Rezension: "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele" von Suzanne Collins

Charlie | Sonntag, 7. Oktober 2012 |

Packend, schonungslos, erschreckend brutal! - Aber definitv zurecht so erfolgreich

© Verlag Friedrich Oetinger
Originaltitel: The Hunger Games
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Reihe: Ja, Band eins der Reihe "Die Tribute von Panem" ("The Hunger Games")
Erscheinungsdatum: August 2009
Format: Gebunden mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 416
Leseprobe
Hörprobe







Inhalt:
In ferner Zukunft existiert Nordamerika nicht mehr. An seiner Stelle ist Panem enstanden, ein riesiges Land, aufgeteilt in 12 Distrikte und das Kapitol, die "Hauptstadt". Seit ein Aufstand der Bevölkerung vor Jahren blutig niedergeschlagen wurde, finden jedes Jahr die sogenannten Hungerspiele statt. Für dieses Großereignis, dass nicht nur zur Warnung für das Volk sondern auch zur Unterhaltung der Bewohner des Kapitols dient, treten 24 Tribute (jeweils zwei Jugendliche aus jedem Distrikt), gegeneinander an und bekämpfen sich bis zum Tod.

Als ihre kleine Schwester Prim ausgelost wird, meldet sich die 16-jährige Katniss Everdeen freiwillig und tritt gemeinsam mit Peeta aus ihrem Distrikt die Reise ins Kapitol an. Ihre Gegner sind stark und einige von ihnen würden vor nichts zurückschrecken, doch Katniss weiß: Es kann nur einen Überlebenden geben. Und dieser Überlebende will sie sein.




Meinung:

Seit der erste Teil der Hungergames-Trilogie vor ein paar Jahren erschienen ist, ist um diese Reihe ein regelrechter "Hype" (wie man so schön sagt) entstanden. Es gibt kaum einen Leser moderner Literatur, der diese Bücher noch nicht verschlungen hat, kaum einen Buchblogger, auf dessen Seite man keine Rezension dazu findet. Obwohl es sich bei "Die Tribute von Panem" um ein Jugendbuch handelt, haben auch etliche Erwachsene es gelesen. Nur ich natürlich nicht. Das könnte auch daran liegen, dass ich Büchern, die so viele Menschen begeistern, meistens skeptisch gegegenüberstehe. Aber nun habe ich mich endlich an diesen Roman gewagt und bin begeistert. Meiner Meinung nach wird "Die Tribute von Panem" völlig zurecht so "gehypet".

Der Einsteig in das Buch ist leicht und Katniss - die die Geschichte erzählt - hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Der Leser hat gerade einmal genug Zeit, sich an den Schauplatz und die grausamen Zustände, die in Distrikt 12 herrschen, zu gewöhnen, als es auch schon mit der Auswahl der Tribute für die Hungerspiele losgeht. Und von da an ist das Buch spannend, bis zur letzten Seite
Durch die actiongeladene Handlung und die vielen Szenen, in denen man vor Schreck den Atem anhält, ist "Die Tribute von Panem" ein Buch, dass man (fast) nicht aus der Hand legen kann.
Trotzdem gibt es auch einige Stellen mit interessanten Erklärungen und Rückblicken, bei denen man ein wenig entspannen kann.
Zumindest wäre das bei mir so gewesen, hätte ich nicht den Film zuerst gesehen und schon viele spannende Stellen gekannt.

Mit Panem hat Suzanne Collins eine ganz neue Zukunftsvision geschaffen, von der wir alle nur hoffen können, dass sie niemals eintritt. Eine unterdrückende Regierung, die die Bevölkerung quält, arme Menschen, die kaum etwas zu Essen haben und trotzdem bis zur Erschöpfung für das Kapitol arbeiten müssen, und nicht zuletzt Kinder die sich gegenseitig zur Belustigung einiger wohlhabender Bürger töten müssen. Nicht wenige Kritiker haben sich beschwert, dieses Buch verherrliche Gewalt, aber ich denke, sie sind nur nicht daran gewöhnt, dass endlich mal jemand ehrlich und direkt schreibt. Nicht, dass ich finde, in Jugendbüchern käme zu wenig Gewalt vor, aber sein wir doch mal ehrlich: Wenn man über einen Staat wie Panem schreibt, dann muss es dort auch Gewalt geben. Viele moderne Dystopien berichten über verbrecherische Regierungen, doch trotzdem endet dort oft alles Friede, Freude, Eierkuchen. Suzanne Collins schreibt wenigstens realistisch.
Zudem wird in dem Buch auch nicht behauptet, Gewalt sei etwas Gutes. Katniss hat sehr wohl ein Problem damit, Menschen zu töten, und mit etwas Nachdenken erkennt der Leser auch den gesellschaftskritischen Aspekt in "Die Tribute von Panem".

Die Protanistin Katniss Everdeen war mir zwar nicht unbedingt sympathisch, hat aber einen äußerst interessanten Charakter. Da ihr Vater vor einigen Jahren bei einem Unfall ums Leben kam und ihre Mutter daraufhin in schweren Depressionen versank, musste Katniss bereits früh erwachsen werden.
Zusammen mit ihrem besten Freund Gale geht sie regelmäßig auf die Jagd (was strengstens verboten ist) und ernährt so ihre Familie.
Jedoch lässt sie nach dem schmerzlichen Verlust ihres Vaters kaum noch Gefühe zu. - Einzig und allein für ihre kleine Schwester Prim würde sie alles tun.
Gerade diese Abneigung gegen Gefühle macht Katniss so interessant. Jeder, dem der Aufbau von Jugendbüchern in etwa bekannt ist, würde vermuten, dass Katniss sich im Laufe der Spiele in Peeta verliebt - die typische, scheinbar aussichtslose Liebesgeschichte. Doch Katniss spielt bei diesem Klischee nicht mit, was mich sehr beeindruckt hat.
Sie ist mutig, klug und selbstbewusst, aber sentimental und romantisch kann man sie wirklich nicht nennen.
Obwohl der romantisch veranlagte Leser immer wieder über Katniss' scheinbare Herzlosgkeit enttäsucht ist, kann man ihre Handlungen doch immer nachvollziehen.
Insgesamt kann ich der Autorin Suzanne Collins für so einen interessanten und gut ausgearbeiteten Charakter nur ein großes Lob aussprechen.

Zwar bekommt man in "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele" von den meisten Nebenfiguren nicht viel mit, doch auch bei ihnen scheint sich Mrs Collins etwas gedacht zu haben. Peeta, der Stylist Cinna, die brutalen Tribute Cato und Clove, aber auch Thresh und Rue - sie alle haben ihre eigene Geschichte, auch wenn man nicht viel über sie erfährt.

Das Ende ist meiner Meinung nach für das Ende eines ersten Bandes nahezu perfekt. Zwar bin ich kein Fan von den aktuell so häufigen Trilogien, deren einzelne Teile oft mit einem Cliffhanger enden, doch das Ende des ersten Hungergames-Bandes ist definitiv gelungen. Es ist nicht so, wie man es erwartet hätte (oder zumindest nicht so, wie man es sich gewünscht hätte), aber es ist gut durchdacht, realistisch und sorgt dafür, dass man den nächsten Teil einfach lesen muss.

Fazit:
 Mit "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele" hat Suzanne Collins ein Werk geschaffen, für das ich nicht anders kann, als sie zu bewundern. Spannend bis zur letzten Seite, brutal, scheinbar herzlos, aber eigentlich nur ehrlich, mit unglaublich interessanten Charakteren, einer tollen Protagonistin und genau der richtigen Portion Gesellschaftskritik, die ein Buch braucht, um einen nicht mehr loszulassen. Hut ab, Mrs Collins!
Anders gesagt: 5 Sterne! (Auch wenn ich mich damit der allgemeinen Meinung anschließe)

Kommentare:

  1. Tolle Rezension, ich werde heute auch mit diesem Buch anfangen :)

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    1. Danke ;)
      Dann Wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen!

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  2. Die Bewertung war zu erwarten^^
    Schöne Rezi jedenfalls, LG Anna

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    1. Oooch, eigentlich nicht! Ich hab nämlich auch kein Problem damit, ein Buch streng zu bewerten, selbst wenn alle anderen es toll finden. Aber Panem ist nun mal toll ;)
      Danke!

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  3. Sehr schöne Rezension, der ich mich nur anschließen kann ;) Besonders stimme ich deiner Aussage zu, dass "Panem" tatsächlich zu Recht gehypt wird - das ist ja ansonsten selten so.
    Ich bin gespannt auf deine Meinung zu den nächsten Bänden!

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    1. Ich bin bei so "gehypten" Büchern auch immer misstrauisch, aber hier hat es sich gelohnt, dass ich es trotzdem gelesen habe ;)

      Dankeschön!

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  4. Hey :)
    Sehr, sehr schöne Rezi!

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  5. Schöne Rezi :D
    Nach deinem Lesetagebuch habe ich aber auch keine schlechte Rezi zu dem Buch erwartet ;) Und das Buch wird wirklich zu Recht gehypt. Bei vielen Büchern muss man da eher skeptisch sein, ober das Buch hält was der Hype verspricht. Panem hat ihn aber definitiv verdient ;)
    lg Filo

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  6. Packend, schonungslos, erschreckend brutal! - Aber definitv zurecht so erfolgreich
    das ist doch mal voll süß :D
    Deine Rezi ist gut gelungen, wirklich ich hatte echt Spaß dran :D

    LG
    Ally

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    1. Dankeschön! Freut mich ;)

      Hihi, ich versuche halt immer, mir interessante Titel auszudenken :D

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  7. Tolle Rezension :)
    Die Gewalt die in Panem herrscht, spiegelt nur unsere Welt wieder. Da braucht man sich ja nicht viel ausdenken. Unterdrückung, Armut, Menschen die nichts zu Essen haben und Menschen die Spaß daran haben zu Morden, wo findet man das nicht ? Das Buch ist echt genial, trotzdem ist der Inhalt echt schockierend. Aber sie ist keine von denen, die die Augen vor der realen Welt verschließt. Zu den Kritiken denke ich einfach, dass das Buch vielleicht nicht dem Inhalt entspricht, von dem was 12 Jährige erwarten und dass der Inhalt für Kinder in dem Alter schon extrem ist.

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    1. Dankeschön :).
      Stimmt, im Grunde zeigt das Buch (wie viele Dystopien) bereits (wenn auch etwas krasser dargestellt) die Schwächen und Verfehlungen unserer Gesellschaft und ich finde, das ist eine tolle Möglichkeit, um "unterhaltsam" darauf aufmerksam zu machen. Verpackt in so einer Geschichte erreicht man vielleicht mehr Menschen, als wenn man Moralpredigten halten würde.
      Für Kinder würde ich das Buch, aber vor allem den Film, allerdings auch nicht empfehlen, weil die vermutlich nicht verstehen, dass das ganze eine Übertragung moderner Grausamkeiten auf eine Geschichte ist. Für jüngere ist die Vorstellung, dass Kinder und Jugendliche sich gegenseitig abschlachten, einfach zu verstörend.

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