[Laberpost/Gesellschaft] Gender

Charlie | Mittwoch, 15. Februar 2017 |
Lange lange habe ich an diesem Post gesessen, ihn immer wieder neu geordnet, teilweise wochenlang gar nicht bearbeitet, weil ich mir sehr unsicher war: Schaffe ich es, über dieses heikle Thema zu schreiben, ohne dabei jemandem auf den Schlips zu treten? Habe ich überhaupt genug sinnvolle und richtige Dinge über ein so komplexes Thema zu sagen?
Letztendlich siegte mein Interesse an dem Thema, nicht zuletzt, weil ich in den vergangenen Wochen viele Diskussionen dazu miterlebt, dazu gelesen und auch in der Uni etwas darüber gelernt habe.

Ein kleiner Hinweis vorweg, da ich weiß, dass dieses Thema bei vielen von Hochsensibilität bis hin zu Genervtheit einiges auslösen kann: Dieser Post soll nicht dazu dienen zu belehren, jemandem ein bestimmtes Weltbild aufzuzwingen oder die Werte einiger Menschen anzugreifen.  Viel mehr geht es um ein paar grundsätzliche Definitionen und Abgrenzungen und meine persönliche Einstellung zu Sub-Themen des Komplexes "Gender". Der Post erhebt auch keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und ziemlich sicher habe ich einige wichtige Aspekte vergessen, die man noch diskutieren könnte. Ergänzungen sind immer gerne gesehen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr diesen Post lest und mit mir zusammen über das Thema diskutiert.

 Anmerkung:
Ich sehe mich als toleranten und respektvollen Menschen und falls ich in diesem Post irgendetwas Verletztendes, Diskriminierendes oder schlichtweg Falsches sage, könnt ihr mich gerne darauf hinweisen. Ich versichere, dass es nicht so gemeint ist.
Ich gebe mir Mühe daran zu denken, meine Meinung und Theorien als solche zu kennzeichnen und nicht als Tatsachen darzustellen.






Das Allgemeine


Mann oder Frau?
Eine scheinbar einfach zu beantwortende Frage, wie "Kaffee oder Tee?" oder "Hund oder Katze?".  
Viele Menschen lieben es, andere und sich selbst  in Kategorien zu stecken, und vergessen dabei nur allzu häufig, dass die Welt nicht nur schwarz oder weiß ist, sondern voller Grauschattierungen steckt. 
Neben einfachen Vorlieben wie "Meer oder Berge?" ist eine der wohl präsentesten und einflussreichsten Einteilungen im Leben eines Menschen die in "Mann" und "Frau". 
Doch schon wenn man Menschen fragt, was für sie einen Mann oder eine Frau ausmacht, wird das Problem deutlich: Jeder scheint seine eigene Definition für die beiden Begriffe zu haben, wenn überhaupt. "Männer sind groß und stark.", "Frauen haben lange Haare und Brüste.", "Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom." waren beispielsweise Sätze, die bei mir in der Uni so oder so ähnlich in einer Vorlesung zum Thema Sexualität und Hormone fielen.
Aber nicht nur, wenn es um Gene und den Körperbau geht, fallen die Begriffe "Mann" und "Frau". Auch etliche Verhaltensweisen, Vorlieben und Persönlichkeitseigenschaften scheinen mit den Geschlechten assoziiert zu sein. "Männer weinen nicht!", "Warum schminken Frauen sich eigentlich immer?", "Typisch Männer, immer müsst ihr besser/schneller/stärker sein als die anderen.", "Warum macht ihr Frauen eigentlich immer alles komplizierter, als es ist?" - Na, kommen euch solche Sätze bekannt vor? 

Auf Formularen, Sozialen Netzwerken, selbst bei der Wahl des Deos oder Duschgels ("for men"/"for women") ist mensch (oft) gezwungen, sich als Mann oder Frau einzuordnen, doch sobald man dies tut und in eine dieser Kategorien gehört, bringt dies - so scheint es - unweigerlich eine Palette anderer "Anforderungen" mit, die man als Mann bzw. Frau gefälligst zu erfüllen hat.
Und was, wenn ich nicht so bin, wie Frauen nach Meinung anderer zu sein haben?

Dem Thema Gender, also dem "sozialen Geschlecht" bzw. der Geschlechtsidentität und dessen Abgrenzung zum biologischen Geschlecht (im Englischen "sex") soll sich dieser Post widmen.




Die Biologie


... ist da einerseits recht deutlich, andererseits aber auch wieder nicht.
Es gibt verschiedene Faktoren, die das biologische Geschlecht ausmachen: die Chromosomen, die Hormone und die äußeren und inneren Geschlechtsorgane.

Zum Teil baut die Entwicklung dieser Faktoren auf einander auf. Das Y-Chromosom produziert z.B. normalerweise das SRY-Protein, welches die Entwicklung der Hoden in Gang setzt. In seltenen Fällen ist es jedoch möglich, dass das Protein trotz Y-Chromosom nicht hergestellt wird und sich somit die weiblichen Gonaden, die Eierstöcke, ausbilden.
Damit ist die Entwicklung aber noch nicht abgeschlossen. Etwa im 2. Monat entwickeln sich die äußeren Geschlechtsorgane eines Embryos, im 3. die inneren weiter. In beiden Schritten produzieren die Hoden, sofern vorhanden, Testosteron, welches für die männliche Entwicklung zuständig ist. Auch hier wäre es möglich, dass der Körper beispielsweise nicht auf das Testosteron reagiert und sich deshalb trotz männlicher Anlagen eine weibliche Entwicklung vollzieht.
Es wäre also möglich, dass eine Person einen XY-Genotyp und angelegte, aber nicht vollständig ausgebildete Hoden besitzt, äußerlich und hormonell aber "eine Frau ist".

Mir stellt sich da die Frage, wo man also biologisch genau das Geschlecht festmachen will. Nur an den Chromosomen? Nur an den äußeren oder inneren Geschlechtsorganen?  Angesichts diverser Abweichungen vom "normalen Bauplan", bei dem alle vier Faktoren in Einklang stehen, erscheint es relativ dünn, das biologische Geschlecht nur anhand eines Faktors bestimmen zu wollen. Menschen, deren Geschlecht sich nicht eindeutig anhand dieser biologischen Merkmale in "männlich" oder "weiblich" einteilen lässt, bezeichnet man auch als intersexuell.

Auch wenn es so scheint, ist es also selbst in der Biologie nicht immer eindeutig zu sagen, welches Geschlecht eine Person hat. Wissenschaftlich gesehen sind "männlich" und "weiblich" allerdings die "normalen Baupläne" des Körpers, sodass Intersexualität meist eher als Ausnahme als als "drittes Geschlecht" gezählt wird (Der Name "Intersexuell" sagt ja bereits, dass ein Mensch "zwischen den Geschlechtern" steht).




Die Abgrenzung


Wichtig ist in dieser Diskussion vor allem die Abgrenzung des biologischen Geschlechts von anderen Aspekten, die oft ebenfalls mit Geschlechtern in Verbindung gebracht werden, damit aber nicht zwingend zu tun haben*.
Im Alltag begegnen einem öfter Stereotype über Männer und Frauen, beispielsweise dass Frauen grundsätzlich einfühlsamer und emotionaler wären und Männer immer mit anderen Männern darum wetteifern wollten, wer stärker, schneller oder sonst irgendwie besser ist. Männer sind angeblich die großen, starken Beschützer, Frauen achten mehr auf ihr Äußeres, etc.
Aus welchen Gründen auch immer werden viele Persönlichkeitsmerkmale, aber auch bestimmte Vorlieben und Hobbys als "männlich" oder "weiblich" angesehen.
Fragt sich, wie sehr diese Eigenschaften wirklich mit dem, was man in der Biologie als Geschlecht bezeichnet, zusammenhängen oder ob man hier nicht etwas anderes mit "Geschlecht" meint.
Große Strömungen der Persönlichkeitspsychologie gehen davon aus, dass die Entwicklung eines Menschen auf einer Wechselwirkung zwischen Genen und Umwelt (also z.B. Familie, Freunde, Gesellschaft allgemein) basiert. Das biologische Geschlecht kann also mitnichten der alleinige bestimmende Faktor für das Verhalten eines Menschen sein.
Dennoch haben viele Menschen immer wieder mit Stereotypen zu kämpfen. Sätze wie "Echte Männer weinen nicht." werden auch heute immer noch gesprochen, als würden alleine Körperbau und Gene es einem Menschen verbieten, ein sensibles und emotionales Individuum zu werden.

Auch wenn sich traditionelle Geschlechterrollen immer weiter auflösen, gibt es heute - ob bewusst oder unbewusst - noch immer gesellschaftliche Bilder von "männlich" und "weiblich", die man mit dem biologischen Geschlecht assoziiert, selbst, wenn sie damit nichts zu tun haben und es etliche Gegenbeispiele gibt.




Der Begriff "Gender"


Hier kommt dann die englische Unterscheidung zwischen "gender" und "sex" ins Spiel.
Ein sex im biologischen Sinne zu bestimmen ist meistens, wenn auch nicht immer, leicht und es gibt hier ganz klar zwei Baupläne, die, wenn sie "wie vorhergesehen" ausgeführt werden eindeutig einen Mann oder eine Frau ergeben.
Nichtsdestotrotz bedeutet das nicht, dass sich ein Mensch mit all dem identifzieren muss, was mit seinem biologischen Geschlecht assoziiert wird. Die meisten Menschen werden ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt unweigerlich in eine bestimmte Geschlechterrolle gedrängt, ihr werden bestimmte Eigenschaften anerzogen und sie lernt, welche Eigenschaften/Hobbys/Merkmale Männer und Frauen "normalerweise" haben. Und genau dieses Spektrum von männlichen bis zu weiblichen geschlechtsspezifischen Verhaltensmerkmalen und "Geschlechterrollen" wird dann als "gender" bezeichnet.

Beim Gender geht es um die pesönliche Identifikation mit "Geschlechtern" bzw. dem Bild, das einem Menschen gesellschaftlich von einem Geschlecht vermittelt wird. Gender sind nicht angeboren, sondern anerzogen**. Sie sind abhängig von der Erziehung durch die Eltern, von der medialen Repräsentation von Geschlechtern aber auch von den Kulturkreisen, in denen man aufwächst, denn so wie viele Persönlichkeitseigenschaften je nach Kultur unterschiedlich bewertet werden, hängt es auch bei Geschlechterrollen stark von der Kultur ab, was als "männlich" oder "weiblich" bzw. maskulines oder feminines Verhalten definiert wird.

Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht sind Gender also deutlich schwammiger und schwerer zu definieren. Wie oben bereits angedeutet, scheint jeder Mensch eine andere Vorstellung davon zu haben, was eine Frau oder einen Mann ausmacht. Bin ich keine Frau, weil ich mich nicht gerne schminke und die Farbe pink nicht mag, weil ich mit kleinen Kindern nichts anfangen kann, weil ich Streit eher anfange als ihn zu schlichten?
Würden wir eine Liste mit allen angeblich weiblichen oder männlichen Eigenschaften machen und nach und nach alles rausstreichen, was auf mindestens eine Frau oder mindestens einen Mann nicht zutrifft, wäre sie am Ende höchstwahrscheinlich leer.
Trotzdem ist wohl kaum zu leugnen, dass die gesellschaftlichen Bilder der Geschlechter in unserem Leben sehr dominant sind und sei es nur durch kleine Bemerkungen wie die oben zitierten, durch "gender marketing" (auf Geschlechter zugeschnittene Werbung) oder durch die Begriffe "for men" und "for women" auf Drogerieartikeln und Kleidung.




Transgender


Gerade weil Gender nicht eindeutig definiert sind, ist es also völlig normal sich nicht mit allem identifizieren zu können, was von irgendjemandem irgendwann über ein Geschlecht gesagt wird. Ehrlich gesagt habe ich auch noch nie eine Person getroffen, die das von sich behaupten kann.
Doch obwohl ich lange nicht mit allem übereinstimme, was irgendwann mal von irgendwem als weiblich bzw. feminines Verhalten betitelt wurde, würde ich mich grundsätzlich als Frau sehen und identifiziere mich mit diesem Geschlecht.

Anders verhält es sich mit Transgender-Personen - Menschen, deren Geschlechtsidentität (gender) nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht (basierend auf dem biologischen Geschlecht, dem sex) übereinstimmt.
Diese Diskrepanz kann viele Formen annehmen, von denen die bekannteste vermutlich die Transsexualität ist: das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein, und der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben. Durch den Fortschritt der Medizin ist es diesen Menschen heute möglich, ihren Körper auch (zumindest zum Teil) ihrem Gender anzugleichen.
Doch "transgender" muss nicht zwangsläufig heißen, dass man sich als "das andere" Geschlecht fühlt. Manche Menschen können sich mit dem binären Geschlechtsmodell - der Aufteilung in weiblich und männlich - grundsätzlich nicht identifzieren. Sie sehen sich weder als Mann noch als Frau und gehören somit dem nicht binären Spektrum an, das zum Beispiel agender oder genderfluid (eine ständige Neuverortung im Genderspektrum) beinhaltet.

In der Deutschen Sprache wird hier ein Problem deutlich, wenn es darum geht agender, bigender, genderfluid, etc. als weitere "Geschlechter" anzuerkennen. Denn die "Natürlichkeits-Argumentierenden" schreien hier oft lauthals los, dass es biologisch etwas wie genderfluid gar nicht geben kann. Da haben sie auch gar nicht so unrecht, aber wenn man Geschlechtsidentitäten auf dem Transgender-Spektrum als Geschlecht anerkennen lassen will, geht es eben um das Gender, nicht um das "sex", und das kann sehr wohl häufiger wechseln***.




Vorurteile



 ... gibt es leider sehr viele zu diesem Thema, von denen die meisten für mich in die Kategorie "Was juckt es dich eigentlich?" fallen.
"Die wollen doch nur Aufmerksamkeit!", "Das ist Blödsinn; man kann nicht im falschen Körper geboren sein!", "Die sind doch alle gestört", blablabla.

Insbesondere die Behauptung, Transgender sei eine persönliche Störung, soll angeblich mit der neuen Ausgabe des ICD-10 (die dann ICD-11 heißen wird) 2018 widerlegt werden, in der Transsexualität bzw. "gender incongruence"  nicht mehr als Persönlichkeitsstörung klassifziert wird.
Doch selbst solange sie noch offiziell als eine Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung gilt, gibt das noch lange niemandem das Recht Menschen, die sich mit von der Gesellschaft geschaffenen Konstrukten und Klischees nicht identifizieren können, zu diskriminieren, zu beleidigen oder sogar Gewalt gegen sie auszuüben, wie das leider oft der Fall ist. Immerhin tun diese Menschen niemandem etwas zuleide, sondern wollen einfach nur leben, ohne in eine von zwei vorgegebenen Schubladen gesteckt zu werden. Das schadet doch niemandem!

"Die wollen doch bloß Aufmerksamkeit" ist auch eines solcher Argumente, die mich tierisch auf die Palme bringen.
Was bitte ist daran, nicht pauschal als Mann oder Frau betitelt und beurteilt zu werden, "aufmerksamkeitsgeil"? Ich kenne nicht viele Transgender-Menschen persönlich, aber ich denke, vielen wäre es lieber, ihre Art zu leben würde einfach als selbstverständlich angesehen und sie hätten es gar nicht nötig, immer wieder gleiche Rechte und Anerkennung ihrer Gender einzufordern. Genau so, wie sich auch Frauen eher wünschen würden, sie würden einfach gleich behandelt und müssten sich nicht immer wieder mit misogynischen Menschen rumschlagen.
Wieso sollte sich ein Mensch auch "aus Spaß" als Transgender outen, sein ganzes Leben umkrempeln und eventuell riskieren, Freunde zu verlieren und Opfer von Mobbing zu werden, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen?

Natürlich gibt es auch in der LGBTQ+-Bewegung wie in jeder anderen Bewegung die ein oder andere Person, von der man sagen könnte, sie schießt etwas über das Ziel hinaus, aber grundsätzlich halte ich die Vorurteile, die mir bisher über Transgender-Menschen untergekommen sind, für unberechtigt.
Wie immer gilt: Ich kann einfach nicht verstehen, wieso manche Menschen sich von anderen angegriffen fühlen, die vollkommen friedlich leben und lediglich gleiche Rechte einfordern, die die Rechte anderer kein bisschen einschränken würden.




(Trans-)Gender im Alltag - Herausforderung und Chance


Wie so vielen Dingen, die sie nicht kennen oder verstehen, stehen viele Menschen dem Begriff "Transgender" und den Angehörigen dieses Spektrums skeptisch gegenüber. Zum Teil kann ich das auch nachvollziehen, denn Menschen neigen dazu, einander in Schubladen zu stecken, und es kan einen ganz schön durcheinanderbringen, wenn plötzlich jemand daherkommt und sich nicht so leicht einsortieren lässt. Doch gerade der Bruch mit unserem altvertrauten Kategoriensystem stellt sich vielleicht sogar als erfrischend oder einfach gar nicht so dramatisch dar, wie er anfangs scheint.

"Kritiker" beschweren sich zum Beispiel oft, sie wüssten überhaupt nicht, wie sie diese Menschen behandeln, ansprechen und über sie reden sollen und befürchten einen Wutausbruch seitens einer Transgender-Person, wenn sie sie aus Versehen mit dem falschen Pronomen ansprechen.
Nun will ich nicht abstreiten, dass es Transgender-Personen gibt, die sehr empfndlich reagieren, wenn man ihnen ihr Gender nicht sofort ansieht, genauso, wie es sicher auch Religiöse Menschen gibt, die beinahe einen Herzinfarkt bekommen, wenn man "Gott verdammt!" oder ähnliches sagt. Von 99,99999% der Menschen (eine Zahl jenseits jeder Empirie und validen Statistik ;)) würde ich jedoch davon ausgehen, dass sie einen freundlich darau hinweisen, wenn ihnen etwas nicht passt oder sie sich etwas wünschen würden, weil sie wissen, dass man keine Gedanken lesen kann. Und wenn man höflich gebeten wird, eine anatomisch weibliche Person doch bitte trotzdem bei einem männlichen Namen zu nennen, dann tut das doch wirklich nicht weh und sollte die Beziehung zu dieser Person nicht beeinflussen, oder?

Meine Vermutung ist, dass viele Menschen mit dem nicht-binären Geschlechtskonzept vor allem deshalb Probleme haben, weil sie mit den "klassischen" Geschlechtern weiblich und männlich eben doch mehr assoziieren als nur die Biologie. Die Frage, welches Geschlecht jemand hat, gibt uns vermeintlich Aufschluss über ihre Persönlichkeit, ihre Vorlieben und ihr Verhalten. Und wenn sich jemand nicht in unsere geliebten zwei Kategorien einteilen lässt, sind wir zunächst einmal ratlos: Was für ein Mensch ist das, der da vor uns steht?
Doch gerade diese Ratlosigkeit kann doch auch ganz spannend sein. Sie gibt uns die Möglichkeit, einen Menschen mit einer Vorurteilskategorie weniger und somit etwas unvoreingenommener kennenzulernen. Begegnungen mit Menschen, deren Geschlechsidentität uns unbekannt ist, können uns vielleicht sogar offener machen, wenn wir uns darauf einlassen.
Und wie genau ihre Geschlechtsmerkmale aussehen und ob sie die sind, die wir erwarten- das muss man ja nun wirklich nicht beim ersten Kennenlernen in Erfahrung bringen.




Respekt braucht keine Labels - Für weniger Gender-spezifisches im Alltag!


Meine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Gender brachte mich schließlich auf eine etwas provokante These, mit der ich wohl sowohl Transgender-Menschen als auch Anhängern des binären Geschlechtsmodells vor den Kopf stoßen könnte, hoffentlich aber auch ein paar Menschen aus der Seele spreche: Ich finde, dass Gender in unserem Alltag eine viel zu große Bedeutung einnehmen.
Und damit meine ich nicht die Diskussion über die Anerkennung verschiedener Transgender-Identitäten, die ich absolut wichtig finde. Nein, ich meine sowas wie alltäglichen Sexismus, Sprüche wie "Sowas machen Frauen nicht", Duschgel "for men" und "for women" oder die einfache Tatsache, dass man bei allen möglichen Online-Profilen oder Teilnehmer*innen-Listen nach dem Geschlecht gefragt wird. 
Was - das frage ich mich häufig - hat es für eine Bedeutung, von wem dieses Grapefruit-Shampoo oder der Aloe-Vera-Rasierschaum gekauft wird, welches Geschlecht die Spieler*innen auf dem Rugbyfeld haben oder welche Geschlechtsidentität die Person hinter einem bestimmten Twitteraccount hat? 
Ich wünsche mir oft, die Menschen würden nicht so viele Dinge mit den kleinen Wörtchen "männlich" und "weiblich" assoziieren, sondern uns einfach alle leben und tun, mögen, tragen, fühlen, spielen und lieben lassen, was/wen wir wollen - unabhängig von unserer Geschlechtsidentität.

Warum sollten wir uns denn immer irgendwo einteilen, uns in irgendeine soziale Kategorie drängen lassen müssen?  Ich halte es zwar für notwendig, das binäre Geschlechtermodell zu erweitern, aber ich halte es auch für nötig der Gefahr zu entgehen, dass Menschen sich zukünftig statt in eine von zwei in eine von zwanzig Kategorien gedrängt fühlen - also weiterhin noch den Zwang spüren, sich irgendwo "einzuteilen". 
Daher finde ich es wichtig, immer wieder zu hinterfragen, wann das Geschlecht oder Gender eines Menschen für den aktuellen Kontext wirklich relevant ist und wann es uns nur als plumpes Hilfsmittel dient, den Menschen irgendwie anhand eines einzelnen Begriffes einordnen und verstehen zu wollen, obwohl wir wissen, dass wir die meisten Schlüsse, die wir gerne ziehen würden, nicht so pauschal ziehen können.
In einer Welt, in der ich nicht andauernd anhand eines kleinen Wörtchens eingeteilt und beurteilt werde, würde auch ich mich wohler fühlen.
Wir sind alle Menschen, Menschen verdienen Respekt und Respekt braucht keine Labels.



Transgender und Sprache

Einigen ist es sicher schon aufgefallen: Seit geraumer Zeit schreibe ich meine Posts mit einem *, der sogenannten Gender Gap, die symbolisieren soll, dass es zwischen männlich und weiblich noch weitere Geschlechtsidentitäten gibt.
Ich persönlich fühle mich zwar kein bisschen ausgeschlossen, wenn jemand nur von "Studenten" spricht, und finde auch nicht, dass das gramatikalische "Geschlecht" (wir haben eindeutig zu viele Geschlechter in der deutschen Sprache :D) zwangsläufig eine Implikation des bioligischen oder sozialen Geschlecht bedeutet.
Aber ich kann verstehen, wenn es anderen anders geht. Daher verwende ich das *, auch als kleines Zeichen, dass ich Gender jenseits des binären Geschlechtsmodelles akzeptiere, sogar für selbstverständlich halte.





Weiterlesen:


  • Die Januar-Ausgabe der "National Geographic" bietet einen guten, leicht verständlichen Einstieg in das Thema Gender und setzt sich dabei neben Transgender auch mit Geschlechterrollen in verschiedenen Kulturen und dem modernen Wandel von Geschlechterrollen auseinander.




Wow, das war ein schrecklich langer Post, aber irgendwie habe ich mich an keiner Stelle so gefühlt, als könnte ich dort den Post unterbrechen, um ihn in zwei Teile zu teilen. Falls ihr euch schon ein bisschen mit dem Thema befasst habt, war vieles aber sicher nicht neu für euch, sodass ich euch hoffentlich nicht mit Informationen und Begriffen erschlagen habe.
Auf jeden Fall Respekt, wenn ihr bis hiehin gelesen habt!
Jetzt würde ich gerne von euch hören: Wie steht ihr zum Thema Gender allgemein und zum Thema Transgender im Speziellen? Seid ihr auch manchmal von geschlechtsspezifischen Klischees genervt? Gehört ihr selbst dem Transgender-Spektrum an oder habt ihr Freund*innen, Verwandte, Bekannte, die transgender sind?
Ich freue mich auf einen offenen und respektvollen Meinungs- und Erfahrungsaustauch!









* Fairerweise muss man dazu sagen, dass es tatsächlich anatomische Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen gibt, die in gewisser Weise unterschiedliches Verhalten hervorrufen. Das gilt alllerdings nicht für all die Lebensbereiche, die gesellschaftlich oft mit dem biologischen Geschlecht assoziiert weren. Vieles entsteht hier auch aus veralteten Rollenbildern.

** Ich meine gelesen zu haben, dass die Gehirne von Transsexuellen von der Anatomie her eher denen des Geschlechts ähneln, das sie angenommen haben, als dessen, mit dem sie geboren sind. Das könnte darauf hinweisen, dass Gender zum Teil doch angeboren bzw. zum Teil aus biologischen Einflüssen entstehen können. Leider habe ich gerade vergessen, wo ich das gelesen habe, daher ist es reine Spekulation meinerseits, bis ich eine gute Quelle dafür finde.

*** Auch das ist eine sehr unwissenschaftliche-Behauptung von mir, da ich gerade keine überzeugenden Studien, die zum Thema Gener durchgeführt wurden, zur Hand habe. Ich basiere das also nur auf dem, was ich vor allem in den sozialen Netzwerken "gelernt" habe.

Kommentare:

  1. Hi Charlie!

    Ich bin gerade echt überrascht, wie lang und ausführlich dieser Beitrag ist. Das hat sicher ewig gedauert und ich habe Respekt davor, wie gut du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Ich habe dieses Semester ein Seminar zu "Queer Theory" belegt und dazu gehört auch alles rund ums Thema gender, worüber ich jetzt auch eine Hausarbeit schreibe. Genau genommen über ein Buch mit einem transsexuellen Jugendlichen und darüber, wie das Thema "gender" darin dargestellt wird. Deshalb war vieles was du ansprichst für mich wirklich nicht neu, aber gerade von den medizinischen bzw. biologischen Aspekten habe ich nicht viel Ahnung, also war es doch ziemlich informativ.

    Ich sehe es auch so, dass im Alltag vieles ent-gendert werden sollte. Gerade bei Duschgel etc. finde ich das völlig überflüssig, es steht schließlich drauf wonach das Zeug riecht und das ist das einzige was dabei zählt. Ob ein Geruch vielleicht "unmännlich" ist, muss dann jeder mit sich selbst ausmachen.
    Generell gehört einfach nicht viel dazu, andere Leute und ihre Identität zu respektieren, gerade weil es einen selbst kein bisschen betrifft. Mir ist es völlig egal, ob ich jemanden "er" oder "sie" nennen soll, für mich macht das doch keinen Unterschied. Deshalb weiß ich auch nicht, wie andere damit so ein Problem haben können. Es schadet doch niemandem. Ich bin da also völlig deiner Meinung.

    Liebe Grüße!
    Jacqueline

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    1. Dankeschön! Ja, es hat eine Weile gedauert, aber viele meiner Inhalte hatte ich schon im Hinterkopf, da ich mich eben eine Weile schon mit dem Thema befasst hatte und etwas dazu gelesen und in der Uni gelernt hatte.

      Du hast echt absolut geniale Themen in der Uni!
      Ja, das habe ich auf deinem Blog gelesen, fand ich sehr spannend.
      Die biologischen Aspekte hatten wir in der Biopsychologie-Vorlesung zum Thema Sexualität und Hormone. Ich fand es wirklich toll, dass unser Prof da auch Entwicklungen abseits von männlich und weiblich angesprochen hat.

      Freut mich, dass du mir da zustimmst. Generell habe ich viele tolle, tolerante Leser*innen :).

      Liebe Grüße :)

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    2. Ah, okay. Sich da von vornherein reinzulesen ist nämlich auch nichts, was man mal eben an einem Nachmittag erledigt (sage ich nach eeewiger Recherche dazu...). Aber super, dass du dich damit so beschäftigst!
      Stimmt, ich hatte auch ziemliches Glück bei der Kurswahl. Alternativ hätte ich nämlich auch sowas wie Literatur aus dem 19. Jahrhundert machen können und da war mir das hier eindeutig lieber :D
      Dass das bei dir auch angesprochen wurde finde ich super, gerade weil viele ja immer noch der Ansicht sind, das wäre nichts "reales" und wenn es in der Uni erwähnt wird, wird man damit ja etwas konfrontiert und muss sich Gedanken darüber machen.

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    3. Das ist definitiv war! Und ich habe auch sicher eine Menge an Stoff vergessen, aber dann wäre dieser Post wirklich ewig lang geworden und niemand würde ihn lesen :D.
      Das stimmt: Wenn man sowas in der Uni erwähnt, hat es eben auch den Touch von "Das ist wissenschaftlich erwiesen." und wird vielleicht ernster genommen.

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  2. Hi Charlie!

    Wow das ist echt ein wahnsinns post, soviel Mühe. Du bist an der Uni gut aufgehoben und ich kann mir kaum vorstellen das du Probleme hast deinen Unialltag zu struckturieren.
    Ich habe zu dem Thema nicht viel zu sagen. Eigentlich ist es doch schade das man soetwas überhaupt derartig diskutieren muss. Ist doch völlig egal wer sich wie wo, als was oder wozu hingezogen fühlt. Soll doch einfach jeder das sein was ihm zusagt und alle sind zufrieden! Klar haben viele Klischees und Vorurteile die über Geschlehcter bestehen auch gewisse evolutorische Hintergründe, aber im Grunde sind diese "Vorurteile" ja nichts schlechtes. Nur was die Gesellschaft heute damit anfängt und aufbauscht, dass ist schlecht. Kleine Kinder machen da auch noch keine großen Unterscheidungen, das Bewusstsein dazu entwickelt sich erst. Wie gesagt, ich verstehe nicht wieso man das diskutieren muss. Soll doch jeder halten wie er will.

    LG
    Twineety

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    1. Hi Twineety,

      danke sehr :). Ich glaube auch, dass ich an der Uni gut aufgehoben wäre, wenn ich mehr dafür tun würde :D. Mit dem Strukturieren hapert es noch etwas ^^.

      Ja, ich finde es auch schade, dass über so etwas überhaupt so viel diskutiert werden muss. Ich verstehe einfach nicht, wieso sich andere so dermaßen darüber echauffieren, wie andere fühlen.
      Vorurteile an sich sind psychologisch tatsächlich nichts Schlechtes, denn es wäre für Menschen extrem anstrengend, wenn sie absolut keine Anhaltspunkte dafür hätten, wie sie Menschen bewerten und was sie von ihnen erwarten können. Schlimm ist es nur, wenn Vorurteile dazu führen, dass Menschen auf bestimmte Merkmale reduziert oder nicht akzeptiert werden, wenn sie nicht den Vorstellungen entsprechen, die jemand anderes von ihnen hat. Das ist zB bei den Klischees mit evolutionärem Hintergrund so. Der Mensch hebelt die Evolution an so velen Stellen aus, dass jetzt wohl niemand mehr schlüssig begründen kann, wieso Frauen mehr dazu verpflichtet sein sollten, sich um Kinder zu kümmern, als Männer, auch wenn das vllt. bei Tieren evolutionär sinnvoll ist.
      In dem Punkt sollten wir uns ein Beispiel an Kindern nehmen ;).

      LG,
      Charlie

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  3. Dia dhuit, Charlie.
    Bevor ich durch die Zeilen Deiner Betrachtung schnurre - hier ein thematisch passender Link zu der sehr mögbaren Emma von der Insel...

    https://www.youtube.com/watch?v=MTvubqh32Ss

    For your consideration.

    bonté

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    1. Ein sehr interessantes Video und trifft vor allem sehr meine Meinung zum Thema "neue Wörter für alles mögliche erfinden". Solange die Wörter den Leuten, auf die sie bezogen sind, irgendwie helfen und nützen, sollen sie sie gerne verwenden und erklären können. Ich persönlich muss sie ja dann trotzdem nicht benutzen, wenn ich es zB nicht für nötig halte, eine Beziehung, in der eine der beiden Personen nicht-binär ist, neu zu definieren. Beziehung ist und bleibt für mich Beziehung.

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  4. Bore da, Charlie.
    Dein jugendliches Engagement Dich intensiv mit komplexen Thematiken zu beschäftigen bleibt erwiesenermaßen sehr mögbar. Feel free to be proud!

    Im Grunde wäre eigentlich "Kaffee oder Tee" bereits geeignet, um die Diskussion anzureissen. Beide Kulturgetränke stehen nicht solo für sich...heiß/kalt, pur/mit Schuss, mit/ohne Zucker, Sahne/Milch, Zitrone/Schokolade. Reichliche Varianten, die für die Ich-Sicht stehen können. Denke ich.

    Irgendwann früh war es mir klar, dass definitive Abgrenzungen zwischen männlich & weiblich nicht zu haben sind, weil eben Menschen absolut unterschiedlich werden. Und Charakter wie Eigenart sind diesbezüglich noch weniger von einander zu scheiden. Im Grunde ist jeder Mensch einzig in eben dieser einen Kombination all der Dinge, die ihn & sie ausmachen.

    Ich denke die Vorgaben einer Gesellschaft - hier ist die Weltbevölkerung auch nicht einheitlich aufgestellt - können eine individuelle Ausprägung lediglich durch anhaltende Repression verbiegen. Die Aufbietung von Macht, um einem irgendwann erstellten Dogma Genüge zu leisten. Eine offene Gesellschaft ist dagegen bereit zu akzeptieren, dass Kinder sich in einer anderen, als der gewünschten, Weise zu finden suchen. Von daher betrachtet ist Elternschaft in der Tat die Aufgabe mit der größten aller Verantwortungen.

    Ähnlich wie mit dem neutralen "The" haben die Angelsachsen auch weniger ein sprachliches Problem damit Vornamen nicht geschlechtsspezifisch zu verwenden. Anmerkenswert.

    "Respekt braucht keine Labels"...Chapeau für die Weisheit Deiner Jahre!

    Mir persönlich hat der Plural eigentlich schon immer die Gesamtheit aller Geschlechter umfasst, weswegen ich das Ausdefinieren eher unberücksichtigt lasse, es sei denn ein Kontext macht dies erforderlich. Mein man/frau ist eigentlich die einzige Regelmäßigkeit, die ich diesbezüglich in der schriftlichen Form pflege.

    Ich bin übrigens straight, aber auch Gentleman alter Schule, was mich ein bisschen zu einem alten Fossil macht... ;-)

    "To thine own self be true,
    And it must follow, as the night the day,
    Thou canst not then be false to any man."
    (Shakespeare)

    At your service, Madame Charlie.

    bonté

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    1. Vielen Dank für das Kompliment, lieber RoM :).

      Ein gutes Beispiel, mit dem Kaffee und dem Tee :D. Sie mögen beide jeweils eine Basis haben, es gibt sie aber dennoch in etlichen Variationen und kaum jemand kann mit der Bezeichnung "Ich hätte gerne einen Kaffee/Tee" konkret etwas anfangen.

      Das ist dann eben auch das, was Menschen, die total entsetzt sind, wenn sich jemand "nicht maskulin oder feminin genug" verhält, vergessen: Dass ohnehin jeder Mensch einzigartig ist und man ihn nicht nur deshalb kennt, dass man sein Geschlecht zu kennen meint.

      Oh ja, das ist tatsächlich über alle Kulturen hinweg nicht einheitlich.
      Und ich denke auch, dass sich so festgefahrene Systeme nicht einfach so verändern lassen, sondern nur, indem sich Menschen anhaltend gegen Stereotype wehren, einfach nur, indem sie anders leben, als es von ihnen "erwartet" wird.
      Elternschaft ist definitiv eine extrem verantwortungsvolle Aufgabe. Eltern prägen ihre Kinder so stark wie nur wenige andere Personen und Erlebnisse.

      Ich war auch sehr stolz auf diesen Satz :D.

      Wie gesagt, ich fühle mich bei Begriffen wie "Studenten" auch nicht ausgeschlossen, aber ich respektiere es, wenn es anderen anders geht. Wünschen würde ich mir da eher eine eindeutig geschlechtsneutrale, unkomplizierte Lösung.

      Gentlemen kann die Welt ohnehin mehr brauchen!


      Weise Worte des berühmten Dramatikers.

      Einen schönen Abend wünsche ich!

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  5. Jo, dann hau ich mal in die Tasten, gel =D

    Wie du am Ende schon erwähnt hast, wenn man/frau/mensch (ohh da fängts scho an) sich schon öfter und genauer mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt hat, dann war mir einiges, was du beleuchtet hast schon bekannt. Ich find es aber immer wieder interessant, was andere Menschen darüber denken und ob oder wie sie sich damit "arrangieren". Außerdem stimme ich dir sowieso in allen Abschnittten zu, denke wir sind da auf fast immer übereinsstimmenden Terrain. Ich bin auch grad noch sehr gefärbt von meinem Seminar, da wir tatsächlich das Thema "Identität und Heimat" hatten und dadurch auch Diskussionsrunden zu Gender, sex, das soziale Geschlecht etc hatten.


    Für mich war neu, was du auf der biologischen Ebene erklärt hast. Wir hatten natürlich die Chromosome, Genetik etc. in Bio, doch genauer auf diese verschiedenen Möglickeiten sind wir auch nicht sehr eingegangen. Hast du dich selbst sehr kundgemacht dazu oder hast du im Unterricht in der Schule oder jetzt in der Uni mehr Info bekommen?
    Zu dem Bereich in der Thematik merke ich auch immer an, dass die Auseinandersetzung in Biologie aber auch anderen Wissenschaften erst seit letztem Jahrhundert stattfindet. In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Menschenspezies aber schon einige Jahrtausende besteht, denke ich, dass also die Forschung zwar weit gekommen ist, aber doch noch nicht so viel rausgefunden hat, wie es bei uns "Normalsterblichen" ankommt. Die Beschäftigung damit ist deshalb sehr interessant für mich, selbst wenn ich zugeben muss, dass ich nicht immer sofort mitkomme, bei den bestimmten Erklärungen zu Chromosmen und den Genen und den Hormonprozessen. Danke also für den nochmal erklärenden Text!

    Kommen wir zum sozialen Geschlecht, da will ich gar ned mehr zu viel hinzufügen. Wie gesagt, finde, dass wir dabei sehr übereinstimmen. Mir geht es auch so, dass ich im Alltag gerne kaum diese Betrachtung der Geschlechter hätte und wir uns alle als Menschen begegnen sollten.
    Zu mehr Literatur: Bei mir liegt immernoch ein bestimmtes Buch zu dem Thema und darüber hinausgehend auch der feministische Blick darauf aufm SuB. Ich glaube auch, dass diese neuen Themen in der Gesellschaft oft fast nur angestoßen wurden durch die 68er Bewegung und den Feminismus, weil diese einen Bruch mit den existierenden Vorstellungen anstreb(t)en. Ah, also das Buch heißt "Wir werden nicht als Mädchen geboren - wir werden dazu gemacht" von Julia Scheu.
    Dein Text hat mich dazu gebracht, es mal rauszukramen. Es ist 1986 erschienen und von einer Psychologin geschrieben. Vielleicht interessiert es dich ja auch, der Titel packt mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Ob das Buch noch zu erwerben ist, weiß ich leider nicht, daich es aus unserem Keller gefischt habe, als ich den Bücherkarton meiner Ma mal wieder plünderte ;) Persönlich bin ich sowieso schon der Meinung, dass sehr sehr viel Sozialisation mit im Spiel ist, wenn wir uns mit unserem Geschlecht und vor allem sozialen Geschlecht betrachten im Leben. Stichwort "Das macht eine Frau/ein Mann nicht".

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    1. Also bei "man" weigere ich mich bisher noch, es durch "mensch" zu ersetzen, weil ich das Wort nicht wirklich männlich finde (auch wenn es sicher von "Mann" kommt) ^^. Aber die geschlechtsneutrale Version wäre tatsächlich "mensch" :D.

      Freut mich, dass wir da einer Meinung sind! Und dass dir das alles nicht neu war, ist ja eigentlich ein gutes Zeichen :). Ist doch schön, wenn schon so viele Leute informiert sind. Ich hab das alles eigentlich erst letztes Jahr gelernt, als ich Teil einer Jugendorganisation wurde, in der Queerness ein großes Thema ist.

      Oh je, "Identität und Heimat" klingt etwas unheimlich :D. Erinnert mich an einen Arbeitskreis zum Thema Rechtspopulismus, auf dem wir unter anderem über Patriotismus diskutiert haben und darüber, wie gefährlich es werden kann, wenn man sich zu sehr über sein Land definiert ^^.
      Weiß nicht, wie das bei euch umgesetzt wurde, das war nur mein erster Gedanke :D.

      Tatsächlich hatte ich alles, was ich hier zum biologischen Geschlecht geschrieben habe, so in der Uni und habe es so auch nochmal in meinen Biopsychologie-Buch gefunden. In der Schule haben wir glaube ich nicht wirklich über die Entwicklung des Geschlechts gesprochen.
      Fehler gehen auf meine Kappe, aber so hab ich meinen Prof verstanden. Kann man glaub ich so ähnlich auch auf Wikipedia unter "Geschlechtsdetermination" nachlesen und ich meine, in der von mir erwähnten "National Geographic"-Ausgabe wurde das auch noch angeschnitten.

      Ich habe auch das Gefühl, dass Frauen quasi die ersten waren, die mit Gender-Klischees gebrochen haben, und sich das jetzt nach und nach ausdifferenziert.
      Und definitiv ist eine Menge Sozialisation im Spiel! Das zeigt sich schon allein durch die in verschiedenen Kulturen absolut unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie die Geschlechter zu sein haben. In der "National Geographic" wird auch erwähnt, dass es sogar Kulturen gibt, in denen ein drittes Geschlecht neben Mann und Frau offiziell etabliert ist.

      Das Buch klingt wirklich spannend! Ich kann ja mal recherchieren, ob man das noch bekommt ;).

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  6. Ja verdammt, da hab ich doch zuviel für einen Kommentar geschrieben =P Jetzt geht's weiter:

    Tatsächlich musste sich unsere Schule generell mit vielen Themen zu Gender und Sexualität auseinandersetzen, da einige Menschen sich als bi oder homosexuell "geoutet" haben (bahh, wie ich es hasse, dass jemand sich zur Sexualität "outen" muss, weil von Anfang an von Heterosexualität ausgegangen wird). Auch habe ich einen Bekannten, der transgender ist. Dadurch ist es für mich selbst kein großes Diskussionsthema mehr, wie mit einem Transgender-Menschen umgegangen oder gesprochen wird. Allerdings geht es bei dem Thema ja nicht um mich als Person, sondern dass ich ein Privileg habe, dass für Transgender-Menschen nicht gewährt wird und immer Herausforderung ist im Alltag. Ich muss mich nicht für meine Sexualität jedes mal rechtfertigen, wenn ich danach gefragt werde. Überhaupt werde ich gar nicht danach gefragt. Wenn jemand jedoch als Neuigkeit erfährt, dass eine Person transgender ist, wird sie sich höchstwahrscheinlich wieder in diesem Rechtfertigungs-Gespräch allzu bald befinden.

    Dazu, dass alles, was vom existierenden und immer noch sehr festgefahrenen binären Geschlechstmodell abweicht, abgewertet wird oder gefährlich auf Menschen wirkt:
    Es verhält sich in welchem Bereich in unserer Gesellschaft derzeit ja immer so. Das Unbekannte für Menschen schafft Angst. Angst schafft Unverständnis. Unverständnis schafft meist Wut. Und Wut schafft oft genug auch Gewalt. In diesem Prozess gibt es dann oft keine Diskussionsgrundlage mehr, spätestens, wenn sich das Unverständnis derart verhärtet, dass mensch nicht mehr zu den Personen durchdringen kann. Ich hab keine perfekte Lösung dafür, bis jetzt hat das ja noch niemand soweit ich weiß. Doch wenn in unsere Mentalität mehr einsickert, dass das Unbekannte kennengelernt werden kann, bevor man (hmmpf) davor Angst kriegt, dann wird diese Abfolge, die ich grad beschrieben hab, möglicherweise gar nicht mehr stattfinden. Da kommt dann natürlich eben der Begriff im Spiel, der so weitgefasst ist, soviel bedeuten kann, dass es für viele schwer fällt ihn umzusetzten: Offenheit. Ich denke sie kann sehr viel bewirken, wenn sie tatsächlich in die Köpfe kommt und dann auch sich in unseren Handlungen und zwischenmenschlichem Umgang wiederspiegelt. Bis dahin ist es zwar noch ein langer Weg, aber Posts wie deine und weitere Diskussionen mit allen möglichen Mesnchen sind hoffentlich in die Richtung unterwegs.

    War zwar wirklich ein langer Text und gefüllt mit viel Info und Gedanken, hab ihn aber genossen!
    Liebe Grüße,
    Leyla

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    1. Das ist mir auch schon passiert :D. Finde ich aber super, dass du so viel dazu zu sagen hast :). Ich lese so lange Kommentare extrem gerne!

      Darüber habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht nachgedacht, aber du hast recht: Die Worte "Coming Out" und "outen" sind eigentlich schrecklich, weil sie wirklich zeigen, wie sehr die Gesellschaft immer noch davon ausgeht, sie wüsste automatisch, welche sexuelle Orientierung jemand hat, selbst wenn sich die Person überhaupt nicht dazu äußert. Die Worte implizieren, dass es ein großer Schritt ist, sowas "zuzugeben", was es eigentlich wirklich nicht sein sollte. Die Sexualität von Heterosexuellen zeigt sich schließlich auch nicht, indem sie "zugeben" heterosexuell zu sein, sondern indem sie es einfach ausleben. Weil sie sich dafür nämlich nicht rechtfertigen müssen.

      Das ist wirklich traurig, dass Menschen mit bestimmten Geschlechtsidentitäten oder sexuellen Orientierungen sich dauernd "rechtfertigen" müssen oder darüber ausgefragt werden. Niemand für einen heterosexuellen Cis-Menschen fragen "Und, wann hast du rausgefunden, dass du heterosexuell bist? Wie haben deine Eltern darauf reagiert? Wie haben deine Freunde dich behandelt, als sie rausgefunden haben, dass du dich mit dem Gender identifizierst, das dir bei der Geburt zugeordnet wurde?"
      Und klar, ich bin auch neugierig, wenn ich mal einen Transgender-Menschen treffe, weil das nicht jeden Tag vorkommt, aber ich verkneife mir sämtliche Fragen und behandele die Person genau wie alle anderen.

      Ja, da hast du leider recht, das ist kein ausschließlich auf Gender bezogenes Problem. Ist ja zB mit den Kulturen der Geflüchteten in Deutschland ähnlich. Sie sind uns unbekannt, deswegen finden viele von uns sie unheimlich.
      Problematisch wird es wirklich dann, wenn, wie du sagst, keine vernünftige Diskussionsgrundlage besteht. Habe Leute erstmal "mental dichtgemacht" ist es schwer an sie ranzukommen. Offenheit muss man dann wirklich mühsam lernen.

      Vielen lieben Dank für den langen Kommentar <3

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  7. Ich finde das Thema eh sehr müßig... es ist eigentlich traurig, dass es für viele heutzutage noch so schwer ist "anders" zu sein und ich will mir gar nicht vorstellen, was man sich alles anhören muss, wenn man transgender, homosexuell oder was auch immer ist! Da kann man diesen Menschen nur hoffen, dass sie eine starke Familie hinter sich stehen haben; denn die Gesellschaft ist oftmals und noch immer sehr gemein zu jedem, der nicht in eine klar definierte Schublade passt.

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    1. Das kann ich vollkommen nachvollziehen, ich finde es auch traurig, dass das überhaupt Thema ist, und meide viele Diskussionen dazu mittlerweile, weil ich nicht glaube, dass ich da die Zielgruppe für bin oder großartig etwas bewegen könnte bei Menschen, die einfach ignorant sein sollen.
      Unterstützung seitens der Familie und Freunden wünsche ich mir dann auch für jeden dieser Menschen.

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  8. Moin,

    in der Tat ein Thema, das man uns als Gesellschaft viel zu sehr als wichtig verkauft. In einer Zeit, in der Nationalität und Hautfarbe zunehmend keine Rolle mehr spielen (sollten), werden andere Einteilungen wichtiger. Und sei es nur, weil die Werbung Zielgruppen braucht.
    Schon C.G.Jung versuchte, mit seinen Archetypen zu beschreiben, dass jeder in sich männliche und weibliche Aspekte trägt. Kein einziges Gehirn ist zu 100% männlich oder weiblich, soweit man heute weiß, und ebenso wenig gibt es 100% männlich oder weiblich. Hingegen gibt es klassisch als männlich oder weiblich bezeichnete Eigenschaften (die man zu Testzwecken ja mal als grün und blau bezeichnen könnte), und jeder Mensch ist wunderbarerweise eine individuelle Mischung aus diesen Zutaten. Der alberne Versuch, die Menschheit in Kategorien einzuteilen, behindert uns letztlich als Gesellschaft, diese individuellen Eigenheiten zu sehen und zu wertschätzen.
    Ich persönlich finde die sprachlichen Auswüchse, immer alle Geschlechter nennen zu müssen, hierbei auch wenig hilfreich. Früher gab es Lehrer, heute sind es Lehrer, Lehrerinnen und Lehrer*innen, das ist so, als würde man in den USA immer "white and coloured teachers" sagen müssen. Hebt man die Unterschiede damit nicht mehr hervor, als eigentlich gewollt? Mal meine zwei cent als jemand, der noch mit "Lehrern" aufgewachsen sind, unabhängig vom gender und sex (und es gab auch zu meiner Zeit schon Lehrerinnen, aber die waren damals zuerst mal Lehrer und dann Frauen, zumindest in meinem Erleben).
    Transgender macht das Gleiche. Wenn die Welt eingeteilt wird in schwarz und weiß, Mann und Frau, Jude und Christ und Moslem, dann ist das Anderssein der Versuch des Ausbrechens aus dem Klischee. Insofern sind manche Transgender vielleicht die Punks unter den gendern, und dass ist gut so, weil es Fragen aufwirft und die Diskussion anregt, aber letztlich sind ja auch Punks keine anderen Leute als du und ich, sondern Ausdruck eines bestimmten Protests oder einer bestimmten Haltung. Dieser Protest wäre ja ohne den Mainstream, gegen den man protestieren will, sinnlos.
    Und das ist, glaube ich, das echte Problem an dieser Fragestellung. Warum ist es für uns so wichtig, in Schubladen und Kategorien einzuteilen? Ich glaube, das war schon immer eine Frage des Sicherheitsdenkens. Wer zu meiner Horde gehört, zu dem stehe ich, für den stehe ich ein, denn darin bin ich geborgen und sicher. Also brauchen wir gemeinsame Kriterien, um als Gesellschaft miteinander Sicherheit zu erleben. Und je mehr die klassischen Konzepte aufgeweicht werden, desto höher die Unsicherheit, wir erleben dies gerade weltweit sehr deutlich. Also sucht jede Gesellschaft nach Kriterien, gemeinsamen Wertvorstellungen, auf denen man diese Art scheinbarer Sicherheit aufbauen kann.
    Ich hoffe ebenso, mich halbwegs verständlich ausgedrückt zu haben - das Thema ist leider etwas zu komplex, um in ein paar Sätzen kommentiert zu werden ;)

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    1. So habe ich das noch nie betrachtet, aber man kann es tatsächlich so sehen, dass man jetzt, wo man offiziell Menschen nicht mehr aufgrund ihrer Hautfarbe oder Nationalität in Schubladen stecken kann, man andere Kategorien sucht.

      So ist es! Biologisch gesehen gibt es die beiden Extreme, aber mehr Menschen, als man denkt, bewegen sich dazwischen. So haben ja auch Frauen Testosteron im Körper und Männer Östrogene. Und auch innerhalb eines Geschlechts gibt es unterschiedliche Ausprägungen der angeblich männlichen und weiblichen Merkmale.
      Ich sehe den Drang, alles in Kategorien einzuteilen, auch eher als hinderlich an, weil man so eben wirklich schnell mal vergisst, wie einzigartig wir eigentlich sind.

      Ich bin auch nicht 100% glücklich mit dem sprachlichen Gendern, weil ich eigentlich keinen Zusammenhang zwischen grammatischem Geschlecht und Gender sehe und auch finde, es sollte keinen geben. Im Englischen hat man bei fast allen Substantiven das Problem nicht, weil sie kein Geschlecht haben. Ich finde es sowieso absurd, dass es keine geschlechtsneutralen Bezeichnungen gibt und ich persönlich fühle mich auch nicht ausgeschlossen, wenn jemand "Studenten" schreibt. Aber das ist ein Thema, über das ich vielleicht nochmal gesondert schreibe.

      Das ist ebenfalls ein sehr interessanter Gedanke, dem ich mich anschließen würde. Vermutlich ist es sogar zum Teil noch eine evolutionäre Sache, dieser Drang, die "eigene Herde" zu beschützen. Und dafür braucht man natürlich Anhaltspunkte, wer diese Herde ist, seien das Nationalität, Religion, etc.
      Schade, dass wir uns nicht einfach alle als Menschen sehen können...

      Vielen Dank für deine interessanten Gedanken zu dem Thema!


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    2. Habe noch eine ganz andere Geschichte gerade entdeckt.
      In Verträgen / AGB mit z.B. Mietwagenfirmen ist diese weiblich, also "die Vermieterin". Ist das nicht der Heuler? Wer legt sowas fest?

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    3. Also "die Firma" wird im weiteren Vertrag immer "sie" genannt? Das ist irgendwie lustig, aber auch ein Beweis für das, was ich meine, wenn ich sage, man sollte sich über Sprache zum Teil nicht so sehr aufregen: Pronomen und Artikel richten sich nach dem grammatikalischen Geschlecht und das hat nichts damit zu tun, ob eine Firma grundsätzlich etwas "Feminines" an sich hat :D.

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  9. Hey Charlie,
    erst mal, um auf deinen Disclaimer zurückzukommen, finde ich, dass du es geschafft hast, sehr ruhig, sachlich und respektvoll über dieses heikle Thema zu sprechen. Ich glaube, wenn dich jetzt jemand angreift, liegt es nicht an dir, sondern einfach an der Ignoranz eines Lesers – oder Leserin.
    Vor allem an der Uni merke ich stark, wie Gender-Diskussionen die Kommilitonen beeinflusst. An dieser Stelle kurz meine Meinung: Anstatt immer neuere Kategorien zu erfinden, müssen wir einfach anfangen, uns als das zu sehen, was wir sind: Menschen. Was bei Gender-Schubladen anfängt, geht ja in Nationalitäten, oder einer bestimmten genetischen Ausprägung des Körpers (bspw- asiatische Augen) weiter. Ein Teufelskreis! Und er Mensch mag Kategorien und in Schubladen zu denken, so ist mein Eindruck. Einer meiner Lieblingssätze aus diesem Post ist: “Daher finde ich es wichtig, immer wieder zu hinterfragen, wann das Geschlecht oder Gender eines Menschen für den aktuellen Kontext wirklich relevant ist und wann es uns nur als plumpes Hilfsmittel dient, den Menschen irgendwie anhand eines einzelnen Begriffes einordnen und verstehen zu wollen, obwohl wir wissen, dass wir die meisten Schlüsse, die wir gerne ziehen würden, nicht so pauschal ziehen können.”
    Besser hätte man es nicht sagen können!

    Wir verurteilen Menschen wegen ihres Alters, ihres Geschlechts, ihres Aussehens, ihrer Herkunft... Und das alles ist sozial konstruiert, wie der Soziologe sagen würde. Du hast auch so schön den Unterschied zwischen sex und gender erklärt.
    Bei mir werden jetzt Unisextoiletten gefordert – gerne. Aber bitte auch welche für “Männer” und “Frauen” stehen lassen, weil man hier auf jeden zu gehen muss und auch konservative Meinungen respektieren sollte. Es gibt Menschen, die fühlen sich nicht wohl mit der Idee und deshalb sollte man sie niemandem aufzwingen.
    Ich weiß mittlerweile nicht, weil es so viele Aspekte gibt, die man berücksichtigen muss, wie ich reden soll oder denken. Zugegeben, ich wurde schon konservativ erzogen und dieses “neue Denken” muss ich erst für mich entdecken. Aber eins weiß ich: genauso wie bei Rassismus, gilt auch bei Sexismus und dieser Gender-Diskussion: Wir können unsere Sprache drehen und wenden wie wir wollen, wenn das Verhalten nicht passt, wenn wir nicht zu Humanisten werden, die den Menschen in jedem menschlichen Wesen sehen, dann bringt das auch nichts. Wie du siehst, ich bin mir noch nicht einig, wo genau ich mich befinde. Irgendwo zwischen konservativen und linken Ideen, aber danken möchte ich für deinen inspirierenden, nachdenklichen und definitiv auch wertvollen Post. Noch viel mehr Menschen sollten ihn lesen!

    Allet Jute
    Katha

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    1. Hi Katha,

      das tut gut, das zu hören :). Und sollte sich doch jemand angegriffen fühlen, bin ich ja gerne offen für konstruktive Kritik. Man weiß ja nie, was andere vielleicht verletzt oder beleidigt.

      Ja, das sehe ich genau so, wie du. Deswegen finde ich es zwar wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es mehr als zwei Geschlechtsidentitäten gibt, aber eben auch darauf, dass man immer wieder in Frage stellen sollte, wann das den übrhaupt eine Bedeutung für unseren Umgang mit der Person hat bzw. haben sollte. Und manchmal kann man sich dann vielleicht doch das Lernen neuer Kategorien-Bezeichnungen sparen und Menschen einfach als Menschen behandeln.

      Über Unisextoiletten habe ich schon überlegt einen eigenen Post zu schreiben, weil es da wirklich wahnsinnig viel zu diskutieren gibt. Viele Gegenargmente finde ich nämlich reichlich bescheuert, aber ih sehe das auch so, dass man es niemandem aufzwingen sollte bzw. dann lieber eine zusätzliche Toilette einführen sollte.

      Ich bin da auch noch nicht so drin in diesem Denken, dass ich von mir behaupten könnte, eine komplett diskriminierungsfreie Sprache zu verwenden, aber ich finde genau wie du, dass Taten in dem Fall auch mehr sagen und es vor allem erstmal wichtig ist, dass man Menschen nicht aufgrund von Merkmalen verurteilt, für die sie absolut nichts können. Und wenn man solch ein offener Mensch ist, ist man ja in der Regel auch offen für Kritik, wenn eine Person kommt und einen darauf hinweist, dass sie sich von einer bestimmten Ausdrucksweise angegriffen fühlt. Von daher finde ich, man sollte sich da jetzt auch nicht zu sehr einen Kopf drum machen.

      Vielen vielen Dank für das liebe Kompliment :)

      Liebe Grüße,
      Charlie

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Super, ich freue mich immer über Meinungen und (konstruktive!) Kritik ;).
Bitte nicht wundern, falls Deine Nachricht nicht sofort angezeigt wird! Ich habe meinen Blog so eingestellt, dass ich alle Kommentare zuerst freischalten muss. So kann ich sicherstellen, dass ich nicht vergesse, auf einen zu antworten.
Liebe Grüße und hau in die Tasten :D!
Charlie