[Konzertberichte] Scott Bradlee's Postmodern Jukebxox, Ed Sheeran und AnnenMayKantereit

Charlie | Montag, 19. Juni 2017 |

Ja, ich weiß, hier war schon viel zu lange nichts mehr los und das, obwohl ich momentan zig Ideen für Themen und auch noch ein paar Rezensionen in petto habe. Dass ich trotzdem weder zum Bloggen noch zum Kommentieren oder Kommentare beantworten komme, liegt daran, dass mir die Uni gerade ziemlich viel Stress bereitet und ich heute umgezogen bin (zwar nur von einem Stadtteil in den anderen, aber das Kisten packen und Ausmisten war trotzdem Arbeit genug). Und leider geht Uni dann doch vor.
Dass ich überhaupt mal wieder einen Post zustandebringe, liegt daran, dass ich gerade nach meiner Vorlesung, zu der ich zum Glück trotz Umzug durfte, noch ein wenig hierbleibe, um das WLAN zu nutzen, da wir zuhause leider noch keins haben.
Heute möchte ich euch endlich in einem längst überfälligen Post von den drei tollen Konzerten erzählen, die ich in diesem Frühling besucht habe.



Normalerweise bin ich keine große Konzertbesucherin, da ich mich zwar grundsätzlich für Musik, oft aber weniger für spezielle Künstler*innen oder Bands begeistern kann (ich bin mehr so die Playlist-Hörerin). Daher komme ich oft nicht auf die Idee, viel Geld auszugeben, um nur einen einzigen Menschen/eine einzige Band spielen zu sehen.
Insofern war es für meine Verhältnisse schon sehr ungewöhnlich, im März und April in knapp einem Monat gleich drei Konzerte zu besuchen.


Scott Bradlee's Postmodern Jukebox im Tempodrom Berlin


Vielleicht erinnert sich jemand von euch an meinen Konzertbericht vom letzten Jahr, in dem ich vom PMJ-Konzert in Huxleys Neue Welt berichtet habe, von dem ich sehr begeistert war. Nach dieser tollen Erfahrung war für mich klar, dass ich die Band auf jeden Fall noch einmal sehen möchte, wenn sie das nächste Mal auf Tour gehen. Und das war dann zum Glück auch gleich in diesem Jahr der Fall.

Wer PMJ nicht kennt, sollte das wirklich dringend nachholen, zumindest, wenn mensch Jazz, Musik im Stil der 20er bis 60er und gute Cover bekannter und/oder aktueller Pop- und Rocksongs mag. Das Projekt des US-amerikanischen Musikers Scott Bradlee, das in wechselnder Besetzung (viele verschiedene Sänger*innen, von denen die meisten an mehreren Projekten beteiligt sind und mit auf Tour gehen) produziert und auftritt, hat bereits über 15 Alben veröffentlicht. Reinhören kann mensch zB auf Youtube oder Spotify.

Wie bereits in meinem letzten Post erwähnt ist das Tolle an PMJ für mich, dass ich durch ihre Cover sogar Songs mag, die mir im Original nicht gefallen, zB Justin Biebers (ja, echt!) "Love Yourself", das in der Version mit Sarah Niemitz ungefähr 10000% schmissiger ist, oder mein absoluter PMJ-Liebling "My Heart Will Go On".



Aufgrund der erfrischend flotten, abwechslungsreichen Musik, der Lieder, von denen ich die Hälfte mitsingen konnte, weil sie einfach sehr bekannt sind, und der tollen Künstler*innen, die wie immer eine super Stimmung verbreiteten, war auch das diesjährige PMJ-Konzert für mich wieder ein Hit, wenn es mich auch nicht ganz so umgehauen hat wie das im letzten Jahr (Gewöhnungseffekt vielleicht).
Die Sänger*innen geben sich wirklich Mühe, nicht nur ihre Lieder zu singen, sondern die Zuschauenden auch mit kleinen Einlagen wie zB "Story time with Maya" oder dem "Battle" zwischen Schlagzeuger und Stepptänzerin, das es auch dieses Jahr wieder gab, zu unterhalten. Robyn Adele Anderson überraschte sogar mit erstaunlich guten Deutschkenntnissen, mit denen sie ihr cooles Cover von Macklemore & Ryan Lewis' "Thrift Shop" einleitete. Passend zum Genre der Band wurde auch musikalisch improvisiert, beispielsweise von Maya Sykes, die "Not The Only One" um eine beeindruckende Minute ergänzte.
Einen absolut niedlichen Moment gab es auch am Ende, als die Sänger*innen ein kleines Mädchen aus der ersten Reihe auf die Bühne holten und sie sogar mitsingen durfte.
Als dann am Ende die Band  verabschiedet und jeder Musiker einzeln genannt wurde, spielte der Pianist auch ein paar Lieder an, die die Band wohl für "typisch deutsch" hielt, unter anderem "99 Luftballons" - sehr zum Amüsement des Publikums. Ich frage mich, ob sie das in anderen Ländern ähnlich gemacht und was sie wohl da gespielt haben.

Besonders ist an Konzerten von PMJ auch,  dass man aufgrund der wechselnden Besetzung des Projektes mitunter auf jeder Tour andere Sänger*innen zu sehen bekommt. Von denen, die ich im letzten Jahr bewundern durfte, war dieses Mal fast niemand da (da parallel ein Konzert in Birmingham mit anderer Besetzung stattfand), doch dafür konnte ich neue Künstler*innen kennenlernen, beispielsweise Maya Sykes, Robyn Adele Anderson und Blake Lewis.

Wie auch im letzten Jahr war die Stimmung einfach super und ich (und wohl auch einige der anderen Anwesenden) nehme es den Veranstalter*innen sehr übel, dass das Konzert in diesem Jahr in einer Halle stattfand, in der man nur sitzen kann. Zwar sieht das Tempodrom wirklich toll aus, aber bei einem Konzert mit so flotter Musik muss einfach getanzt und nicht gesessen werden.
Das sahen wohl auch einige der Anwesenden so, die sich immer wieder an die Ränder stellten und zu tanzen begannen (und deshalb immer wieder von der  Security ermahnt wurden).
Schade ist auch, dass (vermutlich aufgrund des Veranstaltungsortes) die Preise für das Konzert sehr gestiegen sind. Während ich im Huxleys noch etwas über 30€ bezahlt habe, gab es für das Tempodrom dieses Jahr auch Karten, die gut 20€ teurer waren.

Mein einziger anderer Kritikpunkt an diesem Konzert geht ebenfalls nicht auf das Konto der Band selbst, sondern auf das der Veranstaltenden, denn ich hatte den Eindruck, dass am Anfang des Konzerts der Ton ziemlich schlecht abgemischt war. Genau kenne ich mich mit solcher Technik nicht aus, aber ich habe gemerkt, dass man am Anfang die Sänger*innen kaum verstanden hat, was ich sehr schade fand. Zum Ende hin wurde das dann aber auch besser.


Tja, was bleibt mir noch groß zu sagen, außer: Ein Besuch bei einem PMJ Konzert lohnt sich auf jeden Fall! Und wenn schon nicht das, dann kann ich euch wenigstens wärmstens empfehlen, mal in einige ihrer Songs reinzuhören.


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Ed Sheeran in der Mercedes-Benz-Arena Berlin


Der Name Ed Sheeran dürfte jedem Menschen, der sich halbwegs mit den Charts auskennt oder auch nur ab und an mal Radio hört, ein Begriff sein. Nach dreijähriger Pause startete er dieses Jahr mit seinem neuen Album "%" wieder durch und die ersten beiden Singles erstürmten in mehreren Ländern in kürzester Zeit die Charts.

Für mich bedeutete das neue Album vor allem, dass er wieder auf Tour gehen würde, was ich mir dieses Jahr nicht entgehen lassen wollte. Für mich entdeckt hatte ich seine Musik nämlich leider erst, als seine letzte Tour bereits vorbei war, was mich im Nachhinein sehr geärgert hat. Vor allem, weil die Karten dieses Jahr um einiges teurer und schwerer zu bekommen waren.
 Beim ersten Hören, als er gerade mit "The A Team" bekannt geworden war, hatte ich Ed Sheeran nämlich tatsächlich recht langweilig gefunden. Erst mit "x", seinem zweiten Album, das ich mir aus Neugier einmal komplett anhörte, konnte er mich so richtig von sich überzeugen und vor allem auch durch die verschiedenen Genres, mit denen er arbeitet, und die eigenen Erfahrungen und die Persönlichkeit, die er in seine Lieder einbaut, beeindrucken. Seine Authentizität und die Tatsache, dass er auch jetzt, wo er so bekannt ist, noch immer keine musikalische Massenware produziert, bekommt man auch in seinem neuen Album wieder zu spüren und das finde ich super. Zu viele Musiker*innen verkaufen ihren Stil an den Geschmack der Massen.


Allein der Kauf der Konzertkarten war ein Kampf für sich. Ich rechnete mit einem großen Ansturm auf die Karten, weshalb ich ein paar Minuten vor Verkaufsstart bereits am Laptop saß. Da steckte man schon ewig in der Warteschleife (Bislang hatte ich nicht mal gewusst, dass es sowas auf Webseiten gibt.). Dann hatte ich auch noch mein Eventim-Passwort vergessen und zusammen mit den ewig langen Wartezeiten nach jedem Klick, in denen ich jedes Mal fürchtete, die ausgewählten Tickets verloren zu haben, machte das den Kartenkauf zu einem nervenaufreibenden Erlebnis. Letztendlich konnte ich dann für jeweils über 90€ (bei den Preisen war ich wirklich erschrocken, wobei das für so bekannte Künstler*innen wohl normal ist) noch drei Sitzplätze für mich und die beiden anderen, für die ich mitbestellte, ergattern. Ich hatte eigentlich stehen und vor allem nicht hinten in der Ecke sitzen wollen, war am Ende aber froh, überhaupt noch Karten bekommen zu haben, denn nach einer Viertelstunde war bereits das komplette Berliner Konzert und die meisten anderen der Deutschlandttour ausverkauft. 
Da ich sonst wie gesagt selten auf Konzerte (vor allem so große,beliebte) gehe, war das ein völlig neues Erlebnis für mich.
Richtig beruhigt war ich auch erst, als die Karten sicher bei mir bzw. dann bei den anderen abgekommen waren.


Obwohl ich nicht gerne so viel Geld auf einmal ausgegeben habe und das wohl auch für keinen anderen Künstler tun würde, habe ich die Entscheidung nicht bereut, denn das Konzert war wie zu Erwarten großartig.
Das Besondere an Ed Sheerans Auftritten ist, dass er ohne Band spielt und trotzdem mithilfe seiner Loopstation eine komplette Begleitung für sich und seine Gitarre kreieren kann. Diese eine Person mit Gitarre und einer Maschine erschafft einen unglaublichen Sound und eine extrem gute Stimmung. Das wurde vor allem im Kontrast zu seiner "Vorband", der Sängerin Anne Marie deutlich, die viel mit Backgroundeinspielungen und Band arbeitete.
Zusätzlich gab es auf den Bildschirmen über der Bühne noch eine tolle Special-Effect-Show, die sich mit den ansonsten üblichen Live-"Übertragungen" von Ed Sheeran selbst abwechselten.

Ed Sheeran hat Spaß an seiner Musik und das ist deutlich spürbar und ansteckend - eine sehr wichtigw Voraussetzung für gute Live-Auftritte. Immer wieder forderte er das Publikum auf mitzumachen, beispielseise durch Klatschen, Bouncen, Springen und Mitsingen, und zeigte sich erfreut und überrascht, dass, obwohl sein neues Album erst wenige Wochen alt war, ein Großteil des Publikums bereits die Texte mitsingen konnte. 
Generell sorgte die Begeisterung des Publikums für eine super Stimmung, wobei mich zum Teil von starkem Gekreische und dem ständigen Filmen mit Handykameras etwas genervt war.

Ich erinnere mich nicht mehr so gut (Immerhin ist das Konzert ja auch schon fast drei Monate her), aber ich meine mich zu erinnern, dass Ed Sheeran leider nicht viel zwischen den Stücken erzählte, beispielsweise über deren Inspiration oder Enstehungsgeschichte, was ich sonst bei Konzerten immer sehr spannend finde.
Dafür sorgte er durch eine tolle Mischung aus alten und neuen Liedernn und sogar einem Mashup aus zweien für gelungene Abwechslung.

Eine lustige Kleinigkeit ist mir aufgefallen, da sie mich etwas irritiert hat: Alle paar Lieder wechselte Ed Sheeran seine Gitarre und ich habe das ganze Konzert über versucht rauszufinden, wieso. War er zu faul, das Capo am Gitarrenhals umzustecken, und brauchte deshalb für jede Tonart eine neue Gitarre :D? Vielleicht kennt sich ja jemand von euch mit sowas aus und kann es mir verraten.


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AnnenMayKantereit in der Max-Schmeling-Halle Berlin


 Mein letztes Konzert im Frühling war passenderweise das letzte aus AnnenMayKantereits Reihe "Konzerte im Frühling". Auch bei dieser Band hatte ich die letzte Gelegenheit zu einem Konzertbesuch (letzter August) verpasst, da ich von dem Konzert erst erfahren hatte, als es schon ausverkauft war. Immerhin konnte ich sie dafür auf einem Festival sehen, was mich darüber ein wenig hinwegtröstete, aber immer noch kein Ersatz für ein "richtiges" Konzert war, das ich dann diesen April endlich bekam.

Auch AnnenMayKantereit sind eine Band, die anfangs völlig an mir vorbeigegangen ist. Angefangen haben sie mit Straßenmusik und Youtube und hatten schon kleinere Touren gespielt, bis mir jemand von Henning Mays (der Sänger der Band) Beteiligung an K.I.Zs Song "Hurra, die Welt geht unter" erzählte. Ich bin kein Fan von K.I.Z, doch die tiefe, raue Stimme von Henning May faszinierte mich sofort und ich begann, mir die Lieder und Cover von AnnenMayKantereit anzuhören und dem Album entgegenzufiebern. Vor allem die traurig-melancholischen Lieder wie "Nicht nichts" oder "3. Stock" gefielen mir sehr.

Das Konzert war eine wirklich unterhaltsame Angelegenheit.
Das, was ich mir bei Ed Sheeran mehr gewünscht hätte, taten die vier nämlich viel: Henning erzählte immer wieder von der Enstehungsgeschichte einiger Songs (Hättet ihr gedacht, dass "3. Stock" und "Mir wär' lieber, du weinst" für dieselbe Person geschrieben wurden?) und gab Einblicke in das Treiben "hinter den Kulissen". So erfuhren wir z.B., dass das Krokodil (aus dem gleichnamigen Song) ein Crewmitglied der Band ist oder, dass es bei ihnen üblich ist, dass die Crew am letzten Tag der Tour der Band Streiche spielt, z.B. die Tasten von Hennings Keyboard zusammenklebt oder Bass und Gitarre vertauscht. Wie der Zufall es so wollte, war dieses Konzert das letzte der Tour und somit erfuhren wir von Henning, dass sein Keyboard diesmal auf einem dieser Spieleteppiche mit Straßen drauf stand und seine Stimme durch die Kopfhörer der anderen Bandmitglieder wie Mickey Mouse klang, und wurden Zeuge davon, dass die Crew püntklich zum entsprechenden Lied Krokodile aus Pappe auf Bass und Gitarre geklebt hatte.

Beim Erzählen bewies Henning eine Menge Humor, wenn er z.B. die Information, dass "Mir wär' lieber du weinst" für eine echte Person geschrieben wurde kommentierte mit "Hat ihr nicht gefallen" oder betonte, die Band schreibe ihre Songs selbst, was "in Zeiten von Tim Bendzko und Max Giesinger" ja nicht mehr selbstverständlich sei. Einmal meinte er auch, man mache sich ja schon Gedanken, ob man Songs über so viel Privates wirklich vor so viel Publikum spielen wolle, aber diese Bedenken verflögen alle, wenn er dann sehe, dass in den vorderen Reihen ein hübscher, bärtiger Mann steht, der alle Texte mitsingen kann :D.
Schön fand ich auch, dass er nach einer Weile das Publikum bat, doch bitte ihre Handys wegzustecken, da "Hände schöner als Handys" seien. Er betonte, wie absurd es doch ohnehin sei, etwas so Großes wie ein Konzert auf einem so kleinen Bildschirm betrachten zu wollen, und dass Konzerte doch dafür da seien, den Moment zu genießen und Leute kennenzulernen, statt immer zwanghaft alles filmem zu müssen, wobei ich ihm von Herzen Recht geben konnte. Ich stelle es mir ehrlich gesagt auch nervig vor, von der Bühne aus in Handys statt Gesichter zu gucken, auch, wenn das von den Fans natürlich nicht böse gemeint ist.

 Das Einzige, was mich an dem Konzert wirklich extrem störte, waren die kreischenden Teenie-Mädchen in den vorderen Reihen, die schon beim Warten auf die Band aber auch ansonsten in jedem ruhigen Moment blöde Sprüche brüllten oder schräg irgendwelche Lieder grölten. Was genau das mit Wertschätzung für die Band zu tun haben sollte, habe ich nicht wirklich verstanden, mal abgesehen davon, dass es andere stört, wenn sie die Band selbst nicht mehr verstehen können.


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Wow, der Post ist dann doch (mal wieder) länger geworden, als ich erwartet hätte. Und mir ist aufgefallen, dass ich ziemlich oft eher über das Drumherum als die eigentliche Musik während des Konzertes geschrieben habe. Vermutlich, weil jeder Mensch für sich selbst entscheiden muss, ob ihm die Musik an sich gefällt. Gut waren die Künstler*innen live auf jeden Fall alle.


Kennt ihr PMJ, Ed Sheeran und AnnenMayKantereit oder habt ihr nach meinem Post zufällig Lust, mal in ihre Musik reinzuhören? Wart ihr schon auf ihren Konzerten? Zu wessen Konzerten geht ihr gerne und auf welchem wart ihr zuletzt?


Kommentare beantworte ich übrigens auch bald wieder, versprochen! Gerade ist alles so durcheinander bei mir :/.

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