge 4 zu gucken. Ich fürchte, mehr als 2,5 Punkte werden das bei mir aber nicht...

    Ich freue mich daher sehr, dass es für dich trotzdem so etwas wie Heimat war. Vielleicht kommt das Gefühl bei mir ja auch doch noch mal auf? ;)

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    1. Soso, auf der Arbeit liest du Blogs :P.
      Du musst dich auf keinen Fall entschuldigen, wenn du selten kommentierst. Ich habe auch oftmals Phasen, wo ich damit gar nicht hinterherkomme.
      Und ich freu mich immer, wenn ich was von dir lesen kann :).

      Ich kenne mittlerweile einige, die es abgebrochen haben, und kann das zum Teil auch verstehen. Ich sehe Sachen gerne zu Ende, um sie dann auch rezensieren zu können, aber zwischenzeitlich hat mich Rory auch so sehr aufgeregt, dass es die restlichen, schönen Kleinigkeiten kaputtgemacht. Ich finde es einfach traurig, was aus ihr geworden ist.

      Das Musical hat wohl die meisten genervt und ich fand es auch etwas zu lang. Es kurz anzuschneiden hätte ja gereicht, um zu zeigen, dass Taylor mal wieder eine schräge Idee hat. Aber die haben es ja dann insbesondere am Ende mit Lorelais Konflikt mit sich selbst und dem, was sie im Leben will, vermischt, was ich so gar nicht verstanden hab.

      Ich hoffe für dich, dass es dir gefallen wird. Rory kapiert immerhin etwas am Ende, finde ich. Aber es ist trotzdem noch vieles sehr anders.

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Liebe Grüße und hau in die Tasten :D!
Charlie