[Buchrezension] "Carry On" von Rainbow Rowell

Charlie | Dienstag, 12. September 2017 |
Unterhaltsam, spannend und liebenswert - Eine perfekte Mischung



© St. Martin's Press




Deutscher Titel: Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow
Autorin: Rainbow Rowell 
Verlag: St. Martin's Press
Genre: Jugendbuch, Romantasy, (Urban) Fantasy
Reihe: /
Erscheinungsdatum: Oktober 2015
Seitenzahl: 528 (Hardcover)
Verlagsseite










Inhalt

Simon Snow, Zaubereischüler in Watford, ist der Auserwählte - Der Zauberer, der die Welt der Magie vor der bösartigen Kreatur namens Humdrum retten soll, die Orte im ganzen Land ihrer Magie beraubt. Ungünstigerweise kann Simon kaum einen Zauber ausführen, ohne dass etwas explodiert, und wenn er wütend wird, zündet er oft aus versehen alles rund um sich herum an.
Da hilft es nicht gerade, dass Simon zusätzlich zum Humdrum in seinem letzten Schuljahr auch noch Probleme mit seiner Freundin Agatha bekommt, die in jemand anderen verliebt zu sein scheint, sein Mitbewohner und Erzfeind Baz einfach nicht auftaucht und sicher etwas ausheckt und schließlich auch noch der Schleier zwischen Leben und Tod immer dünner wird und eine Tote mit einer mysteriösen Botschaft zu ihm kommt.




Meinung

Wer Rainbow Rowells "Fangirl" gelesen hat, dem dürfte Simon Snow als Held der gleichnamigen Reihe der (fiktiven) Autorin Gemma T. Leslie bekannt sein, von der Cath (die Hauptfigur aus "Fangirl") sehr begeistert ist. Diese Reihe existiert zwar nicht wirklich, doch Fans sowie die Autorin selbst waren so angetan von den Ausschnitten aus der Simon-Snow-Reihe und Caths Fanfictions dazu, dass Rainbow Rowell Simon nun ein eigenes Buch gewidmet hat, das in Simons achtem Schuljahr, also theoretisch nach mindestens 6 Büchern, ansetzt.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst etwas skeptisch war. Simon Snow wies von dem, was ich in "Fangirl" gelesen hatte, einige Parallelen zu Harry Potter auf und klang wie ein billiger Abklatsch, den die Autorin nur erfunden hatte, da sie die echten Harry-Potter-Bücher nicht verwenden durfte.
Doch ich muss sagen, ich wurde mehr als positiv überrascht.

Ja, es gibt Parallelen zu Harry Potter: eine Zaubererschule, an der man mit 11 Jahren aufgenommen wird; ein Held, der üblicherweise mit seinen zwei besten Freund*innen unterwegs ist und auserwählt ist, Großes zu leisten; ein mächtiger, häufig mysteriös wirkender Schulleiter, der für den Helden als Mentor dient, ihm aber auch nicht alle seine Pläne mitteilt; ein Erzfeind, der zu den alteingesessenen Magierfamilien gehört und dem Helden das Leben schwermacht, etc.
Fairerweise muss man dazu aber zwei Dinge anmerken, bevor man das Buch - wie es offenbar einige Leser*innen getan haben - weglegt und in einer Rezension niedermacht:
1.) - Und das sage ich als großer Harry-Potter-Fan - hat J. K. Rowling auch selbst Elemente verwendet, die bereits woanders vorhanden waren. Das Konzept des Auserwählten ist beispielsweise nicht sehr neu, Antagonist*innen kannten auch die alten Griechen schon usw.
2.) bricht Rainbow Rowell besonders gegen Ende des Buches mit vielen Klischees, mit denen sie vorher gespielt hat. So bricht das Dreiergespann gleich zu Anfang des Buches mehr oder weniger auseinander und auch die Prophezeiung, die Simon zum Auserwählten macht, wird am Ende ganz anders ausgelegt, als man gedacht hätte. Da gibt es tatsächlich neben vorhersehbaren auch überraschende Wendungen, von denen ich ehrlich begeistert war.
Man sollte dieses Buch also besser nicht gleich als Plagiat abstempeln, bevor man es nicht zu Ende gelesen hat.

Allgemein wird man das Gefühl nicht los, dass Rainbow Rowell, die ja eigentlich eher für zeitgenössische Jugendromane bekannt ist, in "Carry On" Fantasyromane im Allgemeinen etwas auf die Schippe nimmt - nicht nur durch das gekonnte Brechen mit Klischees, sondern auch durch die magische Welt, die sie erschafft, in der z.B. nicht jede*r Zauberer*in mit einem Zauberstab, sondern beispielsweise auch mit einer Gürtelschnalle zaubern kann, und in der Filmtitel ("Some like it hot"), Lieder ("Bohemian Rhapsody") und Kinderlieder ("Twinkle, twinkle, little star") Zaubersprüche sind.
Allgemein ist "Carry On" ein sehr humorvolles Buch, auch durch die Dialoge der Charaktere.

Letztere sind ohnehin absolut liebenswert, allen voran Simon, der mehr als unperfekte Held der Geschichte, aber auch seine beste, extrem kluge und eigensinnige Freundin Penelope und sein Erzfeind und Mitbewohner, der Vampir Baz, der, wie man als Leser im Laufe der Geschichte erfährt, sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hat. Dass das Buch aus verschiedenen Perspektiven (Simon, Penelope, Baz, Agatha aber auch drei anderen, wichtigen, aber seltener vorkommenden Personen) geschrieben ist, macht es leichter, sich in alle Figuren hineinzuversetzen. Hier hat mich vor allem Agatha überrascht, die aus der Sicht anderer auf mich immer arrogant gewirkt hat, in der aber auch deutlich mehr steckt, als man erst denkt.

Ein Highlight - wenn auch, wenn man "Fangirl" gelesen hat, vorhersehbar und in ihren Grundlagen nicht ganz nachvollziehbar beschrieben - war für mich auch die Liebesgeschichte, denn die betreffenden Figuren waren einfach nur süß zusammen.

Doch wie bereits bemerkt wird das Buch zum Ende hin noch ziemlich überraschend und spannend und nicht mit allen Teilen der Auflösung hätte ich so gerechnet. Man kann sagen, dass Rainbow Rowell hier die perfekte Mischung aus (fast) Happy End, Überraschung und Realismus geschaffen hat.


Fazit

Ich bin absolut positiv überrascht und begeistert. Trotz einiger Parallelen zu einschlägigen Fantasy-Romanen kann "Carry On" auch durch Originalität und einem humorvollen Blick auf das Fantasy-Genre überzeugen. Die Figuren sind liebenswert und interessant, der Schreibstil humorvoll und gegen Ende wird es noch einmal richtig spannend. Lediglich die Liebesgeschichte erschien mir nicht ganz plausibel und ganz so viele Parallelen zu Harry Potter waren nicht nötig, auch wenn sie gekonnt auf die Schippe genommen werden.

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