[Filmrezension] "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen"

Charlie | Montag, 13. März 2017 |
Eine schöne Botschaft mit sympathischen, inspirierenden Protagonistinnen



Originaltitel: Hidden Figures
Genre: Historienfilm
Basiert auf: dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly
Länge: 127 Min
Altersfreigabe: ab 0
Deutscher Kinostart: 02.02.17
Produktionsland: USA
Darsteller: Taraji P. Henson, Octavia Spender, Janelle Monaé, Kevin Costner, Kirsten Dunst, Jim Parsons, Mahershala Ali, ...
Regie: Theodore Melfi
Drehbuch: Theodore Melfi, Allison Schroeder
Quelle
Trailer



Inhalt


"Hidden Figures" erzählt am Beispiel von Dorothy Vaughan, Katherine Goble und Mary Jackson von farbigen Frauen, die in den frühen 60er-Jahren für die NASA arbeiteten und trotz der wichtigen Beiträge, die sie zur Raumfahrt leisteten, immer wieder mit Diskriminierung zu kämpfen hatten - weil sie Frauen und weil sie farbig waren.



Meinung


"Hidden Figures" hat mich bereits im letztens Jahr gereizt, als ich den Trailer durch Zufall auf YouTube sah. Spannend fand ich vor allem, dass der Film drei Themen auf einmal abdeckt: starke Frauen, die ihr Talent unter Beweis stellen und trotzdem mehr für Anerkennung kämpfen müssen als ihre männlichen Kollegen; die in den USA noch erschreckend lange vorherrschende Rassentrennung und die großen Entwicklungssprünge der US-Raumfahrt in den 60ern, mit denen ich mich zugegebenermaßen noch nicht viel befasst habe.

Die drei Protagonistinnen sind ganz klar darauf ausgelegt, Sympathieträgerinnen und Vorbilder zu sein, und kamen als solche bei mir auch wunderbar an. Alle drei haben sie ihren eigenen, originellen Charakter mit liebenswerten Merkmalen und Macken und werden ebenso liebenswert und überzeugend gespielt von Taraji P. Henson (Katherine), Octavia Spencer (Dorothy) und Janelle Monaé (Mary).
Dorothy, die Resolute, Mütterliche, Mary, die Freche, Selbstbewusste und Katherine, das fleißige, hart arbeitende Genie - Es hat Spaß gemacht, die Geschichten der drei zu verfolgen.
Mich würde interessieren, wie sehr die Filmfiguren ihren realen Vorbildern entsprechen. Bisher bin ich etwas mehr als zur Hälfte durch das Buch durch, auf dem der Film basiert, doch besonders viel wird über ihre Persönlichkeiten nicht geschrieben, weshalb ich davon ausgehe, dass einiges zu filmischen Zwecken dazugedichtet wurde.

Äußerst amüsant war auch Jim Parsons als Paul Stafford, ein Kollege Kathrines und Chefingenieur der Abteilung, der sie zugeteilt wurde. Er ist auf seinem Gebiet extrem gut und als weißer Mann natürlich deutlich privilegierter als sie, weshalb er, der sie zunächst recht abweisend behandelt, überhaupt nicht damit leben kann, dass sie ihm in einigen Bereichen um einen Schritt voraus ist. In dieser Hinsicht erinnerte er doch sehr stark an seine berühmteste Rolle des hochbegabten Physikers Sheldon aus "The Big Bang Theory" und sorgte meist für ein wenig Auflockerung in der Atmosphäre des Films.

Generell muss man aber sagen, dass "Hidden Figures" trotz des doch recht ernsten Themas einen eher lockeren, humorvollen Ansatz gewählt hat und einen die Dialoge und Figuren, beispielsweise Glen Powell als stets fröhlich-frecher John Glenn, immer mal wieder zum Lachen bringen können.

Doch obwohl der Film eher unterhaltsam ist, verzichtet er auch nicht darauf, in vielen kleinen, grausamen Einzelheiten zu zeigen, wie ekelhaft und erschreckend offen farbige Mitbürger*innen noch vor 50 Jahren in den USA diskriminiert wurden. Von "Toiletten für Farbige", die 1,5 Meilen weiter weg liegen als die für Weiße und Katherine täglich die Pause kosten, bis hin zu einer (leeren) Kaffeekanne für Farbige, die ihr hingestellt wird, damit sie nicht die Kaffeekanne ihrer weißen Kolleg*innen anfässt, ist alles dabei und obwohl ich natürlich von der "Rassentrennung" (ekliges Wort) wusste, hat es mich wieder schockiert, wie offen, akzeptiert und im gesetzlichen Rahmen damals Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt werden "durften".

Mit einigen "fortschrittlicheren" Figuren setzt der Film hier ein Zeichen für Toleranz und Offenheit, das teilweise fast schon etwas zu gewollt, kitschig und unrealistisch wirkt.
"Hidden Figures" hinterlässt ein gutes Gefühl, da er eine positive Botschaft hat und man weiß, dass die großen Fortschritte, die hier gezeigt werden, auf wahren Ereignissen beruhen. Gleichzeitig wirken einige Szenen aber auch etwas zu beschönigt und sind sicherlich etwas an den gewohnten Hollywood-Kitsch angepasst. So wird im Buch zB nicht beschrieben, dass sich Katherine, ihre Kollegen oder gar ihr Chef aktiv gegen Rassentrennung eingesetzt hätten; es wird eher erwähnt, dass sie sich einfach still bestimten Regeln widersetzt und niemand sich daran gestört hat, da sie eine gute Mathematikerin war. Das stellt der Film dann schon etwas heroischer dar.
Generell hält sich der Film nicht besonders eng an die im Buch erwähnten Jahreszahlen und Reihenfolge der Ereignisse und passt sie an eine "filmreife" Geschichte an.

Ein Wort zum Soundtrack von Pharell Williams sei noch gesagt: Dieser macht vor allem durch die peppige Mischung und den interessanten Kontrast aus modern klingenden Popsongs und an die 60er-Jahre(?) angelehnten Nummern Spaß. Gerade die modern klingenden Songs hätte man vielleicht nicht erwartet, doch sie passen erstaunlich gut zum Film und zu der wiedergegebenen Stimmung und lassen einen schmunzeln, ähnlich wie es beim Soundtrack zu "Der große Gatsby" (2013) der Fall ist, wenn auf der 20er-Jahre-Party auf einmal Fergie läuft



Fazit


"Hidden Figures" behandelt wichtige Themen am Beispiel dreier sympathischer Heldinnen mit Vorbildfunktion und kann mit humorvollen, frechen Dialogen und einer schönen, wenn auch kitschigen Botschaft überzeugen. Man sollte sich jedoch dessen bewusst sein, dass der Film trotz der ernsten Thematiken eher als "Feel Good-Film" ausgelegt ist und das Thema Rassentrennung und Diskriminierung etwas kitschiger angeht, als es beispielsweise eine Dokumentation tun würde. Ich vergebe 4 Sterne.

Kommentare:

  1. Das der Film all diese ernsten Themem auf eine lockere und lustige Art und Weise darstellt, habe ich nun schon öfter gelesen und das hatte ich anhand des Trailers auch erwartet. Finde ich aber nicht falsch, da genau das halt dann auch die Massen anspricht und wichtig ist ja letzten Endes, dass die Botschaft hängen bleibt. Möchte diesen Film defintiiv auch noch sehen. Jim Parsons Figur hat mich aber auch gleich an Sheldon erinnert. Aber da weiß man dann halt auch, dass er das gut rüberbringt.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.

    Das fände ich echt richtig interessant :).

    Hihi das kenne ich aber auch. Irgendwann bin ich dann so genervt davon, dass ich dann einen richtigen Putzmarathon starte und mir dann wirklich sehr viel Zeit dafür nehme.

    Ich bin da auch froh, dass wir im Freundeskreis generell ganz ehrlich dem jeweils anderen sagen was und stört. Klar, im ersten Moment mag man das vielleicht nicht immerhören, ist vielleicht auch mal verletzt, aber wenn man sich dann damit auseinandersetzt merkt man, dass die anderen Recht haben und kann das auch angehen. Also so geht es mir dann immer. Dazu hat es noch den positiven Effekt, dass es echt nur ganz selten zu Streit kommt. Wir sagen uns einfach, was uns stört und lassen es erst gar nicht eskalieren.

    In Venedig war ich schon. Das ist ja nicht weit von Jesolo entfernt, wo ich zwei mal mit meinem Besten Freund Urlaub gemacht hatte. Da haben wir dann auch einen Tagesausflug nach Venedig gemacht, aber ich war leider sehr enttäuscht von der Stadt. Durch die Filmindustrie hatte ich da doch ganz andere Erwartungen, an das romantische Venedig. Für mich war jetzt einmal echt ausreichend, einzig Karneval würde mich dort interessieren. Mailand steht dafür aber noch auf meiner Liste, genauso wie Florenz, Verona und Rom. Ich bin auch ziemlich mekelig was das Essen anbelangt, aber in Italien werde ich auch immer fündig.

    Oh ja da muss ich auch immer drauf achten. Aber ich sage auch immer jedem, dass man mich gerne unterbrechen darf und mich einfach darauf hinweisen soll. Nehme das auch niemandem übel. Ich finde ja Stille auch so richtig unangenhme. Dieser Moment, wenn man merkt, dass man sich einfach gar nichts zu sagen hat. Finde, es gibt nichts Schlimmeres. Schon deshalb rede ich einfach drauf los.

    Peinlich ist nur, dass ich es heute gar nicht mehr kann. Das ist halt echt schon einige Jahre her. Der Blog ist für mich definitiv auch eine perfekte Alternative dazu.

    Freut mich aber, dass wir so viele Gemeinsamkeiten haben. Finde es ja auch richtig schön, dass ich durch das bloggen so viele Menschen kennengelernt habe, die die gleichen Interessen und Ansichten haben wie ich.

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    1. Ich habe mir das auch schon beim Trailer gedacht und unter anderem wegen der humorvollen Dialoge wollte ich ihn auch gerne sehen. Die Botschaft kommt so defintiv gut rüber. Schade finde ich aber trotzdem, dass der Film das Bild der Ereignisse doch sehr verklärt. Ganz so Friede, Freude, Eierkuchen war es ja doch nicht.

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  2. Den muss ich mir dann unbedingt auf DVD anschauen; im Kino lief er hier leider nicht. Fand die Story aber von Anfang an sehr reizvoll.

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    1. Mach das; ich hoffe, er gefällt dir auch :).

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  3. Von dem Film habe bisher noch nicht viel gehört, aber ich mag generell Filme gerne, die nicht jeder aktuell guckt, weil diese ja häufig so Mainstream sind, aber dieser hier klingt nach einer guten Mischung an Ernst und Leichtigkeit :) Kommt auf die Liste!

    LG Fina

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    1. Naja, in gewisser Weise mainstream ist er schon ^^. Zumindest verklärt er viele der wahren Ereignisse und macht alles kitschiger und persönlicher, als es im Buch beschrieben ist.
      Aber das Thema ist ja dann doch eher speziell und ich kenne auch viele, die von dem Film noch nie gehört haben. Bekannt geworden könnte er vor allem durch die Oscarnominierungen sein.
      Kannst ja mal erzählen, wie du ihn fandest, wenn du ihn gesehen hast :).

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  4. Mir hat der Film auch richtig gut gefallen :D
    Und ehrlich gesagt ziemlich positiv überrascht...

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    1. Das freut mich :).
      Wieso das? Hattest du keine hohen Erwartungen?

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  5. Hach, so viel Positives über den Film gehört und doch wollte ihn niemand mit mir sehen. Dann wird er es wohl doch auf DVD!
    Natürlich konnten die Amerikaner auch hier den Patriotismus und Kitsch nicht lassen, das war ja fast zu erwarten, aber ich denke trotzdem, dass der Film aufgrund der Botschaft wichtig ist. Sehe ich also wie du. Und die Schauspieler, allen voran Octavia Spencer, mag ich sowieso so gerne, dass er definitiv ein Muss ist ;)

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    1. Das ist wirklich schade! Vielleicht hat er durch die Verbindung von Raumfahrt und den Rechten von Frauen/Farbigen auch zu sehr ein Nischenthema.
      Wichtig ist die Botschaft auf jeden Fall und es ist toll, dass diese Personen quasi aus der "Versenkung der Geschichte" ausgegraben wurden und durch den Film Anerkennung bekommen.
      Und de Darstellerinen sind wirklich super!

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