[Musical] "Billy Elliot" (Hamburg | 07/17)

Charlie | Sonntag, 23. Juli 2017 |

Nicht nur tänzerisch ein Meisterwerk
 

Von der Londoner Produktion von "Billy Elliot" hörte ich zum ersten Mal, als ich 2015 in London war. Während meine Mutter und ich uns "Les Misérables" ansahen (Ein Traum ging in Erfüllung!), sahen meine Cousine und meine Tante "Billy Elliot" und waren ganz begeistert. Danach hatte ich das Stück lange nicht mehr auf dem Schirm, da ich mir einen Musicalbesuch in London auch nicht einfach mal so leisten kann, und wurde erst wieder darauf aufmerksam, als die Großbritannien-Tour von Ende Juni bis Ende Juli (genauer gesagt, bis heute) im Hamburger Theater am Großmarkt halt machte.
Eine Londoner Produktion, von der ich schon Gutes gehört hatte, in quasi greifbarer Nähe - Das klang sehr verlockend. Als das Stück nach den ersten Shows dann in Rezensionen gefeiert wurde, konnte ich nicht anders und organisierte mir einen Tagestrip nach Hamburg.
Nachdem ich wegen dieser Entscheidung so lange mit mir gerungen habe (weil ich mir ein Musical normalerweise nicht einfach so leisten kann), bin ich nun wirklich froh, sie getroffen zu haben, denn "Billy Elliot" hat mich absolut begeistert.


Obwohl ich persönlich die Handlung des Musicals nicht für übermäßig überraschend halte, versuche ich, in meiner Rezension nichts Wichtiges vorwegzunehmen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, "verstecke" ich den Spoiler durch eine Markierung, sodass die Schriftfarbe und die Markierungsfarbe dieselbe sind und man den entsprechenen Text markieren muss, um den Satz lesen zu können.

 
Das Stück

"Billy Elliot - The Musical" ist die 2005 uraufgeführte Musicalversion des Films "Billy Elliot - I Will Dance" (2000). In diesem geht es um den Jungen Billy (Jamie Bell), der während des britischen Bergarbeiterstreiks 1984/1985 in einer nordenglischen Kleinstadt aufwächst. Während sein Vater und sein älterer Bruder mit der drohenden Schließung der Kohleminen, in denen die meisten Bewohner ihrer Kleinstadt arbeiten, zu kämpfen haben, entdeckt Billy durch Zufall das Tanzen, genauer gesagt Ballett für sich. Seine Lehrerin Mrs. Wilkinson erkennt Billy Talent und schlägt ihm vor, sich für die Royal Ballet School zu bewerben, was bei seinem Vater natürlich nicht gut ankommt.

Das Musical wurde von Regisseur des Films, Stephen Daldry, dem Drehbuchautor des Films, Lee Hall (Buch), und Elton John (Musik) umgesetzt, lief von 2005-2016 erfolgreich im Londonder Victoria Palace Theatre und ging anschließend auf Tour durch Großbritannien und Irland. Das Gastspiel im Hamburger Theater am Großmarkt (28.06.-23.07.) bildet den Abschluss der Tour. Auch in anderen Ländern, unter anderem den USA, wurde bzw. wird "Billy Elliot - The Musical" gespielt.



 Die Location: Das Theater am Großmarkt Hamburg (Das Drumherum)


Die Location am Großmarkt war für mich erst einmal sehr ungewohnt. Zunächst wollte ich der Straßenkarte nicht glauben, als ich mich auf einem relativ leeren, grauen Fabrikgelände wiederfand. Erst die vielen schick gekleideten Menschen und die Essens- und Getränkestände überzeugten mich dann davon, dass ich dort richtig war.
Auch von innen hat das Theater den Look der Fabrikhalle, die es vermutlich einmal war. Foyer und Garderoben sind nicht vollständig vom "Saal" getrennt, welcher relativ schlicht und zweckmäßig gehalten ist. Das Fehlen solider Wände zwischen den Bereichen stört kaum, es sei denn, jemand läuft - wie es an diesem Abend leider der Fall war - während des Stücks mit Stöckelschuhen durchs Foyer.
Ein Nachteil davon, zu einer der letzten Vorstellungen an der letzten Tour-Station zu gehen, war leider, dass das Merchandise bereits zur Hälfte ausverkauft war (es zum Beispiel keine Programmhefte mehr gab), da dieses nicht mehr nachproduziert wurde.

Das Parkett steigt im Theater am Großmarkt nicht an, das Hochparkett im hinteren Bereich nur leicht.
Ich war begeistert, wieviel ich von meinem Platz in der vorvorletzten Reihe des Hochparketts ganz am Rand gesehen habe. Durch die Schrägen der Reihen und die Tatsache, dass keine 2m-Menschen vor mir saßen, hatte ich einen wunderbaren Blick und von hinten aus konnte ich sogar von ganz am Rand aus bestens alle Bereiche der Bühne sehen. Nur Details und die Gesichter der Darsteller (und damit leider auch die Mimik) konnte man von so weit weg nicht besonders gut erkennen, was ich aber nicht schlimm fand, da bei diesem Stück vor alle  die Choreografien im Vordergrund stehen.
Für ein Stück wie "Billy Elliot", das von den grandiosen Tanzsszenen lebt, ist die Sicht natürlich enorm wichtig, weshalb ich sehr glücklich darüber war, sogar mit Karten in der günstigsten Preiskategorie (unter 40€) so gut sehen zu können.
Wie die Sicht im flachen Parkett ist, kann ich nicht beurteilen, könnte mir aber vorstellen, dass sie dort eher durch die Menschen vor einem behindert sein könnte, wenn man selbst eher klein ist.

Schmunzeln musste ich, als während des Einlasses im Saal schon der Soundtrack des Films gespielt wurde (Zumindest habe ich "London Calling" erkannt.) - Ein netter Insider für alle, die den Film kennen. 
Auch die übliche Musicaltheater-Ansage (Handys ausschalten, nicht fotografieren, ...) war auf das Stück zugeschnitten, denn sie war von einem Billy aufs Band gesprochen worden, was sie ausgesprochen niedlich machte.


Da das Stück auf Englisch gespielt wurde und fast alle Rollen mit einem starken nordenglischen Dialekt sprechen, waren im Saal zwei große Bildschirme aufgestellt, auf denen die gesprochenen und gesungenen Texte auf Deutsch wiedergegeben wurden.
Obwohl ich mir einbilde, sehr gut Englisch zu sprechen, war ich dafür auch dankbar, denn der Dialekt der Darsteller war teilweise wirklich heftig, ganz zu schweigen von einigen dialektspezifischen Begriffen (vor allem Beleidigungen :D), die mir nicht vertraut waren.
Da ich immer gerne die Originaltexte eines Musicals lerne, fand ich es jedoch schade, dass die Untertitel nicht auch wenigstens auf einem Bildschirm auf Englisch angezeigt wurden, kann es jedoch nachvollziehen, da die Zielgruppe des Hamburger Gastspiels hauptsächlich Deutsche waren, die in der Regel Musicals in deutscher Sprache gewöhnt sind. 



Die Inszenierung | Die Aufführung


"Billy Elliot" hat mich vor allem durch die Emotionen begeistern können, die es bei mir ausgelöst hat. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal ein Stück gesehen zu haben, das mich so gleichermaßen zum Lachen gebracht wie mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Und das, obwohl ich den Film zwar schön, aber nie unglaublich umwerfend fand.

Einerseits ist das Stück einfach absolut witzig, was man auch durch die ständigen, begeisterten Lacher im Publikum gemerkt hat. Der raue Ton der teilweise schrägen, aber charmanten Figuren, ihre schamlose Ehrlichkeit, die ständigen Beleidigungen und Flüche (die auch oft an Kinder gerichtet sind) und die daraus resultierenden Dialoge sind wirklich große Klasse. Besonders die einerseits herzliche, andererseits auch etwas cholerische Mrs. Wilkinson und Billys Grandma haben es mir in dieser Hinsicht angetan und auch Billys Boxcoach sorgt in einer der Anfangszenen für einige Lacher.
Überhaupt haben viele der Figuren einfach Charme, allen voran Michael, Billys bester Freund, der selbst "anders" ist und im Stück fröhlich dazu aufruft, einfach zu tun, worauf man Lust hat, und sich weniger darum zu kümmern, was andere denken. Dieser kleine Entertainer war eines meiner Highlights im Musical und ich hätte mir mehr Szenen mit ihm gewünscht.
Kleiner Gedanke zum Schmunzeln nebenbei: Bei dem vulgären Ton, der in diese Stück teilweise herrschte ("fuck", "bastard", ...), habe ich mich gefragt, ob die Eltern der Kinderdarsteller*innen jetzt Zuhause wohl alle Hände voll damit zu tun haben werden, ihnen beizubringen, dass sie außerhalb des Stücks auf keinen Fall so reden dürfen :D.

Lustig fand ich auch, wie zum Teil mit dem Publikum gespielt wurde. Zum Beispiel wurde der zweite Akt eingeläutet, indem jemand im Wichtel-Kostüm (Die Szene spielt zu Weihnachten.) auf der Bühne stand und tat, als wollte er vom Publikum Geld für die Minenarbeiter sammeln. Er hatte sogar gelernt, seine Bitte auf Englisch zu formulieren ;). 
Nach Micheals "Expressing Yourself" forderte der Darsteller uns dann auch frech dazu auf, doch bitte ein bisschen lauter zu applaudieren, indem er sich die Hand hinters Ohr hielt, als würde er lauschen. Sehr charmant (und wie gesagt mein Highlight).


Andererseits gibt es in "Billy Elliot" auch viele sehr emotionale Momente, sodass mich das Stück mehrmals zu Tränen geührt hat.  
Da wären zum Beispiel die beiden "The Letter"-Songs, die einen Brief von Billys verstorbener Mutter an ihn und später seine Antwort enthalten. In diesen Liedern geht es darum, dass seine Mutter traurig ist, ihn nicht aufwachsen sehen zu können, und dass sie ihn bittet, sich immer treu zu bleiben. Da hatte ich beim Zuschauen schon einen Kloß im Hals, als der kleine Billy seine Mutter, die in diesen Szenen wie eine Vision oder ein Geist kurz auf der Bühne auftaucht, bittet, noch nicht zu gehen.
Doch auch die verzweifelte Situation der Bergarbeiter und ihre rührende Solidarität untereinanderhaben mich sehr berührt. Man lernt durch Billys Bruder Tony und seinen Vater, wie verzweifelt die Minenarbeiter sind und wie sehr sie auf ein positives Ergebnis des Streiks hoffen, und erlebt immer wieder die gewaltätigen Auseinandersetzungen der Männer mit den Polizisten mit. Trotzdem versuchen die Menschen, so gut es geht die Hoffnung zu bewahren, und lassen sich auch ein fröhliches Weihnachtsfest nicht nehmen ("Merry Christmas, Maggie Thatcher") und in einer Szene am Ende beweisen sie und auch Billys Familie auf liebevolle Weise ihren Zusammenhalt und ihre Selbstlosigkeit, wenn es gilt, einem von ihnen zu helfen.

Obwohl das Musical mit Billys Geschichte insgesamt eine positive Botschaft und Moral aufweist, kann man nicht behaupten, dass das Ende ein wirkliches Happy End hat. Ein wenig traurig lässt einen das Stück in der Abschlussszene (in der die Bergarbeiter nach verlorenem Streik wieder zurück in ihren Berg gehen, während Billy zur Ballettschule aufbricht) schon zurück, wenn einem klar wird, dass es nicht jeder der Figuren so gut geht wie Billy, dass nicht jedermenschs Träume verwirklicht werden können.
Das macht das Stück aber auch sehr realistisch und verhindert, dass es wie viele andere Musicals in Richtung Kitsch abdriftet.
Schade fand ich, dass es im Musical die letzte Szene aus dem Film, die Billy als Erwachsenen zeigt und in der sein Vater sich eine seiner Ballettaufführungen anguckt, nicht gibt. Eine ähnliche Szene zeigt aber bereits früher im Stück, wie Billy mit seinem älteren Ich tanzt.


Das Beeindruckendste an "Billy Elliot" sind aber sicher unbestritten die Tanzszenen - logisch, immerhin ist es ein Musical über das Tanzen.
Die Choereografien in diesem Stück haben es mir absolut angetan, da sie eine tolle Mischung aus Schauspiel und Tanz darstellen, beispielsweise die Kampfszenen zwischen den streikenden Arbeitern und den Polizisten, die das brutale Prügeln plötzlich auf faszinierende Weise ästhetisch machen (ohne, dass solche Momemte thematisch im Stück verharmlost würden). Sehr originell fand ich auch die Szenen, in denen Billys Balletstunde tänzerisch den Unruhen unter den Arbeitern entgegengesetzt wird, indem sich beide Parteien auf der Bühne befinden und mit- und umeinander herumtanzen, wobei sich abwechselt, auf welcher der Szenen der Fokus liegt. Daraus ergab sich ein sehr spannendes Bild, das wie auch die zuvor erwähnte Szene dem Stück eine tolle Ästhetik verleiht. 
Ästhetisch wirkten auf mich auch die Ballettszenen, da Ballett ohnehin ein sehr eleganter und schön anzusehender Tanz ist. Doch auch, wenn man kein allzu großer Fan davon ist (Reines Ballett sehe ich mir auch nie an), kann man guten Gewissens in "Billy Elliot" gehen, denn die Ballett-Elemente sind hier bis auf wenige Szenen auch mit anderen Tanzstilen verbunden (Nicht, dass ich mich damit auskennen würde) und nehmen nicht überhand, auch wenn sie eine wichtige Rolle im Buch spielen.
Außerdem bin ich bekennender Fan von Stepptanz und auch damit kann das Musical, neben dem obligatorischen Ballett, dienen. Ich finde es unglaublich faszinierend, wie schnell, rhythmisch und super koordiniert Stepptänzer*innen ihre Füße bewegen und wie sie sich diese Choreos merken können!

Dass viele der Tanzszene, insbesondere die komplexesten, von Kinderdarsteller*innen getanz werden, macht das Ganze natürlich noch um einiges beeindruckender. Schon Mrs. Wilkinsons Ballettmädchen bewunderte ich für ihr Können in so jungem Alter, doch Samuel Torpey (Michael) und vor allem Lewis Smallman (Billy) legten mit ihren Stepp- und in Billys Fall Ballettszenen noch einmal eine Schippe drauf. Als Billy in einer Szene an einem Drahtseil durch die Luft schwebt, hielt ich den Atem an, und der Szenenapplaus und die Standing Ovations in einer seiner längeren Tanzszene fand ich absolut berechtigt.



Bei der genialen Show, die "Billy Elliot" bietet, konnte ich es dem Musical auch schnell verzeihen, dass es mich dafür musikalisch nicht unbedingt umgehauen hat. Die Musik ist defintiv schön, sehr stimmungsvoll, wie oben bereits erwähnt teilweise auch sehr berührend und gerade die Ensemblenummern der Bergarbeiter gingen mir durchaus unter die Haut. Doch im Gegensatz zu anderen Stücken, blieben mir aus "Billy Elliot" nicht so viele Melodien und spezielle Lieder im Kopf und der Soundtrack wird nicht unbedingt einer meiner liebsten werden.
Nach meiner Theorie, nach der die meisten Musicals sich auf einen Punkt (Story/Figuren, Gesang/Lieder oder Tanz) am meisten konzentrieren, gehört "Billy Elliot" also eher in die Kategorie Tanz-Musical, was man sich aufgrund des Themas sicher bereits denken kann. Und als solches lohnt es sich auch absolut.
Gesanglich am besten gefallen hat mir übrigens Anna-Jane Casey als Mrs. Wilkonson. Ich mag Sängerinnne, die so etwas Raues, Schmutziges und nicht unbedingt eine klare "Mädchenstimme" haben und das hat Casey, passend zur Rolle, auf jeden Fall.


Optisch fand ich die Inszenierung ebenfalls gelungen. Mir relativ wenig Kulisse konnten die Schauplätze (Straße, Billys Zuhause, Gemeindesaal,...) trotzdem gut und abwechslungsreich dargestellt werden, da alle Kulissenteile beweglich waren und schnell auch während des Stücks verschoben werden konnten. Für größere Tanzszenen konnte die Kulisse so auch vollständig aus dem Weg geräumt werden.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung des Bergschachtes am Ende und den Einsatz der Vorhänge und einer bedruckten (Lein-)Wand (?) im Hintergrund, die wahlweise eine Backsteinmauer oder auch einen Theatersaal darstellen konnte und somit für die Bilder sorgte, die die Kulissenteile alleine nicht schaffen konnten.
Lediglich zwei Szenen waren mir persönlich zu überladen: die "Shine"-Nummer, in der Mrs. Wilkinson und ihre Ballettmädchen das erste Mal vorgestellt wurden, und die mir irgendwann zu pink, glitzerig und burlesqueartig wurde, und die "Epxress Yourself"-Szene mit Michael. Die übergroßen, tanzenden Kleider waren wirlich etwas viel.



Fazit

Wer für beeindruckende, ästhetische Choreografien, emotionale Momente (fröhlicher, sowie trauriger Art) und bewundernswerte Kinderdarsteller*innen etwas übrig hat, sollte sich "Billy Elliot" nicht entgehen lassen.
Leider weiß ich nicht, ob und wann das Stück wieder in Deutschland oder Großbritannien gespielt wird, da die UK Tour mit dem Gastspiel in Hamburg erstmal endet. Wer sich die Inszenierung aber dennoch einmal ansehen will, kann sich die 2014 abgefilmte Live-Version auf DVD holen. Ich werde das auf jeden Fall tun, da ich das Stück gerne noch öfter sehen möchte.



Habt ihr "Billy Elliot - The Musical" oder den Film schon gesehen? Wenn ja, wie fandet ihr es/beides? Würdet ihr auch das Musial gerne ansehen?

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese richtig schön ausführliche Rezension! Das Musical steht definitiv auch noch auf meiner Liste, sollte sich mal irgendwann so eine wunderbare Gelegenheit ergeben wie bei dir (die ich an deiner Stelle auch direkt am Schopf gepackt hätte - mit genau den selben Gedanken bezüglich des finanziellen Aufwandes).

    Bisher kenne ich nämlich nur den Film und der hat mich schon sehr überzeugt. Musicals sind ja immer noch eine Spur gewaltiger, und es wundert mich nicht, dass du so hin und weg davon bist. Ich stelle es mir auch total grandios vor.

    Von deiner Theorie, dass Musicals einen bestimmten Schwerpunkt haben, mit dem sie überzeugen, kannte ich noch gar nicht :D Ich werde das mal im Auge behalten; es kommt mir schon einigermaßen sinnig vor - schließlich kann eine wohl überlegte Schwerpunktsetzung durchaus die Qualität steigern. Aber wenn ich mich so an "König der Löwen" erinnere, würde ich sagen, da stimmt alles - vielleicht ist das aber auch die königliche Ausnahme :D

    Jedenfalls bin ich nach deiner Rezension noch entschlossener, mir dieses Musical irgendwann anzusehen :)

    Liebe Grüße
    Mel

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    1. Freut mich, dass sie dir gefallen hat :). Ich bin auch wirklich froh, dass ich es gemacht habe, da diese Gelegenheit sich offenbar nicht so schnell wieer ergibt. Wenn du den Film mochtest und etwas für Musicals übrig hast, würde ich es dir auf jeden Fall empfehlen, falls es mal wieder irgendwo in der Nähe gespielt wird.

      Ja, Musicals sind nochmal ein ganz anderes Erlebnis, dadurch dass alles live und man direkt dabei ist.

      Naja, ich habe die Theorie auch noch nicht so gut durchdacht und an allen Musicals, die ich bisher gesehen habe, getestet :D. Aber es ist zB so, dass ich in Billy Elliot die Musik nicht so eingängig fand wie in anderen Musicals, dafür wird in anderen Musicals längst nicht so viel und zu so ausgeklügelten Choreos getanzt wie bei Billy. Somit ist etwas, was im Gegensatz zu anderen Musicals fehlt, nicht unbedingt ein Schwachpunkt, weil das Musical dafür in anderen Punkte hervorsticht. "Elisabeth" zB legt viel Wert auf die Charakterentwicklung der Hauptfigur, "Cats" und "König der Löwen" beeindrucken durch die Kostüme, etc.
      Es gibt auch Musicals, bei denen ich alles super finde.

      Das freut mich :).

      Liebe Grüße

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  2. Dia dhuit, Charlie.
    Der reine Kartenpreis von erfolgreichen Musicals erinnert einen schnell an die von Touren angesagter Bands/Interpreten. Da bleibt die Kinokarte günstig (jetzt ohne 3D-Sinnfrei & Botox-Sessel, versteht sich!).

    Die lokale Boheme im industriellen Chic also; fehlte nur noch livriertes Personal. Aber wie war Madame selbst unterwegs - schlicht, elegant oder eine Ideal-Kombi aus beidem!?

    Anvermutlich wäre eine US-Version des Musicals um einige Minuten & Dialoge kürzer, ob der Verwendung derber Sprache. Gut, ein Billy Elliot für die Staaten würde eh, vom Kopf bis zu den tanzenden Füßen, amerikanisiert sein.

    Irish Dance ist von anmerkenswerter Ästhetik; d e r Irish Dance - nicht der durchexerzierte Step-Marathon, der für Welt-Tourneen so in den Bühnenboden gehämmert wird.

    Du weisst ja, mit Musicals aller Coleur kann man/frau mich gut auf Abstand halten, weswegen ich dem Film (kommt mir wie Gestern im Arthouse vor) stets den Vorzug geben kann.

    Ein Clip Irish Dance sei mir noch erlaubt...

    https://www.youtube.com/watch?v=bI48EdYdD34

    bonté

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    1. Das ist leider wahr, Musicals sind wirklich teuer. Wobei es in diesem Fall in der "schlechtesten" Platzkategorie Preise gab, die man bei Stage nirgends findet. Beim "König der Löwen" hätte ich zB sicher in der hintersten Ecke immer noch das Doppelte gezahlt. Was ansonsten auch empfehlenswert sein kann, sind Produktionen kleinerer Theater oder Opernhäuser. Auch nicht billig, aber billiger als die großen Stücke von Stage.
      Kino ist auf jeden Fall preiswerter, aber etwas live zu sehen ist ja auch nochmal ein ganz anderes Erlebnis.

      Wie das Personal aussah, weiß ich gerade gar nicht mehr. Die Preise für Getränke waren auf jeden Fall sehr "chic".
      Tatsächlich hatte ich genau zu der Frage der angemessenen Kleidung gestern eine hitzige Diskussion auf Facebook :D. Da ich direkt nach einer dreistündigen Fernbusfahrt zum Theater und anschließend wieder zurück zum Bus gelaufen bin, bin ich bin bequemen Alltagsklamotten gegangen, was ich bei der Location letztendlich auch nicht so unangebracht fand :D. Erst, als ich oder Leute im Abendkleid gesehen habe, habe ich überlegt, ob ich mich nicht doch hätte schick machen sollen. Aber wozu ein schickes Kleid im Fernbus zerknittern lassen? Die Menschen auf der Bühne sehen meine Klamotten sowieso nicht und den anderen im Saal kann es ja egal sein, was ich trage. So mein Gedanke.

      "Billy Elliot" ist in den Staaten auch gelaufen, recht erfolgreich sogar, meine ich. Ich weiß aber nicht, wieviel dort im Vergleich zum Original geändert wurde. Ich hatte da bis eben noch nicht drüber nachgedacht, aber du hast Recht: Eine Menge Dialoge müssten sie da sehr verändert oder gestrichen haben :D.

      Das finde ich natürlich schade, aber ich verstehe, dass Musicals Geschmackssache sind.

      Viele Grüße!

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    2. Hach, zu dem Song habe ich früher im Kinderchor auch immer getanzt. Natürlich nicht mit einer solchen Choreo :D. Ich finde das sehr beeindruckend anzusehen. Ich würde mir dabei wohl eher die Füße brechen :D. Besonders der Abschluss der Choreo ist wirklich charmant.

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  3. ...ist schon ne Menge toughe Anmut & Grazie mit im Spiel, wenn die Mädels loslegen; wobei mir der Charme des "Unperfekten" in besonderer Weise zusagt. Kein verbissener Perfektionismus nicht. Man/frau sieht das Mögen beim Tanz.
    Aus der selben Truppe, nur ein paar Jahre früher, eine andere Choreographie zu "Tell Me Ma"...

    https://www.youtube.com/watch?v=2eamI-I282w

    Ich sollte mir jetzt Van Morrison & The Chieftains auf den Plattenteller legen! :-)
    Tá sé sin go maith!

    bonté

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  4. Hey :)

    Was für ein toller Bericht, ich habe das Gefühl, mal wirklich gut und umfassend darüber informiert zu sein und obwohl mir Musicals wirklich nicht immer gefallen, macht deine Schilderung super neugierig. Ich habe den Film vor Jahren in der Schule gesehen und auch analysiert, von daher kenne ich die Handlung recht gut, fand den Film aber auch nie besonders herausragend. Dass das Stück so emotional und besonders sein soll, hätte ich gar nicht gedacht, aber ich glaube, ich schaue mal, wo und wann man wieder die Chance hat, es irgendwo nicht allzu weit weg anzusehen :)

    Liebe Grüße
    Fina

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    1. Hi Fina,

      danke für das liebe Kompliment :).
      Ich fand definitiv, dass das Stück noch mehr Emotionen rübergebracht hat als der Film. Könnte an der Musik liegen und natürlich nimmt sich das Stück für alles auch viel länger Zeit, da es mit 3h la deutlich länger sein dürfte als der Film. Wenn man sich für die Story oder die Figuren jetzt aber nicht so sehr begeistern konnte, ist es auch nicht unbedingt ein Must-See, denn Musical-Karten sind ja doch recht teuer.
      Freut mich auf jeden Fall, dass ich dich neugierig machen konnte :).

      Liebe Grüße

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  5. Hallo Charlie,

    der Film gehörte zu den Pflichtmaterialen im Englischunterricht in der Oberstufe bei mir - der nordenglische Dialekt hat uns schon da fasziniert und amüsiert. Leicht zu verstehen ist er definitiv nicht, auch wenn ich finde, dass er schon seinen Charme hat. ^^

    Die Story als Musical zu sehen, hätte bestimmt was, zumal ich selbst tanze und mich so auch die Grundthematik anspricht.
    Übrigens eine tolle, ausführliche und aspektreiche Rezension von dir! :)

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hi Dana,

      oh, das ist aber mit dem Akzent sicher hart für Schulunterricht. Ich weiß noch, dass wir mal Höraufgaben mit schottischem Akzent oder mit Indischem hatten und die fand ich superschwer zu verstehen. Aber es gibt ja Untertitel :D.
      Irgendwie fand ich den Dialekt, vor allem diese rotzige Art, auch sehr cool.

      Dann klingt das, als wäre es das perfekte Musical für dich ;). Darf ich fragen, was du tanzt? Auch Ballett?

      Liebe Grüße

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    2. Da wir den mit Untertiteln gesehen haben, ging das. :D Ehrlich gesagt finde ich persönlich allgemein amerikanischen Slang schwieriger zu verstehen als britisches Englisch. ^^

      Ja, auch Ballett. Zumindest versuche ich es. xD

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    3. Oh ja, American English kann auch schwer zu verstehen sein, vor allem wenn die Leute so nuscheln. Ich bin da allerdings abgehärtet, weil ich viele amerikanische Serien sehe, während ich nordenglischem Dialekt eher selten begegne. Die sprechen da ja zum Teil Sachen auch völlig anders aus als in anderen Teilen Englands, alles mit einem U drin zB. Und wenn dann noch spezifische Slang-Begriffe hinzukommen (die es allerdings auch im Amerikanischen gibt), wird es richtig lustig :D.

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    4. Ich fand im Film vor allem die Streitgespräche zwischen Billy und seinem Vater unglaublich witzig wegen des Dialektes. ;D Allein dieses o-betonte "No, I don't". ^^

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    5. Hahaha ja, das ist echt lustig, das ist im
      Musical auch so. Mein Favorit waren die ständigen Flüche, zB sagt Billy einmal, als er genervt ist "Oh fuck a duck, Miss" xD. Und das dann mit dieser seltsamen U-Betonung ^^.

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  6. Ich muss gestehen, dass ich von Billy Elliot weder den Film noch ein Musical (davon hab ich eh schon wirklich lange keins mehr gesehen!) kenne... schade über mein Haupt! Gerade der Film läuft ja auch echt oft im Fernsehen, den sollte ich mal nachholen!
    Schön, dass ihr offensichtlich einen tollen Abend damit hattet.
    Generell finde ich live Musik (oder so ein Spektakel wie ein Musical) immer toll und sehr beeindruckend.

    Übrigens ist mir noch ein Beispiel wegen Trump und nach Amerikareisen eingefallen. ;)
    Island, was ja momentan gefühlt ein Ziel für jeden ist, wäre auch so ein Land. Denn so schön Insel und Natur sind, und so viel Energie dort aus natürlichen Ressourcen gewonnen wird, hat die ganze Insel dennoch keine einzige Kläranlage und dementsprechend landet wirklich alles im Meer... Was angesichts des dort begonnen Massentourismus (der wegen der Natur kommt) nicht ohne ist! Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass das kaum einer der von dort Instagram-Fotos postet überhaupt weiß...
    Von dem her ist das mit den Reisen und der Politik in all diesen Ländern eh so eine Sache...

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    1. Ich habe den Film auch dieses Jahr zum ersten Mal gesehen und vorher immer nur davon gehört. Er hatte mich ehrlich gesagt auch nicht gereizt, da ich kein großer Ballett-Fan bin. Es ist also meiner Meinung nach keine Schande, ihn nicht gesehen zu haben ;).
      Aber wenn er mal im Fernsehen läuft, kannst du ja wirklich mal reinschauen. Vielleicht gefällt er dir ja :).
      Live-Musik ist wirklich klasse, ob jetzt bei Konzerten oder bei Musicals.

      Das wusste ich noch gar nicht, aber ist auf jeden Fall ein gutes Beispiel. Sowas unterstützt man dann ja theoretisch auch, wenn man dahinreist. Am Ende dürfte man im Grunde gar nichts mehr machen. Und die Politik dort ändern können in erster Linie nur die Menschen, die dort wählen gehen. Man könnte ja dort hinreisen, um sie drauf aufmerksam zu machen xD.

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  7. Charlie, endlich schreibe ich dir mal wieder einen Kommentar. Ich weiß, ich vernachlässige dich, das tut mir total Leid, dabei liest und schaust du doch immer so interessante Sachen!

    Ich wusste bisher gar nicht, dass es von "Billy Elliot" auch ein Musical gibt (auch wenn ich es mir hätte denken können, wovon denn nicht?). Ich hätte auch nicht unbedingt gedacht, dass das passt, weil es ja schließlich ums Tanzen geht, aber das Ganze scheint sich ja auch tatsächlich mehr darum zu drehen und den Gesang bzw. die Lieder ein wenig zu vernachlässigen. Da ich ja - wie du weißt - eh kein großer Fan von Musicals bin, weiß ich nicht, ob ich mir dafür dann eine Aufführung ansehen würde, auch wenn die Choreografien der Tänze großartig sind. Mir das Stück auf DVD anzusehen, kann ich mir aber ernsthaft vorstellen.

    Wir im Musical eigentlich auch gesteppt? Das war ja so etwas das Einzige, was mir im Film damals missfallen hat, weil ich es total fehl am Platz fand.

    Eine tolle Rezension, Charlie. Ich freue mich schon darauf, wenn du wieder ein Musical besuchst und davon berichtest :D

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    1. Das ist wirklich absolut kein Problem! Ich habe auch Phasen, in denen ich ganz viele Blogs schrecklich vernachlässige, aber so ist das halt. Man hat manchmal ja auch andere Dinge zu tun ;).
      Es freut mich jedenfalls, zu hören, dass du meinen Blog nicht vergisst und die Inhalte interessant findest :).

      An mir war das bis vor zwei Jahren auch völlig vorbeigegangen, aber mittlerweile ist ja wirklich fast alles auch ein Musical (Wusstest du zB, dass es auch ein Percy Jackson Musical gibt :D?), also wundert mich da fast gar nix mehr ^^.

      Es gibt tatsächlich sogar einige viele Musicals, die viel oder sogar mehr Fokus auf Tanzen haben. Footlose oder Dirty Dancing zB., die ja auch beide auf Tanz-Filmen basieren. Allerdings habe ich beide nicht gesehen und kann deshalb nicht beurteilen, wie sie musikalisch sind. (Dirty Dancing steht allerdings im Dezember an ;).)
      Billy Elliot enthält ja schon Lieder und einige schöne sind dabei, gerade die Mrs Wilkinson konnte auch wirklich gut singen. Aber mit einem Kind in der Hauptrolle ist der gesangliche Aspekt dann eben doch nicht so genial, wie er bei anderen Musicals ist, was auch kaum verwunderlich ist. Ein 12-jähriger hat einfach noch nicht die ausgebildete Stimme eines Erwachsenen. Aber durch die Ensemble-Nummern und vor allem die guten Choreos kann man die fehlenden beeindruckenden Soli dann verschmerzen.
      Solltest du die DVD sehen, wäre ich gespannt auf deine Meinung :).

      Ja, auch da wird gesteppt, was ich mir zwar nicht so ganz erklären konnte, da Billy ja eigentlich Ballett tanzt (oder steppt man im Ballett auch O.o?), aber da ich Stepptanz sehr cool anzusehen finde, hat es mich persönlich nicht gestört.

      Vielen Dank für das Kompliment! Das bedeutet mir vor allem viel, weil ich ja weiß, dass du kein großer Musicalfan bist :D. Dieses Jahr sind auf jeden Fall noch Rezensionen zum "Glöckner von Notre-Dame", "Rebecca" und "Dirty Dancing" geplant.

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Charlie